Kleiner Schritt auf dem steinigen Weg zur Normalität

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Es hatte den Anschein, als würde Rapids 2:0-Erfolg gegen Wiener Neustadt einigen Leuten ungelegen kommen.

Während den Spielern nach neun sieglosen Spielen endlich der lang angestrebte Befreiungsschlag gelang, war die Stimmung auf den Tribünen im Keller.

Denn die Partie stand unter ganz eigenwilligen Vorzeichen. Rund 3000 Fans äußerten ihren Unmut mit einem Protestmarsch und einer lautstarken, aber friedlichen Kundgebung vor der Südtribüne des Hanappi-Stadions.

An den Pranger gestellt wurden neben dem Vorstand und Sportdirektor Helmut Schulte nach dessen Äußerungen im Vorfeld der Partie unter anderem auch Trainer Peter Schöttel und die Mannschaft, die postwendend die Antwort gab.

„Eine ganz betroffene Stimmung“

„Es herrscht eine ganz betroffene Stimmung“, gab General Manager Werner Kuhn, der ebenfalls in der Kritik steht, zu verstehen.

Die West- und Osttribüne blieben bis zum Anpfiff der zweiten Halbzeit unbesetzt und ließen die Atmosphäre an jene eines Geisterspiels erinnern.

„Das kannte ich früher höchstens von Testspielen, sonst erwartet uns hier ein Hexenkessel. Wenn man die Wiener-Neustadt-Fans lauter hört, sagt das eh schon viel“, war auch Gäste-Trainer und Ex-Rapidler Heimo Pfeifenberger im negativen Sinn von der Kulisse überrascht.

Durch das Fernbleiben in den ersten 45 Minuten verpassten die Fans aber nicht viel. „Die war nicht gut. Die Spieler haben verunsichert und träge gewirkt. Das 0:0 zur Pause war für uns ein gutes Ergebnis“, analysierte Peter Schöttel.

Auch Schöttel hat Bonus verspielt

Selbst der 46-jährige Wiener, der lange Zeit Rapid als Kapitän aufs Feld führte und aufgrund seiner Leistungen für den Verein lange Zeit noch in Schutz genommen wurde, wurde lautstark zum Gehen aufgefordert.

„Als Spieler verehrt, als Trainer verkehrt“, stand auf einem Transparent geschrieben. Schöttel zeigte sich von den Protesten wenig beeindruckt und versuchte, souverän wie eh und je zu wirken.

„Die Proteste gibt es, seit ich hier Trainer bin, immer in anderen Formen. Für die, die sich über den Sieg freuen können, ist es heute sehr schön.“

Denjenigen, die Veränderungen forderten, passte das Ergebnis nicht so ganz in den Kram. Vor allem fiel das 1:0 aus ihrer Sicht zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

„Können Unmut ändern, indem wir siegen“

Prompt als der harte Kern ihren Platz im Stadion bezogen hatte, köpfte Markus Katzer mit Hilfe des Oberarms die zu diesem Zeitpunkt glückliche Führung der Hütteldorfer.

„Das erst Tor hat die Wende gebracht, uns ist ein Stein von Herzen gefallen“, merkte der Linksverteidiger im Gespräch mit LAOLA1 an und wusste, dass der Zeitpunkt nicht besser sein hätte können.

„Die Fans sind unzufrieden, das ist ganz klar. Sie zeigen ihren Unmut, aber wir können das ändern, indem wir siegen.“

Dass es erstmals seit dem 2:1-Heimerfolg gegen Wacker am 9. Dezember des Vorjahres, nach vier Monaten und vier Tagen, wieder zu einem Sieg reichte, war Deni Alars vorentscheidendem Treffer zum 2:0 zu verdanken.

„Es ist eine große Erleichterung. Wir waren sehr verunsichert, wollten aber in der zweiten Halbzeit unbedingt den Sieg. Wir haben uns gegenseitig gepusht“, merkte der Torschütze an.

„Haben beigetragen, dass Stimmung so negativ ist“

Dass die Supporter trotz allem unzufrieden sind, kann der Offensivspieler nachvollziehen. „Die Fans haben sich so entschieden, wir müssen das akzeptieren. Wir haben neun Spiele dazu beigetragen, dass die Stimmung jetzt so negativ ist.“

Schlussendlich waren sich alle einig, dass es kein fußballerischer Leckerbissen, der Sieg in der aktuellen Situation aber Balsam für die Seele war.

Die Erleichterung war Michael Schimpelsberger anzumerken. „Es ist ein super Gefühl, das kann man sich gar nicht vorstellen. Der Druck war jetzt schon so groß, das haben wir uns selbst zuzuschreiben.“

Trotzdem stellten alle Spieler unisono klar, dass erst ein kleiner Schritt in die richtige Richtung gesetzt wurde und noch ein weiter Weg vor ihnen liegt.

„Das scheint hier normal zu sein“

Doch selbst die sportliche Konsolidierung über einen längeren Zeitpunkt sowie die Qualifikation für einen Europacup-Platz würde die aufgebrachten Fans wohl nicht zufrieden stellen.

Zu viel ist im Argen, zu viele Führungskräfte haben ihren Bonus bei der verwöhnten Anhängerschaft verspielt. Trotzdem bleiben die Betroffenen ruhig.

„Wenn man nach neun Spielen wieder einmal gewinnt, sollten sich alle freuen“, meinte Sportdirektor Schulte und will sich trotz der Anfeindungen in seine Richtung nur auf das Spiel konzentriert haben.

„Es war skurril, aber das scheint hier so normal zu sein. Ich lerne täglich, es gibt viele Dinge, die ich so noch nicht erlebt habe“, so der Deutsche weiter.

Ergebnisse, Stadion, Veränderung

Kuhn machte eine mögliche Rückkehr zur Normalität an drei noch ungeklärten Punkten fest, die seiner Meinung nach zur Revolte führten.

Neben dem Sportlichen gelte es eine Antwort auf die Stadionfrage inklusive Infrastruktur sowie die Möglichkeit der Veränderung zu finden, die durch die Neuwahlen im November gegeben seien.

„Wir sind schon oft gestärkter aus ähnlichen Situationen herausgekommen“, verwies Kuhn auf ähnliche Unmutsäußerungen in der Vergangenheit.

Während zumindest sportlich die erste Antwort auf den Weckruf der Fans gegeben wurde, werden die anderen Belange wohl nicht so schnell aus der Welt geschafft werden.


Alexander Karper

Rapid Wien Wiener Neustadt
Torschüsse Burgstaller 4 Martschinko 6
Torschuss-Vorlagen Wydra 4 Offenbacher, Martschinko je 3
Ballkontakte Heikkinen 70 Hlinka 88
Zweikampfquote Sonnleitner 76,9% (20/6) Berger 80% (16/4)
Passquote Heikkinen 92,1% (35/3) Martschinko 71% (27/11)
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