Grödiger learning by doing

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Der Grödiger Abend der Premieren

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Zugegeben, an den Blick von der Haupttribüne auf das gegenüberliegende Kukuruz-Feld kann man sich nur schwer gewöhnen.

Dennoch kommt man nicht umhin, zu attestieren, dass der SV Grödig in den vergangenen sieben Wochen im Rahmen der bescheidenen infrastrukturellen Möglichkeiten einige kosmetische Korrekturen an der Arena im Schatten des Untersbergs vorgenommen hat.

Ein stattliches VIP-Zelt, Zusatztribünen, eine neu gestaltete Anfahrt, selbst der temporäre Kreisverkehr funktionierte – letztlich wollten sich 2.950 Schaulustige den Bundesliga-Einstand des unorthodoxen Aufsteigers aus dem Salzburger Vorort gegen die SV Ried nicht entgehen lassen.

Freilich, wie auf dem Feld ist auch in der Organisation noch vieles learning by doing. Trotzdem darf man von einer ordentlichen Premiere sprechen.

Der urlaubsreife Mastermind

„Es war ein Fußballfest“, strahlte der ebenso heisere wie enthusiasmierte Grödiger Mastermind Christian Haas, „was hier geleistet wurde in den letzten Wochen – ein Riesen-Kompliment an den ganzen Vorstand und die ehrenamtlichen Mitarbeiter!“

Seinen letzten freien Tag hatte der Sportdirektor noch als Zweitligist: „Es war sehr anstrengend. Heute werde ich das eine oder andere Bier trinken, morgen geht es mit meiner Freundin auf Urlaub nach Mallorca. Ich möchte eine Woche weg sein und abschalten, denn die letzten sieben Wochen waren wirklich sehr nervenaufreibend. Meine Freundin hat sehr gelitten, mein Dank gilt auch ihr.“

Auf der Balearen-Insel sollte ein wenig Zeit bleiben, den Abend der Bundesliga-Premieren seines Klubs, den die Familie Haas im Jahr 2002 übernahm und in gut einem Jahrzehnt in die höchste Spielklasse führte, Revue passieren zu lassen.

Die vertagte Tor-Premiere

Und Premieren gab es einige: Gleich acht Mitglieder der Startelf feierten ihr Bundesliga-Debüt. Dieter Elsneg gelang der erste Ballkontakt der Grödiger Bundesliga-Geschichte, Thomas Salamon feuerte den ersten Torschuss ab, in Halbzeit zwei vergeigte Stefan Nutz den ersten Elfmeter.

Nur auf das erste Bundesliga-Tor in der Untersberg-Arena heißt es zumindest bis Anfang August zu warten, wenn Trainer Toni Polster mit der Admira beim Neuling gastiert.

Eine Nullnummer, die sowohl vom Grödiger als auch vom Rieder Lager als gerecht eingestuft wurde. „Ich würde sagen, es war eine schöne Punkteteilung. Es gab hüben wie drüben Chancen. Für beide ein gewonnener Punkt“, erklärte SVG-Rechtsverteidiger Lukas Schubert stellvertretend.

Die besseren Chancen fanden die Innviertler vor, etwa den Hundertprozenter von Robert Zulj oder den Kopfball aus kurzer Distanz von Thomas Reifeltshammer. Durch den vergebenen Strafstoß von Nutz rächte sich der verschwenderische Umgang der Spielvereinigung mit ihren Chancen nicht.

Der erste Eindruck vom höheren Niveau

„Er hat sich gut gefühlt und die Eier gehabt, dass er sich den Ball nimmt. Dass er ihn nicht reinhaut, ist schade, aber das kann jedem passieren“, wollte Schubert dem 21-jährigen Pechvogel, der das Spielgerät über das Tor bugsierte, keinen Vorwurf machen.

Trainer Adi Hütter monierte beim Steirer „zu wenig Entschlossenheit. So drüber zu schießen, ist schade“, fand aber dennoch auch lobende Worte: „Mir gefällt, dass ein ganz junger Bursche die Verantwortung übernimmt, sich traut hinzugehen und versucht, das Spiel zu entscheiden.“

Haas hat sich vor Ankick des Ried-Spiels mit dem Manager des isländischen Testkandidaten Hannes Sigurdsson getroffen und hätte die Personalie gerne vor seinem Abflug nach Mallorca geklärt. Diesbezüglich wartet er nur auf das Go des Trainers. „Sigurdsson hat große Erfahrung, ist ein Strafraumstürmer. Er hat einen guten Eindruck hinterlassen“, meinte der Sportdirektor über den 30-Jährigen, der zuletzt in Schweden bei Mjällby aktiv war.

Neben dem unter der Woche verpflichteten Ex-Altacher Tomi wäre der Routinier eine weitere Alternative im eher dünn besetzten Angriff. Vom geplanten Budget her wäre das Einkaufsprogramm damit abgeschlossen.

Die Lust auf mehr

„Sollte es irgendwo brennen“, ist Haas jedoch auch darüber hinaus gesprächsbereit: „Wir werden schauen, wie wir uns entwickeln. Gegen Ried haben wir genau gesehen, wo es hapert. Wenn der Trainer Verstärkungen fordert, bin ich sicher bereit, dass wir es machen. Denn eines ist ganz klar: Wir wollen uns langfristig in der Bundesliga etablieren, und das wird eine harte Arbeit werden.“

Arbeit, die zumindest laut den ersten Eindrücken des Kontrahenten von Erfolg gekrönt sein wird. „Sie sind eine spielerisch gute Mannschaft, da werden sich noch einige die Zähne ausbeißen. Von einem Fixabsteiger sind sie ganz weit weg“, prognostizierte Ried-Kicker Thomas Hinum.

In Grödig hat man jedenfalls Lust auf mehr, erst recht, nachdem man gegen Ried erstmals angeschrieben hat. Bleibt nur die Frage, ob das Projekt auch vom Publikum angenommen wird?

Sascha Boller: „Das müssen die Zuschauer entscheiden. Wir haben jedenfalls von Anfang an Bock auf die Bundesliga gehabt.“


Peter Altmann

Grödig Ried
Torschüsse Nutz 2 Kragl 5
Torschuss-Vorlagen Boller, Elsneg je 2 Gartler 4
Ballkontakte Boller 61 Kragl 48
Zweikampfquote 68,8 % (11/5) 83,3 % (10/2)
Passquote Schubert 83,3 % (15/3) Möschl 100 % (4/0)

Mit dem Punkt war der Aufstiegscoach zwar zufrieden, nichtsdestotrotz wartet noch jede Menge Arbeit: „Dass wir uns noch steigern müssen, ist klar. Ich habe viele Sachen gesehen, die mir überhaupt noch nicht gefallen haben. Ich habe aber auch Sachen gesehen, die mir schon gut gefallen haben.“

Generell habe seine Mannschaft nun einen Eindruck davon bekommen, was in der Bundesliga auf sie zukommt: „Wir haben ganz klar gesehen, dass das ein anderes Niveau als in der Ersten Liga ist – vom Tempo, dem Zweikampfverhalten und auch der Spielanlage des Gegners, der immer wieder versucht hat, nach vorne Druck zu machen, her. Ich habe schon vor zwei, drei Wochen gesagt: Für uns ist es wichtig, dass wir uns so schnell wie möglich dem Niveau in der Bundesliga anpassen. Wenn wir das geschafft haben, werden wir auch Freude haben und sicherlich bessere Spiele abliefern.“

Streber gefragt

Wie übrigens beinahe deckungsgleich sein Gegenüber Michael Angerschmid bemängelte Hütter das Unvermögen seiner Truppe, das Pressing des Gegners zu umspielen, was in einem bisweilen holprigen Spielaufbau und zu vielen hohen Bällen mündete. Auch im Zweikampfverhalten gibt es noch gehörigen Steigerungsbedarf. Gleich acht Mitglieder der Grödiger Startelf kassierten eine Gelbe Karte.

Hütter: „Die Gelben Karten passierten, weil es ein rassiges Spiel mit vielen Aktionen und Zweikämpfen war. Wir waren immer wieder einen Schritt zu langsam, im Zweikampfverhalten nicht so bissig wie Ried und haben uns dumme Verwarnungen eingefangen. Wir müssen natürlich versuchen, dagegenzuhalten, aber acht Gelbe sind zu viel.“

Wie im organisatorischen ist eben auch im sportlichen Bereich learning by doing angesagt. Die Grödiger wollen sich diesbezüglich als Streber erweisen. „Der Lernprozess soll nicht lange dauern – umso schneller, desto besser. Aber wir haben vorher schon gewusst, dass wir eine Zeitlang brauchen werden, um uns anzupassen. Es ist einfach eine andere Liga. Wenn man unser Spielermaterial hernimmt, wo viele Akteure das erste Mal in der Bundesliga spielen, kann man nicht erwarten, dass sie von heute auf morgen alles niederspielen. Da ist ein bisschen Geduld gefragt“, forderte der Coach.

Sigurdsson vor Verpflichtung

Neben Geduld könnte auch neues Personal gefragt sein. Hütter verteidigte zwar Solo-Spitze Tadej Trdina nach dessen mäßiger Leistung vehement („Man darf nicht vergessen, dass er vor einem Jahr noch in der Kärntner Landesliga gekickt hat. Für seinen Werdegang in kurzer Zeit mit der Umstellung vom Amateur zum Profi muss man ihm ein Kompliment aussprechen“), dennoch ist es wahrscheinlich, dass sich auf dem Transfermarkt noch etwas tut.

„Wenn Not am Mann ist, kann es sein, dass wir personell noch das eine oder andere machen müssen“, erklärt Hütter. Dies könnte sogar noch an diesem Wochenende geschehen.

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