Wackers Wolfsberg-Wunder

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"So etwas kann man nicht besser niederschreiben"

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„Eigentlich ist man da schon weg. Man ist 0:2 hinten und hört, dass die Admira vorne ist. Normalerweise ist es da erledigt.“

Wacker-Coach Roland Kirchler wollte nach dem klaren Rückstand beim Gastspiel gegen den WAC selbst nicht mehr recht an den Klassenerhalt glauben.

Nach einem Eigentor von Marco Kofler (45+2.) und einem Treffer von Stephan Stückler (50.) lagen die Hausherren in Führung, die Tiroler standen mit einem Bein in der Ersten Liga.

Doch dann wechselte der 42-Jährige drei Mal und vollbrachte ein kleines Fußball-Wunder. So ließen sich die weiteren Ereignisse, die Tore von Joker Julius Perstaller (72., 78.) und Christian Schilling (76.) – nach Vorarbeit von Einwechselspieler Alexander Hauser –, überspitzt beschreiben.

Mit einem Auge am Live-Ticker

„Durch Hauser, Perstaller und auch Piesinger haben wir frischen Wind gebracht und versucht das Tor zu machen. Aber das es dann durch Perstaller so aufgeht, das ist unglaublich“, zeigte sich der Innsbrucker Übungsleiter von seinem Goldhändchen selbst ein wenig überrascht und dankte in frommer Manier dem Fußballgott.

„Bei 0:2-Rückstand ist es natürlich schwierig, noch daran zu glauben, die Partie drehen zu können. Ich habe gewusst, wie es in den anderen Partien steht, deshalb haben wir die drei Tore am Schluss gebraucht“, bestätigte der Doppelpack-Schütze, dass am Live-Ticker auf der Bank auch die Partie Mattersburg-Admira genauestens verfolgt wurde.

Kurz nachdem Dani Lucas Segovia den Tabellenletzten aus der Südstadt in Front geschossen hatte, besorgten Perstaller und Co. die nun geforderten drei Tore. „Dass das geklappt hat, ist sensationell. Und dass mir persönlich zwei Tore gelingen, ist umso schöner. Einfach unbeschreiblich.“

Schwindelgefühl vor Erleichterung

Ausgerechnet der Spieler, der den Verein zu Saisonende Richtung Ried verlassen wird, sorgte für den Klassenerhalt und eine Versöhnung mit den zahlreich nach Wolfsberg gereisten Fans – es passte zu diesem Fußballmärchen, oder wie man das 3:2 letztlich betiteln möchte.

„So etwas kann man nicht besser niederschreiben. Dass so etwas in der Realität auch wirklich so aufgeht, werden wir erst morgen oder übermorgen realisieren“, rang Kirchler lange nach dem Sieg noch nach Fassung.

„Mir ist beim dritten Tor sogar etwas schwindlig geworden, weil ich es nicht glauben konnte“, stimmte Lukas Hinterseer seinem Chef zu.

Letztes Hemd für die Fans

Der Mittelfeldspieler, nicht ganz fit ins Spiel gegangen, gab in den über 95 Minuten alles und am Ende sogar sein letztes Hemd, stand er doch nur noch mit Radlerhosen bekleidet in der Mixed-Zone.

Den Rest seines Outfits hatten sich die Reliquien-Jäger, alias Wacker-Fans, im Rausche des Jubels nach dem Schlusspfiff gesichert. „Wenn ich noch länger drüben geblieben wäre, stünde ich ganz nackt hier“, schmunzelte Hinterseer.

Wie beim 22-Jährigen war auch der ganzen Wacker-Elf die Erleichterung nach Monaten der Ungewissheit und des Kampfes im Gesicht anzusehen.

Statue in Innsbruck

„Seit den ersten Spieltagen sind wir Letzter. Nach drei Punkten in den ersten elf Spielen waren wir von Anfang an unten drinnen und es gab immer diesen Druck“, erinnerte Carlos Merino, der das letzte Saisonspiel nur von der Bank aus beobachtete.

„Der Druck war immens. Du musst immer gewinnen, immer punkten, auch weil die anderen immer gepunktet haben. So war es spannend bis zum Schluss und hochdramatisch“, stieß Perstaller ins selbe Horn.

Gerade ob der ständigen Anspannung ist das Erreichte noch höher einzuschätzen, zumindest wenn es nach Routinier Merino geht: „Was diese Mannschaft in dieser Saison erreicht hat, ist mit dem Champions-League-Titel der Bayern zu vergleichen. Dafür verdienen wir normalerweise eine Statue in Innsbruck.“

„Sprengmeister“ von der Tankstelle

Ehe diese von der Stadtregierung genehmigt wird, stand aber Feiern am Programm. Unter dem von Christopher Wernitznig ausgegebenen Motto „Wegsprengen“ erwartete die Tiroler die wohl längste Heimfahrt der Saison, galt es doch an jeder Tankstelle Halt zu machen und „nachzutanken“.

„Im Bus wird es wild zugehen, aber das ist normal“, kommentierte Matchwinner Perstaller, „wir werden die Saison, in der wir verdient oben geblieben sind, gebührend feiern. Jetzt werden wir etwas Spaß machen.“

Beim Spaß dabei ist auch Ex-Kicker Kirchler, der sich in der nunmehrigen Funktion aber zurücknehmen wird. „Ich werde als Trainer ein gutes Vorbild sein und nicht durch den Bus torkeln. Als Spieler habe ich das nicht immer zusammengebracht“, lachte der gebürtige Innsbrucker.

Wann er seine erfolgreichen Schützlinge wieder sieht, steht noch nicht fest. Dass man trotz der längeren Feierlichkeiten am Montag erneut beisammen sein wird, schien für Hinterseer nicht ausgeschlossen. „Auf dem Plan steht nichts. Vielleicht treffen wir uns so.“

Nachsatz: „Aber das wird eher ein Leichenzug als ein Training.“

 

Christian Eberle

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