Zwei außer Rand und Band

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Zwei außer Rand und Band

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Ein gut inszenierter Blockbuster benötigt einen Guten und einen Bösewicht. Einen Helden und einen Übeltäter.

Bis auf wenige Ausnahmen behält in der Filmindustrie immer Ersterer die Oberhand und darf sich schlussendlich feiern und auszeichnen lassen.

Im Fußball-Geschäft ist es nicht anders, schon gar nicht in einem Wiener Derby. Nach den zwei Protagonisten musste man beim 2:1-Auswärtserfolg der Austria gegen Rapid diesmal nicht lange suchen.

Während Philipp Hosiner seinen Widersachern das Fürchten lehrte, machte sich Gegenspieler Branko Boskovic in seiner Rolle keine Freunde.

LAOLA1 lässt das Derby aus zwei konträren Sichtweisen Revue passieren:

PHILIPP HOSINER (90 Minuten, 2 Tore):

Langsam gehen einem die Superlative aus. Was soll man über Philipp Hosiner noch schreiben? Der 23-Jährige startete so ins Frühjahr, wie er im Herbst aufgehört hat. Mit Toren am Fließband. Nach 21 Treffern in der Hinrunde, traf der Austria-Stürmer auch gleich im Derby doppelt und avancierte somit zum violetten Matchwinner.

Dafür benötigte der Ex-Admiraner gerade einmal drei Torschüsse. Mehr Effizienz geht nicht. Das weiß auch FAK-Coach Peter Stöger.  „Er hat seine Qualitäten. Den ersten treffen nicht viele so. Beim zweiten Tor macht er sich perfekt frei. Er hat das Gespür dafür“, meinte der 46-Jährige.

Selbst Rapids Sportdirektor Helmut Schulte zollte der Leistung des Burgenländers Respekt: „Er hat den Unterschied ausgemacht. Zweimal haben wir Hosiner etwas gestattet und zweimal hat er es ausgenutzt. Das spricht für seine Cleverness, es spricht für seine Klasse.“

„…dann machen andere die Tore“

Der „Serientäter“ bleibt wie immer bescheiden. „Ich hoffe natürlich, dass es so weitergeht. Ich weiß aber auch, dass ich nicht immer so viele Tore schießen werde. Aber wenn ich einmal nicht zur Stelle bin, werden andere die Tore machen. Wichtig sind die Punkte. Und wichtig ist, dass wir bewiesen haben, dass wir die Form vom letzten Jahr behalten haben und auch solche Spiele wie im Hanappi-Stadion gewinnen können“, erklärte Hosiner im Gespräch mit LAOLA1.

Dabei wurde in der Winterpause bereits darüber spekuliert, ob der ÖFB-Teamspieler seine Form konservieren kann – schließlich gelang ihm in der Vorbereitung keine einziger Treffer.

„Die, die geglaubt haben, dass wir vorne etwas schwächeln, weil Philipp in den Testspielen nichts getroffen hat, sind eines besseren belehrt worden. Ich kann ihm nur gratulieren“, gab Heinz Lindner zu Protokoll.

Erstmals gegen Rapid getroffen

Durch den Doppelpack hat Austrias Nummer 16 nun auch erstmals in seiner Bundesliga-Karriere gegen Rapid ins Schwarze getroffen. Die Grün-Weißen fehlten dem Goalgetter bisher noch auf seiner Rechnung.

„Heute hat es mit den ersten Derby-Toren geklappt. Endlich. Ich habe aber noch nicht so oft gegen sie gespielt. Es ist ein schönes Gefühl“, so Hosiner.

Und seine Teamkollegen freuen sich mit ihm. „Ich habe gehört, dass Hosi schon gegen jede Mannschaft getroffen hat, außer gegen Rapid. Im Herbst hat er noch zwei, drei Sitzer ausgelassen, deswegen hat er sich vorgenommen heute unbedingt zu treffen. Das ist ihm gelungen“, berichtete Manuel Ortlechner.

„Der nächste Schritt zum Titel“

Der FAK-Kapitän weiß, wie wertvoll der Sommer-Zugang für die Veilchen ist. „Er ist voll motiviert. Philipp sagt immer, dass er uns mit seinen Tore weiterhelfen will. Und heute hat er uns wieder extrem weitergeholfen. Das ist sein Job.“

Laut Hosiner war „der Sieg der nächste Schritt zum Titel“. Allzu viel möchte er sich mit dem Thema und den möglichen Titelkonkurrenten aber nicht beschäftigen – noch nicht. „Es ist uns egal, wer alles im Titelrennen ist. Wir schauen auf uns, wollen Woche für Woche Punkte holen.“

Die nächste Gelegenheit bietet sich dafür am kommenden Samstag im Heimspiel gegen seinen Ex-Klub Admira. Beim 6:4-Auswärtssieg im Herbst glänzte der Führende der Torschützenliste mit drei Toren. Eine Steigerung ist wohl kaum möglich, oder doch?

BRANKO BOSKOVIC (29 Minuten, Gelb-Rote Karte, 1 Assist):

Als der 32-jährige Rückkehrer den Spielertunnel durchschritt und von den heimischen Fans frenetisch bejubelt wurde, herrschte Gänsehaut-Stimmung im Hanappi-Stadion.

29 Minuten später lief eben diesen ein kalter Schauer über den Rücken. Der große Hoffnungsträger nahm sich selbst aus dem Spiel und zog nach übertriebenem Einsatz mit Gelb-Rot von dannen.

Dabei hatte für den Montenegriner alles so positiv begonnen. „Er ist ja ein guter Spieler, also war das nicht so überraschend“, meinte Trainer Peter Schöttel über die schnelle Integration und die Präsenz des Montenegriners im Rapid-Spiel.

In der Anfangsphase bot er eine stetige Anspielstation, glänzte mit gutem Stellungsspiel und zeigte sich lauf- und kampfstark. Die Krönung seines Kurzeinsatzes war der Assist zum 1:0 von Christopher Trimmel.

„Das Spiel hat mit zu viel Emotion begonnen“

Doch kurz vor dem Führungstreffer und kurz nach dem Ausgleich zum 1:1 brannten Boskovic die Sicherungen durch, was sich der Routinier mit seiner jahrelangen Erfahrung selbst nur schwer erklären konnte.

„Das Spiel hat mit zu viel Emotion begonnen. Es hätte jedem passieren können. Vielleicht habe ich die Rote Karte verdient, vielleicht nicht. Ich weiß es nicht. Ich habe auf keinen Fall ein Foul begangen, um jemanden zu verletzten“, rechtfertigte sich der Übeltäter nach seinen zwei Vergehen.

In der 18. Minute ging er zu forsch in den Zweikampf mit Marin Leovac und traf den Austrianer unglücklich am Kopf. Keine Absicht, aber eine Aktion mit Folgen.

Zum einen handelte sich Boskovic die erste Gelbe Karte ein, zum zweiten zog sich sein Gegenspieler ein Cut zu, das mit fünf Stichen genäht werden musste.

„Hätte ruhiger bleiben müssen“

„Schon das erste Foul war grenzwertig, da kann es auch gleich Rot geben“, stellte Rapid-Trainer Peter Schöttel unmissverständlich klar. Auch für sein Gegenüber, Peter Stöger, stand der Pulikumsliebling zu lange auf dem Platz.

„Ich bin in jedem Spiel motiviert. Ich hatte das nicht vor, aber es ist passiert. Ein Derby ist mehr, jeder will gewinnen. Vielleicht hätte ich nach der ersten Gelben Karte ein bisschen ruhiger bleiben müssen“, nahm sich der Mittelfeldspieler in die Pflicht.

Nur elf Minuten später – zwei nach dem 1:1 – übertrieb es der Heißsporn, als er zu übermotiviert in einen Zweikampf mit Manuel Ortlechner grätschte, der Austria-Kapitän aber zum Glück nur mit dem Schrecken davon kam.

„Das kann passieren. Der Ball war frei und ich gehe mit dem Maximum in jeden Ball. Ich gehe sehr hart in diesen Zweikampf, aber ich denke, ich habe ihn nicht verletzt.“

Bei Schiedsrichter Gerhard Grobelnik hatte er nach der ersten Aktion sowieso das Gefühl, dass dieser nur darauf warte, ihm ein zweites Mal Gelb zu zeigen.

„Branko hat uns heute nicht geholfen“

Kein Wunder, dass Trainer und Mannschaftskollegen den Ausschluss als Knackpunkt sahen. „Branko hat uns heute nicht geholfen, aber wir sind gut damit umgegangen“, meinte Schöttel. Boskovic konnte nach seinen unüberlegten Taten nur um Verzeihung bitten.

„Ich entschuldige mich bei meinem Team, weil ich es nach 30 Minuten alleine gelassen habe. Es tut mir so leid und ich bin enttäuscht, weil wir auf einem guten Weg waren.“

Christopher Trimmel hatte sogar leichtes Verständnis dafür, da ein Derby immer seine eigenen Gesetze hat. „Es war schade, aber es ist nun einmal so im Derby. Es sind sehr viele Emotionen, sehr viele Zweikämpfe, die nahe an der Roten vorbeigehen. Aber das riskiert man in einem Derby.“

Für Rapid ist der Ausschluss doppelt bitter. Erstens wurde eine Partie zum Großteil aus der Hand gegeben, andererseits ist Boskovic‘ Sperre auswärts gegen Salzburg unumgänglich.


Martin Wechtl / Alexander Karper / Harald Prantl

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