"Vielleicht ist dadurch ein Umdenken entstanden“

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Markus Suttner ist nach seinem Muskelfaserriss zurück.

Und zwar schneller als erwartet.

„Ich habe nach drei Wochen wieder trainieren können. Das war natürlich früher als ich bzw. die Ärzte es erwartet haben“, so der 27-Jährige, der zuletzt gegen die Admira schon Ersatz war und letzte Woche in Ried zu einem Kurz-Einsatz in der Schlussphase kam.

Gegen Salzburg wird der Austria-Kapitän sein Startelf-Comeback geben. Im LAOLA1-Interview spricht der Hollabrunner über seinen Heilungsprozess, die Stimmung in der violetten Fanszene und das Umdenken im Spielsystem.

LAOLA1: Nach deinem Muskelfaserriss gegen Altach rechnete man mit einem Ausfall bis zur Winterpause. Bist du überrascht, dass du so schnell wieder zurück bist?

Markus Suttner: Die Ärzte gehen bei ihrer Prognose kein Risiko ein, sie sind da eher sehr vorsichtig. Ich habe nach drei Wochen wieder trainieren können. Das war natürlich früher als ich bzw. die Ärzte es erwartet haben. Ich hatte zwei Wochen eine tolle Reha bei Mike Steverding in Deutschland. Ich bin ihm sehr dankbar, dass alles so perfekt gelaufen ist. Ich kenne Mike von der U21 und vom Nationalteam. Da hat er mir meine Achillessehne gerichtet, die ich in der Meistersaison gespürt habe. Ich weiß einfach, dass ich bei ihm sehr gut aufgehoben bin, wenn ich eine Verletzung habe.

LAOLA1: Auch Alexander Gorgon hat sich bei ihm zwei Mal behandeln lassen…

Suttner:  Ja, und nachdem es ihm wieder gut geht, ist das Vertrauen noch mehr gestiegen. „Gogo“ hatte ja langwierige Probleme. Mit mir waren jetzt Christoph Saurer, Jan Marc Riegler und Mario Reiter bei ihm. Wir haben in einer WG gewohnt. Die Reha ist echt toll, weil du um neun Uhr in der Früh reingehst und am Abend um sieben, acht rausgehst. Du bist den ganzen Tag dort, hast Therapie und Training und konzentrierst dich nur auf deine Verletzung. Du wirst nicht abgelenkt.

LAOLA1: Eine Muskelverletzung ist bekanntlich tückisch. Fängt man zu früh an, ist die Gefahr groß, einen Rückschlag zu erleiden. Wann weiß man, dass es wieder geht?

Suttner:  Sobald Laufen und Kraftübungen wieder möglich sind, weiß man, dass man bereit ist. Das sind die härtesten Übungen für den Muskel.  Ich habe jedenfalls keine Schmerzen mehr, bin voll ausgeheilt. Zuletzt bin ich zwei Mal auf der Bank gesessen, habe davor aber schon eineinhalb Wochen mit der Mannschaft trainiert.

LAOLA1: Du bist in deiner Karriere bisher von schweren Verletzungen verschont geblieben. Machst du irgendetwas Spezielles für deinen Körper?

Suttner:  Nein. Es kommt auf den Typen an. Manche Spieler sind auf Muskel-, manche auf Bänderverletzungen anfällig. Das trifft Gott sei Dank nicht auf mich zu.

LAOLA1: Am Samstag wirst du wohl im Schlager gegen Salzburg dein Startelf-Comeback geben. Im letzten Heimspiel gegen die „Bullen“ hast du ein Tor geschossen und einen Treffer vorbereitet.

Suttner: Wenn das wieder so laufen würde, würde ich es natürlich sofort unterschreiben. Wir haben uns in den letzten Spielen recht gut gegen Salzburg geschlagen, aber wir wissen, dass diese Mannschaft viel Qualität besitzt und wir einen guten Tag brauchen, um dagegenhalten zu können.

LAOLA1: Die Austria hat die letzten beiden Spiele gegen Salzburg gewonnen, davor hat man sich lange Zeit sehr schwer getan. Habt ihr mittlerweile den Red-Bull-Code geknackt?

Suttner:  Code… Salzburg kennt ihn, wir wissen ihn. Aber ich möchte das hier jetzt nicht näher erläutern.

LAOLA1: Ist es ein kleiner Nachteil, dass man Salzburg nicht nach einem Europacup-Match erwischt? Man weiß ja, dass es nach einem internationalen Spiel nicht einfach ist, sich wieder auf den Liga-Alltag einzustellen. Das habt ihr letzte Saison mit der Champions League selbst durchgemacht.

Suttner: Der Umstieg von international auf national ist wirklich nicht einfach. Das sieht man aber nicht nur bei österreichischen Mannschaften, sondern überall. Zudem hat Salzburg heuer relativ viele Verletzte.

LAOLA1: Themenwechsel. Zuletzt gab es zahlreiche Stadionverbote für führende Mitglieder von Austrias größtem Fanclub. Darunter scheint die Fanszene zu leiden. Was sagst du dazu?

Suttner: Wenn jemand Stadionverbot bekommt, passiert das nicht wegen einer Lappalie, sondern weil etwas vorgefallen ist. Es ist bitter, wenn es die Anführer der „Fanatics“ trifft. Das sind die Leute, die am Vorsänger-Pult stehen und am ehesten für die Stimmung verantwortlich sind, weil sie den Takt vorgeben. Dennoch sollte bei einem Heimspiel Stimmung da sein, deswegen müssen sich da gewisse Leute auf der Ost Gedanken machen.

LAOLA1: Die Fans waren zuletzt grundsätzlich extrem ungeduldig. Es herrschte irgendwie eine angespannte Stimmung. Oft gab es bereits in der ersten Hälfte Pfiffe gegen die eigene Mannschaft.

Suttner: Es ist jetzt seit fast einem Jahr so, dass wir es nicht schaffen, über einen längeren Zeitraum erfolgreich Fußball zu spielen. Dadurch ist das Fan-Herz ein wenig gebrochen, weil wir sie nicht mit dem besten Fußball verwöhnen. Und deswegen ist der Missmut einerseits verständlich, aber es ist für unser Spiel nicht förderlich, wenn so wie gegen die Admira nach zehn Minuten gegen uns gepfiffen wird.

LAOLA1: Wir sehr beeinflussen die Reaktionen auf den Rängen euch Spieler?

Suttner: Man bekommt das natürlich alles mit. Wir versuchen am Platz alles, dass unser Spiel besser wird. Wenn wir dafür den einen oder anderen Rückpass mehr brauchen, sollte man uns das verzeihen und statt zu pfeifen uns anfeuern. Erst  nach den 90 Minuten und einem schlechten Ergebnis, sollte man seine Meinung kundtun. Wir sollten uns darauf einigen, dass auch wenn wir derzeit nicht den schönsten Fußball spielen, uns die Leute 90 Minuten unterstützen. Wir brauchen die Unterstützung, müssen alle zusammenhalten. Es geht um die Austria, da müssen Mannschaft, Fans, einfach jeder zusammenhalten.

LAOLA1: Du hast selbst die eher unkonstanten Leistungen angesprochen. Teilweise folgten nach guten, richtig schlechte Spiele, obwohl das Selbstvertrauen eigentlich stimmen hätte müssen. Zudem hat es den Eindruck, dass der eine oder andere Spieler keine Verantwortung übernehmen will.

Suttner: Dass mit der Verantwortung wird immer leicht gesagt. Es ist halt so, dass es Partien gibt wie z. B. das Ried-Match, in dem es trotz Führung spielerisch nicht so leicht von der Hand geht, wie wir uns das wünschen würden. Vielleicht sind wir nicht effizient oder clever genug, um hinten konsequenter zu klären bzw. vorne das zweite Tor zu machen. Das fällt uns derzeit  auf den Kopf. Ich glaube aber, dass das Selbstvertrauen gestiegen ist, nur glauben dann manche vielleicht wieder, dass es jetzt leichter geht. Doch dieses „leichter gehen“ ist vielleicht das Problem zur Zeit.

LAOLA1: Haben einige ein wenig Angst, Fehler zu machen, die schwere Folgen mit sich bringen und sich deswegen eher zum risikolosen Pass entscheiden, anstatt selbst etwas zu probieren?

Suttner:  Nein. Wir machen ja auch genug Fehlpässe. Fehler kann nur jemand machen, der auch etwas probiert. Man sieht, dass wir die Bälle vorne reinspielen wollen, aber es fehlt die Genauigkeit, die Präzision.

LAOLA1: Trainer Gerald Baumgartner wollte das „Offensiv-Pressing“ installieren. Mittlerweile ist man davon abgekommen, hat die Ausrichtung verändert. Warum hat es nicht funktioniert?

Suttner: Wir sind eine Mannschaft, die eher spielerisch gut sein sollte. Auch die Typen im Team forcieren die spielerische Linie, anstatt das Pressing verinnerlicht zu haben. Dieses Pressing kann auch nicht von Null auf Hundert funktionieren, das hat man ja auch bei Salzburg in unserer Meistersaison gesehen. Und wir hatten damit zu Beginn der Meisterschaft keine Erfolge. Hätten wir so weitergespielt und in Folge keine Punkte geholt, wäre die ganze Situation sehr eng geworden. Deswegen haben wir uns für die Sicherheits-Variante entschieden, wir stehen kompakter, attackieren defensiver. Damit haben wir ein paar Spiele gewonnen.

LOALA1: Kann man daraus schließen, dass die Austria nicht das geeignete Spieler-Material besitzt, um das Offensiv-Pressing erfolgreich praktizieren zu können?

Suttner: Nein. Es sind hier einfach wenige Spieler, die diese Art von Fußball bisher gespielt haben. Und die Zeit war einfach zu kurz, um das System einzustudieren. Wenn am Anfang mit ein paar schlechteren Spielen, ein paar gute Ergebnisse herausgeschaut hätten, hätten wir es wahrscheinlich durchgezogen.

LAOLA1: Wurde diese Änderung vom Trainer entschieden,  oder wurde die Mannschaft in diesen Entschluss miteinbezogen?

Suttner: Ein Punkt war, dass wir im ersten Spiel, wo wir nicht mit Offensiv-Pressing aufgetreten sind, in Salzburg eine sehr starke Leistung geboten haben und es zum Sieg geführt hat. Vielleicht ist dadurch ein Umdenken entstanden.

LAOLA1: Der Coach hat sehr, sehr viel Wert auf Fitness gelegt. Hat er es vielleicht ein bisschen damit übertrieben?

Suttner: Das Thema Fitness ist in den Medien ein wenig hochstilisiert worden. Wir waren nicht überragend in Schuss, aber es war keiner schlecht beisammen. Es wurde Dinge geändert und dann braucht man auch andere Sachen.

LAOLA1: Ist der Austria-Spieler schwer zu trainieren? Dieses Thema wird ja medial immer wieder gerne aufgegriffen?

Suttner: Es liegt ungefähr ein Jahr zurück, dass diese Gerüchte entstanden sind. Und es sind auch noch weitere Gerüchte entstanden. Dazu will ich nichts sagen, weil es nicht stimmt. Man kann viele Spieler, die bei uns waren und jetzt im Nationalteam sind, fragen: Bei uns herrscht ein starker Teamgeist. So etwas gibt es nur selten. Hier ist eine Truppe am Werk, die zusammenhält. Dass es jetzt nicht funktioniert ist bitter, heißt aber nicht, dass bei uns Charaktere in der Mannschaft sind, die schwer zu trainieren sind.

LAOLA1: Würdest du also sagen, dass der aktuelle Kurs stimmt?

Suttner: Wir könnten noch erfolgreicher sein. Bei der Austria zählt es nicht, nicht zu verlieren, sondern du musst gewinnen und wenn es geht auch noch schön spielen. In den nächsten zwei Spielen müssen wir Punkte holen, egal wie. Und in der Winter-Vorbereitung müssen wir uns zusammensetzen und schauen, wie wir es schaffen, in Zukunft wieder schöneren Fußball zu bieten.

 

Das Gespräch führte Martin Wechtl

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