"Es ist ein Armutszeugnis für andere Vereine"

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Das hätte sich Thomas Reifeltshammer vor zwei Jahren nicht gedacht.

Nachdem der Innviertler mit großen Problemen zu kämpfen hatte, sogar an ein Karriereende dachte, schaffte er 2009 den Sprung von den Ried Amateuren in die Kampfmannschaft.

Reifeltshammer durchlief die komplette Jugendabteilung der SV Ried, arbeitete sich Stück für Stück in die Kampfmannschaft und ergriff schlussendlich nach dem Rücktritt von Kapitän Oliver Glasner unter Trainer Paul Gludovatz seine ganz große Chance.

Mit viel Eigenverantwortung und Geduld darf sich der 23-Jährige, der erst 35 Bundesliga-Spiele auf dem Konto hat, nun als Abwehrchef des Herbstmeisters bezeichnen. In dieser Funktion hat er sich schneller als gedacht zurechtgefunden.

Weshalb das Ausland noch kein Thema ist und er junge Spieler motiviert, die Schule zu beenden. Das und mehr erzählt Thomas Reifeltshammer im LAOLA1-Interview:

LAOLA1: Du bist in Ried groß geworden. Wie siehst du die Entwicklung des Vereins?

Thomas Reifeltshammer: Ried hat eine perfekte Infrastruktur, ein tolles Stadion mit vielen Fans im Rücken. Man kann hier ruhig arbeiten und verspürt kaum Druck. Wichtig ist auch, dass man als Sportler merkt, dass im Verein seriös und ehrlich gearbeitet wird. Ried macht keine großen Sprünge und bleibt immer am Boden. Ich denke, das sind Voraussetzungen für eine perfekte Weiterentwicklung eines Vereins.

LAOLA1: Ried schafft es immer wieder aus einer jungen Mannschaft ein reifes Team zu formen. Was  ist das Erfolgsgeheimnis?

Reifeltshammer: Ried ist ein Ausbildungsverein, man setzt auf den Nachwuchs, holt sich Spieler aus den eigenen Reihen oder jene die bei anderen Vereinen untergegangen sind oder nie die Chance bekommen haben, sich in Szene zu setzen. Jeder im Verein weiß, was er zu tun hat. Die Aufgabenbereiche sind klar abgesteckt, niemand mischt sich beim anderen drein. Was noch hinzukommt, das Trainerteam leistet hervorragende Arbeit und Manager Stefan Reiter hat ein goldenes Händchen für die Transfers. Das Produkt dessen ist der Erfolg.

LAOLA1: Ist Ried das beste Beispiel dafür, dass man mit beschränkten Mitteln erfolgreich sein kann?

Reifeltshammer: Es ist ein Armutszeugnis für andere Vereine, die das Zehnfache an Budget haben und nicht besser sind oder weniger Punkte haben als wir. Geld spielt im Fußball nur bedingt eine Rolle, das sieht man anhand Rieds.

LAOLA1: Ist es eine Art Genugtuung gegenüber dem LASK, der es in der Landeshauptstadt nicht schafft, Erfolg zu verzeichnen?

Reifeltshammer: In Ried wird anders, seriös gearbeitet. Als Innviertler und Rieder ist es für mich natürlich eine große Freude, dass es bei uns besser läuft als beim LASK.

Reifeltshammer als Vorbild vieler jungen Spieler

LAOLA1: Siehst du dich auch ein wenig als Vorbild für Meilinger, Rotpuller und Co.?

Reifeltshammer: Rotpuller spielt auf meiner Position. Als er zu Ried gekommen ist, hat ihm mein Weg imponiert. Er hat gemeint, dass er es auch so wie ich schaffen will. Wir helfen uns und machen uns gegenseitig stärker. Ich gebe gerne meine Erfahrungen weiter.

LAOLA1: Bei Innenverteidigern wie Pogatetz, Prödl, Dragovic, Dibon etc.  – ist das Nationalteam bereits ein Thema für dich?

Reifeltshammer: Das Nationalteam ist natürlich ein Ziel. Wenn ich meine Leistungen in Ried bringe, wird das bestimmt eines Tages ein Thema sein. Wie man in der Vergangenheit gesehen hat, ist  auch Ried für das Nationalteam interessant. Auf meiner Position habe ich sehr große Konkurrenz, viele spielen erfolgreich im Ausland. Für mich ein weiterer, großer Ansporn weiterzuarbeiten.

LAOLA1: Du holst dir zum zweiten Mal mit Ried den Herbstmeistertitel. Grund zum Feiern oder geht es gleich wieder weiter?

Reifeltshammer: Feiern können wir später, ich denke schon wieder an das nächste Spiel. Ich will mir mit Ried auch die Winterkrone abholen.

LAOLA1: Ist die Liga schwach oder Ried so stark?

Reifeltshammer: Das ist schwierig zu sagen, ich denke die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Die kleinen Vereine haben aufgeholt, die großen haben ihre Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft.

 

Das Interview führte Patricia Kaiser

LAOLA1: Wie bist du mit deiner persönlichen Entwicklung zufrieden?

Reifeltshammer: Das letzte Jahr ist optimal für mich gelaufen. Ich habe gewusst, dass ich meine Chance bekommen werde. Schritt für Schritt bin ich in die Mannschaft reingewachsen. Oliver Glasner hat mir sehr viel gelernt und so habe ich mich immer mehr in die richtige Richtung entwickeln können. Ich war gefordert Verantwortung zu übernehmen, diese Aufgabe habe ich angenommen.

LAOLA1: Wo siehst du deine Zukunft, ist ein Wechsel vorstellbar?

Reifeltshammer: Ich habe bis 2014 Vertrag  und will in der Bundesliga meine Leistungen bestätigen. Ich kann erst 35 Bundesligaspiele verzeichnen, ich muss und kann noch sehr viel lernen. Sportlich gesehen bin ich im Innviertel, meiner Heimat, perfekt aufgehoben.

LAOLA1: Du warst kurz davor deine Karriere zu beenden, ehe Michael Angerschmid ins Trainerteam aufgerückt ist.

Reifeltshammer: Es hat Momente in meiner Karriere gegeben, an denen ich gezweifelt habe, dass der Verein an mich glaubt. Ich habe hart trainiert, gehofft und sehr lange auf meine Chance gewartet. Für mich war damals klar, dass es das noch nicht gewesen sein kann. Wenn ich aufgehört hätte, wäre ich mit mir unzufrieden gewesen und würde mir noch heute Vorwürfe machen. Ich habe mir immer wieder gesagt, dass in Ried jeder seine Chance bekommt, wenn er gut arbeitet. Das war meine Motivation, nicht das Handtuch zu werfen oder den Verein zu wechseln. Michael Angerschmid hat mich damals zu den Profis gebracht und mich damit meinem Ziel ein Stück näher gebracht.

LAOLA1: Haben junge Spieler zu wenig Geduld?

Reifeltshammer: Die Jungen machen alle den Fehler, dass sie zu wenig Eigenverantwortung übernehmen. Das beginnt bei der Schule. Viele schmeißen die Schule hin und gehen den leichteren Weg. Wie sollen sie dann im Fußball Verantwortung übernehmen, wenn sie den steinigeren Weg meiden?

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