"Und schon wieder schießen wir uns ein Tor selbst..."

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Clever, schnörkellos, kaltblütig.

Sturms 2:1-Sieg bei der Admira lässt sich relativ einfach auf den Punkt bringen.

Ebenso die Pleite aus Sicht der Südstädter: fehleranfällig, verunsichert, zu wenig aggressiv.

Unter dem Strich setzten sich die jüngsten Trends fort: Die Grazer legten nach dem Sieg gegen Rapid nach, bei der Admira herrscht nach der vierten Niederlage in Folge endgültig Krisenstimmung.

„Das darf in der Bundesliga nicht passieren“

„Zur Halbzeit habe ich mir gedacht, dass noch alles drinnen ist, weil ich schon der Meinung war, dass wir Sturm bezwingen können. Dann gehen wir raus und schießen uns schon wieder ein Tor selbst. Das passiert uns in einer Häufigkeit, die in der Bundesliga nicht passieren darf“, ärgerte sich Trainer Didi Kühbauer nach dem 13. Gegentreffer in den vergangenen drei Begegnungen.

Gemeint ist die 47. Minute, als Rubin Okotie mit dem 2:0 die Vorentscheidung gelang – und zwar nach unglaublichem, tatsächlich bundesligaunwürdigem Blackout von Patrick Mevoungou. Der Kameruner, 2011 noch Meister mit Sturm, spielte dem Goalgetter den Ball quasi in den Lauf.

„Ich bin glücklich, dass mir der Gegner den Ball so gut aufgelegt hat, aber Fehler passieren im Fußball, diesmal war ich der Nutznießer“, kommentierte Okotie den „Assist“ des Südstädter Mittelfeldspielers.

Ein Tor zu einem psychologisch denkbar günstigen Zeitpunkt - ebenso wie der Führungstreffer durch Nikola Vujadinovic kurz vor der Pause in Minute 41.

Bescheidener „Goalgetter“ Vujadinovic

„Unsere Tore gelangen fast in denselben Minuten wie gegen Rapid“, fiel Christian Klem eine gewisse Parallele zum Erfolgserlebnis vor einer Woche auf, „es ist schon sehr wichtig, wenn man mit einer 1:0-Führung in die Pause geht. Dann wollten wir unbedingt noch einen draufsetzen, das ist uns Gott sei Dank gelungen.“

Klem bereitete mit einem Weitschuss das elegante Fersler-Tor von Vujadinovic vor und darf sich damit über einen Lauf freuen. Schon gegen Rapid lieferte er zu beiden Treffern die Vorlage – die ersten Scorer-Punkte des Linksverteidigers in dieser Saison.

Wenngleich er schmunzeln musste: „Wie schon beim zweiten Assist gegen Rapid wollte ich schießen und habe ihn wieder nicht richtig erwischt – Gott sei Dank ist ‚Vuja‘ dort gestanden. Mehr Scorer-Punkte sind aber sicher ein Ziel von mir.“

„Ein Prinzip von mir lautet: Ohne Zweikämpfe und Aggressivität wirst du nichts gewinnen können. Zweikämpfe sind ein wichtiges Element im heutigen Fußball, auch wenn es in Österreich ein wenig anders ausgelegt wird“, stellte Kühbauer klar, ehe er zu einem Grundsatzreferat über das Zweikampfverhalten in der heimischen Bundesliga ansetzte.

Seiner Meinung nach würden die Spieler bei jeder kleinen Berührung das Foul ziehen: „So wie wir auf dem Boden rumkugeln, dürfen wir uns zweikampftechnisch nicht wundern, wenn wir international eine auf den Hut kriegen. Aber das hat nichts mit der heutigen Niederlage zu tun.“

„Manchmal stabil, manchmal instabil“

Während auf den 41-Jährigen nun die Aufgabe zukommt, die „leeren Köpfe“ seiner Schützlinge wieder aufzubauen, muss sich Sturm über mangelndes Selbstvertrauen aktuell keine Sorgen machen.

Dafür geht die Selbstfindungsphase dieser Saison weiter. Nach dem sieglosen Oktober befinden sich die Steirer nun wieder im Leistungshoch.

Ob der schwankenden Resultate gibt sich Madl bezüglich eines positiven Trends noch vorsichtig: „Wir sollten uns jetzt von Spiel zu Spiel konzentrieren und erst im Winter Bilanz ziehen. Wir haben in dieser Saison auch schon drei Mal hintereinander gewonnen, dann wieder eine schlechtere Phase gehabt, jetzt wieder zwei Siege hintereinander – wir müssen das erst einmal bestätigen.“

Oder wie es Trainer Peter Hyballa auf den Punkt brachte: „Wir sind manchmal stabil und manchmal instabil.“

Peter Altmann

Über zu wenige Scorer-Punkte kann sich Vujadinovic in dieser Saison nicht beklagen, inzwischen hält der 26-Jährige bei für einen Innenverteidiger beachtlichen vier Toren.

„Ich bin natürlich froh, dass ich getroffen habe, aber das ist nicht das Wichtigste, sondern dass Sturm gewonnen hat. Das war ein sehr wichtiger Sieg“, betonte der Montenegriner treuherzig.

Zweikampfstärke ein Schlüssel zum Sieg

Mit 65,4 Prozent gewonnenen Zweikämpfen hatte Vujadinovic auch seinen fairen Anteil an einem weiteren Schlüssel zum Sieg: Bei der Arbeit gegen den Ball präsentierten sich die Grazer wesentlich konsequenter als die Hausherren.

62,9 zu 37,1 Prozent lautete in der ersten Halbzeit das mehr als deutliche Zweikampf-Verhältnis zu Gunsten der „Blackys“, wobei man fairerweise betonen muss, dass diese desaströse Quote beinahe im Alleingang auf das Konto des Trios Lukas Thürauer (1 gewonnen, 11 verloren), Benjamin Sulimani (0/5) und Issiaka Ouedraogo (3/11) ging.

„Wir waren von den Zweikämpfen und vom Willen her ein bisschen über die Admira zu stellen. Wir wollten den Sieg unbedingt, auch wenn es schwierige Verhältnisse waren“, meinte Michael Madl, „auf diesem Platz und bei Gegenwind ist es schwer, schön zu spielen, da muss man über den Kampf ins Spiel kommen.“

„Ohne Zweikämpfe und Aggressivität wirst du nichts gewinnen“

Nach dem 0:2, als sich Sturm zurückzog, ausschließlich auf (nicht konsequent zu Ende gespielte)  Konter setzte und das Spiel der Admira überließ, verbesserten die Niederösterreicher die Zweikampf-Quote auf 46,8 zu 53,2 Prozent – letztlich zu spät.

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