"Die Tabelle lügt nicht"

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"Man erkennt, dass die ganze Arbeit Früchte trägt"

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Daniel Wolf kennt die Situation in Wr. Neustadt.

Bereits letzte Saison machte der 27-Jährige Erfahrung mit dem beinharten Abstiegskampf.

Teilweise neu sind in diesem Jahr hingegen die Teamkollegen. Wieder einmal blieb in Niederösterreich im Sommer kein Stein auf dem anderen, wurde eine ganze Mannschaft ausgetauscht, ein neuer Trainer installiert.

„Natürlich braucht der Findungs-Prozess da Zeit. Aber es wird von Spiel zu Spiel besser. Unsere Leute entwickeln sich sehr gut“, blickt der ehemalige Italien-Legionär zuversichtlich in die Zukunft.

Warum der Mittelfeldspieler erneut an einen Verbleib in der Bundesliga glaubt und wie sich sein Leben seit der Geburt seiner Tochter verändert hat, verrät er im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Daniel, ihr habt zuletzt zwar gegen Ried keine Punkte mitgenommen, davor aber vier Spiele nicht verloren und sechs Zähler geholt. Wie ist die Stimmung?

Daniel Wolf: Die Stimmung ist gut und wir sind auch guter Dinge, dass es so bleiben wird. Die letzten Spiele waren einfach in Ordnung. Auch die Niederlage in Ried war eher unglücklich, denn wir hatten in der ersten Hälfte zwei Stangenschüsse, dazu die harte Rote Karte nach der Pause. Die Partie hätte auch anders ausgehen können, denn wir haben wirklich gut gespielt.

LAOLA1: Sind die Ergebnisse und die guten Leistungen eine Folge davon, dass man sich mittlerweile als Mannschaft gefunden hat?

Wolf: Wenn du aus fast jedem Spiel etwas mitnimmst, dann ist das für die Köpfe der Spieler gut und wichtig. Es fällt vieles leichter, der Druck wird weniger. Man erkennt, dass die ganze Arbeit Früchte trägt. Wir brauchen uns vor niemanden verstecken.

LAOLA1: Der Umbruch in Wiener Neustadt im Sommer war wieder radikal. Wie lange wird es dauern, um von einem eingespielten System sprechen zu können?

Wolf: Wir hatten ja mehr Zugänge als Abgänge, wobei uns so 15 Spieler im Sommer verlassen haben. Dazu ein neuer Trainer, der die Mannschaft und das Umfeld nicht gekannt hat. Natürlich braucht der Findungs-Prozess da Zeit. Aber es wird von Spiel zu Spiel besser. Ich sehe das in jedem Training. Unsere Leute entwickeln sich sehr gut.

LAOLA1: Euer Konkurrent im Abstiegskampf und kommender Gegner Wacker Innsbruck hat seit dem Trainerwechsel einen Lauf. Ärgerlich für euch?

Wolf: Ich würde das nicht so überbewerten. Sie wissen wahrscheinlich gar nicht, warum sie die ersten beiden Spiele gewonnen haben. Beide Erfolge waren sehr glücklich. Und Sturm hat im Cup auch nicht so aufregend gespielt. Und dass der Cup eigene Gesetze hat, weiß man sowieso.

LAOLA1: Das Duell gegen Wacker ist wieder einmal so ein „Sechs-Punkte-Spiel“. Ist ein Sieg Pflicht?

Wolf: Für uns zählt nur der Sieg, wir wollen unbedingt gewinnen. Wenn es aber nicht so läuft, dann sollte man das Spiel zumindest nicht verlieren. Wichtig ist, dass wir in der Defensive kompakt stehen und nichts zulassen. Unsere Offensive besitzt genug Qualität, daher werden wir zu unseren Möglichkeiten kommen.

LAOLA1: Hättest du damit gerechnet, dass Wacker so eine katastrophale Saison spielt und unten drinnen steckt?

Wolf: Eigentlich schon. Ich war immer der Meinung, dass sie gegen den Abstieg spielen werden. Wenn wir schon als Abstiegskandidat gehandelt werden, muss das auch für Wacker gelten. Ihr Kader ist sicher nicht stärker als unserer. Ich habe damit gerechnet, dass es ein Dreikampf mit ihnen, Mattersburg und uns wird. Dass Wacker aber so einen Start bzw. keinen Start in die Saison hinlegt, mit dem hat man nicht rechnen können.

LAOLA1: Ihr nennt das Kind also beim Namen und redet offen über den Abstiegskampf?

Wolf: Man muss realistisch sein. Für uns ist wichtig, dass wir in jedem Match Punkte mitnehmen. Natürlich wäre es schön, wenn wir im Mittelfeld mitspielen könnten, doch die Tabelle lügt nicht. Wir kennen unsere Situation.

LAOLA1: Neustadt liegt nach 13 Runden mit zehn Punkten  auf Platz neun. Seid ihr im Plansoll?

Wolf: Wir können mit zehn Punkten noch nicht zufrieden sein, haben uns schon mehr erwartet. Zuletzt ist es aber in die richtige Richtung gegangen, es war sehr positiv. Aber für die Mannschaft, die wir haben, sind es noch zu wenige Punkte. Dass wir auch bei den „Großen“ bestehen und etwas mitnehmen können, haben wir zuletzt in Hütteldorf gezeigt. Rapid ist erst in der 87. Minute gerade noch zum Ausgleich gekommen. Wir hätten dort eigentlich gewinnen sollen. Es ist wichtig, von Spiel zu Spiel zu schauen - nicht nach vorne und nicht nach hinten blicken, sondern sich nur auf uns konzentrieren.

LAOLA1: Wie würdest du bis jetzt die Arbeit von Trainer Heimo Pfeifenberger bilanzieren? Für ihn ist die Bundesliga ja auch Neuland.

Wolf: Er versucht mit den Spielern ein lockeres Verhältnis zu führen. Es ist ganz wichtig, dass ein Trainer gut mit seinen Spielern umgehen kann. Er muss wissen, wie er einen Spieler anpackt, muss Zugang zu den Personen finden. Das ist ein wichtiger Punkt. Eine wirkliche Analyse wird man aber erst nach einem Jahr machen können. Dann sieht man, wo man steht, wie man sich entwickelt hat. Jetzt wäre es einfach zu früh, irgendwelche Schlüsse zu ziehen.

LAOLA1: Kommen wir zu dir. In dieser Saison läuft es noch nicht so nach Wunsch. Du hast auch noch keinen Scorerpunkt am Konto.

Wolf: Ich bekomme heuer auch nicht meine kontinuierlichen Einsatzminuten. Letztes Jahr war ich Stammspieler, habe – wenn ich nicht verletzt war – jedes Match bestritten. Das ist heuer anders und für mich auch keine einfache Situation. Die Kontinuität ist wichtig. Letzte Saison habe ich mich nach jedem Match fitter und sicherer gefühlt. Das spielt schon eine große Rolle. Das fehlt heuer ein bisschen. Einmal spiele ich, dann in der nächsten Partie wieder nicht. Dadurch ist es schwierig, einen Rhythmus zu finden.

LAOLA1: Privat läuft es hingegen sehr gut. Im August ist deine Tochter auf die Welt gekommen. War die Geburt eine große Umstellung für deinen Beruf als Fußball-Profi?

Wolf: Ich hätte es mir schwieriger vorgestellt und dass die Nächte kürzer werden. Die Kleine ist aber so brav, hat letzte Woche fast schon durchgeschlafen. Es ist unglaublich und fast schon kitschig, wie sich das Leben eigentlich gar nicht verändert hat. Es ist einfach nur wunderschön und man schöpft daraus viel Kraft. Und ein Kind relativiert alles andere.

LAOLA1: Abschließende Frage: Das Windelwechseln funktioniert bei dir auch?

Wolf (lacht): Das funktioniert super, ist mir gut beigebracht worden. Mit den heutigen Windeln ist es aber auch nicht sehr schwierig. Da ist es eine einfache Sache. Früher war es sicher schwieriger. Also es kommt schon vor, dass ich Windeln wechsle – auch in der Nacht.

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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