Brennpunkte einer Derbyschlacht

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"Hatte immer das Gefühl, dass das Spiel kippt"

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„Wir haben gewusst, dass wir heute nicht schlecht gespielt haben, aber wenn man ein Derby daheim verliert, ist das das Schrecklichste, was es gibt“.

Die Aussage von Christopher Trimmel spiegelt wohl am besten die grün-weiße Gefühlswelt wider. Rapid bot der Austria im 304. Wiener Derby trotz sechzigminütiger Unterzahl einen offenen Kampf, stand am Ende aber wieder ohne Punkt da und musste sich im Hanappi-Stadion mit 1:2 geschlagen geben

"Diese Niederlage tut sehr, sehr weh"

„Diese Niederlage tut sehr, sehr weh. Wir haben gewusst, was auf dem Spiel steht, haben dementsprechend viel investiert. Die Meisterschaft ist jetzt kein Thema mehr, wenn man 13 Punkte hinten ist“, erklärt Rapid-Trainer Peter Schöttel.

Selbst Austria-Coach Peter Stöger spricht von einem glücklichen Erfolg. „Es wäre auch okay gewesen, wenn Rapid einen Punkt gemacht hätte. Ich habe sie auf Augenhöhe gesehen. Es ist das eingetreten, was wir uns erhofft, vorauf wir jetzt im Winter hingearbeitet haben: Wir konnten Rapid in der Tabelle weiter abhängen und noch mehr Druck auf Salzburg aufbauen.“

LAOLA1 hat die sieben Brennpunkte:

Die rasante Anfangsphase:

Die ersten 20 Minuten gehörten Rapid. Vor eigenem Publikum legten die Grün-Weißen eine Gangart an den Tag, die die Austria sichtlich überraschte. „Bis zur 1:0-Führung haben wir das Spiel dominiert“, merkte Marcel Sabitzer nach seinem Derby-Debüt an. Der Meinung war auch Trainer Peter Schöttel: „Wir haben sehr viel in Hinsicht auf diese Partie und in der Anfangsphase investiert.“ Burgstaller und Hofmann tasteten sich bereits an das gegnerische Tor heran, die Austria kam nur selten kontrolliert über die Mittellinie. „Wir waren heute nicht so ruhig wie sonst. Zudem waren es schwierige Platzverhältnisse. Es soll keine Ausrede sein, wir haben uns sehr schwer getan, den Ball zirkulieren zu lassen und mit dem ersten Kontakt weiterzuspielen. Oft waren zwei, drei Kontakte notwendig, um die Kugel unter Kontrolle zu bekommen“, rechtfertigt sich Marko Stankovic. Rapids Drangperiode wurde schlussendlich auch belohnt.

 

Rapids Führungstreffer zum 1:0:

In der 20. Minute belohnte Christopher Trimmel die forsch nach vorne spielenden Hütteldorfer. Allerdings unter freundlicher Mithilfe von Austria-Keeper Heinz Lindner. „Ich habe nur auf den Ball geschaut und bin nur gerade in die Höhe gesprungen. Ich habe ihn nicht einmal berührt. Das Tor habe ich gerne angenommen“, schließt Trimmel eine Attacke gegen den Schlussmann aus. Dieser sah es etwas anders. „Das Regelwerk ist so, dass wenn ein Torhüter die Hände in die Höhe gibt und dabei attackiert wird, hat der Schiedsrichter abzupfeifen. Das war bei mir der Fall. Ich habe mich irritiert gefühlt.“ Nach dem Schlusspfiff waren sich der Schiedsrichter, Schöttel und auch Stöger sicher: „Kein Foul, ein reguläres Tor.“ Doch die Führung währte nicht lange.

Der Ausgleich:

Wie wäre das Duell der beiden Erzrivalen wohl verlaufen, hätte Philipp Hosiner die Austria nicht sieben Minuten nach der Führung von Rapid zurück in die Partie gebracht (27.)? Quasi mit dem ersten Torschuss gelang der Ausgleich. Nach einer unglücklichen Kopfball-Abwehr von Gerson versenkte der Führende der Torschützenliste die Kugel spektakulär im Kreuzeck. „Den trifft er in hundert Jahren nicht mehr so“, haderte Marcel Sabitzer. FAK-Coach Stöger konterte: „Den treffen einfach nicht viele so.“ Sein Pendant, Peter Schöttel, ärgerte sich ebenfalls: „Da gehen wir verdienterweise in Führung und kassieren dann aus dem ersten Torschuss den Ausgleich.“ Der Wiener lobte im gleichen Atemzug aber die Violetten: „Das zeichnet die Austria diese Saison aus, dass sie kaum Chancen brauchen um ein Tor zu erzielen.“ Und Christopher Trimmel: „Es ist typisch für uns. Sie haben eine Torchance und die sitzt. Was soll man machen?“

 

Der Ausschluss von Branko Boskovic:

Mit Standing Ovations wurde Branko Boskovic bei seiner Rückkehr ins Hanappi-Stadion willkommen geheißen, nach 29 Minuten war von Feierlichkeiten keine Spur mehr. Immer anspielbar, zweikampfstark und jener Ruhepol, der danach mit Gelb-Rot nach zwei harten Attacken vom Platz musste. „Boskovic hat elf Minuten zu lange gespielt“, meinte Stöger, nachdem Marin Leovac mit fünf Stichen genäht werden musste. „Da hätte man auch gleich Rot geben können“, musste selbst Schöttel zugeben. Schiedsrichter Grobelnik beließ es bei Gelb, in der 29. Minute überspannte der Montenegriner aber den Bogen, mit einer Grätsche gegen Manuel Ortlechner. „Eine dumme Rote Karte, die verdient war“, meinte Austria-Rückkehrer Nacer Barazite. „Es ist schade, aber es ist nun einmal so im Derby. Es sind sehr viele Emotionen, sehr viele Zweikämpfe, die nahe an der Roten vorbeigehen. Aber das ist normal und das riskiert man auch im Derby“, nahm Trimmel Boskovic in Schutz.

 

Schiedsrichter Gerhard Grobelnik:

Der 37-Jährige hatte vor allem in den ersten 30 Minuten viel um die Ohren und wirkte teilweise überfordert. Speziell für Rapid waren seine Entscheidungen nicht immer nachvollziehbar. So forderte Schöttel unmittelbar nach dem Boskovic-Ausschluss auch für Fabian Koch die Ampel-Karte, nachdem der vorbelastete Tiroler Guido Burgstaller am Mittelkreis von den Beinen holte. „Natürlich will ich da Gelb-Rot. Für dieses Foul hätte man eine Karte geben können.“ Auch seine Spieler haderten. „Es gab sehr viele 50:50-Entscheidungen, die meistens gegen uns entschieden wurden“, erklärte Mario Sonnleitner. Selbst Koch, der in der 92. Minute für ein angebliches Foul doch noch vorzeitig vom Platz musste, hinterfragte so manchen Pfiff: „Der Schiedsrichter hat früh Karten verteilt, wollte somit das Spiel unter Kontrolle bringen. Doch das ist ihm nicht richtig gelungen.“ Rückendeckung erhielt Grobelnik hingegen von Manuel Ortlechner. „Man muss sich auch einmal in den Schiedsrichter hinein versetzen. Nach fast jedem Pfiff sind vier, fünf Rapidler zu ihm gelaufen. Dann kommt das Publikum hinzu. Er hatte es nicht leicht.“

Die 2:1-Führung der Austria:

Ein schön herausgespielter Konter sorgte in der 54. Spielminute für den Endstand. Wieder war Hosiner nach einer perfekten Flanke von Nacer Barazite der Nutznießer eines Stellungsfehlers von Gerson und traf aus kurzer Distanz per Kopf. Besonders bitter für Rapid: Der Gegenangriff entstand nach einer riesen Möglichkeit für die Hausherren, doch Trimmel köpfte im Fünfer direkt in die Hände von Austria-Keeper Lindner. „Der Treffer fällt genau zehn Sekunden nach einer großen Chance von uns“, wirkte Hofmann geknickt. Stöger streute seinem Schützling natürlich Rosen: „Er macht sich im Strafraum frei, das ist sein Gespür. Gott sei Dank haben wir heute Philipp gehabt.“ Harald Pichler zeigte sich hingegen naturgemäß wenig begeistert über den Torschützen vom Dienst: „Das ist wieder etwas anderes, dass er aus zwei Chancen, zwei Tore macht.“

 

Drängen trotz Unterzahl:

Zur Überraschung vieler steckte Rapid auch in Unterzahl nicht zurück und drängte bis zuletzt auf den Ausgleich. „Man hat bis zum Schluss nicht gemerkt, dass wir einen Mann weniger sind“, zollte Schöttel seiner Mannschaft Respekt und merkte an, dass Rapid bei Elf gegen Elf besser, die Partie bei Elf gegen Zehn ausgeglichen war. Sein Gegenüber saß sichtlich auf Nadeln. „Ich hatte immer das Gefühl, dass die Partie noch kippen kann. Rapid hat wirklich sehr gut gespielt.“ Sabitzer hätte sich sein Debüt im Rapid-Trikot auch sicherlich anders vorgestellt: „Es ist sehr bitter, wir waren auch mit zehn Mann sicher nicht die schlechtere Mannschaft. Wir sind sehr enttäuscht.“ Warum die Austria trotz Überzahl nicht zu ihrem Spiel fand, versuchte Fabian Koch nach dem Schlusspfiff zu erläutern: „Rapid hat uns trotz Unterzahl sehr früh attackiert, darauf haben wir uns nicht richtig einstellen können. Wir wollten dann immer wieder in Ruhe rausspielen. Das war auf diesem Platz aber nicht möglich.“ Schlussendlich reichte es für den Spitzenreiter aber doch zu einem 2:1-Erfolg, was Philipp Hosiner sichtlich stolz machte: „Das war der nächste Schritt in Richtung Titel.“


Alexander Karper / Martin Wechtl / Harald Prantl

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