"So kann es auf keinen Fall weitergehen"

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Die UPC-Arena und ihre Furchen im Rasen

Als abstiegsreif empfinden die Kicker der Bundesliga den Rasen in der UPC-Arena, zumindest wählten sie ihn zum schlechtesten in der höchsten Spielklasse. Kein Ruhmesblatt für Sturm beziehungswiese die Stadt Graz, in deren Besitz sich das Stadion befindet.

Kein Fehlurteil, wenn es nach Pliquett geht. Ganz unabhängig von seinem eigenen Missgeschick schüttelte der Deutsche den Kopf: „Ich muss ganz ehrlich sagen: Wenn man den Platz am 18. Dezember verlässt, ihn am 15. Februar wieder betritt und dieselben Furchen wie am 18. Dezember sieht, frage ich mich, was in der Zeit passiert ist. Das deutet für mich ein Stück weit darauf hin, wie viel hier getan wird, damit optimal Fußball gespielt werden kann. Ich glaube, da müssen sich viele Leute hinterfragen, ob man nicht mehr tun kann, um die Rahmenbedingungen erfolgreich zu gestalten.“


Peter Altmann

Positiv stimmte Milanic, dass sich seine Elf trotz des klaren Rückstands nicht hängen ließ und nach der Pause wenigstens die eine oder andere gelungene Szene ablieferte: „Das bedeutet, wenn ein Gegner kommt, der nicht so stark ist, müssen und können wir auch so kombinieren. Aber Salzburg hat wirklich Klasse gezeigt. Es war ein großer Unterschied.“

„Beim Ajax-Spiel sind wir alle Fans von Salzburg“

Ein Unterschied, den man fair anerkennen müsse: „Beim Ajax-Spiel sind wir jetzt alle Fans von Salzburg. Soll ich jetzt mit Philipp Hütter schimpfen? Als Sportler muss man das akzeptieren und sagen: ‚Ja, sie waren besser.‘ Sie waren nicht nur heute besser, sie sind besser. Da liegt wirklich viel zwischen uns.“

So deutlich wie der Klassenunterschied an diesem Nachmittag in Liebenau demonstriert wurde, hätte es auch nichts genützt, auf das Pech beim 0:1 hinzuweisen, als Anel Hadzic den Freistoß von Andre Ramalho unhaltbar abfälschte. Von Pliquetts Patzer ganz zu schweigen.

„Wenn eine Mannschaft so dominant und gut ist, erarbeitet sie sich auch das Glück“, erkannte der Sturm-Goalie an, „das kennt man von Mannschaften, die im Abstiegskampf sind. Die haben meistens nicht das Glück.“

Benedikt Pliquett ist keiner, der sich nach einem Negativerlebnis versteckt.

Auch nicht nach dem 1:4 gegen Red Bull Salzburg, in dem sein „Steirer-Tor“ zum 0:4 einer schwachen Leistung von Sturm Graz die Krone aufsetzte.

Bei einer harmlosen Kopfball-Rückgabe von Philipp Hütter versprang der Ball und kullerte ins Tor, nachdem der Deutsche schlimm danebengriff. In der Folge wurde der Deutsche von einem Teil des Sturm-Publikums verhöhnt, wenn er das Spielgerät erfolgreich sicherte.

Nach Schlusspfiff fand er dafür deutliche Worte: „Wenn die Leute Spaß haben bei solchen Sachen, freut mich das ungemein. Sie wissen ja, wo ich trainiere. Sie können gerne kommen und mir noch einmal ins Gesicht lachen. Wenn sie sich bei einem Bierchen 28 Mal auf den Oberschenkel klopfen können, freut mich das für sie, denn letztendlich sind das hier ja Brot und Spiele. Persönlich traut sich eh keiner von denen, mir das ins Gesicht zu sagen. Von dem her: Bitteschön.“

„Ich gehe daran bestimmt nicht kaputt“

„Ich habe eine komplett andere Auffassung von Fußball – ob das jetzt durch meine Erfahrung bei St. Pauli oder auch meine Ideologie, die ich jahrelang als Fan mit ins Stadion gebracht habe, ist. Ich denke, so etwas hilft keinem“, spricht sich der 29-Jährige gegen das Verhöhnen eigener Spieler aus.

Im weiteren Lauf des Abends legte Pliquett auf seiner Facebook-Seite gegen die „ahnungslosen Damen und Herren, die sich am Pech des eigenen Spielers ergötzen“ nach, zollte jedoch gleichzeitig dem harten Kerns der Sturm-Fans Respekt: „Bei so einem Spielstand so zu supporten und seine Liebe zum Verein zu äußern, ist einfach großartig.“

Der frühere St. Pauli-Keeper, der im Laufe der Saison Christian Gratzei als Nummer eins im Sturm-Tor abgelöst hat, versicherte, gestärkt aus diesem Fehler hervorzugehen: „Ich bin froh, dass es beim Stand von 0:3 passiert ist, dann interessiert es im Endeffekt keinen, kostet der Mannschaft keine Punkte. Die Leute können sich totlachen, aber ich mache trotzdem ein solides Spiel zu Ende. Daraus geht man nur gestärkt hervor, also ich zumindest. Ich hätte danach ja auch noch vier Mal am Ball vorbeitreten und mir noch selbst einen reinwerfen können. Aber ich weiß, dass der Ball versprungen ist und damit kann ich leben. Ich gehe daran bestimmt nicht kaputt.“

Dass der Lapsus nicht spielentscheidend war, lag an der klaren Unterlegenheit der Grazer in der ersten Halbzeit. Während man den dominanten Auftritt auf Seiten der Salzburger auf die eigene Stärke zurückführte, ging man bei Sturm hart mit der eigenen Leistung ins Gericht.

„Unterirdisch! Ganz, ganz schlecht!“

„Das Ergebnis sagt so ziemlich alles aus. Erste Halbzeit unterirdisch. Ganz, ganz schlecht“, ärgerte sich Michael Madl, „wenn du gegen Salzburg so anfängst, darfst du dich nicht wundern, wenn du 0:3 hinten bist.“

Damit setzte es für die „Blackies“ nach dem 1:1 in der Südstadt, wo man mit dem Ergebnis leben konnte, jedoch von der eigenen Leistung maßlos enttäuscht war, im zweiten Frühjahrs-Spiel den zweiten Tiefschlag. Entsprechend am Tiefpunkt ist die Stimmung – wieder einmal – angelangt.

Sturm Salzburg
Torschüsse Vujadinovic, Kainz je 2 Ramalho, Mane, Kampl je 3
Torschuss-Vorlagen Kainz 3 Zulj 5
Ballkontakte Kainz 57 Kampl 78
Zweikampfquote Vujadinovic 73,7% (14/5) Hinteregger 64,3% (9/5)
Passquote Madl 87,5% (14/2) Mane 85,7% (30/5)

„Das dürfen und können wir so nicht mehr hinnehmen. Es muss etwas passieren! Was, werden wir intern besprechen. Aber so kann es auf keinen Fall weitergehen“, versucht Madl die verunsicherte Elf wachzurütteln, „vielleicht hatten wir die Admira noch nicht ganz aus dem Kopf, waren ängstlich – ich verstehe es nicht, ich kann es mir selbst nicht erklären, muss ich ganz ehrlich sagen. Wir hatten nichts zu verlieren und doch haben wir im Endeffekt wieder etwas verloren.“

Laut Meinung des Innenverteidigers sei man nun wieder da angelangt, wo man bereits im Herbst war: Bereits im dritten Frühjahrs-Spiel stünde man schwer unter Druck und müsse in Ried gewinnen.

Milanic macht „kein Theater“

Trainer Darko Milanic wiederum, der nach dem Remis bei der Admira angeschlagen wirkte und gar nicht erst versuchte, seine Enttäuschung zu verbergen, reagierte diesmal entspannter.

„Ich mache wegen dieser Niederlage wirklich kein Theater. Das wäre nicht intelligent von uns, nachdem wir gegen Salzburg 1:4 verlieren. Wir machen eh genug Theater, wenn wir gegen andere Mannschaften keine drei Punkte holen“, erklärte der Slowene.

Der 46-Jährige analysierte vielmehr die Vorzüge des Kontrahenten: „Gerade in der ersten Halbzeit war der Unterschied wirklich groß – von Anfang an. Sie kombinieren so gut, besonders im Zwischenraum zwischen Viererkette und Mittelfeld. Das war wirklich extrem schwer.“

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