Raus aus der zweiten Reihe

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"Will Spieler weiterentwickeln und Klub etablieren"

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Fast sechs Jahre – abgesehen von einer kurzen Unterbrechung – stand Slobodan Grubor in der zweiten Reihe.

Der Kroate galt als Schattenmann von Nenad Bjelica, fungierte als dessen Co-Trainer beim FC Kärnten, FC Lustenau und zuletzt beim Wolfsberger AC.

Seit knapp zwei Wochen steht der 44-Jährige nun im Vordergrund. Nur wenige Stunden nach dem Bjelica-Abgang zur Wiener Austria wurde der ehemalige Innenverteidiger als neuer Chefcoach der „Wölfe“ präsentiert.

Doch wie tickt der neue Leitwolf? Wird er den Weg seines Vorgängers in Wolfsberg fortsetzen oder sind Veränderungen zu erwarten?

Im LAOLA1-Interview gibt es die Antworten.

LAOLA1: Herr Grubor, zuerst einmal nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Chefcoach-Posten.

Slobodan Grubor: Danke, Danke. Ich freue mich, dass der Verein so entschieden hat und mir das Vertrauen schenkt.

LAOLA1: Haben sie mit dem Abschied von Nenad Bjelica gerechnet oder kam es doch überraschend?

Grubor: Nein, es war vorhersehbar. Mir war klar, dass irgendwann so ein Angebot kommen wird. Es war praktisch nur eine Frage der Zeit. Das Austria-Angebot hat er annehmen müssen. Es ist der nächste logische Schritt in seiner Karriere. Nenad ist ein richtig toller Trainer. Er wird auch bei der Austria gute Arbeit leisten.

LAOLA1:  Nenad hätte sie gerne mit zur Austria genommen. Angesichts des angebotenen Trainer-Posten beim WAC war dies für sie aber keine Option, oder?

Grubor: Ja, Nenad wollte mich mit zur Austria nehmen. Präsident Riegler hat aber um ein Gespräch gebeten. Da habe ich gesehen, dass der WAC mich unbedingt halten wollte. Zudem wollten auch die Spieler, dass ich unbedingt bleibe. Deswegen habe ich mich auch entschieden, in Kärnten zu bleiben.

LAOLA1: Sie haben fast sechs Jahre mit Nenad Bjelica zusammengearbeitet. Überwiegt die Trauer, dass sich eure Wege nun trennen, oder die Freude über das Amt des Chefcoachs?

Grubor: Es überwiegt die Freude. Und ich freue mich auch für Nenad, dass er die Möglichkeit erhalten hat, bei einem Topklub wie der Austria zu arbeiten. Auf der anderen Seite bin ich natürlich glücklich, endlich einmal Cheftrainer  zu sein.

LAOLA1: Sie waren bereits beim FC Lustenau Cheftrainer, beendeten nach einem halben Jahr das Engagement und wurden wieder Co-Trainer. Warum?

Grubor: Der FC Lustenau war damals keine optimale Lösung für meine Entwicklung. Es war eine schwierige Situation. Deswegen habe ich den Klub verlassen und habe mich wieder Nenad beim WAC angeschlossen. In Wolfsberg  gab es eine große Perspektive. Der Verein hatte große Ambitionen. Heute sieht man, dass es die richtige Entscheidung war und wo der Klub steht.

LAOLA1: Kann man sagen, dass 2010 die Position des Hauptverantwortlichen bei Lustenau für sie zu früh kam bzw. jetzt die Zeit reif ist, in der ersten Reihe zu stehen?

Grubor: In Lustenau war es einfach anders. Jetzt ist eine andere Situation. Ich bin seit drei Jahren beim WAC, kenne den Klub und die Spieler sehr gut. Es ist einfach eine ganz andere Ausgangsposition als damals in Lustenau.

LAOLA1: Welche Philosophie verfolgt der Trainer Slobodan Grubor?

Grubor: Ich will die Spieler weiterentwickeln und den Verein weiter in der Bundesliga etablieren. Zudem möchte ich junge Talente finden und diese fördern. Es wäre schön, wenn wir in der kommenden Saison noch mehr erreichen würden, als es uns schon im letzten Jahr gelungen ist.

LAOLA1: Welchen Spielstil präferieren sie? Werden sie den Weg von Nenad Bjelica fortsetzen?

Grubor: Wir haben uns im letzten Jahr ein gewisses Image erarbeitet. Jeder weiß, dass wir sehr stark im Konter und bei Standards sind. In diesen beiden Bereichen sind wir wirklich gut. Es gibt aber noch viel zu verbessern – speziell das Spiel in Ballbesitz. Gegen die starken Gegner haben wir gut ausgesehen, aber gegen die sogenannten Kleinen, gegen die man das Spiel eben machen muss, haben wir teilweise keine gute Figur gemacht.

LAOLA1: Sind sie mehr ein Kumpeltyp oder legen sie mehr Wert auf Autorität?

Grubor: An meiner Beziehung zu den Spielern wird sich auch jetzt nichts ändern. Wir haben uns immer gut verständigt und ausgetauscht – das wird auch so bleiben. Wenn jemand ein Problem hat, kann er jederzeit zu mir kommen oder mich anrufen. Ich helfe immer gerne. Auf der anderen Seite verlange ich natürlich 100 Prozent im Training und bei den Spielen. Eine gewisse Disziplin muss weiterhin da sein. Ich gehe davon aus, dass wir keine Probleme haben werden.

LAOLA1: Sie haben Carlos Chaile ins Boot geholt. Woher kam diese Überlegung?

Grubor: Carlos lebt schon lange in Kärnten, hat ja bei Austria Kärnten in der Bundesliga gespielt. Als ich ihn gefragt habe, ob er mein Trainerteam verstärken will, hat er nicht lange überlegt. Er hilft mir in der Kommunikation mit unseren Spaniern und betreut unsere Amateure in der Regionalliga.

LAOLA1: Kommen wir zum Kader. Jacobo und Jose Solano sind angeschlagen. Werden die beiden rechtzeitig zum Meisterschaftsstart fit?

Grubor: Derzeit sind beide außer Gefecht, das stimmt. Jacobo wird nach seiner Leistenbruch-OP langsam ins Training einsteigen. Man muss schauen, wie weit er ist und ob sich der 20. Juli für ihn ausgeht. Solano hatte Kniebeschwerden. Er wird am Montag wieder ins Training einsteigen. Bei ihm mache ich mir keine Sorge.

LAOLA1: Wird man am Transfermarkt noch einmal tätig werden?

Grubor: Es ist noch ein Spanier für das Mittelfeld im Gespräch. Wir müssen da aber noch ein bisschen warten. Er benötigt noch seine Freigabe. Sobald er diese hat, wird er zu uns kommen. Und Rene Seebacher (zuletzt Admira, Anm. d. R.) ist bei uns kein Thema.  

LAOLA1: Die zweite Saison in der Bundesliga ist immer die Schwierigste. Erwarten sie ein schweres Jahr?

Grubor: Überhaupt nicht. Wir sind nach unserem Aufstieg in die Erste Liga im zweiten Jahr Meister geworden. Ich habe daher keine Angst. Wir werden unsere Linie und Philosophie fortsetzen. Ich habe eine gute Truppe. Es gab keine großen Veränderungen. Ich gehe davon aus, dass wir nächste Saison eine gute Rolle spielen werden.

 

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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