Hyballa im Ironiemodus: "Sie spielen gegen mich"

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„Die Mannschaft hat heute gezeigt, dass sie klar gegen den Trainer spielt, war total lauffaul, hat keinen Bock gehabt, an jungen Spielern kommt nichts nach, sie wollten Rapid immer auf das Tor gehen lassen. Es ist ganz klar, dass sie gegen mich spielen, das habe ich heute auch so gesehen.“

Nach dem 1:1 von Sturm Graz bei Rapid flüchtete sich Peter Hyballa in Galgenhumor. Witterte der Trainer der Steirer nach dem Fehlstart in die Frühjahrs-Saison eine „Hetzkampagne“ gegen seine Person, gelang mit dem Punktgewinn im Hanappi-Stadion ein kleiner Schritt nach vorne.

„Mit ein bisschen mehr Fortune und Qualität kannst du das Spiel auch gewinnen“, trauerte der Deutsche gar dem totalen Befreiungsschlag nach. Letztlich war es eine gerechte Punkteteilung. Grün-Weiß dominierte vor der Pause das Geschehen, nach dem Seitenwechsel war Schwarz-Weiß tonangebend.

„In der zweiten Halbzeit waren wir ganz dick da“

„Rapid war in der ersten Halbzeit Punktsieger“, gestand auch Hyballa, „sie haben besser in die Breite gespielt, konnten uns mit Wechselpässen überraschen. Wir sind in der Umschaltphase nicht gut im Ballbesitz geblieben, weil noch ein bisschen die Verunsicherung da war und wir vor dem Ball ab und zu weggelaufen sind, anstatt Verbindung zum Ball zu kriegen.“

Verunsicherung ist ein gutes Stichwort. Nach den beiden bescheidenen Darbietungen in Mattersburg und gegen Wolfsberg näherte sich die Stimmung im Graz dem Gefrierpunkt, das schon die ganze Saison über fragile Gebilde wackelte bedenklich.

Das war anfangs auch beim Gastspiel in Hütteldorf zu bemerken. „Solche zwei Spiele, wie wir sie abgeliefert haben, gehen natürlich nicht spurlos an den Spielern vorbei“, betonte Andreas Hölzl, „wir haben versucht, kompakt zu stehen und kontrolliert nach vorne zu spielen. Das ist uns am Anfang überhaupt nicht gelungen. Mit Fortdauer des Spiels haben wir das besser umgesetzt, in der zweiten Halbzeit waren wir ganz dick da.“

„In solchen Spielen ist es wichtig, sich reinzubeißen und reinzukämpfen. Das haben wir gemacht. Dann wird man auch belohnt und kommt zu Torchancen“, ergänzte Jürgen Säumel.

Vujadinovic sorgt für Staunen

Genutzt hat solch eine Chance – wieder einmal – Nikola Vujadinovic, der das Abseitstor von Branko Boskovic egalisierte. Der 26-Jährige erzielte bereits sein sechstes Saison-Tor – eine unglaubliche Bilanz für einen Innenverteidiger.

Schloffer sei in der ersten Halbzeit „ein paar Meter umsonst gerannt. Unsere Idee war, dass wir Mario Sonnleitner volle Kanne anlaufen. Das hat ab und zu mal gepasst, ab und zu nicht. Er hat sehr viel Drecksarbeit gemacht. Zweite Halbzeit hat man auch seine technischen Fähigkeiten gesehen. Er kann gut aufdrehen, darum sollte er Zehner spielen, weil er dann auf die Gegenspieler aufdribbeln kann.“

„Muss Mann und Profi genug sein, das am Spielfeld auszublenden“

Letztlich war Sturms Performance in den zweiten 45 Minuten ein Schritt in die richtige Richtung. Wie schnell an der Mur Ruhe einkehren kann, hängt wohl auch vom Duell mit Schlusslicht Admira am kommenden Samstag ab – aus Sicht Sturms ein klarer Pflichtsieg.

Damit sorgt er selbst im Sturm-Lager für Staunen. „Ich habe ihn schon gefragt, ob er einen Magneten in seinem Kopf eingebaut hat. Es ist ein Wahnsinn: Er steht zwischen drei, vier Leuten einen halben Meter höher als alle anderen. Er ist auf alle Fälle einer der besten Kopfball-Spieler, mit denen ich jemals zusammengespielt habe“, lobte Hölzl.

Hyballa betonte, dass er die Mannschaft in der Halbzeitbesprechung darauf eingeschworen habe, um jeden Freistoß oder Eckball zu fighten. Letztlich führte ein Standard zum Erfolg.

Den 37-Jährigen stellte zudem zufrieden, dass seine Schützlinge die krankheitsbedingten Ausfälle von Milan Dudic und Richard Sukuta-Pasu am Spieltag weggesteckt haben: „Wir haben Ja-Und?-Mentalität bewiesen und uns gesagt, dann spielen eben zwei andere.“

„Schloffer ist 1,20 Meter groß, hat aber so ein Herz“

Einer davon war Youngster David Schloffer, der erstmals in der Bundesliga von Anfang an ran durfte. „Der Kleine macht trotzdem Spaß“, war Hyballa begeistert, obwohl dem 20-Jährigen nicht alles gelang, „er hat immerhin gegen Heikkinen und Boskovic gespielt. Der ist 1,20 Meter groß, hat aber so ein Herz – bambambambam!“

Die Spieler selbst zeigten sich von der jüngsten Berichterstattung nicht zu sehr beeindruckt. Hölzl: „Natürlich ist viel geschrieben worden. Aber das haben wir uns durch die schlechten Spiele selbst eingebrockt. Das gehört zum Profi-Fußball dazu. Man muss Mann und Profi genug sein, das auf dem Spielfeld auszublenden. Das gelingt nicht immer zu 100 Prozent, aber man muss positiv an die Sache herangehen.“

Laut Säumel war die Woche nicht einfach, aber „das Schöne am Fußball ist, dass man während der 90 Minuten am Platz nicht daran denkt und einfach nur gewinnen will. Wir haben sehr viel Wille und Kampfgeist gezeigt. Nur so kommt man aus so einem Tal heraus.“

„Egal ob Hyballa, Mourinho oder Gress“

Laut Meinung des 28-Jährigen seien im Laufe einer Saison Höhen und Tiefen für eine Mannschaft im Umbruch normal. Die Diskussion über Hyballa kommentiert der Publikumsliebling wiefolgt:

„Es ist viel geschrieben und gesprochen worden. Ich sage ganz ehrlich: Ob Peter Hyballa, Jose Mourinho oder Gilbert Gress auf der Bank sitzt, ist mir eigentlich egal – ich möchte mit Sturm erfolgreich sein, Spiele gewinnen und noch etwas erreichen. So versuchen wir auch aufzutreten. Es geht nur gemeinsam. Betreuer, Mannschaft, Ersatzspieler – alle müssen zusammenhalten. Dann kann unsere Mannschaft auch erfolgreich sein.“

Unabhängig vom Ergebnis gegen die Admira ist bei Sturm danach wieder einmal eine Aussprache von Nöten. Diese war ursprünglich schon in dieser Woche geplant gewesen, musste jedoch aufgrund eines grippebedingten Krankenstands von Ayhan Tumani vertagt werden.

Generalmanager Gerhard Goldbrich wird sich mit dem Geschäftsführer Sport und Hyballa zwecks Analyse an einen Tisch setzen.

Für den Coach kein Problem: „Ich spreche ja gerne.“


Peter Altmann/Alexander Karper

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