Viel mehr als nur ein Neffe

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LAOLA1: Befindet man sich eigentlich in zwei Welten, wenn man vorher von Alfred Tatar und dann von Roland Kirchler trainiert wird?

Hinterseer: (lacht) Man muss schon sagen, das sind zwei unterschiedliche Typen. Wie wir alle wissen, ist der Tatar Fredl ein eigener Typ, aber sehr intelligent und er hat viel Ahnung. Aber bei der Vienna hatte er es auch schwer. Die Möglichkeiten waren dort viel kleiner, als sie es hier bei Wacker sind. Da waren wir teilweise nur zehn Leute beim Training, was nicht das Wahre ist. Bei Wacker lief das dann wieder professioneller ab und das macht auch mehr Spaß, ohne dass ich jetzt nachtreten will. Roli Kirchler ist mehr oder minder ein Kumpeltyp, der auch lauter werden kann, wie etwa nach dem Pasching-Spiel. Man kann mit ihm über alles reden, alles von ihm haben, aber wenn es ernst wird, weiß er auch, was zu tun ist. Er schaut, dass die Stimmung entsprechend passt. Das ist sehr wichtig.

LAOLA1: Der Kooperationsvertrag Wackers mit der Vienna wurde im Winter aufgelöst und damit bist auch du Anfang 2013 nach Innsbruck zurückgekehrt. Fehlte es auch am Geld?

Hinterseer: Mir hat Vienna-Sportdirektor Kurt Garger gesagt, dass der Kooperationsvertrag aufgelöst werden würde und er eine billigere Variante probieren möchte. Das war okay für mich, und so bin ich wieder zurück nach Innsbruck gegangen.

LAOLA1: Von dort du hättest du nochmal verliehen werden sollen.

Hinterseer: Genau. Zuerst wollte mich aber im Dezember nach Ende der Herbstsaison in der Ersten Liga noch der Trainer (Roland Kirchler, Anm.) sehen. Nach der Vienna gab es auch Gespräche mit Oliver Prudlo (damaliger Wacker-Sportdirektor, Anm.) und der sagte mir, dass man mich gerne noch einmal verleihen würde, weil sie gesehen haben, dass es mir gut getan hat. Es hat sich aber nicht wirklich etwas ergeben. Blau-Weiß Linz war interessiert, das aber ziemlich abgeschlagen Letzter war. Der Trainer war aber dann überzeugt von dem, was er gesehen hat und meinte, ich soll dableiben und mich versuchen durchzusetzen. Dann würde ich auch meine Chance bekommen.

LAOLA1: Und es hat sich ausgezahlt.

Hinterseer: Ja. Aber es war vergangene Saison schon ein brutales Risiko, dass der Trainer eingegangen ist. Wir waren zehn Runden vor Schluss Letzter, und dann hat er mich reingeschmissen. Zum Glück ist das aufgegangen, wir haben dann auch einen kleinen Lauf gehabt, die Leistungen haben gepasst, die Fans sind wieder ins Stadion gekommen und auch heuer war der Start gut. Bis am 5. Spieltag waren wir ungeschlagen, auch wenn wir viele Remis gespielt haben. Bei mir selbst läuft es auch gut. Nur bei der Admira hatte ich zwei, drei große Chancen vertan, sonst bin ich ganz zufrieden.

LAOLA1: Was sagst du zu deinem erstmaligen Status „Auf Abruf“ beim ÖFB-Nationalteam?

Hinterseer: Das hat mich sehr gefreut und ist eine Ehre für mich. Als Spieler eines kleineren Vereins aus Österreich auf dieser Liste zu sein, das ist schon eine Ehre. Natürlich ist die Abrufliste eine große, aber es ist schon mal toll, auf dieser zu stehen. Das ist auch eine Bestätigung der bisherigen Leistungen, weil einfach so wird der Teamchef meinen Namen nicht genannt haben.

LAOLA1: Weil du vorher noch das Land Tirol und das schnelle Hochjubeln erwähnt hast. Ist die Erwartungshaltung nach wie vor zu hoch?

Hinterseer: Sagen wir so, das Publikum ist aufgrund der früheren Erfolge "verwöhnt". Wenn wir zwei Mal verloren haben, wie jetzt, sind wir wieder Abstiegskandidat Nummer eins. Wenn wir zwei Mal gewinnen, wollen alle wieder, dass wir nächste Saison Europa League spielen. An einem Wochenende sind wir Superstars, am nächsten können wir nichts. Mit der Vienna kann man das etwa überhaupt nicht vergleichen. Da haben wir gegen Austria Lustenau 0:5 verloren und wurden dennoch gefeiert. Das habe ich vorher gar nicht gekannt. Wenn wir mit Wacker zu Hause 0:5 verlieren, dann traue ich mich gar nicht mehr aus dem Stadion (lacht).

LAOLA1: Kein Hinterseer-Interview ohne Frage zu Onkel Hansi oder Opa Ernst. Nerven dich die Fragen?

Hinterseer: Nein. Viele haben einen Onkel, meiner ist eben ein wenig berühmter. Natürlich  rufen das die Leute von der Tribüne immer wieder runter, deswegen spiele ich lieber im Hanappi als in Grödig oder Pasching. Dort hört man die Hansi-Rufe noch. Mich stören die Fragen aber nicht, auf der anderen Seite ist es mir allerdings lieber, wenn es in den Medien weniger vorkommt.

LAOLA1: So soll es sein. Abschließend noch: Wie wird man als Kitzbüheler nicht Skifahrer?

Hinterseer: Ich habe erst relativ spät mit dem Fußballspielen bei einem Verein begonnen, nämlich mit zehn. Nebenbei war ich auch  im Skiclub. Also im Winter war Skifahren angesagt, im Sommer Fußball. Irgendwann habe ich mich entscheiden müssen und mit der Zeit hat mir Fußball immer mehr Spaß gemacht, so war die Entscheidung mit zwölf Jahren eigentlich auch keine schwierige.

 

Das Gespräch führt Bernhard Kastler

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