Okoties innerliche Freude

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Okotie: "Ich wollte nicht exzentrisch jubeln"

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Wenn ein Stürmer nach dem Schlusspfiff von Interview zu Interview gereicht wird, stehen die Chancen prächtig, dass er soeben einen erfolgreichen Arbeitstag hinter sich gebracht hat.

Im Fall von Rubin Okotie kann man getrost davon sprechen.

Geduldig absolvierte er mit dem Dress von Kumpel Tomas Simkovic im Arm den Gesprächsmarathon mit den Medienvertretern und schilderte, wie mit seinem Goldtor zu Sturms Matchwinner beim 1:0-Erfolg bei der Wiener Austria avancierte.

Ausgerechnet Okotie, ausgerechnet gegen den Ex-Verein – eine jener viel zitierten Geschichten, wie sie der Fußball so gerne schreibt.

„Ich habe mich innerlich gefreut“

Von der gemeinsamen Vergangenheit geprägt war nach seinem Treffer auch der Jubel des Goalgetters, wenn man diesen überhaupt als solchen bezeichnen konnte.

„Ich bin ehrlich gesagt gar nicht so explodiert. Ich habe mich innerlich gefreut und wollte nicht exzentrisch jubeln“, beschreibt Okotie gegenüber LAOLA1 die Glücksmomente, nachdem der Ball in der 25. Minute im Netz zappelte.

Eine Geste aus Respekt vor seinem früheren Arbeitgeber, wie der 25-Jährige betont: „Ich habe der Austria einiges zu verdanken. Ich habe eine super fußballerische Ausbildung bekommen und den Sprung zum Profi geschafft. Deswegen bin ich dem Verein dankbar, das vergisst man natürlich nicht.“

57 Bundesliga-Spiele, in denen er 21 Treffer erzielte, absolvierte der Angreifer für die Veilchen, ehe er sich im Sommer 2009 einen Knorpelschaden im Knie zuzog und Wien-Favoriten am Saisonende eher im Unfrieden in Richtung Nürnberg verließ.

„Wollte schon gegen Salzburg spielen“

Ein Thema, das Okotie als abgehakt betrachtet. Im Gegensatz zu Teilen der Austria-Fans, die ihren früheren Liebling mit Pfiffen bedachten.

„Ich weiß nicht, was damals genau abgelaufen ist, die Fans wissen es auch nicht, deswegen sollte man ihn nicht verurteilen. Für Rubin gibt es kein böses Blut mehr, er hat das gut weggesteckt und die richtige Antwort gegeben“, erklärt Michael Madl, der mit Okotie die Austria-Vergangenheit teilt.

Ebenso wie die Sturm-Gegenwart. Und für diese war der Treffer Eigenwerbung mit perfektem Timing. Denn beim Auftakt gegen Red Bull Salzburg musste der viermalige ÖFB-Teamspieler noch auf der Bank Platz nehmen. Diesmal erleichterte die Verletzung von Imre Szabics Trainer Peter Hyballa die Entscheidung, wen er an der Seite von Richard Sukuta-Pasu nominiert.

„Natürlich ist das immer noch mein großes Ziel. Das erste Mal, als ich im Ausland war, war ich körperlich einfach nicht im selben Zustand wie jetzt.“

Soll heißen: Eine erfolgreiche Saison im Sturm-Dress vorausgesetzt, könnte im kommenden Sommer wieder der Sprung über die Landesgrenzen hinaus gelingen.

„Hyballa ein positiv verrückter Typ“

Die von Hyballa forcierte Spielphilosophie kommt Okotie beim Vorhaben, auf sich aufmerksam zu machen, natürlich entgegen. „Er ist ein positiv verrückter Typ, der offensiven Fußball zeigen will. So trainieren wir und so versuchen wir auch aufzutreten“, lobt der Stürmer.

Wobei er die Performance bei der Austria trotz des Siegs realistisch als „nicht so überragend“ einstuft, “aber wir haben gewonnen, und das ist das Wichtigste.“

Eine Einschätzung, die seine ehemaligen Kollegen bei der Austria wohl nicht wirklich teilen können – auch Simkovic nicht. Warum er sich eigentlich gerade dessen Dress geschnappt hat?

„Ich kenne ihn schon lange. Wir haben schon in der Rapid-Jugend und in der Austria-Akademie zusammengespielt. Wir sind sehr gute Freunde. Ich freue mich, dass er bei der Austria gelandet ist und hoffe, dass er in Zukunft auch regelmäßig spielt.“

Peter Altmann/Harald Prantl

„Für mich war es extrem wichtig. Ich wollte schon gegen Salzburg spielen, aber der Trainer hat gedacht, ich brauche noch ein bisschen Zeit, weil ich später eingestiegen bin“, verdeutlicht Okotie, der bei der Pressekonferenz vor dem Spiel mit dem Sager auffiel, dass er sich selbst aufstellen würde, wenn er Sturm-Coach wäre.

„Ich war schon ungeduldig. Ich sitze ungern draußen und möchte immer spielen“, grinst der Stürmer auf diesen Sager angesprochen.

„Ausland immer noch mein großes Ziel“

Immerhin ließ er seinen Worten Taten folgen, was auch bei seinen Kollegen gut ankam. „Er hat vom Start weg gespielt und gleich eine sehr gute Leistung gebracht. Er hat sich für die Mannschaft zerrissen, ist sehr weite Wege gegangen, hat den Ball gut gehalten und sich mit dem Tor selbst belohnt“, freut sich Manuel Weber für seinen Mitspieler.

Ein Mitspieler, der Sturm im Sommer durchaus auch abhandenkommen hätte können. Nach einem halbjährigen Engagement als Leihspieler war ein Verbleib in Graz erst nach langwierigen Verhandlungen mit Nürnberg möglich.

Okotie wiederum entschied sich dafür, nur für ein Jahr in der steirischen Landeshauptstadt zu unterschreiben. „Ich habe gelernt, nicht zu weit zu planen, sondern jeden Tag das Beste zu geben“, erklärt die Offensivkraft, die gar nicht verhehlt, weiterhin das Thema Ausland im Hinterkopf zu haben:

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