Aus, Schluss, vorbei?

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Bjelica selbst gab sich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sarkastisch: „Wir analysieren gerne. Und wir wollen uns wohlfühlen – das ist wichtig. Es ist nicht wichtig, dass wir Spiele gewinnen, aber ich will Spiele gewinnen. Ich fühle mich lange nicht mehr wohl, wenn meine Mannschaft so spielt.“

Atmosphärische Störungen

Kritik übte er nicht an seinen Schützlingen. Weil: „Sie wollen keine öffentliche Kritik. Also kriegen sie sie intern.“ Unmittelbar nach dem Schlusspfiff versammelte der Kroate seinen Kader in der Kabine und ließ ordentlich Dampf ab.

Dass es immer wieder zu Konflikten zwischen Bjelica und Mannschaft gekommen ist, ist Fakt. Nur selten wurden die Zwiste aber öffentlich wie im Falle von Rubin Okotie.

„Man versucht immer schön zu reden, dann wird man lauter und lauter und wenn einer dann immer noch nicht reagiert, braucht es sozusagen einen Elektroschock“, hatte der Coach in der Vorbereitung in einem LAOLA1-Interview erläutert. Dass so mancher FAK-Profi mit der direkten Art des Trainers nicht gut zurecht kommt, wird immer augenscheinlicher.

Komplett neue Innenverteidigung

Nahezu zurückhaltend klang da folgender Satz, den Bjelica nach dem 1:1 gegen Wiener Neustadt von sich gab: „Wer das Maximum nicht gebracht hat, wird beim nächsten Mal nicht dabei sein.“ Diesmal verzichtete er übrigens auf seine Stamm-Innenverteidigung bestehend aus Manuel Ortlechner und Kaja Rogulj. Letzterer stand offiziell wegen Rückenbeschwerden nicht im Kader.

„Heute haben eben zwei andere gespielt. Lukas Rotpuller hat eine sehr gute Leistung geboten, Christian Ramsebner hatte ein, zwei Unsicherheiten. Sie sind aber nicht schuld, sie haben ihr Bestes probiert und haben mich nicht enttäuscht“, meinte der FAK-Coach nach dem Spiel. Den Verzicht auf Ortlechner begründete er zudem mit schwachen Leistungen in der Vorbereitung. Ramsebner muss im Spiel gegen den WAC übrigens eine Gelb-Sperre absitzen, also wird Ortlechner wohl in die Startelf zurückkehren.

„Sehr nachdenklich“

Ob all das noch Bjelicas Problem ist, scheint allerdings mehr als ungewiss. Schon unmittelbar nach dem Beginn der Winterpause wackelte der Stuhl des Kroaten gewaltig, seine wenigen Fürsprecher konnten sich aber gerade noch durchsetzen.

„Wir haben am Samstag ein schweres Spiel gegen den WAC. Wir haben heute im Kampf um einen Europacupplatz wieder zwei Punkte verschenkt. Das gesamte Auftreten macht mich sehr nachdenklich“, so Kraetschmer.

Rückendeckung klingt anders.

Harald Prantl/Martin Wechtl

Rückendeckung sieht anders aus.

Nach dem enttäuschenden 1:1 im Heimspiel gegen den SC Wiener Neustadt steht Austrias Trainer Nenad Bjelica das Wasser bis zum Hals. Eine Entlassung noch am Wochenende ist nicht ausgeschlossen.

Nach etwas mehr als einer Stunde waren erstmals ob der schwachen Leistung lautstark Pfiffe zu vernehmen.

Fans haben „die Schnauze voll“

Ungefähr zum selben Zeitpunkt erhob sich Austrias Jahrhunderttor-Schütze und Legendenklub-Präsident Felix Gasselich von seinem Sitz und kritisierte unüberhörbar die Auswechslung von James Holland. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Veilchen wohlgemerkt noch in Führung.

Nach dem Ausgleich durch Stefan Rakowitz in der Nachspielzeit kippte die Stimmung endgültig. Die Fans stimmten „Bjelica raus!“ und „Wir haben die Schnauze voll!“ an – keine Minderheit, sondern ein Großteil der 7.433 Zuseher.

„Wir sind alle sehr, sehr enttäuscht. Im Moment sind alle extrem down. Das ist einer Austria nicht würdig. Wenn du als regierender Meister daheim gegen Wiener Neustadt 1:1 spielst, ist das einfach zu wenig“, gab sich AG-Vorstand Markus Kraetschmer nach dem Spielende entsprechend schlecht gelaunt.

Trennung wird nicht ausgeschlossen

In erster Linie stellt sich eine Frage: Bleibt Bjelica weiterhin Trainer der Austria? Kraetschmers Antwort gegenüber LAOLA1: „Es ist überhaupt keine Frage, dass das zu wenig ist. Der Trainer ist einer der Hauptverantwortlichen für diese Mannschaft.

Es ist auch ein Faktum, dass wir jetzt nicht unmittelbar am Transfermarkt reagieren können. Wir müssen also zumindest bis zur Sommerpause mit diesem Kader arbeiten. Also wird man analysieren müssen, welche Schritte die richtigen sind.“

„Wir werden das sicher mit ihm zu besprechen haben. Wie sieht er die Situation? Warum sind wir gegen Wiener Neustadt in der zweiten Hälfte nicht in der Lage, einen Konter zu fahren? Warum lassen wir uns einlullen?“

Zwei Nachsätze: „Es werden noch heute die Köpfe des Vorstands rauchen, es wird eine kurze Nacht. Wenn es etwas mitzuteilen gibt, werden wir das tun.“ Sport-Vorstand Thomas Parits war zu keiner Stellungnahme bereit, hielt sich ungewohnt im Hintergrund.

Spieler müssen schweigen

Rückendeckung von den Spielern gab es auch keine. Aber auch keine Kritik. Der Grund: Bjelica hatte seinen Kickern verboten, nach dem Spiel mit der Presse zu sprechen. So mancher seiner Schützlinge reagierte hinter vorgehaltener Hand mit Unverständnis darauf.

Ob sie ihren Trainer überhaupt in Schutz genommen hätten, wenn sie etwas sagen hätten dürfen, erscheint als überaus fraglich. Vielmehr dürfte das Verhältnis zwischen Coach und Mannschaft nahe dem Gefrierpunkt sein.

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