"Will nie Schiri sein, dafür bin ich zu intelligent"

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Wut trifft Moral. Enttäuschung trifft Erleichterung.

Das torreichste West-Derby seit knapp zwei Jahren war ein packendes Spiel mit einem hohen Tempo.

Nach einem bislang zähen Frühjahr ging Red Bull Salzburg nur als leichter Favorit in die Partie, nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Durchschlagskraft zuletzt im Nachtrag gegen Wolfsberg.

Wacker Innsbruck besinnte sich genau auf die Qualitäten, mit denen die Kärntner vergangenen Mittwoch die Bullen an den Rande einer Niederlage brachten, igelten sich hinten ein und konterten effizient und wunderschön.

Schütz mit dem Tor des Jahres

„Es ist unglaublich, wie wir heute wieder in Rückstand geraten sind. Mit zwei Torchancen sind wir 0:2 zurück, aber das ist nun einmal unser Los im Moment“, kann Roger Schmidt das Spielgeschehen in Halbzeit eins nur schwer verstehen.

Die Tiroler zeigten sich mit großer Kampfkraft und lieferten obendrein durch Daniel Schütz einen heißen Kandidaten auf das Tor des Jahres ab. Sein Fallrückzieher landet nach Flanke von Carlos Merino genau im langen Eck.

Am Ende war das alles wertlos.

„Die Freude über mein Tor ist jetzt weg. Davon können wir uns einfach nichts kaufen“, kann der Traumtorschütze den Ausgang der Partie kaum in Worte fassen.

Sprachlos waren auch seine Teamkollegen, die letztlich auch einen Schuldigen finden, der oft als Sündenbock herhalten muss, wenn Spiele knapp verloren gehen.

Umstrittene Entscheidungen gegen Wacker

„Wir haben die Chance auf das dritte Tor, aber der Schiedsrichter gibt Foul statt Vorteil und hätte dann auch Gelb-Rot zeigen müssen“, ist sich Roman Wallner im Interview mit "Sky" sicher. „Dann gibt es auch noch fünf Minuten Nachspielzeit und so lag das Tor schon in der Luft“, so der umtriebige Stürmer weiters.

Tatsächlich lieferten sich die beiden Teams am Tivoli eine hart umkämpfte Partie und viele Zweikämpfe im Mittelfeld. Unter anderem fällt die Kritik der Hausherren auch auf eine Situation in Halbzeit eins, als Wallner nach einem Laufduell mit Isaac Vorsah zu Boden geht. Der Ghanaer war letzter Mann, mehr als eine gelbe Karte zückte Schiedsrichter Ouschan aber nicht.

Genauso wäre Wallner nach 14 Minuten alleine auf Alexander Walke zugelaufen, ein Abseitspfiff hinderte ihn aber daran. Eine Fehlentscheidung, wie die TV-Bilder zeigen.

Kirchler attackiert Referee Ouschan

Dementsprechend deutlich fällt der Angriff auf den Offiziellen von Wacker-Coach Roland Kirchler aus. „Es gab einen Herren mit einem gelben Leibchen, der war heute nicht neutral, obwohl er neutral sein müsste. Wir werden so einfach um die Früchte unserer Arbeit gebracht“, versucht sich der 42-Jährige im Zaum zu halten, lässt sich dann aber doch zu heftiger Kritik hinreißen.

„Es ist ganz egal ob Franz Lederer, Didi Kühbauer oder ich hier stehen. Es ist immer dasselbe. Es hat heute vier oder fünf schwere Fehlentscheidungen gegeben. Irgendwann müssen die Schiedsrichter auch einmal sanktioniert werden“, findet er klare Worte.

Auf die Bitte eine Situation aus Schiedsrichter-Sicht via TV-Bilder zu bewerten, spottet Kirchler abschließend: „Ich will nie Schiedsrichter sein, dafür bin ich zu intelligent.“

Teigl: "Macht keinen Sinn auf Austria zu schauen"

Intelligenz hin oder her, die Salzburger haben in Innsbruck vor allem Moral gezeigt und so eine Trendumkehr herbeiführen können.

„Das tut uns richtig gut“, ist Trainer Schmidt nach dem Spiel erleichtert. „Es war für uns sehr wichtig dreifach zu punkten und auszunützen, dass Rapid nur 2:2 gespielt hat. Wir haben jetzt noch eine Nachtragspartie, wo wir noch einmal nachziehen können“, setzt der Deutsche  Hoffnungen in das letzte Meisterschaftsdrittel.

Die Austria nimmt man aber nicht ins Blickfeld. „Es macht keinen Sinn auf die Austria zu schauen, wir müssen einfach unseren Job machen, dann sieht man was dabei rauskommt“, fasst Georg Teigl die Situation beim Meister zusammen.

„Wir haben bislang noch nicht ganz das heraußen, was wir im Spiel machen wollen. Aber wir lassen uns nicht entmutigen. Ein Arbeitssieg ist ja genauso schön wie ein glanzvoller“, so der Torschütze zum 2:1.

Salzburg schöpft neue Hoffnung

„Wir haben einfach gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind“, resümiert Teigl, der einen verdienten Sieg seines Teams gesehen hat.

Damit kontert er auch Aussagen von Wacker-Coach Kirchler, der den zähen Frühjahrsstart der Salzburger am fehlenden Teamgefüge festgemacht hat. „Die Aussagen meines Gegenübers sind lächerlich“, sagt Schmidt dazu.

Geht der Gang zum Tabellenletzten am Mittwoch gut, sind es noch neun Punkte, die den Salzburgern auf Tabellenführer Austria fehlen. Am Samstag gastieren die nicht gerade in Über-Form agierenden Rieder in Salzburg.

Neue Hoffnung ist mit dem 3:2 in Innsbruck jedenfalls geschöpft. „Jetzt wollen wir einfach das Maximum aus dieser Woche herausholen“, gibt der Trainer die Marschrichtung vor.

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