"Zaubern können wir nicht"

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"Es braucht Zeit"

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Es war noch nicht der Sommer der SV Ried.

Nach dem Paukenschlag mit dem fliegenden Wechsel von Trainer Oliver Glasner zum Erzrivalen LASK in die zweithöchste Spielklasse kam es in der Vorbereitung auf die neue Saison bislang knüppeldick.

Kein Sieg, ein Remis, vier Niederlagen – dabei ein 0:5 gegen den tschechischen Erstligisten Mlada Boleslav, dem ein noch viel deutlicheres 1:8-Debakel gegen dessen Liga-Kontrahenten Sparta Prag folgte.

Reiter: „Die Arbeit ist in Ordnung“

„So ein Ergebnis geht natürlich nicht“, sagt freilich auch Stefan Reiter, der aber wie immer die Ruhe in Person bleibt. „Es geht darum, eine Mannschaft zu formen“, so der langjährige Manager.

Zusatz: „Ich bin von der Qualität der Spieler überzeugt.“ Auch von der Arbeit der Mannschaft unter Neo-Trainer Helgi Kolvidsson: „Die ist Ordnung.“

Anders denkt darüber manch Anhänger, der seinen neuen Trainer schon gehörig unter Zugzwang sieht.

Schließlich geht es am Freitag mit dem Cup beim SV Innsbruck (4. Liga) los, eine Woche später mit der Liga bei Rapid. Am Dienstag wartet mit Galatasaray Istanbul (samt Neuzugang Lukas Podolski) der nächste Kracher.

Bei der ersten Trainingseinheit seit dem 1:8 versammelte der 43-jährige Isländer seine Spieler 15 Minuten im Mittelkreis. Laut wird dabei vor allem Co-Trainer Thomas Sageder.

Im Interview mit LAOLA1 spricht Helgi Kolvidsson über ein 1:8 und die Folgen.

LAOLA1: Haben Sie Erklärungen für das 1:8-Debakel gegen Sparta Prag gefunden?

Helgi Kolvidsson: So wie wir uns präsentiert, welche Räume wir ihnen gegeben, die Kompaktheit, die wir aufgegeben haben, das wird von einem starken Gegner einfach gnadenlos ausgenutzt. Das sind Punkte, an denen wir arbeiten müssen. Die Spielphilosophie ist auch eine andere, da gibt es Umstellungen und das braucht Zeit, bis es greift. Wir haben sehr viel Arbeit vor uns.

LAOLA1: Mit welchen Umstellungen haben die Spieler noch Probleme?

Kolvidsson: Ich möchte, dass wir auch mehr in den Ballbesitz reinkommen. Viele Spieler haben noch intus, dass sie ganz vorne anpressen. In dieser Richtung müssen wir einfach viel ansprechen.

LAOLA1: Ist es nur das? Schließlich gab es bislang keinen Testspiel-Sieg und zuvor auch ein 0:5?

Kolvidsson: Nein, das wäre zu einfach. Faktum ist: Ich wollte mir die ersten beiden Wochen ein Bild machen, wie es gelaufen ist, sowie mir die Spieler ansehen und kennenlernen. Daraus resultierend galt es dann ein System zu finden, das zu uns passt. Deswegen hatte ich in den ersten drei Spielen auch mehr die Beobachterrolle inne. Konkret sind wir es letzte Woche angegangen, dass ich es so und so haben möchte. Natürlich ist dieses Ergebnis nun erschreckend, aber ich habe auch einige Punkte gesehen, die nicht ganz schlecht waren. Wir haben vor der Pause wenig zugelassen, kriegen ein Tor aus 55 Metern, machen nach der Pause auch das 1:2, kriegen aber postwendend das 1:3. Am Ende sind alle Dämme gebrochen. Das darf nicht passieren.

LAOLA1: Wie sind Sie mit der Mannschaft nach diesen Niederlagen umgegangen?

Kolvidsson: Nach dem 0:5 haben wir schon klare Worte gefunden, denn da hat die Einstellung überhaupt nicht gepasst. Da haben wir die Anfangsphase komplett verschlafen, liegen nach 20 Minuten 0:3 zurück. Da gibt es Fakten, über die ich mit der Mannschaft spreche. Wir haben zwei Weckrufe erhalten und jetzt gilt es, unsere Fehler so schnell wie möglich zu korrigieren.

LAOLA1: Muss sich der Ried-Fan in dieser Saison wiederum gedulden?

Kolvidsson: Klar, es braucht immer wieder Zeit, dass das ins Rollen kommt, was wir wollen und vorhaben. Wir haben elf neue Spieler, ich bin neu hier. Es gibt eine neue Zusammenarbeit mit dem Trainer-Team, eine neue Zusammenarbeit mit der Mannschaft. Zaubern können wir nicht, dass es von heute auf morgen funktioniert. Aber man weiß, wie die Uhren im Fußball ticken. Es gibt keine Zeit, man ist ergebnisorientiert. Das ist mir auch bewusst. Unter diesem Druck stehen wir, mit dem müssen wir aber umgehen können. Denn das ist Profi-Fußball und die höchste Liga Österreichs. 

LAOLA1: Solche Ergebnisse sind in einer Vorbereitung wohl auch für Sie neu, oder? 

Kolvidsson: Stimmt, solche hatte ich noch nie. Aber es war auch bei meinen vorigen Stationen so, dass es Zeit gebraucht hat. Das sind Prozess und Entwicklung.

LAOLA1: Ried gehört an sich zu den Klubs mit einem ruhigerem Umfeld in Österreich. Dennoch ist ob dieser Ergebnisse rauer Wind zu spüren. Weil hier auch schon mehr erwartet wird? 

Kolvidsson: Klar wird mehr erwartet. Weil es ein Top-Verein ist mit Ansprüchen und Erwartungen. Der ganze Klub ist in allen Richtungen sehr gefestigt und man merkt, dass in den vergangenen Jahren viel gute Arbeit geleistet wurde. Nun gilt es von meiner Seite sowie vom gesamten Trainer-Team, unsere Vorstellungen weiter so schnell wie möglich umzusetzen.

LAOLA1: Ist das 4-2-3-1-System jenes, das die Spieler verinnerlichen sollen?

Kolvidsson: Ich sehe grundsätzlich ein 4-2-3-1 oder 4-4-2, mit dem ich gerne variabel spielen will, weil das zu den Spielern am besten passt. Dort wollen wir Festigkeit reinbringen, aber dennoch flexibel sein. Weil jedes Spiel unterschiedlich ist. Weil es auch während dem Spiel Umstellungen geben kann. Diese Positionsflexibilität will und erwarte ich mir von den Spielern. Das braucht Zeit und Mitarbeit von allen. Da müssen wir immer dahinter sein. Spezifisch ich.

LAOLA1: Was ist Ihr Ziel für die anstehende Saison?

Kolvidsson: Mein Wunsch ist, dass wir uns immer weiterentwickeln und Woche für Woche besser werden. Das ist auch mein Ziel.

 

Das Interview führte Bernhard Kastler

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