Keine Selbstüberschätzung

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"Und das nach so einer Saison"

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Nach dem Schlusspfiff hallte Jubelgeschrei aus der Kabine des SK Rapid, den Spielern war die Erleichterung anzusehen.

Endlich, nach 35 Runden, konnte das erlösende Saisonziel Europacup-Startplatz mit einem 2:0-Erfolg bei der Admira fixiert werden.

Platz drei ist den Hütteldorfern nicht mehr zu nehmen, und das nach einem Frühjahr, das durchwachsener nicht sein hätte können.

„Man muss im Endeffekt jetzt einmal zufrieden sein, wenn man die Leistungen sieht, die wir in der Saison teilweise abgeliefert haben. Man muss auch ehrlich sagen, dass eigentlich auch die anderen Mannschaften immer für uns gespielt haben, es hätte jede Runde runtergehen können in der Tabelle. Zum Glück hat das jetzt gepasst und wir haben den dritten Platz“, war Christopher Trimmel im Gespräch mit LAOLA1 überglücklich, aber auch selbstkritisch.

Sechster Europacup-Start in sieben Jahren fix

Dem wieder in der Viererkette eingesetzten Rechtsverteidiger war es vorbehalten, seine Elf früh auf den richtigen Weg zu führen. Bereits in der vierten Minute war er per Kopf zur Stelle.

„Bei solchen Toren gehört natürlich auch ein bisschen Glück dazu. Für den Tormann ist das schwierig zu halten, weil er nicht viel sieht. Aber ich bin überglücklich, dass wir jetzt gewonnen und sehr viel erreicht haben – und das nach so einer Saison“, bewahrte Trimmel im Getümmel den Überblick.

Als Dominik Wydra in der zweiten Halbzeit mit einem Traumtor den Endstand markierte, war Rapid der sechste Europacup-Start in den vergangenen sieben Jahren nicht mehr zu nehmen.

Der 19-jährige Youngster schlenzte den Ball vom linken Strafraumeck über Admira-Keeper Patrick Tischler ins lange Kreuzeck. So sehenswert konnten nicht viele ihr erstes Bundesliga-Tor erzielen.

Wydra steht für nächste Generation

„Ich habe halt einfach versucht, den Ball aufs lange Eck zu bringen. Dass der so ins Kreuzeck geht, ist natürlich schön. So kann ich mein erstes Bundesliga-Tor in Erinnerung behalten“, freute sich Wydra, stellte aber den mannschaftlichen Erfolg in den Vordergrund.

Der Wiener war einer von gleich drei 94er Jahrgängen neben Marcel Sabitzer und Louis Schaub, die diesmal in Zoran Barisic‘ Startelf standen. Mit 19 Jahren 16 Bundesliga-Spiele und Europa-League-Einsätze auf dem Buckel zu haben, kann sich sehen lassen.

„Es ist einmal wichtig, dass ich nach 16 Bundesliga-Spielen ein Tor geschossen habe. Jetzt muss ich mit der Mannschaft noch ein bisschen den dritten Platz feiern“, bleibt Wydra aber bescheiden.

Doch auch der Chefbetreuer lobt: „Da muss man auch gratulieren, das war ein sensationelles Tor. Daran wird er sich sein ganzes Leben lang erinnern. Bei den Amateuren ist es ihm das eine oder andere Mal gelungen, jetzt auch in der Kampfmannschaft. Er hat schon immer wieder in dieser Saison gezeigt, dass mit ihm in Zukunft zu rechnen ist.“

„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“

Barisic war überhaupt zum Feiern zumute. Prompt an seinem 43. Geburtstag machte ihm seine Mannschaft mit der Zielerreichung die größte Freude.

„Das schönste Geschenk habe ich von der Mannschaft mit dem Sieg und der heutigen Leistung bekommen. So kann ich zufrieden nach Hause fahren und mit der Familie und einigen Freunden mit einem Glaserl anstoßen“, ließ sich der Rapid-Coach gratulieren.

Aufgrund der Leistungssteigerung geriet die Arbeitsverweigerung in Mattersburg in Vergessenheit. Und trotzdem neigte niemand an diesem Abend zur Selbstüberschätzung.

„Das war heute ein ganz anderes Auftreten, ein ganz anderes Spiel nach vorne. Wir haben uns sehr viele Chancen herausgespielt, hätten aber in einigen Phasen etwas klarer spielen müssen. Es gibt natürlich viel zu tun, es ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber trotzdem bin ich insgesamt nicht unzufrieden, was die Leistung betrifft“, fasste Zoki zusammen.

Große Erleichterung im grün-weißen Lager

Nach dem Negativlauf im Frühjahr, der zur Trennung von Peter Schöttel führte, war die Absicherung des dritten Tabellenplatzes Balsam auf die Seelen der oft gescholteten Akteure.

„Das war unser Mindestziel, das haben wir geschafft. Vom Spielerischen haben wir ansatzweise gezeigt, was wir nächste Saison spielen werden und können“, meinte Wydra. Auch dem unter Druck stehenden Trainer fiel ein Stein von Herzen.

„Die Erleichterung ist sehr groß. Das war unsere Zielsetzung zum Zeitpunkt der Übernahme, das haben wir erreicht. Es ist jetzt natürlich nicht alles super und wir stecken weiter in einer schwierigen Situation. Aber das gibt uns die Möglichkeit, etwas aufzubauen und vielleicht auch etwas Ruhe im Verein einkehren zu lassen.“

Dafür könnten die vermehrt ins kalte Wasser geworfenen Youngster sorgen. „Man hat gesehen, dass sehr viele junge Spieler in unserem Kader sind, die Kapazität und Zukunft haben, wenn sie weiter an sich arbeiten.“

Mit Platz drei im Gepäck kann man den Saison-Abschluss gegen Ried entspannt in Angriff nehmen. Schließlich gehören Platz drei und Barisic‘ Geburtstag noch gebührend gefeiert.


Alexander Karper

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