Der Wunsch nach Würdigung

Aufmacherbild
 

Elf Spiele, neun Siege. Es läuft beim WAC einfach.

Wobei, eigentlich ja nicht. Zumindest wenn es nach Michael Sollbauer geht.

Denn der Kapitän des Spitzenreiters hat das Gefühl, dass die Leistungen seiner Mannschaft nicht genügend gewürdigt werden.

„Jetzt wird wahrscheinlich geredet, dass wir elf Runden lang Glück gehabt haben. Man sollte Qualität schon ansprechen, wenn Qualität vorhanden ist“, fordert der 24-Jährige im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Gratulation zum Sieg gegen die Austria. Warum hat es diesmal in Wien besser geklappt als bei der Auswärtsniederlage gegen Rapid?

Michael Sollbauer: Wir waren deutlich aggressiver und sind höher gestanden als gegen Rapid. Das haben wir uns so vorgenommen und das haben wir umgesetzt. Nach der Pause haben wir uns weitgehend darauf verlegt, das Ergebnis zu verwalten und unsere Chancen zu nützen – dass das zweite Tor erst so spät gefallen ist, war nicht so geplant. (grinst) Hinten sind wir gut gestanden und die Austria ist fast nur durch Standards gefährlich geworden.

LAOLA1: Ihr habt derzeit euren Spaß in der Liga, oder?

Sollbauer: Nicht nur in der Liga, wir haben allgemein Spaß am Fußball. Es läuft derzeit einfach ziemlich gut. Das ist immer ein Resultat aus der Vorbereitung, die wir unter der Woche machen. Am Wochenende rufen wir dann das ab, was wir können. Wir können weitgehend zufrieden sein, wenngleich wir immer auch wissen, dass es noch etwas zu verbessern gibt. Wir werden nicht zu zaubern beginnen, wir spielen unseren Fußball. Die Bäume werden nicht in den Himmel wachsen. Bei uns reißt nie Nachlässigkeit ein, darauf schaut schon der Trainer. Das hat uns in den letzten Wochen ausgezeichnet. Wir werden sicher nicht überheblich, müssen uns in jedem Spiel beweisen.

LAOLA1: Überrascht es dich noch, wenn ihr wieder so ein Spiel wie diesmal bei der Austria abliefert oder wird das schön langsam zur Regel?

Sollbauer: Dass wir so spielen, überrascht mich nicht. Wir können das einfach. Wir wissen, dass wir die Qualität haben. Die Schwierigkeit liegt darin, sie immer wieder konstant abzurufen. Dass es uns so gelingt, war aber natürlich insgesamt nicht zu erwarten. Das Geheimnis liegt darin, dass wir uns auf jedes Spiel gleich konzentrieren und am Boden bleiben.

LAOLA1: Dafür sorgt der Trainer.

Sollbauer: Richtig! Aber auch in der Mannschaft haben wir jüngere Spieler genug Kicker wie Joachim Standfest, Manuel Weber, Silvio und Nemanja Rnic, die uns jeden Tag helfen, die Situation so einzuschätzen, wie sie ist. Gegen Wiener Neustadt und Rapid haben wir ja gemerkt, dass wir unterlegen sind, wenn wir es nicht 100 Prozent so spielen, wie es sich gehört.

LAOLA1: Werdet ihr außerhalb Kärntens genug gewürdigt?

Sollbauer: Mir kommt vor, dass Vieles auf Lauf und Glück ausgelegt wird. Bei anderen Teams heißt es, sie spielen guten Fußball, bei uns wird nur betont, dass wir einen Lauf haben. Es ist ein Zeichen von Qualität. Natürlich gehört Glück dazu, aber wir erarbeiten uns das auch. Wir spielen derzeit guten Fußball. Wir haben uns die Punkte, die wir geholt haben, auch redlich verdient. Keiner kann sagen, dass das auf Glück aufgebaut war – obwohl es außerhalb Kärntens so rüberkommt. Man sollte Qualität schon ansprechen, wenn Qualität vorhanden ist.

LAOLA1: Hängt das, was du als fehlende Würdigung empfindest, vielleicht auch damit zusammen, dass ihr weiterhin immer betont, nur von Spiel zu Spiel zu schauen? Würdet ihr nach außen hin nicht eine breitere Brust vermitteln, wenn ihr eure Ziele nach oben korrigiert?

Sollbauer: Die Brust ist breit genug. Wir wollen unsere Ziele ganz klar so halten, wie wir sie ausgegeben haben. Daran wird sich nichts ändern. Unsere Devise ist, von Spiel zu Spiel zu denken. Das wird auch bis zur letzten Runde so bleiben. Jetzt wird wahrscheinlich geredet, dass wir elf Runden lang Glück gehabt haben. Wir haben Glück, die anderen Pech. Wir haben einen Lauf, die anderen werden nicht belohnt. Mir geht es ein bisschen zu viel in diese Richtung. Wir wollen nicht zu hoch gelobt werden, aber wir wollen, dass honoriert wird, wie wir spielen. Ich habe in den letzten Wochen kein Spiel erlebt, in dem uns irgendwer etwas geschenkt hat.

LAOLA1: Wenn man in elf Spielen neun Siege holt und weiterhin vom Mittelfeld der Tabelle redet, wird es irgendwann unglaubwürdig.

Sollbauer: Von mir aus können wir bis zur letzten Runde so reden.

LAOLA1: Wenn es weiter so läuft, geht sich das Mittelfeld dann rechnerisch nicht mehr aus.

Sollbauer: (lacht) Ja. Wir werden jetzt mal schauen, wie wir den Herbst rüberbringen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns.

Das Gespräch führte Harald Prantl

LAOLA1: Sind all diese Routiniers, die schon so viel im Fußball erlebt haben, eines eurer Erfolgsgeheimnisse?

Sollbauer: Es ist durch sie auf jeden Fall einfacher. Ich bin froh, dass wir solche Leute im Kader haben. Von denen kann man sehr viel lernen. Diese Spieler können oft den Unterschied ausmachen. Nehmen wir nur Standfest – der blüht jedes Wochenende auf, hat gegen die Austria schon wieder einen Assist gemacht. Wir haben da schon gute Leute drinnen.

LAOLA1: Mannschaftsintern und vom Trainerteam her bleibt ihr also am Boden. Aber wie erlebst du die Stimmung von den Fans her?

Sollbauer: Das, was zurzeit in Kärnten los ist, habe ich noch nie erlebt. Da herrscht eine Aufbruchsstimmung. Wir merken, dass die Leute mit dem Erfolg kommen. Wenn wir noch das eine oder andere Spiel in Klagenfurt machen, wird das Stadion wieder ziemlich voll werden. Für uns ist es toll, die Leute hinter uns zu haben. Es freut uns, wenn wir begeistern können.

LAOLA1: Müsst ihr euer Essen und eure Getränke eigentlich noch selbst bezahlen, wenn ihr in Wolfsberg unterwegs seid?

Sollbauer: Doch, doch. Das bezahlen wir auch liebend gerne. Aber vielleicht sind die Portionen ein bisschen größer geworden. (lacht)

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen