Zwierschitz: "Haben gewusst, dass wir es können"

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Barisic vor Umstellungen gegen Grödig

Ist diese breite Brust bei Rapid nach dem Derby-Sieg nun wieder geschrumpft? Mitnichten, findet der Trainer "Es klingt komisch, aber jeder einzelne Spieler kann sich in den Spiegel schauen und wir können erhobenen Hauptes aus der Südstadt heimfahren, obwohl wir verloren haben und es enttäuschend ist."

Den Vorwurf, mit Terrence Boyd einen frischen Stürmer, der dann noch dazu auch prompt getroffen hat, zu spät eingewechselt zu haben, lässt sich Barisic nicht gefallen. "Ich habe gewusst, dass er gut in Form ist, aber das haben andere auch bewiesen."

Gegen Grödig wird es allerdings Umstellungen geben, nicht nur weil Boskovic und Steffen Hofmann wegen Sperren fehlen werden.

"Die Karten werden neu gemischt", so Barisic.

 

Andreas Terler

Eigentlich war die Admira in dieser Saison nicht für Joker-Tore bekannt.

Vier Mal erst durfte ein eingewechselter Spieler bei den Südstädtern in dieser Spielzeit  jubelnd abdrehen. Bis zu diesem Sonntag. Dank der Treffer von Benjamin Sulimani wurde diese Statistik beim 2:1-Erfolg gegen Rapid Wien gleich doppelt aufgebessert.

In einem Spiel, in dem eigentlich keine schlechtere Mannschaft auszumachen war, der Heimkehrer als Offensiv-Alternative aber letztlich den Unterschied ausmachte.

Dementsprechend unaufgeregt und – nach einer Niederlage – vergleichsweise wenig enttäuscht wirkte Rapid-Coach Zoran Barisic.

Petsos: „Daraus müssen wir Kapital schlagen“

"Ich habe ein gutes Spiel gesehen, eine gute Rapid-Mannschaft", hält der 43-Jährige fest. "Das einzige, das ich ihr vorwerfen muss, ist dass sie mit ihren Chancen sehr fahrlässig umgegangen ist."

Während aufseiten der Admira an diesem Nachmittag mit Sulimani jemand vor dem Tor alles richtig machte, fehlte den Hütteldorfern in mehreren Situationen die entscheidende Präzision.

Schon nach vier Minuten ließ Guido Burgstaller entscheidendes Gefühl im Konter vermissen, als im Zentrum Marcel Sabitzer einschussbereit zur Stelle stand. Der Kärntner war es auch, der in Minute 41 zunächst Richard Windbichler gut stehen ließ, dann den Ball aber auf die Tribüne jagte.

"Aus diesen Chancen müssen wir Kapital schlagen, dann wird es auch schwerer für den Gegner", ist sich Thanos Petsos nach dem Schlusspfiff sicher.

Der Mittelfeldspieler kann sich ansonsten, wie sein Trainer, wenig vorwerfen. Auf den kompakten, tief stehenden Gegner wäre man gut eingestellt gewesen. "Wir mussten die Zweikämpfe annehmen und haben das eigentlich auch ganz gut gemacht. Auch nach der Pause haben wir das Tempo hoch gehalten, es war eigentlich ausgeglichen", meinte der Deutsch-Grieche.

Schwab beim Elfer „zu fixiert“

Erst in Minute 68 kündigte sich eine Wende an. Nach einem mangelhaftem Zweikampfverhalten von Christopher Dibon, der nach seiner Gelb-Sperre wieder in die Startelf zurückkehrte, zog Branko Boskovic gegen den durchbrechenden Stefan Schwab die Notbremse.

Der Gefoulte war beim darauf folgenden Elfmeter aber seiner Sache zu sicher, wie er selbst zugab. "Ab und zu habe ich den Tormann schon ausgeguckt, diesmal war ich auf die Ecke fixiert. Er war auch relativ scharf geschossen, aber leider halbhoch. Er (Jan Novota, Anm.) ist relativ früh dort hin gegangen. Wenn ich vorher aufschaue, dann spiele ich den Ball in die andere Ecke, aber letztlich kann ich drüber lachen, weil wir trotzdem gewonnen haben."

Durch den Ausschluss von Boskovic konnten sich die bis dahin defensiv stehenden Niederösterreicher mehr zutrauen, doch ausgerechnet kurz vor dem Führungstreffer hatte Rapid durch Dibon eine blendende Einschussgelegenheit.

Und es hätte im Hinblick auf den bisherigen Saisonverlauf durchaus ins Bild gepasst, wenn der Innenverteidiger diese genützt hätte. Es wäre der 21. Treffer der Hütteldorfer aus einer Standardsituation gewesen, gleichzeitig der 21. Gegentreffer für die Admira durch einen ruhenden Ball. Beide Werte sind in der Bundesliga von anderen Klubs unerreicht.

"Der Suli ist ein kompletter Stürmer"

Doch wieder fehlte die Präzision. Im Gegenzug schlug es im Kasten der Hütteldorfer ein.

"Genau solche Tore sind seine Stärke. Er hat gegen Sturm schon einen am Schläger gehabt und hätte das Siegtor machen können, ist da aber ausgerutscht. Heute hat er das super gemacht. Gerade das erste Tor, denn der war nicht einfach zu nehmen", lobte Assistgeber Schwab den Rückkehrer.

Dieser stellte sich ganz in den Dienst der Mannschaft. "Ich bin zurückgekommen und habe gewusst, dass es nicht leicht wird bei dieser Konkurrenz. Jeder will natürlich von Beginn an spielen, aber wenn ich in 20 Minuten meine Tore schieße ist es auch okay."

Als die Grün-Weißen dann riskierten und in der Defensive Räume öffneten, blieb Sulimani auch alleinstehend vor dem Tor cool und entschied die Partie. "Der Suli ist ein kompletter Stürmer", fasste es Admira-Coach Walter Knaller zusammen.

Eine bessere Alternative in der Offensive hätte auch er sich nicht wünschen können. "Man kann sich nicht auf einen verlassen. Wir haben ihm auch gesagt, dass er auf allen vier offensiven Positionen bei uns in Frage kommt. Dass das so aufgeht ist ein Traum für ihn und für uns", strahlte der 56-Jährige, der den Sieg selbst kaum fassen konnte.

Denn auch Knaller konnte die Einschussgelegenheiten für Rapid nicht leugnen. "In der ersten Halbzeit ist es uns nicht gelungen dort zu sein, wo Rapid stark ist, nämlich im Zentrum mit vielen kreativen Spielern. Unser Krisenmanagement in der Pause hat dann gepasst, wir haben etwas umgestellt und waren dadurch dichter im Mittelfeld, haben mehr Bälle erobert und sind mehr Konter gefahren", erklärte Knaller.

"Werden gegen Salzburg voll angreifen"

Das Zusammenspiel scheint derzeit bei der Admira bestens zu funktionieren. Zunächst in der Kabine zwischen den Trainern Knaller, Lederer und Horvath mit der Mannschaft in der Folge dann auf dem Platz. Besonders im Abwehrverhalten geht die Taktik derzeit auf.

"Wir arbeiten sehr viel an der Defensive und haben super Pläne, die wir gut umsetzen", meinte Rechtsverteidiger Stephan Zwierschitz, für den der Sieg weniger überraschend kommt, als viele vielleicht gedacht haben. "Man darf nicht erwarten, dass man gegen Rapid gewinnt, aber wir haben gewusst, dass wir es können."

Überhaupt traten die Südstädter zum wiederholten Male ganz und gar nicht wie ein Abstiegskandidat auf. "Das tut die Admira, seit sie wieder in der Bundesliga ist. Und das, obwohl wir trotzdem hinten drin stehen", sieht Schwab darin keine Besonderheit.

Der Spielmacher sieht nur ein eklatantes Problem. "Dass wir auswärts zu wenig Punkte geholt haben." Vielleicht ändert sich das gerade am nächsten Sonntag in Salzburg. Wieder so eine Partie, in dem der Admira eigentlich nicht viel zuzutrauen ist.

"Es ist wahrscheinlich das schwierigste Spiel der Saison, aber sie haben keine einfache Woche mit dem Ajax-Spiel. Wir werden dort voll angreifen, entweder es geht in die Hose oder wir nehmen was mit", kündigt der 23-Jährige mit breiter Brust an.

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