"Unser Fußball macht Spaß"

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„Chaotisch!“

Treffender hätte Siegtorschütze Sanel Kuljic den 1:0-Erfolg der Kapfenberger gegen Austria nicht zusammenfassen können.

Die Falken waren über 90 Minuten die spielbestimmende Mannschaft, trafen drei Mal Aluminium, hatten zwei Elfmeter und gewannen schlussendlich doch glücklich.

„Eigentlich müssen wir 3:0 führen, vergeben dann einen Strafstoß und können froh sein, dass der Schiedsrichter noch einmal auf den Punkt zeigt“, gestand der 34-Jährige, der in seinem 100. Bundesliga-Match sein erstes Tor für den KSV erzielt.

Durch den hochverdienten Sieg verkürzt das Schlusslicht den Rückstand auf den Tabellenneunten Wr. Neustadt auf neun Punkte.

Neue Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt? „Theoretisch ist es möglich. Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. Nächste Woche ist das Derby – das wird schwierig. Wenn wir alle fünf Spiele gewinnen, kann es sich aber noch ausgehen“, gibt sich Kuljic kämpferisch.

Und auch Kapitän David Sencar hat den Glauben nicht verloren: „So lange es rechnerisch möglich ist, wird jeder daran glauben. Wir werden bis zum Schluss kämpfen.“

Wie Trainer Thomas von Heesen über den Abstiegskampf und das Spiel gegen die Austria denkt, sagt der Deutsche im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Herr von Heesen, gibt es angesichts des Spielverlaufs doch so etwas wie einen Fußball-Gott?

Thomas von Heesen: Ich habe ihn noch nicht getroffen, aber wenn es einen geben würde, hätten wir im Frühjahr sechs, sieben Punkte mehr auf unserem Konto.

LAOLA1: Mit der Leistung ihrer Mannschaf können Sie aber zufrieden sein, oder?

Von Heesen: Absolut. In unserer Situation ist es wirklich nicht einfach, immer alles abzurufen. Wir haben aber eine super Truppe, die voll intakt ist. Die Jungs marschieren, trainieren wie die Wahnsinnigen und versuchen, die Vorgaben so gut als möglich umzusetzen – egal wie die Situation ist. Man sieht ja, dass das, was wir spielen, etwas mit Fußball zu tun hat. Wir agieren mit Forechecking und aggressiven Angriffen. Gegen Austria ist das eigentlich nicht einfach, aber wir haben eine gute Lösung gefunden.

LAOLA1: Was geht einem Trainer durch den Kopf, wenn man eine Begegnung ganz klar beherrscht, drei Stangenschüsse hat und in der 88. Minute auch noch einen Elfmeter vergibt?

Von Heesen: Für die Außenstehenden und die Zuschauer ist es viel schwieriger. Sie leiden wesentlich mehr mit. Mich ärgert so etwas auch, aber ich bin zu sehr auf das Spiel fokussiert, um zu leiden. Natürlich denkt man sich „Mmmh“, aber mich freut, dass Junior nach seinem verschossenen Elfmeter nicht den Kopf hängen gelassen hat, sondern noch einmal in die Box gegangen ist und den zweiten Strafstoß herausgeholt hat. Das finde ich grandios.

LAOLA1: Kapfenberg hat gewonnen, Neustadt verloren. Könnte das noch einmal einen Initialzündung für den Abstiegskampf sein?

Von Heesen: Wir sind zwar noch nicht abgestiegen, aber die letzten drei Wochen waren für mich entscheidend für den großen Punkteabstand. Mit der kompletten Mannschaft (Anm. d. R.: Nathan Junior, Sencar waren gesperrt, Gerson verletzt) hätten wir in dieser Zeit ein paar Punkte mehr geholt. Wir sind eben kein Klub, der 20 gleichwertige Spieler hat. Nichts gegen die anderen, aber wir brauchen zum Bespiel die Qualität eines Juniors, um jedes Spiel so wie heute bestreiten zu können. Ich bin froh, dass alle drei zurück sind und sich jeder Beobachter nach so einem Spiel wie heute denkt, wie so eine Mannschaft absteigen kann.

LAOLA1: Ist man im Frühjahr vielleicht auch ein bisschen in Schönheit gestorben und hat auf die Effizienz vergessen?

Von Heesen: Wir hatten etliche Chancen, dass stimmt. Aber ich glaube, sie sehen lieber so ein Spiel wie heute, als eine Begegnung, wo ein Team nur mauert und dann schlussendlich doch verliert. Unser Fußball macht Spaß und ist die richtige Antwort auf unsere Tabellensituation. Wir müssen aggressiv nach vorne spielen. Wenn ich absteige, in den letzten sechs Partien nur hinten drin steht und die Schießbude der Liga war, sagt jeder: „Zurecht abgestiegen“. Sollten wir tatsächlich absteigen, wird sich wohl jeder fragen: „Wie kann diese Truppe absteigen?“ Das ist das größte Lob für die Mannschaft und das Trainerteam.

LAOLA1: Wieviel Wehmut wäre dabei, wenn diese Mannschaft durch den Abstieg zerbricht?

Von Heesen: Wenn wir mit dieser Mannschaft von Anfang an antreten hätten können, wären wir unter die ersten Fünf  gekommen. Das ist nicht vermessen, sondern davon bin ich überzeugt. Das hat nicht zuletzt auch das Austria-Match gezeigt. Der Verein hat zudem noch tolle Talente im Talon. Leider war nicht die Zeit vorhanden, um sie in Ruhe aufzubauen und in die Mannschaft zu integrieren, da es eine ständige Drucksituation gab.

LAOLA1: Wie sieht Ihre Zukunft aus? Bleiben Sie in Kapfenberg?

Von Heesen: Es muss gewisse Parameter geben. Wie sehen die Rahmenbedingungen aus? Wie sieht die Mannschaft nächste Saison aus? Ich möchte schon eine Truppe haben, die attackieren und das Ziel Wiederaufstieg angehen kann. Wir sind in guten Gesprächen. Es gibt aber noch etliche Sachen in kurzer Zeit zu klären. In 14 Tagen sollte dann eine Entscheidung fallen.

Martin Wechtl

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