"Man hat gesehen, dass wir Fußball spielen können"

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Bei Rapid heißt es nach dem 2:2 im 305. Wiener Derby tief durchatmen.

Der Druck hätte nach der Cup-Blamage gegen Pasching nicht größer sein können und trotzdem kann man ein Derby schon einmal verlieren, besonders in der aktuellen Situation.

Da es allerdings die vierte Derby-Niederlage im vierten Saison-Duell gewesen wäre, wollten die Hütteldorfer dem violetten Rivalen anscheinend nicht die Freude machen, mit einem „Sweep“ in die Geschichte einzugehen.

Das Unentschieden weiß man im grün-weißen Lager jedoch einzuschätzen – weder himmelhoch jauchzend, noch zu Tode betrübt.

Schmach konnte abgewendet werden

„Vier Niederlagen gegen die Austria wären unglaublich gewesen“, war Deni Alar im Gespräch mit LAOLA1 erleichtert, dass die Schmach abgewendet werden konnte.

Rapid startete aggressiv und holte sich binnen der ersten 25 Minuten gleich drei Gelbe Karten ab. Spielerisch lief vorerst allerdings noch nicht viel zusammen.

„Man hat gesehen, dass die Verunsicherung vom Dienstag-Spiel noch da ist, weil wir einfach einen großen Druck gehabt haben“, begründete der Offensivspieler die Mängel im Spielaufbau.

Aufgrund der ersten Halbzeit und der verdienten Austria-Führung durch Tomas Jun (28.) hätten nicht mehr viele auf Rapid gesetzt.

Moralinjektion in der Kabine

Selbst Barisic musste zugeben: „Wir waren etwas zu nervös im Spiel mit dem Ball, hatten keine Kombinationen, das Spiel war nicht flüssig. Das war einfach zu wenig.“

Allerdings waren mit Fortlauf der Zeit Verbesserungen erkennbar. In der Kabine dürfte „Zoki“ die richtigen Worte gefunden haben, denn mit Anpfiff der zweiten Halbzeit stand eine entschlossene Rapid-Mannschaft auf dem Feld.

„Wir haben gewusst, dass es nur über den Kampf geht. Am Anfang haben wir Probleme gehabt, aber zweite Halbzeit haben wir super gekämpft. Es war ein schwer verdientes Unentschieden“, fasste Christopher Trimmel zusammen.

Tatsächlich belohnte sich Rapid mit dem Anschlusstreffer durch Alar (53.) selbst, ehe mit Juns erneuter Führung (56.) wieder ein Schockzustand eintrat. Marcel Sabitzer erlöste dann die spielerisch verbesserten Hütteldorfer (66.).

„Sind heute als Truppe aufgetreten"

„Es ist Schritt für Schritt besser geworden, es waren auch ein paar schöne Aktionen dabei. Man hat gesehen, dass wir Fußball spielen können“, strafte Barisic die Kritiker Lügen.

Trimmel blieb selbstkritisch, strich aber die mannschaftliche Geschlossenheit in der entscheidenden Phase hervor.

„Fehler haben wir trotzdem gemacht bei den Gegentoren, das wissen wir. Dennoch haben wir Moral bewiesen, uns super zurückgekämpft. Jeder hat gesehen, dass wir heute als Truppe aufgetreten sind, als Block verschoben und der Austria nicht viele Räume gegeben haben.“

Schon im Vorfeld der Partie sprach Barisic von einer flexiblen Ausrichtung. Diese äußerte sich durch die ständige Rochade der Offensivkräfte Alar, Sabitzer und Guido Burgstaller, was im zweiten Durchgang positive Folgen hatte.

Rochade zwischen Alar und Sabitzer zeigte Wirkung

„Wir haben eigentlich schon so gespielt wie immer, aber wir haben uns diesmal abgewechselt. Wir haben versucht zu rochieren, weil sich die Austria sonst auf uns einstellen kann“, erklärte Alar.

Vor allem die Harmonie zwischen den beiden jungen Hoffnungsträgern Alar und Sabitzer, die wie die gesamte Rapid-Mannschaft mit ihrer Effizienz glänzten, stach hervor.

„Marcel ist sicher ein super Spieler, mit dem ich gerne zusammenspiele. Er ist auch nicht der Spielertyp, der nur vorne steht. Wir haben versucht uns abzuwechseln, das ist uns dann ganz gut gelungen“, so Alar.

Beim 2:2 überraschten die beiden mit blindem Verständnis, als der Ball mit der Ferse vorgelegt wurde. „Marcel hat mir super geschrien, da habe ich gleich gewusst, wo er ist. Dass das so aufgeht, ist natürlich wunderschön.“

Trainereffekt nicht zu unterschätzen

Das Fazit der 90 Minuten? Die ersten 45 Minuten abhaken und auf der zweiten Halbzeit, in der der Glaube bei Rapid wieder einkehrte, aufbauen. In irgendeiner Art und Weise wollte auch keiner den viel besagten Trainereffekt verneinen.

„Jeder Spieler weiß, dass alles bei null anfängt, jeder will sich in die Startelf hineinspielen“, meinte Trimmel. Alar ergänzte: „Jeder muss sich beweisen, auch sogenannte Stammspieler. Das sieht man auch wieder beim Training und heute in der zweiten Halbzeit.“

Mit dem Unentschieden gegen den Spitzenreiter konnte Rapid gut leben, vor allem, weil der Vorsprung auf die Konkurrenten um einen internationalen Startplatz erneut angewachsen ist. Doch das beschäftigt den Trainer derzeit wenig.

„Es nützt nichts, auf andere zu schauen. Wir müssen unser Spiel finden, verbessern, adaptieren. Wir müssen schauen, dass wir auf ein Niveau kommen.“

In dieser Hinsicht steht dem neuen Trainerteam noch viel Arbeit bevor. Ergebnistechnisch und moralisch wurde jedoch schon einmal ein Anfang gemacht.


Alexander Karper/Harald Prantl/Martin Wechtl

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