Eine Absage an den Kitsch

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"Heute war die Chancenverwertung unser Manko“

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„Es wäre möglich gewesen. Wir haben es ja schon drei Mal bewiesen, es hätte auch ein viertes Mal gehen können. Aber es wäre sehr kitschig gewesen.“

WAC-Flankenflitzer Manuel Kerhe brachte nach dem hart erkämpften 0:0 bei Rapid gegenüber LAOLA1 die Gemütslage zum Ausdruck, auch wenn der „Sweep“ – der vierte Saisonsieg im vierten Spiel – versagt blieb.

Trotzdem traten die Kärntner zufrieden die Heimreise an. Schließlich ist auch eine Statistik von zehn Punkten bei nur einem Gegentor – davon keines im Hanappi-Stadion – für einen Aufsteiger gegen den Rekordmeister aller Ehren wert.

„Mehr haben wir uns heute nicht verdient“, erwies sich Trainer Nenad Bjelica als fairer Sportsmann.

Offensiv ein Lüftchen, defensiv gefestigt

Während die Wolfsberger offensiv kaum in Erscheinung traten, hielt die Defensive dem immensen Druck der Gastgeber stand.

„Wir müssen mit dem 0:0 zufrieden sein. Wir haben offensiv leider nicht viel zusammengebracht“, gab Kerhe zu.

Sein Chefbetreuer sah es ähnlich, machte aber den Punktgewinn nach drei Niederlagen aus den letzten vier Spielen an der Defensive fest. „Wichtig war, dass wir uns defensiv gesteigert, die Zweikämpfe angenommen haben.“

Das war zuletzt nicht immer so. Während der WAC mit dem Punkt leben kann, sieht die Gefühlswelt bei den Hütteldorfern zwiespältig aus.

Alar-Verletzung „harter Schlag“ für Rapid

Trainer Zoran Barisic lobte trotzdem die starke Vorstellung vor heimischem, noch immer boykottierendem Publikum, das sich aber ab und zu von gelungenen Aktionen anstecken ließ.

„Die Leistung war schwer in Ordnung. Wir haben hinten nichts zugelassen und das gute Konterspiel, für das der WAC bekannt ist, schon im Ansatz unterbunden. Wir haben sehr viel für das Spiel gemacht, etliche Chancen herausgespielt. Das einzige, was wir uns vorzuwerfen haben, ist, dass wir nicht gewonnen haben.“

Dabei setzte bei den Hütteldorfern bereits in der 13. Minute ein Schockzustand ein. Top-Torschütze Deni Alar ging ohne Fremdeinwirkung mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden, Erinnerungen an die schwere Verletzung von Michael Schimpelsberger wurden wach.

Die schlimmsten Vermutungen schienen sich zu bestätigen. Der Verdacht eines Achillessehnenrisses soll bereits Gewissheit sein, eine lange Zwangspause droht.

„Das ist ein sehr harter Schlag für uns. Deni wird sehr lange ausfallen“, richtete „Zoki“ dem 23-jährigen Steirer Genesungswünsche aus.

Doppelstange, Dobnik und Pech vereitelten Sieg

Trotz der Hiobsbotschaft nahm die verletzungsbedingte Auswechslung – für Alar kam Terrence Boyd ins Spiel – keinen großen Einfluss auf das zielorientierte Spiel der Grün-Weißen.

Einzig und allein die Chancenverwertung machte dem Tabellendritten einen Strich durch die Rechnung. Etwa als Marcel Sabitzer in Minute 26 zweimal hintereinander die Stange traf, als Branko Boskovic und Lukas Grozurek freistehend an Christian Dobnik scheiterten und auch Sabitzer mit einem sehenswerten Volley im WAC-Schlussmann seinen Meister fand.

„Das Glück war nicht auf unserer Seite. Ich habe zweimal die Stange getroffen, einmal hält Dobnik unglaublich. Heute waren wir selber schuld, die Chancenverwertung war unser Manko“, analysierte der Ex-Admiraner.

Ein Elfmeter blieb Rapid nach klarem Foulspiel von Michele Polverino an Christopher Trimmel versagt, auf „Was-wäre-wenn-Spielchen“ lässt sich Barisic aber nicht ein. „Vielleicht hätte Dobnik sogar den Elfer gehalten, so gut wie der heute drauf war.“

Der Rückhalt der Kärntner blieb trotz des Lobes bescheiden. „Ich habe alles versucht und es ist mir heute gelungen. Wichtig war, dass wir zu Null gespielt haben.“

Von der Pole Position zum „i-Tüpfelchen“

So konnte sich der WAC bei Dobnik und der mangelnden Abgebrühtheit der Hütteldorfer vor dem gegnerischen Tor bedanken, dass der Vorsprung auf die Konkurrenten um einen Europacupplatz ausgebaut wurde bzw. gleich blieb.

Bei drei ausstehenden Runden liegen die „Wölfe“ fünf Punkte hinter Rapid und je einen Punkt vor Ried und Sturm Graz. Einen Druck macht man sich trotzdem nicht.

„Wir sind da ganz relaxt. Wir sind in der glücklichen Situation, als Aufsteiger noch immer um einen Europacup-Platz spielen zu dürfen. Das ist für uns hervorragend, das taugt uns. Drei Spiele sind noch zu spielen, zurzeit sind wir in der Pole Position“, stellte Kerhe klar.

Kollege Dobnik ergänzte: „Das wäre das i-Tüpfelchen auf diese Saison.“

„Dann machen wir uns keine Sorgen“

Bei Rapid sieht die Zielsetzung weiterhin etwas anders aus. Platz drei soll erreicht werden, mit dem Aufschwung der letzten Wochen ist dieser zum Greifen nahe, auch wenn gegen den WAC noch keine endgültige Vorentscheidung erzwungen werden konnte.

„Wir schauen, was herauskommt, wir werden da jetzt nicht herumtaktieren. Wir fokussieren uns auf das nächste Spiel gegen Mattersburg“, hielt sich Barisic zurück. Anders seine Schützlinge.

„Fünf Punkte Vorsprung bei drei Partien – unser Ziel ist es Platz drei zu erreichen. Das verfolgen wir die nächsten Wochen“, gab Sabitzer die Richtung vor. Und Grozurek stellte klar:

„Wir schauen weiter auf uns. Wir wissen, wenn wir unsere Spiele gewinnen, dann passiert nichts, dann sind uns die anderen egal. Wenn wir so spielen wie heute, machen wir uns keine Sorgen, dass wir nächstes Jahr Europacup spielen.“


Alexander Karper/Christian Eberle

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