"Dieser Punkt kann noch wichtig sein"

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Das Duell der Wiedergutmachung. Zwei Teams, kein Sieger, jeweils ein lachendes und ein weinendes Auge.

Wenn nach Schlusspfiff Vertreter beider Mannschaften dem Sieg ein wenig nachtrauern, aber gleichzeitig eingestehen müssen, dass man auch gut und gerne als Verlierer vom Platz hätte gehen können, spricht man gemeinhin von einem gerechten Unentschieden.

So geschehen beim 1:1 zwischen Sturm Graz und Austria Wien. Mehr als die verlorenen zwei Punkte zählte für beide Kontrahenten, dass nach den jüngsten Misserfolgen eine Leistungssteigerung zu beobachten war.

Vor allem die Steirer waren nach der inferioren Darbietung am vergangenen Wochenende in Salzburg im positiven Sinne nicht wiederzuerkennen. Der Austria wiederum merkte man vor der Pause das Heimdebakel gegen den Wolfsberger AC deutlich an.

„Das tut den Burschen gut“

Entsprechend groß die Erleichterung bei Trainer Peter Stöger, dass seine Schützlinge nach dem Wiederanpfiff den Kopf aus der Schlinge ziehen konnten:

„Dieser Punkt tut gut. Vor allem tut gut, dass wir eine Reaktion auf die erste Halbzeit gezeigt haben, eine Reaktion auf das 0:4 gegen den WAC. Zweite Halbzeit habe ich wieder vieles von der Mannschaft gesehen, die uns an die Tabellenspitze gebracht hat. Das tut den Burschen gut.“

Bei einer weiteren Niederlage wäre das Nervenflattern im Meisterschaftsfinish womöglich größer geworden. Auch so steht aus den letzten fünf Meisterschaftsspielen nur ein Sieg zu Buche.

Laut Stöger müsse seine Mannschaft derzeit lernen, auch mit negativeren Schlagzeilen zurechtzukommen: „Das müssen die Burschen eben auch erleben. Ich bin schon ein paar Tage länger im Geschäft.“

„Dieser Punkt kann noch wichtig sein“

Unter dem Strich konnte der 47-Jährige mit dem Remis gut leben: „Es zeichnet uns das ganze Jahr über aus, dass wir nicht überheblich sind. Deswegen ist es für eine Mannschaft wie Austria Wien, auch wenn wir an der Tabellenspitze stehen, nicht selbstverständlich, dass wir nach Graz fahren und die drei Punkte mitnehmen.“

Noch dazu, wenn man sich den Spielverlauf vor Augen führt. Richard Sukuta-Pasu krönte in Minute 42 eine überlegen geführte erste Halbzeit Sturms. Nach der Pause hatte die Austria die Oberhand, glich durch einen Elfmeter von Alexander Grünwald (66.) aus. Sie hätte auch in Führung gehen können, musste aber froh sein, dass Sukuta-Pasu in der Schlussphase eine tausendprozentige Chance vernebelte.

„Aufgrund der zweiten Halbzeit hätten wir den Sieg verdient gehabt. Erste Halbzeit hat jedoch nichts zusammengepasst, da haben wir wahrscheinlich noch das 0:4 gegen den WAC in den Köpfen gehabt. Nach der Pause haben wir nichts mehr zu verlieren gehabt, verdient den Ausgleich gemacht und hatten auch noch einige Möglichkeiten auf das 2:1“, meinte Philipp Hosiner.

Sein Fazit: „Zweite Halbzeit haben wir wieder unser wahres Gesicht gezeigt, das uns die gesamte Saison stark gemacht hat, vor allem auswärts.“

In der Fremde bleiben die Veilchen damit in dieser Spielzeit ohne Niederlage. „Dieser Punkt kann noch wichtig sein“, hoffte Markus Suttner.

„Ich habe den Sieg auf dem Gewissen“

Wichtig war dieser Punkt auf jeden Fall für das Selbstwertgefühl der Grazer. „Gegen den zukünftigen Meister ist ein Unentschieden in Ordnung. Aufgrund der Schlussphase hätten wir uns den Sieg verdient, Richie macht den normal blind. Aber gut, wir hatte eine inferiore Leistung gegen Salzburg, jetzt eine gute gegen die Austria, von dem her sollten wir zufrieden sein“, analysierte Michael Madl.

„Ich habe den Sieg auf dem Gewissen“, ärgerte sich Sukuta-Pasu über besagte Szene in Minute 92, als Kaja Rogulj seinen zu schwach ausgefallenen Schussversuch auf der Linie klären konnte, „schade, dass ich nicht noch das entscheidende Tor machen konnte.“

„Dass die letzte Chance nicht reingeht, ist schade. Das wäre natürlich noch einmal ein Happy End wie in jedem Rosamunde-Pilcher-Film gewesen“, fand Peter Hyballa wie gewohnt einen originellen Vergleich.

„Vor und nach dem Elfmeter waren wir ein bisschen am Hängen“

Letztlich atmete jedoch auch Sturms Coach über die deutliche Leistungssteigerung auf. Eine dritte Niederlage in Folge hätte seinen Trainer-Stuhl womöglich erneut zum Wackeln gebracht.

So konnte er sich vielmehr darüber freuen, dass seine Mannschaft „in der ersten Halbzeit dominant war. Wir haben versucht, gut in die Vorverteidigung zu gehen, waren aggressiv am Mann, haben gute Umschaltphase hingekriegt und auch ein paar Torchancen herausgespielt.“

Im Vergleich zum historischen Tiefstwert von null Torschüssen in Salzburg brachten es die „Blackies“ diesmal auf deren 16, neun davon legte alleine Haris Bukva auf, der erstmals seit Mitte Februar in der Startelf stand und sich als belebendes Element erwies.

Hyballa verschwieg jedoch auch nicht, dass die zweite Halbzeit seiner Meinung nach der Austria gehörte. „Vor und nach dem Elfmeter waren wir ein bisschen am Hängen, da haben wir uns ein wenig zu weit zurückgezogen. Der Elfmeter war unschlau, da musst du als Spieler nicht so hingehen“, befand der Deutsche.

„In dieser Situation habe ich blöd attackiert“

Während Elfmeter bisweilen kontrovers diskutiert werden, ergab sich diesmal die kuriose Situation, dass sich Hosiner als gefoulter Spieler nicht sicher war, ob es überhaupt ein Strafstoß war, mit Martin Ehrenreich indes der Grazer „Übeltäter“ selbigen kleinlaut eingestand.

„In dieser Situation habe ich blöd attackiert. Es tut mir Leid für die Burschen und für alle Stadionbesucher“, ärgerte sich der 29-Jährige, der zu Protokoll gab, dass er einen möglichen Querpass blocken wollte:

„Ich habe am Anfang geglaubt, ich habe beim Rutschen Nikola Vujadinovic erwischt, aber wie ich im TV inzwischen gesehen habe, war es doch Hosiner. Wie gesagt: Das hätte nicht sein müssen. Wenn ich stehen bleibe, läuft er vermutlich ins Out. So war es die falsche Entscheidung.“

Auch Ehrenreich fiel jedoch ein Stein vom Herzen, dass sich Sturm für das Versagen von Salzburg rehabilitieren konnte. „Schlechter als letzte Woche wäre es ohnehin nicht mehr gegangen“, übte sich der Rechtsverteidiger in Galgenhumor und betonte gleichzeitig: „Wir haben das Salzburg-Spiel die ganze Woche über aufgearbeitet. Jedem war klar, dass wir nicht mehr so auftreten können.“

„Den richtigen Schritt nach vorne hatten wir schon öfters“

Wohl auch aufgrund dieser Vorgeschichte verbat es sich Hyballa, einem möglichen Sieg nachzutrauern: „Wir müssen jetzt nicht durchdrehen. Austria Wien war hier, die können schon ein bisschen kicken.“

Während der 37-Jährige „nach dem Katastrophen-Auftritt in Salzburg in dieser Woche viel Aufbauarbeit“ leisten musste, fordert er nun von seiner Elf, dass sie nachlegt. Ansonsten ist dieser leichte Aufwärtstrend wohl wenig wert.

„Den richtigen Schritt nach vorne hatten wir schon öfters. Jetzt ist es einfach wichtig, diese Leistung weiterhin zu bestätigen. Diese Mannschaft ist einfach eine Wundertüte. Es gilt nun, diese Leistung zu konservieren und gegen Mattersburg noch einmal zu bringen“, so Hyballa.

Selbiges erhofft sich wohl auch Austria-Kollege Stöger von seiner Mannschaft im Cup gegen Wolfsberg und im Derby gegen Rapid.

Für beide Duellanten gilt: Die Wiedergutmachung soll fortgesetzt werden.


Peter Altmann

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