Kein Platz für Egomanen

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"Dann kann man uns nichts vorwerfen"

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Wien - „Ich weiß nicht, warum sich alle beklagen. Wir haben früher bei 57 Grad am Betonplatz gekickt. Da gab es auch noch keine Klimaanlage im Auto.“

Die brütende Hitze mit 44 Grad beim Anstoß im Mittelkreis hätte Rapid-Trainer Zoran Barisic nicht als Ausrede gelten lassen. Brauchte er auch nicht, denn seine Mannschaft spielte beim 4:0-Heimerfolg gegen Wiener Neustadt erfrischenden Fußball.

Sonne, wohin das Auge reichte, dazu 11.500 Fans, die erstmals wieder das Hanappi-Stadion mit Support erfüllten, ließen in Hütteldorf nach den Negativschlagzeilen vergangener Tage für 90 Minuten alles wieder etwas positiver aussehen.

Das gab auch Kapitän Steffen Hofmann zu, der aber wie seine Kollegen aufgrund des frühen Platzverweises von Dennis Mimm auf dem Boden blieb.

Eine Rote Karte ohne Diskussionen

Die vorentscheidende Aktion trug sich in der 16. Minute zu, als der Tiroler im Eifer des Gefechts Gegenspieler Terrence Boyd mit einem Kung-Fu-Tritt niederstreckte.

„Ich glaube, er hat ihn zuerst gar nicht gesehen. Dann ist ihm der Ball in die falsche Richtung weggesprungen und er wollte ihn sich unbedingt zurückholen“, verteidigte Trainer Heimo Pfeifenberger seinen Verteidiger.

An der Roten Karte gab es jedoch nichts zu rütteln, traf Mimm den US-Boy doch mitten in der Magengegend. Sogar der Wiener Neustädter selbst erwies sich als fairer Sportsmann und entschuldigte sich trotz Ausschluss postwendend für seine Tat.

„Die Rote Karte hat uns auch ein bisschen in die Karten gespielt. Wiener Neustadt war heute chancenlos“, fasste Guido Burgstaller zusammen.

„Hätten Spiel auch so durchgezogen“

Dem Doppeltorschützen und Assistgeber zum 4:0-Endstand konnte es nur recht sein. Obwohl in Überzahl hatte Rapid scheinbar aus den Fehlern beim 2:2 in Wolfsberg gelernt.

„Wir haben wieder verdient 2:0 geführt, hätten sogar wieder höher führen können. Im Gegensatz zum WAC-Spiel haben wir nicht aufgehört, uns nicht reindrücken lassen.“

Das sah auch Salzburg-Leihgabe Christopher Dibon gegenüber LAOLA1 so. Der Innenverteidiger wies wie schon gegen den WAC den besten Zweikampfwert (100 Prozent) auf.

„Wir hätten das Spiel auch durchziehen wollen, wenn gleich viele Männer am Platz gestanden wären. Das ist natürlich positiv, das haben wir beim WAC verpasst.“

„Wonns laft, donn lafts“ für Burgstaller

Während vorwiegend Boyd in der Anfangsphase Hochkaräter nicht im Tor unterbringen konnte, war es Burgstaller vorbehalten, Rapid mit seinem zweiten und dritten Saisontreffer auf den richtigen Weg zu führen.

Einmal mehr bewahrheitete sich der Spruch „Wonns laft, donn lafts“ des viel zu früh verstorbenen Ex-Ski-Rennläufers Rudi Nierlich.

„Das kann schon sein. Ich habe mich in der Vorbereitung schon sehr wohl gefühlt und wollte das unbedingt in die Meisterschaft mitnehmen. Das ist mir zum Glück gelungen“, freute sich der Offensivspieler über seine Torausbeute.

Ob er als Mittelstürmer ungeeignet bzw. von der Seite effektiver ist, überlässt er auch in Zukunft den Experten. Für den Kärntner macht es keinen großen Unterschied.

„Es ist mir komplett egal. Ich spiele, wo mich der Trainer aufstellt. Wenn das nächste Woche rechter Verteidiger ist, bin ich rechter Verteidiger. Ich gebe überall mein Bestes, es ist eine Stärke von mir, dass ich mehrere Positionen spielen kann.“

Keine Egomanen unter Barisic

Ähnlich wie Burgstaller durfte schlussendlich auch Boyd jubeln, der nach Anlaufschwierigkeiten doch noch zwei Mal ins Schwarze traf.

„Ich bin ein Typ, der immer sagt, dass es Schicksal ist, dann soll es nicht sein“, ließ der US-Teamspieler seine vergebenen Chancen Revue passieren. „Man kann die Zeit nicht zurückdrehen, von daher muss man positiv denken.“

Das gelang dem Stürmer, der mit Fortlauf der Vorsaison immer öfter zwischen Platz und Bank pendelte, sich jedoch mit Leistung und Toren zurückmelden will.

„Wir haben einen guten großen Kader. Jeder hat es verdient zu spielen“, bleibt Boyd im Kampf um einen Startplatz aber fair und unterstreicht damit Barisic‘ Philosophie.

„Jeder ist ersetzbar, aber wir brauchen alle. Das geht nur im Kollektiv, wenn einer dem anderen den Erfolg gönnt - nicht mit Egomanen oder einzelnen Individuen. Das wird es bei mir nicht geben“, so der Chefbetreuer.

„Dann kann man uns nichts vorwerfen“

Diese Denkweise unterstrich er mit seiner Aufstellung, in der er gleich drei Änderungen gegenüber dem WAC-Spiel vornahm.

Mit Lukas Denner stand anstelle von Thomas Schrammel ein 22-Jähriger bei seinem zweiten Bundesliga-Einsatz zum ersten Mal in der Startelf. Boyd stürmte zum Leidwesen von Marcel Sabitzer, Neuzugang Thanos Petsos feierte sein Debüt auf der Position von Branko Boskovic.

Der Montenegriner durfte aber bereits nach 13 Minuten mitwirken, da sich Wydra verletzte. Der Verdacht auf Innenbandriss bestätigte sich, eine längere Pause ist unumgänglich.

Barisic‘ Fazit: „In den bisherigen Spielen war nicht alles schlecht, heute war nicht alles gut.“ Einige Momente und Phasen haben dem Trainer aber bereits „sehr gut gefallen.“

Mit den Fans im Rücken durfte Rapid schlussendlich verdientermaßen den ersten Dreier bejubeln. Ein Fakt, der von Boyd, stellvertretend für die Mannschaft, nicht unterschätzt werden darf.

„Großes Lob an die Fans, die uns schon davor volle Unterstützung zugesagt haben. Wir haben uns die Prämisse gestellt, dass wir uns die Lunge aus dem Leib rennen und alles geben. Dann kann man uns nichts vorwerfen.“


Alexander Karper

Rapid Wiener Neustadt
Torschüsse Burgstaller 6 Rakowitz 2
Torschuss-Vorlagen Hofmann 8 Pichlmann 2
Ballkontakte Boskovic 136 Hlinka 54
Zweikampfquote Boskovic 100 % (8/0) Freitag 81,3 % (9/2)
Passquote Dibon (58/0), Boyd (13/0) je 100 % Pichlmann 100 % (5/0)
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