Warum mit Milan duellieren?

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„So einen bekommst du nur über private Kontakte“

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0:9.

So lautete die Bilanz der vergangenen Woche für den SCR Altach. Dem 0:4-Cup-Out gegen Red Bull Salzburg folgte in der Meisterschaft ein 0:5-Debakel gegen Sturm Graz.

Die Alarmglocken läuteten im Ländle dennoch nicht. „Zwei Niederlagen sind grundsätzlich kein Beinbruch“, meinte Georg Zellhofer.

Im Nachtragsspiel gegen Wiener Neustadt zeigte die Canadi-Truppe die richtige Reaktion und stoppte mit einem 3:1 den Negativlauf.

Kein Grund also, zu zweifeln. Denn die Vorarlberger befinden sich nach wie vor am besten Weg, in der kommenden Saison international vertreten zu sein.

Auch der Sportdirektor war nicht untätig und verlängerte zuletzt zehn auslaufende Verträge. Zudem wurde mit Christian Schilling die erste Neuverpflichtung für die kommende Saison präsentiert und mit Juan Barrera Nicaraguas Teamkapitän getestet.

Im LAOLA1-Interview spricht Zellhofer über den überstandenen Negativlauf, die mögliche Europacup-Teilnahme, wie es zum Probetraining von Juan Barrera kam und wie es mit Marti Riverola und Ismael Tajouri weitergeht.

LAOLA1: Herr Zellhofer, zwei Spiele gab es vergangene Woche, zwei Niederlagen und ein Torverhältnis von 0:9 sprang heraus, ehe im Nachtrag ein Sieg gelang. Wie ist Altachs Sportdirektor damit umgegangen?

Georg Zellhofer: Der Verein, die Mannschaft, der Trainer, wir alle waren nicht zufrieden. Man musste damit vorsichtig umgehen. Wir waren bisher sehr erfolgreich, hatten wenige Rückschläge und kaum Negativerlebnisse. Zwei Niederlagen sind grundsätzlich kein Beinbruch. Es war aber bitter, denn die  Niederlagen sind überraschend hoch ausgefallen. Man kann aber gegen Red Bull im Cup verlieren. Auch in Graz kann man einmal unter die Räder kommen. Wir sind eben nicht diese Wunder-Mannschaft oder Europacuphelden bzw. Champions-League-Aspiranten. Solche Sätze habe ich nie in den Mund genommen. Von mir gab es in der Erfolgsphase mit der ganzen Euphorie nie überhebliche Aussagen. Ich bin sehr bodenständig. Ich betrachte die ganze Situation sehr nüchtern -  bin aber auch keiner, der nach so einer Woche auf die Mannschaft draufhaut.

LAOLA1: Wie hat Trainer Damir Canadi die Ereignisse aufgearbeitet? Die Mannschaft hat sich beim 3:1 gegen Wr. Neustadt ganz anders präsentiert.

Zellhofer: Es gab eine Video-Analyse und viele Gespräche mit der Mannschaft. Die Truppe hat reagiert. Wir befinden uns ja nach wie vor in einer Lernphase. Wir waren bisher sehr erfolgreich: Aufstieg, Punkterekord, im Herbst oben dabei, relativ sicher den Klassenerhalt geschafft… logisch, dass man dann sehr viel Lob erntet. Ich habe das Ganze aber nicht überbewertet und Hosanna gesungen.

LAOLA1: Wird diese spezielle Reaktion auch in den kommenden Begegnungen verlangt?

Zellhofer: Nach dem Vorletzten Wiener Neustadt geht es am Samstag gegen die letztplatzierte Admira. Wir haben also die Möglichkeit, voll zu punkten. Gegen diese Mannschaften müssen wir die alten Tugenden abrufen: Laufbereitschaft, Aggressivität, Zweikampfverhalten – all jene Eigenschaften, die unsere Mannschaft auszeichnet. Wenn wir das abrufen, können wir gut Fußball spielen. Wenn nicht, dann hat man in jeder Liga Probleme. Ich bin überzeugt, dass wir wieder anschreiben werden, wenn das Team mit Herz und Leidenschaft auftritt. Dann wären wir voll im Kampf um ein Europacup-Ticket dabei. Und abgerechnet wird am Schluss.

LAOLA1:Rechnen Sie mit der Qualifikation für den Europacup?

Zellhofer: Die Mannschaft hat intern pro Saisonviertel ganz klare Vorgaben. Das wird in Seminaren und Teambuildings abgesprochen. In diese Zielsetzung mische ich mich aber gar nicht ein. Von der Punkteanzahl sind wir sehr gut dabei. Da haben wir sogar mehr, als wir uns zu diesem Zeitpunkt vorgenommen haben. Auf uns warten mit den Heimspielen gegen Salzburg, Rapid und Austria aber noch viele Highlights. Wichtig war für uns einmal der Klassenerhalt. Dass wir recht schnell diese 40 Punkte hatten, war sehr angenehm – auch bezüglich der Vertragsverhandlungen. Es sind elf Verträge ausgelaufen und zehn Spieler haben verlängert. Andere Klubs haben noch gar nicht mit Verhandlungen begonnen. Wir sind fertig. Die Spieler können sich nun auf ihre Aufgaben konzentrieren.

LAOLA1: Georg Zellhofer ist bekannt, nicht über ungelegte Eier zu sprechen – speziell wenn es um den Europacup geht. Dennoch muss für den Fall der Fälle geplant werden. In welchem Stadion würde der SCR Altach die internationalen Spiele austragen?

Zellhofer: Wir können in Altach nicht spielen, da der Platz saniert wird. Es kommt die Rasenheizung, ein neues Flutlicht, Tribünen werden errichtet etc. Wir haben für die Ausweichstätte das Okay aus Tirol bekommen. Falls wir also den Schritt nach Europa schaffen, würden wir im Stadion von Wacker Innsbruck spielen.

LAOLA1: Wie Sie bereits erwähnt haben, waren sie nicht untätig und haben zahlreiche Verträge verlängert. Zudem wurde mit Christian Schilling der erste Neuzugang ab Sommer präsentiert. Was hat für seine Verpflichtung gesprochen?

Zellhofer: Wir hatten den Spieler schon länger am Radar, waren seit einem Jahr an ihm interessiert. Wir versuchen das Team etwas zu verjüngen und frisches Blut hinein zu bekommen. Christian war U21-Teamspieler. Wir haben ihn oft spielen gesehen und eine gute Rückmeldung bekommen. Er ist ein sehr guter Spieler und ein sympathischer Kerl. Er bringt die richtige Einstellung mit. Die Gespräche waren immer positiv und ich glaube, dass er eine richtig gute Verpflichtung ist.

LAOLA1: Altach hat letzte Woche Nicaraguas Teamkapitän Juan Barrera getestet. Wie kommt man zu so einem „Exoten“ und wie hat sich der 25-Jährige präsentiert?

Zellhofer: Das hat Christoph Längle (Geschäftsführer, Anm. d. Red.) eingefädelt. Das Probetraining ist durch die Kontakte nach Costa Rica entstanden. Vor ein paar Jahren spielten zwei Spieler aus Costa Rica bei uns. Der Kontakt zu Froylan Ledezma besteht noch immer. Er kennt einige Leute, vor allem Henry Duarte – den ehemaligen Sportdirektor. Er war praktisch das Pendant zu Willi Ruttensteiner. Wir haben vor der WM ein gutes Verhältnis aufgebaut. Die Telefonate waren immer sehr lustig, es gab einen regen Austausch. Da er in Köln studiert hat, gab es auch keine Sprachbarrieren. Es gab bei uns die Überlegung, den Markt Costa Rica, Nicaragua, Honduras genauer zu betrachten. Was wäre möglich? Wie stark ist die Liga? Gibt es Möglichkeiten? Darüber haben wir mit Duarte gesprochen. Costa Rica war unglaublich erfolgreich, war das Überraschungsteam. Henry hat uns immer über die Highlights informiert. Er ist nach der WM Teamchef von Nicaragua geworden und dadurch ist die Geschichte mit Barrera ins Laufen gekommen. Wir wollten ihn uns einmal anschauen. Er ist 25 Jahre alt, Außenspieler, kann links und rechts eingesetzt werden und ist sehr schnell. Seine Mentalität passt. Wir haben vereinbart, dass er in der Länderspielpause zu uns kommt, um sich ein Bild zu machen. Gefällt es ihm in Altach oder schreckt er sich vor den hohen Bergen (lacht)? Man kann es als Austauschprogramm bezeichnen. Der Spieler ist jedenfalls in Ordnung, ist interessant. Jetzt geht er einmal zurück, spielt die Länderspiele und die Meisterschaft zu Ende und dann sehen wir weiter.

LAOLA1: Hat sich aus Wien schon jemand deswegen gemeldet?

Zellhofer: Ich habe mit Austrias Sportdirektor Franz Wohlfahrt telefoniert, um ihm mitzuteilen, dass wir Tajouri gerne länger behalten möchten. Ich habe der Austria die Vorteile eines Verbleibs erklärt, nämlich, dass er bei uns viel Spielpraxis sammeln würde. Er könnte sich hier bestens weiterentwickeln. Ismael hat zwar noch länger Vertrag in Wien, aber vielleicht gibt es erneut eine Leih-Möglichkeit – anders als letztes Jahr bei Martin Harrer. Wir sind aber auf die Austria angewiesen. Aber wenn es irgendwie möglich ist, wollen wir ihn verpflichten. Ich denke, eine definitive Entscheidung wird in den nächsten zwei Wochen fallen.

LAOLA1: Haben Sie Angst, dass Damir Canadi nach dieser Saison nicht mehr Altach-Trainer ist?

Zellhofer: Im Fußballgeschäft ist alles möglich. Doch Damir passt sehr gut zu Altach. Der Verein funktioniert, harmoniert sehr gut. Beide Seiten profitieren. Es ist eine Win-Win-Situation. Der Trainer kann sich hier weiterentwickeln, seine nächsten Schritte gehen. Die Mannschaft ist gut aufgestellt, hat Qualität. Mit den vielen Vertragsverlängerungen wurde zudem ein Zeichen gesetzt. Wir versuchen noch die eine oder andere Verstärkung an Land zu ziehen, aber grundsätzlich kann der Trainer in Ruhe arbeiten. Altach ist eine gute Plattform. Irgendwann wird Damir aber den nächsten Schritt machen und uns verlassen, aber diesen Zeitpunkt kann und will ich nicht beeinflussen.

 

Das Gespräch führte Martin Wechtl

LAOLA1: Hat es Barrera bei euch gefallen, oder hat er tatsächlich Angst vor den Bergen bekommen?

Zellhofer (lacht): Nein, Juan ist ein sehr bodenständiger Spieler. Er hat sich sehr gut in die Mannschaft integriert. Leider war ein relativ starker Wetterumschwung mit Schnee und Regen. Aber von seiner Seite gab es kein Problem, kein Jammern. Er hat gut trainiert.

LAOLA1: Zieht der Verein eine Verpflichtung in Betracht?

Zellhofer: Es könnte sich ergeben, ja. Es ist aber so, dass wir keine Scouts dort runter schicken werden. Bei den Länderspielen sind eh schon drei-, vierhundert Beobachter anwesend. Da bist du sowieso schon zu spät dran. Warum soll ich mich mit Milan, Dortmund und wie sie alle heißen wegen eines jungen Spielers duellieren? Das hätte keinen Sinn. Wenn du so einen Spieler bekommst, dann nur über private Kontakte. Ledezma kann über Altach berichten. Er kann sagen, dass wir zum Beispiel Red Bull Salzburg geschlagen haben.

LAOLA1: Gibt es bei Marti Riverola schon eine Tendenz, ob er bleibt oder geht?

Zellhofer:  Er ist nur Leihspieler, gehört immer noch Bologna. Er hat sich leider schwer verletzt (Jochbeinbruch, Anm. d. Red.). Ich weiß gar nicht, ob er in dieser Saison noch einmal für uns auflaufen kann. Schade, denn er hat gerade seinen körperlichen Rückstand aufgeholt. Marti ist ein super Bursche, menschlich total in Ordnung und ein absoluter Teamplayer. Wie es mit ihm weitergeht ist noch offen. Da muss ich auch mit Damir reden, wie er den Spieler sieht.

LAOLA1: Werden die anderen Optionen auf Darko Bodul, Ivan Kovacec und Ronald Gercaliu gezogen?

Zellhofer: Da haben wir noch Zeit. Wir haben auch auf Ismael Tajouri eine Kaufoption. Doch da hat, wie allgemein bekannt, die Austria das letzte Wort. Es gibt ein Datum, an dem wir die Option ziehen können. Passiert das, hat die Austria 14 Tage Zeit, das Angebot zu korrigieren oder zu akzeptieren.

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