"Wir haben uns das selber eingebrockt"

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Die chaotischen Wochen aus dem Herbst sind jedem noch in Erinnerung, schon steht Rapid vor dem nächsten Super-Gau.

Wie ein angezählter Boxer gingen die Hütteldorfer in den Vergleich mit Mattersburg, wurden sinnbildlich zweimal zu Boden geschickt und bewahrten sich gerade noch davor, nicht gänzlich auf die Bretter geschickt zu werden.

Das 2:2 hat einmal mehr unter Beweis gestellt, auf welchem Pulverfass sich Rapid derzeit befindet und wie überstrapaziert der Geduldsfaden im Umfeld ist.

Wie schon im Herbst schmähten die Fans ihre Mannschaft, der Zorn richtete sich aber einmal mehr gegen den Vorstand.

Fans reicht es wieder einmal

Die Westtribüne empfing ihre Mannschaft mit einem Transparent mit der Aufschrift: „Ihr habt uns Hoffnung gemacht, jetzt ist wieder alles beim Alten. Wir wollen euch endlich siegen sehen!“

Daraus wurde es auch im sechsten Spiel in Folge nichts, da Rapid nach ambitioniertem Beginn das Spiel eklatant aus der Hand gab und ab der 50. Minute mit 0:2 zurücklag.

Fakt am Rande: Rapid ist damit die einzige Mannschaft, die im Jahr 2013 noch sieglos ist.

Der Druck und die Verunsicherung war den Spielern sichtlich anzumerken, die Unmutsäußerungen der Anhänger auf den Tribünen waren dazu nicht gerade förderlich.

Diese skandierten „Wir wollen Rapid sehen“ und bedachten ihr Team schon in den ersten 45 Minuten mit Pfiffen.

„Das haben wir uns selbst eingebrockt“

„In dem Beruf ist das verständlich, das haben wir uns selbst eingebrockt“, gab ein geknickter Terrence Boyd im Gespräch mit LAOLA1 zu.

Im Hinterkopf hatte er bereits das Szenario aus dem WAC-Spiel im Herbst, als die Fans die Tribünen verließen. Aufgrund der aktuellen Situation kann der Stürmer die Unzufriedenheit jedoch verstehen.

„Seit sechs Spielen warten sie auf einen Sieg, dann haben sie gegen Salzburg gesehen, dass es wieder läuft und wir kämpfen. Das ist jetzt wieder verloren gegangen. Das ist schade. Wir müssen uns und die Fans belohnen. Es reicht.“

Trainer Peter Schöttel sah in der Unterstützung von außen ebenso Licht und Schatten, wie im Spiel seiner Mannschaft.

Aufholjagd, aber kein sichtbares Zeichen

Sowohl der Chefbetreuer als auch die Spieler waren vor allem aufgrund der ersten Halbzeit ratlos und flüchteten sich in Durchhalteparolen.

„Im Endeffekt muss man über das 2:2 schon glücklich sein, wenn man 0:2 hinten war. Aber das ist nicht unsere Anforderung. Wir müssen daheim gegen Mattersburg gewinnen. Da gibt es nichts zu diskutieren“, meinte Torhüter Lukas Königshofer.

Schöttel konnte der Moral seiner Mannschaft, nach einem Zwei-Tore-Rückstand zurückzukommen, etwas abgewinnen, und doch fehlte ihm etwas Entscheidendes.

„Was mir am Schluss gefehlt hat, war das sichtbare Zeichen, dass wir noch zusetzen können und den Sieg erzwingen.“

„Mussten uns an den Eiern packen“

Dabei hatte man die angekündigten Veränderungen durchgezogen, mit Markus Heikkinen in der Innenverteidigung anstelle von Gerson überrascht und Deni Alar für Marcel Sabitzer geopfert. Erst in der zweiten Hälfte wurde man belohnt.

„Wir haben uns einfach an den Eiern packen müssen. Wir haben es leider wieder ganz am Anfang verschlafen“, suchte Königshofer gar nicht nach Ausreden und ergänzte:

„Es gibt viele Punkte. Wenn du schon lange nicht mehr zu Null gespielt hast, dann passt hinten was nicht und vorne brauchen wir zu viele Chancen, um die Tore zu machen. Wenn wir das wieder abstellen, gewinnen wir wieder.“

Trotzdem ging die Talfahrt, deren Tiefpunkt nach drei Punkten aus den letzten sechs Spielen noch nicht absehbar ist, weiter.

Defensive bereitet Rapid Sorgen

Die Defensive bereitet auch Schöttel Kopfzerbrechen. Von Rapids Trumpf aus dem Herbst ist längst nichts mehr zu erkennen.

„Wir haben eineinhalb Jahre gut von unserer Defensive gelebt und kaum Fehler gemacht.“ Nun ist genau das Gegenteil der Fall: Viele Fehler, viele Gegentore.

Vor allem Routiniers wie Mario Sonnleitner und Harald Pichler steckten die Mannschaft mit hektischem, fehlerhaftem Spiel an.

„Es genügen schlechte Aktionen zu Beginn, dass auch solche Spieler nicht die nötige Sicherheit haben“, begründete der Trainer den rabenschwarzen Tag der erfahrenen Akteure.

Verschenkte Punkte für Mattersburg

Im Lager des SV Mattersburg wusste man nicht so recht, ob man trauern oder sich freuen sollte. Mit der 2:0-Führung und einem optimalen Spielverlauf wäre es angerichtet gewesen.

„Als Bundesliga-Mannschaft sollte man in der Lage sein, dass nach Hause zu schaukeln. Ich kann es der Mannschaft aber nicht wirklich vorwerfen. Wir sind so jung unterwegs, da sind dem einen oder anderen die Rösser durchgegangen“, kann Trainer Franz Lederer mit dem 2:2 leben.

„Schade ist es auf jeden Fall. Vorher hätten wir den Punkt im Hanappi genommen, so sind es zwei verlorene Punkte“, merkte Torschütze Patrick Bürger an.

Größer ist der Ärger jedoch im grün-weißen Lager, denn die Negativserie geht weiter. Ruhige Wochen stehen dem angezählten Boxer vorerst nicht ins Haus.


Alexander Karper

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