Euphorie dank geordnetem Chaos

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Mit Offensivfeuerwerk und Variabilität zum Erfolg

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Trainer Peter Schöttel gab zu, bereits vor dem Saisonauftakt viel Optimismus versprüht zu haben. Zurecht, wie sich herausstellte.

Denn mit dem 4:0-Heimerfolg gegen Wacker Innsbruck gelang nicht nur ein perfekter Start in die Meisterschaft, sondern gleichzeitig auch der höchste Auftaktsieg überhaupt im Hanappi-Stadion.

Dabei zeigte Rapid ein neues Gesicht. Runderneuert, mit neuem System und einem Hang zur Offensive überrollten die Grün-Weißen förmlich den Kontrahenten aus dem „Heiligen Land“.

Das neue Zauberwort heißt „Variabilität“. Welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, wurde eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Unberechenbarkeit durch variable Ausrichtung

„Wir haben uns selbst den Auftrag gesetzt, besser und attraktiver zu spielen sowie in der Zentrale variabler zu werden“, fasste Schöttel zusammen. „Mit den Neuen haben wir zudem gute Griffe getan.“

Schon die Aufstellung offenbarte die eine oder andere Überraschung. Trimmel startete auf seiner neuen Position als Rechts-Verteidiger, während Michael Schimpelsberger auf der Tribüne Platz nehmen musste.

Muhammed Ildiz gab den umsichtigen Allrounder im defensiven Mittelfeld an der Seite von Stefan Kulovits. Deni Alar agierte zentral hinter Solospitze Terrence Boyd, während Christopher Drazan auf links und Steffen Hofmann auf rechts für Gefahr sorgten.

Insgesamt schalteten sich bis zu sechs Spieler in die Offensivaktionen ein, da sich zu einem der Außenverteidiger auch einer der defensiven Mittelfeldakteure immer nach vorne orientierte.

„Der jetzige Kader erlaubt, dass wir uns auf die Gegner einstellen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir drei, vier Spiele mit der gleichen Aufstellung spielen“, forciert der Chefbetreuer die Rotation.

Positionstäusche bergen gewisses Risiko

Eine besondere Bedeutung im neuen System kommt den Außenverteidigern, die mit viel Laufarbeit zusätzlich zu ihren Defensivaufgaben Offensivakzente setzen sollen, zu. Sowohl Trimmel als auch Katzer spulten an der Seitenlinie Kilometer ab und sorgten in der Offensivbewegung dafür, dass die Viererkette aufgelöst wurde.

„Wir stehen in der Verteidigung sehr hoch. Das kommt mir natürlich zugute und es macht richtig Spaß, so Fußball zu spielen“, gesteht Markus Katzer im Gespräch mit LAOLA1.

Durch das weite Aufrücken der Außenspieler orientieren sich die Mittelfeldspieler in die Zentrale und bieten dort zusätzliche Anspielstationen. Zusammengefasst kann das ständige Rochieren als „ geordnetes Chaos“ bezeichnet werden, das durchaus seine Tücken hat.

„Dieses Spiel ist sehr aufwendig und birgt natürlich das Risiko, dass das geordnete Chaos zum Chaos wird“, gibt Schöttel zu.

Glückliches Händchen bei Erfolgs-Trio

Gegen Wacker funktionierte aber fast alles nach Plan. Ein früher Führungstreffer in der vierten Minute, das 2:0 in der 20. Ein Spielverlauf, der Rapid natürlich in die Karten spielte.

Dabei trumpften vor allem jene drei Spieler auf, die sich eigentlich erst kurzfristig für die Startelf empfehlen konnten.

„Bei Boyd, Drazan und Kulovits haben wir lange überlegt, ob wir sie überhaupt aufstellen", bestätigt der 45-jährige Wiener. Alle drei trugen sich daraufhin in die Torschützenliste ein und wussten auf allen Linien zu überzeugen.

„Es ist traumhaft und schön. Ich hoffe, es geht so weiter“, freute sich Doppel-Torschütze Terrence Boyd, der zudem einen Assist beisteuerte. Nach seinem Fallrückzieher-Tor im Test gegen AS Roma war Schöttel quasi gezwungen, den US-Boy aufzustellen. Dieser zahlte das Vertrauen mit einer ganz speziellen Show zurück.

Boyd-Show vor den Augen seiner Familie

Die Fans dankten es ihm und erkoren den 21-Jährigen zu ihrem neuen Publikumsliebling aus. Jede Aktion des Neuzugangs wurde von Begeisterungsstürmen auf den Tribünen begleitet.

„Es ist überragend, weil meine Familie zum ersten Mal hier war. Das hat mich sehr gefreut. Sie sind extra aus Bremen mit dem Auto gekommen.“

Seine neue Wahlheimat begeistert den Stürmer immer mehr. Zudem macht es ihm Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen.

„Wir spielen sehr variabel, kreieren viele Chancen und kommen stark über die Flügel. Im Zentrum macht Steffen (Anm.: Hofmann) hervorragende Dinge und dirigiert alles“, hebt Boyd auch die Unbekümmertheit hervor, mit der Rapid derzeit auftritt.

„Man merkt die Spielfreude in der Mannschaft“

Aufgrund der zwei starken Auftritte gegen AS Roma und Wacker versucht Schöttel zu bremsen, weiß aber genau, welche wichtige Rolle der Angreifer in dieser Saison spielen könnte.

„Er schwebt derzeit auf einer Wolke, strahlt Sicherheit und Freude aus. Ich bin sehr erleichtert, dass er sich so eingestellt hat.“

Auch für Kulovits, Drazan und den Rest der Mannschaft hatte der Trainer viel Lob über. Einziger Kritikpunkt: Dass sich die Mannschaft nach dem 2:0 zurückzog. „Aber das Ergebnis geht auch in dieser Höhe in Ordnung.“

Und Steffen Hofmann stellte klar: „Man merkt die Spielfreude in der Mannschaft.“ Ob Rapid kommende Woche in Wiener Neustadt einen ähnlichen Spielwitz versprühen kann, bleibt abzuwarten.

Fakt ist aber, dass in Hütteldorf eine große Euphorie entfacht wurde, auch wenn vorerst erst drei Punkte ins Trockene gebracht wurden.


Alexander Karper

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