Entschlossenheit vs. Angsthasen

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Entschlossenheit siegte über Angsthasenfußball

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So einseitig war das Duell der Stadtrivalen noch selten zuvor – da waren sich sowohl Austria als auch Rapid nach dem 2:0-Erfolg der Violetten einig.

Während der Austria über 90 Minuten lang die volle Überzeugung anzumerken war, war Rapids Auftritt auf und abseits des Platzes am besten mit dem Wort „feig“ zu beschreiben.

Rund 100 Chaoten – darunter aller Voraussicht nach auch mit Stadionverboten Belegte - attackierten im Vorfeld der Partie vor der Austria-Tribüne gegnerische Anhänger - darunter auch Frauen und Kinder - aus einem Hinterhalt heraus. Drei Personen – darunter ein Kind - wurden verletzt, vier festgenommen.

Ähnlich war dann Rapids Auftritt auf dem Feld gegen eine in allen Belangen überlegene Stöger-Truppe. Entschlossenheit siegte schlussendlich gegen Angsthasenfußball.

Stolz und Zufriedenheit im violetten Lager

„Ich bin heute sehr zufrieden und stolz auf meine Mannschaft“, war der Austria-Trainer über den zweiten Derby-Sieg in Folge überglücklich.

Dem Taktik-Fuchs war es einmal mehr gelungen, seine Mannschaft optimal auf die Grün-Weißen einzustellen. Von der ersten Minute an überrollte seine Elf die Gäste aus Hütteldorf.

Bereits nach wenigen Augenblicken hätte Hosiner freistehend eine Jun-Flanke per Kopf im Tor unterbringen können, nur drei Minuten später rettete Königshofer bei einem Kopfball von Fabian Koch, der statt Emir Dilaver ins Team kam.

In dieser Tonart ging es weiter, da Rapid schlichtweg überfordert war. Ohne Kapitän Hofmann, dafür mit den Youngsters Louis Schaub und Lukas Grozurek lief bzw. rutschte Rapid auf dem nassen Terrain immer einen Schritt hinterher.

„Hätten höher gewinnen müssen“

„Wir haben gewusst, dass sie Probleme kriegen, wenn wir pressen“, verriet Markus Suttner im Gespräch mit LAOLA1 das Erfolgsrezept, warum die Favoritner seit sieben Derbys ungeschlagen sind.

Der Führungstreffer war nur eine Frage der Zeit – auch wenn er kurios zustande kam. Katzer schoss an die eigene Stange und legte damit mustergültig für Gorgon, der nur mehr einschieben musste (30.), auf.

„Wir haben ein sehr gutes Spiel abgeliefert, viel Laufarbeit geleistet und viele Torchancen herausgespielt“, zollte auch Stöger seinen Schützlingen Respekt.

Einziges Manko: Die Chancenverwertung! „Sonst hätte es nach der ersten Halbzeit ohne Übertreibung 3:0 oder 4:0 stehen können“, meinte Kapitän Manuel Ortlechner.

In dieser Hinsicht gab ihm Stöger recht: „Wir hätten höher gewinnen müssen.“

Rapid? „Eine indiskutable Leistung“

Dazu kam es aber nicht, weil allen voran der überragende Jun und Hosiner mehrere gute Gelegenheiten aus aussichtsreichen Positionen ausließen.

„Austria war in jedem Bereich stärker – läuferisch, kämpferisch. Sie haben sich viel mehr getraut, sind gut ins Spiel gekommen und haben uns überrannt“, musste Guido Burgstaller widerwillig zugeben.

Tatsächlich gelang Rapid an diesem Nachmittag nicht viel. Kaum ein Ball fand sein Ziel, schon nach wenigen Minuten agierten die Grün-Weißen nur noch mit hohen Bällen, während die Austria gegen die überforderten Prager und Ildiz durch die Mitte spazierte. Durch die Hereinnahmen von Terrence Boyd und Christopher Drazan wurde es nur minimal besser.

„Das war vom Start weg eine indiskutable Leistung. Wir waren ängstlich und im Kopf immer hinten nach. Das war schlichtweg eine richtig schlechte Rapid-Mannschaft, die heute am Feld stand“, sprach Trainer Peter Schöttel Klartext.

„Wir haben verdient verloren. So eine Niederlage sitzt richtig im Magen“, redete auch Burgstaller nicht um den heißen Brei herum.

„Das ist ein perfekter Tag“

Nachdem Gorgon erneut traf (52.), war die Partie praktisch entschieden. Chancen auf den Anschlusstreffer vergaben Boyd und Burgstaller stümperhaft. Da waren die Hütteldorfer allerdings nur mehr zu zehnt, da Prager mit Gelb-Rot runter musste.

Bei der Austria ging hingegen alles auf, dementsprechend ausgelassen waren die Feierlichkeiten, nachdem der Derby-Sieg besiegelt war.

„Es ist voll geil. Wir haben unsere Statistik ausgebaut. Das ist ein perfekter Tag“, war Suttner zu entlocken. Kurz bevor er den Medien Rede und Antwort stand, bewies er noch Entertainer-Qualitäten, als er das ganze Stadion zum Mitsingen animierte.

Eine zweite Karriere als Sänger kann er sich trotzdem nicht vorstellen. „Als Sänger nicht, aber als Stimmungsmacher. Das übernehme ich in der Kabine auch immer, wenn wir gewinnen. Der Trainer hat gemeint, ich soll es im Stadion machen. Es ist gut rübergekommen.“

Das Fazit nach einem äußerst einseitigen Duell der Erzrivalen: Mit Entschlossenheit gewinnt man Spiele, mit Angsthasenfußball nicht einmal einen Blumentopf.


Alexander Karper/Martin Wechtl/Harald Prantl

Austria Rapid
Torschüsse Jun, Hosiner je 4 Boyd 3
Torschuss-Vorlagen Jun 8 Trimmel, Alar, Boyd je 2
Ballkontakte Suttner 79 Katzer 62
Zweikampfquote Holland 77,3 % (17/5) Gerson 77,8 % (14/4)
Passquote Ortlechner 92,3 % (24/2) Sonnleitner 88,4 % (38/5)
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