"Vieles passiert im Affekt!"

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Kogler: "Vieles passiert im Affekt!"

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Fünf Siege, neun Unentschieden, fünf Niederlagen.

Auf Tabellenführer Rapid acht Punkte Rückstand, auf Schlusslicht Kapfenberg 14 Zähler Vorsprung.

Mittelmaß nennt man das, was Wacker Innsbruck im Herbst war.

Nicht Fisch, nicht Fleisch.

Dabei hätte das Umfeld des Traditionsvereins so große Ambitionen.

Ob die gerechtfertigt sind, wie er den Herbst in der Retrospektive sieht, warum die Zusammenarbeit mit Sportdirektor Prudlo perfekt funktioniert und er nicht zu viel Macht hat, erklärt Trainer Walter Kogler im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Herr Kogler, Ihre Mannschaft steht nach einem kuriosen Bundesliga-Herbst auf Platz sieben mit Kontakt zur Spitze. Wie zufrieden sind Sie mit der Hinrunde?

Walter Kogler: Es war für uns kein leichter Herbst. Am Anfang sind wir deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, aber mit dem guten Finish haben wir uns doch noch in eine gute Ausgangsposition gebracht. Der Abstand nach vorne ist geringer als vergangene Saison. Wir wollen im Frühjahr angreifen.

LAOLA1: Wacker hat in den letzten 15 Minuten neun Gegentore bekommen. Ärgert es Sie, dass man ansonsten noch weiter oben stehen könnte?

Kogler: Ja, es wäre durchaus möglich gewesen, noch weiter oben zu stehen. Die Gegentore in der Schlussphase waren zum Teil kurios. Man hat gemerkt, dass der Mannschaft etwas die Routine fehlt. Wenn man dann viele Spiele nicht über die Runden bringt, macht sich eine Verunsicherung breit. Es war ein Lernprozess für die Mannschaft.

LAOLA1: Waren die späten Gegentore auch ein Mangel an Konzentration?

Kogler: Auch ja. Es war eine Mischung aus mangelnde Routine, Glück und Konzentration.

LAOLA1: Die Tabelle hat zur Halbzeit doch eine gewisse Aussagekraft. Auf Schlusslicht Kapfenberg hat Wacker schon 14 Punkte Vorsprung, auf die drittplatzierten Salzburger nur sechs Zähler Rückstand. Haben Sie die Saisonziele schon korrigiert?

Kogler: Wenn schon so viele Runden gespielt sind, ist jeder da, wo er leistungsmäßig hingehört. Wir sind zufrieden mit dem aktuellen Tabellenplatz. Nach unten sollte eigentlich nichts mehr passieren. Das heißt, wir können unseren Weg weiter fortsetzen. Wir wollen unsere jungen Spieler weiterentwickeln.

LAOLA1: Das heißt, Sie schauen in der Tabelle nach oben.

Kogler: Ja, da wir aufgrund der Tabellensituation die Möglichkeit dazu haben. Wenn wir fleißig punkten, dann können wir vielleicht auch oben mitreden. Der Anschluss nach vorne ist möglich.

LAOLA1: Wie ist die Erwartungshaltung in Innsbruck? Spüren Sie, dass das Umfeld schon vom Europacup träumt?

Kogler: Nein, das weniger. Wir wollen realistisch bleiben. Natürlich hat Innsbruck aufgrund der Vergangenheit den Anspruch, weiter vorne zu stehen. Aber man muss die aktuellen Umstände berücksichtigen. Wir beschreiten den jungen Weg und werden das auch in Zukunft machen.

LAOLA1: Ihre Zusammenarbeit mit Sportdirektor Oliver Prudlo scheint perfekt zu funktionieren. Würden Sie das auch so sehen?

Kogler: Ich denke, wir sehen viele Dinge gleich. Da ist es dann auch einfacher ein ausgegebenes Ziel zu erreichen. Wir haben ähnliche Vorstellungen und unterstützen uns in jeder Hinsicht.

LAOLA1: Wie schwierig ist es, in einem Traditionsverein wie Wacker zu arbeiten? Es gab immer wieder das eine oder andere Störfeuer.

Kogler: Man ist ständig gefordert. Ich habe nach meinem Amtsantritt viele Sachen in die Hand nehmen müssen, zeitweise gab es nicht einmal einen Sportdirektor. Da musst du dich als Trainer viel stärker einbringen und mitgestalten. Als alles in geregelte Bahnen lief, habe ich mich wieder zurückgenommen. Aber es mag natürlich sein, dass viele im Verein den Eindruck hatten, dass ich zu viel Macht habe.

LAOLA1: Haben Sie das Gefühl, mehr Macht zu haben als andere Trainer?

Kogler: Nein, überhaupt nicht. Mit Oliver ist ja ein Sportdirektor da, der über mich zu stellen ist. Außerdem fehlen uns auch die Mittel, um wirklich etwas bewegen zu können. Wir gestalten alles im Rahmen des Möglichen.

LAOLA1: Ist es dann überhaupt möglich, Wacker mittel- bzw. langfristig wieder oben zu etablieren?

LAOLA1: Auffällig ist, dass eigentlich alle Transfers richtig gut eingeschlagen haben. Worauf führen Sie das zurück?

Kogler: Oliver (Sportdirektor Prudlo, Anm.) und davor Theo (Grüner, im 2010 verstorben, Anm.) haben wirklich gute Arbeit geleistet. Es ist nicht einfach, richtige Klasse-Spieler zu holen. Aber wir haben es geschafft, gut heraus zu filtern. Wir haben hungrige Spieler verpflichtet, die sich in Innsbruck noch einmal beweisen wollten und hier eine neue Aufgabe sehen. Sie passen von der Qualität und auch vom Charakter.

LAOLA1: Wie wissen Sie, ob ein Spieler auch vom Charakter passt? Leute wie Burgic, Abraham oder Bea hat man ja vorher nicht gekannt.

Kogler: Bei uns müssen drei Dinge passen: Erstens müssen wir uns den Spieler finanziell leisten können. Zweitens muss er schon vorher bewiesen haben, dass er Qualität hat. Und drittens ist es für uns wichtig, welche Ziele der Spieler noch hat. Kann er uns weiterbringen? Wie stark ist er noch bereit, sich bei uns einzubringen? Geht er unseren Weg mit? Wenn diese drei Punkte passen, tätigen wir den Transfer.

Kogler: Das muss unser Ziel sein. Natürlich müssen wir auch realistisch bleiben. Derzeit haben wir nicht die Mittel. Der nächste Schritt wäre, die guten Spieler zu halten und uns weiter zu verstärken. Wenn uns das gelingt, können wir auch einen internationalen Startplatz anpeilen. Uns fehlen die guten Spieler im besten Alter. Wir haben einige Routiniers und viele Junge. Wenn wir diese Lücke nicht schließen können, werden wir es auch nicht schaffen, dauerhaft oben zu bleiben.

LAOLA1: Sie sind jetzt das vierte Jahr Wacker-Cheftrainer. Ist es nicht frustrierend, wenn man immer mit den geringsten Mitteln auskommen muss?

Kogler: Wichtig ist, dass meine Ziele mit jenen des Vereins ident sind. In den nächsten Jahren wollen wir näher an die Spitze heran kommen – da decken sich unsere Vorstellungen.

LAOLA1: Sie gelten als sehr emotionaler Trainer, der gerne einmal mit dem Schiedsrichter diskutiert. Haben Sie schon einmal Ihre Geldstrafen zusammengerechnet?

Kogler (lacht): Das war in der zweiten Liga schlimmer. Jetzt kommt es nicht mehr so oft vor. Ich will einfach immer authentisch bleiben und den Spielern etwas vorleben. Wenn man etwas erreichen will, muss man offensiv vorgehen. Man muss bereit sein, alles zu geben, präsent sein und man darf sich nicht kleiner machen, als man ist.

LAOLA1: Passieren Ihnen Ihre Ausbrüche im Affekt oder wollen Sie die Mannschaft oft auch wachrütteln?

Kogler: Vieles passiert natürlich schon im Affekt, aber oft möchte ich auch bewusst aufzeigen. Das Spiel bei der Austria zeigt ja, dass es auch etwas gebracht hat. Ich habe Aufsehen erregt und wurde gehört. Damals gab es viele Entscheidungen gegen uns, die in dieser Häufigkeit nicht normal waren.

Das Interview führten Kurt Vierthaler und Harald Prantl

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