"Alar ist einfach ein sehr schlauer Spieler"

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Rapids Woche als turbulent zu beschreiben, gleicht einer Untertreibung. Bis alle Problemfelder gelöst sind, wird wohl noch viel Wasser die Donau hinunterfließen.

Zumindest sportlich gelang den Hütteldorfern mit dem 3:0 beim SV Mattersburg ein erster Befreiungsschlag.

„Das ist sehr wichtig. Denn die letzten Runden, besonders das letzte Spiel, waren katastrophal von uns. Wir haben uns vorgenommen, dass wir von Anfang an Gas geben“, erklärte Deni Alar.

Gesagt, getan. Der Steirer selbst bugsierte nach guten drei Spielminuten einen Freistoß ins Tor der Burgenländer – der Auftakt zu einer grün-weißen Halbzeit nach Maß.

„Leichter als erwartet“

Die restliche Partie ist schnell zusammengefasst. In Minute 31 schob Alar seinen zweiten direkten Freistoß über die Linie, sechs Minuten später schloss Terrence Boyd einen Konter eiskalt ab. Kurz vor der Pause sah Mattersburgs Manuel Seidl die Gelb-Rote Karte – der endgültige Knockout für den SVM.

„Es war schlussendlich leichter, als wir es erwartet haben. Der Spielverlauf war mit den beiden Standard-Situationen sehr günstig. Nachdem sich der Gegner mit dem Ausschluss selbst geschwächt hat, war es eigentlich schon zur Pause entschieden“, resümierte Trainer Peter Schöttel.

Über die zweiten 45 Minuten, eine Halbzeit aus der Kategorie "besonders ereignislos", lässt sich getrost der Mantel des Schweigens hüllen. „Da hätten wir noch nachlegen und giftiger sein können, sodass wir sie wirklich zerstören und ein paar Tore folgen lassen. Aber wir haben 3:0 gewonnen, da kann keiner etwas sagen“, meinte Boyd.

„Wenn der Torhüter stehen bleibt, schaut es natürlich blöd aus“

Etwas sagen, und zwar durchaus positiver Natur, ließ sich über Alar. Nach seiner Verletzungspause bewies er bei den beiden Freistößen seine Schlitzohrigkeit. Vor allem der zweite, den er flach ins Tormanneck schob, war frech.

„Wenn der Tormann stehen bleibt, schaut es natürlich blöd aus. Aber ich habe spekuliert, dass er glaubt, dass ich über die Mauer schieße und habe auch gesehen, dass er Schritte nach links macht“, schilderte der 22-Jährige seinen zweiten Treffer.

Damit hat Alar seine Bundesliga-Torausbeute in dieser Saison verdoppelt und im Meisterschaftsbetrieb erstmals seit 18. August, damals beim 3:0 gegen Sturm Graz, einen Treffer erzielt.

„Es war eine schwierige Zeit“, erinnerte sich der frühere Kapfenberger, „wenn man verletzt ist und den Kollegen von oben zuschauen muss, ohne eingreifen zu können, ist es nie schön. Ich habe auch schon länger nicht getroffen, deswegen ist es noch viel schöner für mich.“

„Deni braucht Steffen nicht auf die Beine zu schauen“

„Deni ist einfach ein sehr schlauer Spieler. Er hat neben Steffen Hofmann bei uns die größte Qualität, was Standards betrifft. Die hat er zum Glück ausgespielt“, freute sich Schöttel, der verneinte, dass sich Alar diesbezüglich speziell etwas vom verletzten Kapitän abgeschaut hat: „Er braucht Steffen nicht auf die Beine zu schauen, das hat er immer schon ganz gut gemacht.“

Das 1:0 versäumten die mitgereisten Anhänger, da sie erst nach 15 Minuten die Tribüne betraten und sich zehn Minuten in Schweigen hüllten, ehe sie sich mit „Vorstand-Raus“-Rufen erstmals bemerkbar machten. Eine eher kuriose Forderung angesichts der Tatsache, dass der Vorstand bei Rapid am operativen Geschäft nicht beteiligt ist.

Die Botschaft war natürlich an Präsident Rudi Edlinger und sein von Werner Kuhn und Stefan Ebner geführtes Management gerichtet.

Ihren Unmut taten die Fans auf einigen Transparenten kund. „Bewahren von Tradition und Streben nach Fortschritt sind kein Widerspruch“, stand darauf unter anderen zu lesen, oder auch: „Jetzt oder nie: Bonzen-Netzwerk zerschlagen, Neuanfang wagen“ beziehungsweise „Rapid kann nicht nur von unserer Stimmung leben“.

Die Rapid-Fans bastelten einige Botschaften an die Vereinsführung

„Man weiß, was die Rapid-Fans bewirken können“

Die angespannte Atmosphäre zu Teilen der Anhängerschaft zieht sich durch Schöttels bis dato eineinhalbjährige Amtszeit – ein Problem, das er geerbt hat. In Mattersburg lehnte er es ab, auf diese Causa näher einzugehen: „Ich bin mit meiner Aufgabe im sportlichen Bereich voll ausgelastet. Da übernehme ich gerne die Verantwortung, auch an Tagen, wo es nicht so gut läuft.“

Die Spieler wiederum wollen sich selbst in die Pflicht nehmen, auch wenn eher strukturelle Probleme im Mittelpunkt der Fan-Kritik stehen.

„Wir haben uns im letzten Spiel nicht richtig den Arsch aufgerissen. Man kann unglücklich verlieren, weil die andere Mannschaft besser war, obwohl man selbst gut gespielt und gefightet hat, aber wir haben nicht gut gespielt. Deswegen kann ich die Fans verstehen“, erklärte Boyd.

Trimmel wiederum hofft, dass sich mit der sportlichen Situation auch dieser Krisenherd entspannt: „Wenn man bei Rapid spielt, weiß man, was die Fans bewirken können. Es ist natürlich schade, dass es derzeit so ist, aber das einzige, was die Mannschaft machen kann, ist Siege einzufahren. Dann wird sich das alles wieder bessern.“

Wenn es nur um sportliche Fragen ginge, könnte der Interims-Kapitän Recht behalten. Aber die Probleme in Hütteldorf sind wohl komplizierter. Womit wir wieder beim vielen Wasser und der Donau wären…

Peter Altmann

Für Statistik-Freunde war es übrigens das Aufeinandertreffen der bei Standards ungefährlichsten Mannschaft der Liga (Rapid hatte davor erst drei Tore nach ruhendem Ball erzielt) und der anfälligsten, Mattersburg kassierte davor bereits elf Gegentore – ein klarer Punktsieg für die Wiener.

„Wir haben im Vorfeld gewusst, dass Mattersburg komischerweise bei Standards anfällig ist, obwohl sie super Kopfballspieler haben“, erläuterte Christopher Trimmel, der Rapid erstmals als Kapitän auf das Feld führte.

Schöttel stand bis auf Hofmann und Muhammed Ildiz nach einer Phase mit gröberen Personalsorgen diesmal wieder der komplette Kader zur Verfügung.

Extralob für Wydra

Ein Umstand, der ihn zuversichtlich stimmt: „Wir haben längere Zeit ohne Hofmann und Alar gespielt, das sind Säulen unserer Offensive. Natürlich haben wir mit ihnen mehr Qualität, und wenn ‚Steff‘ dann auch noch zurückkommt, werden wir ganz sicher noch besser spielen.“

Ein Extralob verdiente sich auch Dominik Wydra. Der erst 18-Jährige lieferte im zentralen Mittelfeld eine grundsolide Leistung ab, war immer anspielbar, wie seine 97 Ballkontakte beweisen, und beteiligte sich auch immer wieder am Spielaufbau. So leitete er etwa das 3:0 mit einem hervorragenden Pass auf Trimmel ein.

Schöttel: „Darum spielt er ja. Ich bitte deswegen auch immer um Geduld, dass solche Spieler halt schon, fünf, sechs, zehn oder zwölf Spiele brauchen, bis sie überhaupt in der Liga ankommen. Er ist eines unserer größten Talente, ist ein sehr kompletter zentraler Mittelfeldspieler, ist auch torgefährlich, schießt gut, spielt gute Pässe, ist laufstark. Ihm gehört sicher die Zukunft bei Rapid.“

Proteste der Rapid-Fans

Ob sich in näherer Zukunft das Verhältnis zum harten Kern der Fans entspannt, wird sich weisen. In Mattersburg setzte sich dieser matchunabhängig in Szene.

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