"Genügt nicht, dass man erfolgreicher Spieler war"

Aufmacherbild
 

Eine unmissverständliche Botschaft wie sein beurlaubter Vorgänger Peter Hyballa hatte Markus Schopp bei seiner Präsentation als neuer Trainer von Sturm Graz nicht zu bieten.

Kein markiger Spruch wie „Schnelles Hy und kurzes balla – und so wollen wir auch Fußball spielen“.

Dafür beschwörte die 39-jährige Vereinslegende den „Sturm-Geist“, vermittelte den ehrgeizigen Eindruck, seiner erfolgreichen Spieler-Karriere eine ebensolche als Trainer folgen lassen zu wollen und versuchte, den absoluten Fokus des gesamten Vereins darauf zu richten, mit aller Macht das Saisonziel Europacup zu erreichen.

Desweiteren erläutert der 56-fache A-Teamspieler seine Spielphilosophie und erklärt, warum er Spielsysteme mittlerweile für überbewertet hält:

MARKUS SCHOPP…

…SEINE BEFÖRDERUNG ZUM STURM-TRAINER:

Wenn man meinen Werdegang hernimmt, bin ich definitiv nicht der Trainer, der große Erfahrung mitbringt. Was ich aber auf jeden Fall mitbringe, ist der Sturm-Geist, den ich selbst erleben durfte – als Jugendlicher, als Aktiver und jetzt als Trainer. Ich habe gestern selbst noch mal die Situation, als ich in die Kampfmannschaft gekommen bin, reflektiert: Wir haben in der Gruabn gespielt, es waren ein paar Hundert Leute im Stadion und die Stimmung war ziemlich mies. Damals ist passiert, dass wir junge Spieler begriffen haben, was der Sturm-Geist ist. Dieser Sturm-Geist hat schnell ziemlich viele Leute erfasst. Ich durfte als Spieler erleben, was sich über die Jahre entwickelt hat – in den letzten 20 Jahren hat sich sehr viel getan.

...DARÜBER, DASS ES NICHT REICHT, ERFOLGREICHER SPIELER GEWESEN ZU SEIN:

Die Geschichte ist aber ganz einfach die, dass das alleine nicht genügen wird, dass man irgendwann einmal ein erfolgreicher Spieler war. Das habe ich auch nie behauptet. Aber: Ich habe mir als Spieler immer wieder Ziele gesetzt, und die erreicht. Auch als Trainer habe ich mir fest vorgenommen, meinen Weg zu gehen. Vor knapp einem Jahr habe ich bei den Amateuren begonnen. Als ich nun gefragt wurde, ob ich dieses Amt bis zum Ende der Saison ausfüllen möchte, war die erste Reaktion: Ja natürlich. Weil ich ganz einfach davon überzeugt bin, dass hier erstens viel Qualität ist und zweitens der richtige Geist vorhanden ist. Jetzt gilt es, das Ziel, das am Anfang der Saison gesetzt wurde, zu erreichen. Darauf fokussiere ich mich mit dem Trainer-Team und der Mannschaft. Das ist die Aufgabe, die wir in den nächsten Wochen haben werden.

…ÜBER SEINE ERSTEN AUFGABEN:

In sechs Runden alles auf den Kopf zu stellen, wird nicht gehen. Ich werde mir zuerst einen Überblick über die Mannschaft verschaffen. Es gilt ganz klar, mit den Spielern zu kommunizieren und zu schauen, wo man vielleicht die eine oder andere Schraube nachjustieren kann. Ich bleibe dabei: Die Mannschaft hat absolute Qualität, das hat sie auch in dieser Saison schon oft genug bewiesen.

…ÜBER DEN SCHRITT ALS EX-SPIELER INS TRAINERGESCHÄFT:

Wir haben diese Situation intern geklärt. Es wird so sein, dass sowohl Stojadin Rajkovic als auch Günther Neukirchner bei mir dabei sein werden. Kazimierz Sidorczuk ist klarerweise weiter der Tormann-Trainer, das restliche Team bleibt bestehen. Wir werden in Abstimmung mit Rajkovic und Neukirchner auch die Amateure weiterhin dorthin bringen, damit das Ziel Klassenerhalt so schnell wie möglich erreicht wird. Ich glaube, dass wir da sehr gut aufgestellt sind und qualitativ sehr gute Leute haben.

Beachtlicher Medienrummel bei der Präsentation von Markus Schopp

…ÜBER SEINE SPIELPHILOSOPHIE:

Jeder Trainer hat natürlich eine Vorstellung, wie sein Spiel aussehen sollte. Die Wahrheit ist: Man muss sehr konkret analysieren, mit welchen Spielern arbeite ich, und wie kann ich mit diesen Spielern meine Idee wirklich umsetzen? Da ist es enorm wichtig, dass man eine Philosophie hat. Wir beim SK Sturm haben uns schon über einen sehr langen Zeitraum Gedanken gemacht, wie diese Philosophie aussehen kann, vor allem in der Jugend. Oben ist es natürlich so, dass man seine Ideen, die man umsetzen möchte, auch dementsprechend an den Kader anpassen muss. Die vorhandene Qualität in ein Kollektiv zu formen, ist die große Herausforderung. Das geht oft nicht von heute auf morgen. Aber noch einmal: Wir haben jetzt sechs Wochen Zeit - da gilt es nicht großartig idealistisch zu sein und zu sagen, das ist, wie ich spielen möchte, sondern es gilt, diese Punkte zu holen. Da weiß ich, wie ich mit der Mannschaft reden werde und welche Schritte ich setzen werde.

…ÜBER SEIN BEVORZUGTES SYSTEM:

Spielsysteme sind in meiner Idee mittlerweile überbewertet, es geht vielmehr um die Spielanlage. Das Spielsystem richtet sich in erster Linie nach der Art und Weise, welche Spielertypen zur Verfügung stehen. Klar geht es um eine Grundordnung, viel entscheidender ist heutzutage jedoch, eine richtige Spielanlage zu wählen. Diesbezüglich bin ich gereift, weil auch für mich lange Zeit Systeme in den Vordergrund gestellt wurden.

…DARÜBER, WAS ER KONKRET AM PLATZ SEHEN WILL:

Ich möchte von jedem einzelnen erkennen, dass ihm bewusst ist, was er dazu beitragen muss, um unser Ziel zu erreichen. Das geht über ein selbstbewusstes Auftreten am Platz, über die Initiative, die mir jeder Spieler zeigen muss. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn man verunsichert ist. Dann schiebt man Verantwortung weg, spielt den Ball gerne zum nächsten Spieler. Da ist es extrem wichtig, mit den Spielern zu kommunizieren und ihnen Vertrauen zu schenken, dass sie Initiative ergreifen können.

…DARÜBER, OB SEINE FAMILIE DEN NEUEN JOB MITTRÄGT:

Die Familie lebt ja quasi seit vielen Jahren mit der Situation, dass der Daddy in einem Beruf tätig ist, der sehr unregelmäßig ist. Ich glaube, dass ich es bis jetzt ganz gut geschafft habe, das Berufliche mit der Familie zu verbinden. Klar ist auch, dass wir jetzt auf eine andere Stufe kommen – das ist der absolute Profibereich, wo ich immer zu Hause war, wo ich mich am wohlsten fühle, wo ich diesen Kick habe. Die Familie kennt diese Situation. Jeder weiß, dass mir meine Familie heilig ist. Es wird diese Momente geben, wo ich auch abschalten kann. Mein Sohn Konstantin war gestern beim Training, da hat er es noch nicht gewusst und wurde darauf angesprochen. Da war er sehr verdutzt und hat mich dann angerufen, ob das wohl stimmt. Er hat mich dann auch gleich nach Personalien gefragt, wie ich sie handhaben werde.

Aufgezeichnet von Peter Altmann

…DARÜBER, OB ES EINEN TRAINER-EFFEKT GIBT:

Ich glaube, es gibt Statistiken, in denen der Trainer-Effekt ganz klar von der Hand gewiesen wird. Klar ist, dass man aufgrund der täglichen Zusammenarbeit mit einem neuen Trainer gewisse Dinge verändern kann. Es wird für mich wichtig sein, mir ein Bild zu machen, wie die Mannschaft drauf ist. Es wird viel über Einzelgespräche verlaufen, in denen man sich Eindrücke verschafft. Ich war zwar im Verein, aber nicht unmittelbar in dieser Nähe, wo man diese Eindrücke wirklich gewinnen kann. Als Cheftrainer bist du gefordert, da kann man oft mit wenigen Worten viel erreichen. Man muss ganz einfach gewisse Dinge probieren.

…DARÜBER, OB ER WEGEN DER SCHWIERIGEN SITUATION DES VEREINS GEZÖGERT HABE:

Eigentlich nicht. Ich habe gerade vorher erzählt, wie es mir in jungen Jahren in einer ganz ähnlichen Situation ergangen ist. Damals war es auch so, dass der SK Sturm wirtschaftlich vielleicht nicht in der besten Situation war. Aber daraus ist Großes entstanden. Wir wissen alle, dass wir in der Ausbildung österreichweit wahrscheinlich einer der Top-Vereine sind. Da gilt es ganz einfach noch geschärfter und besser zu arbeiten, um diese Jungs ganz nach oben zu bringen. Ich durfte das Ganze kennenlernen. Jetzt bin ich in einer Position, wo ich das eine oder andere oben mitbeeinflussen kann. Das ist der SK Sturm, und der SK Sturm lebt ganz einfach von diesen Elementen, und ich bin ein Kind dieser ganzen Entwicklung. Deswegen war es für mich in keiner Sekunde ein Gedanke zu zögern.

…DARÜBER, WIE DIE PERSONALIEN GRATZEI UND WEBER BEHANDELT WERDEN:

Wir wissen alle, welche Qualität diese beiden Spieler haben, sie waren nicht umsonst im österreichischen Nationalteam. Aber ich bitte um Verständnis, dass ich in dieser Situation nicht konkret auf diese Dinge eingehen kann. Der SK Sturm verfügt über einen sehr guten Kader. Ich bin der Meinung, dass wir mit diesem Kader unser Ziel erreichen können. Jeder Einzelne dieses Kaders kann seinen Teil dazu beitragen. Es gilt zu beobachten, inwieweit jeder dazu bereit ist, aus der sogenannten Opferrolle, in der er sich in der Saison vielleicht gefühlt hat, herauszutreten. Klar ist aber auch, dass wir sehr viel Qualität haben, und diese gilt es zu aktivieren. Da werde ich meinen Teil dazu beitragen, und die Spieler müssen zeigen, dass sie bereit sind.

…DARÜBER, INWIEWEIT ER FÜR DIE KADERPLANUNG DER KOMMENDEN SAISON MITEINBEZOGEN IST:

Wir stehen im April. Wir wissen, dass das die Hochsaison für die Planung ist. Es gilt, in den personellen Entscheidungen Nägel mit Köpfen zu machen. Sich einzubringen, wird nicht nur meine Aufgabe sein, sondern auch jene anderer Leute im Verein, um der Mannschaft ein Gesicht zu verpassen, das für die nächste Saison passt. Wir wissen, dass wir laufende Verträge haben und Verträge, die enden. Aber das ist Step 2. Der erste Schritt ist das Kennenlernen der Mannschaft. Der zweite ist, sich auch in diesem Bereich Gedanken zu machen und konkret zu werden.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen