"Vielleicht wird Foda zum österreichischen Rehhagel"

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Wer Sturm Graz in der jüngeren Vergangenheit intensiver verfolgt hat, weiß, dass die beiden Fragesteller dieses Interviews über die Jahre zu den schärferen Kritikern von Christian Jauk gezählt haben.

Umso mehr ehrt es den Sturm-Präsidenten, dass er sich für eines seiner seltenen Frage-und-Antwort-Spielchen mit Jürgen Pucher und Peter Altmann zum Gedankenaustausch über das Sturm-Universum getroffen hat.

Während einige der Kritik-Punkte gerade aus der Anfangszeit von „Sturm Neu“ vom Vereinsoberhaupt inzwischen eingestanden werden, auch in diesem LAOLA1-Interview, muss man Jauk durchaus zugestehen, dass er den steirischen Traditionsverein gemeinsam mit seiner Crew inzwischen in ruhigeres Fahrwasser geführt hat. Diverse der gesetzten Maßnahmen greifen inzwischen.

Zu besprechen gibt es auch in einer Phase des sportlichen Aufschwungs natürlich genügend – vom Potenzial des Franco Foda zum „Grazer Otto Rehhagel“, die Vorbildwirkung des FC Midtjylland, störende Seilschaften im österreichischen Fußball, die aktuelle Investitionsphase des SK Sturm, die Angst, aus dem Windschatten von Rapid Wien und Austria Wien zu geraten, oder die Frage, ob ein kompletter Stadion-Neubau denkbar ist.

Und natürlich: Bleibt Jauk überhaupt über die nächste Generalversammlung im Winter hinaus Präsident?


>>>Dies ist der 1. Teil. Zu Teil 2 über die Transfer-Strategie, den Wiener Wettbewerbsvorteil, einen unrealistischen Stadion-Neubau und einen möglichen Abgang geht es HIER.<<<

LAOLA1: Zum stimmungstechnischen Turnaround bei Sturm in den vergangenen Monaten kann man nur gratulieren, die öffentliche Wahrnehmung ist momentan positiv. Wo finden Sie selbst Kritikpunkte?

Christian Jauk: Jeder Erfolg hat seine Vorgeschichte. Wenn man die Arbeit der letzten Monate besonders lobt, muss man den Veränderungsprozess davor sehen – und der ist stark kritisiert worden. Im Spitzensport gilt immer der Drang, Dinge besser zu machen. Stehen zu bleiben, heißt für mich Rückschritt. Kritisch wird es, wenn die Harmoniezone zu komfortabel wird. Wichtig ist, dass man hungrig bleibt, die Spannung aufrecht hält und konsequent an den Zielen arbeitet. Man darf sich also jetzt nicht damit zufrieden geben, wie es im Frühjahr gelaufen ist, sondern muss versuchen, noch genau diese Millimeter an Verbesserung herauszufinden, mit denen man das Frühjahr noch optimaler gestalten hätte können.

LAOLA1: Wo haben diese Millimeter gefehlt?

Jauk: Das Frühjahr war fast optimal. Die Millimeter lagen einerseits in Bereichen, die wir beeinflussen konnten, einige Millimeter hatten exogene Gründe. Wir hatten zum Schluss zweifelsohne Verletzungspech, da ist uns die Luft ausgegangen. Das hat man trotz der Euphorie gespürt. Trotzdem blieb man konstruktiv, das hat mir gut gefallen. Aber wo sind die Millimeter der Verbesserung? Der Fußball entwickelt sich weiter. Der Fußball wird in der Analyse sehr technisch. Ich habe „The Numbers Game“ von Chris Anderson und David Sally gelesen, dieses Buch kann ich nur jedem ans Herz legen. Der Untertitel des Buches lautet „Why Everything You Know About Football Is Wrong“. Diese Erkenntnisse sollten uns aber nicht überraschen. Genau in diese Weiterentwicklung des Fußballs müssen wir investieren. Wir müssen wissenschaftlicher arbeiten. Ich glaube, dass wir das bereits tun, aber das Bewusstsein, dass diese Weiterentwicklung mit enormem Tempo stattfindet, muss noch stärker in die Köpfe des gesamten Vereins hinein. Das ist in einem hohen Maße da, aber nicht überall.

LAOLA1: Können Sie Beispiele nennen, in welchen Bereichen man diesbezüglich investieren muss?

Jauk: Wir haben in die Verbesserung unserer Analysedaten investiert, die uns ein Stück weitergebracht haben. Franco Foda ist bekanntermaßen ein Perfektionist, er arbeitet sehr gerne mit solchen Dingen. Viele dieser Entwicklungen stammen ja aus dem deutschen Fußball. Aber das ist eben oft mit Investitionen verbunden – manche davon tätigen wir, manche können wir uns einfach nicht leisten. Das versuchen wir über Kooperationen mit Universitäten oder Fachhochschulen wettzumachen, wie zum Beispiel im medizinischen Bereich. Grundsätzlichen brauchen wir in der Analyse eine wissenschaftliche Qualität auf allen Ebenen. Die Frage ist, wie sehr der österreichische Sport bereit ist, solche Dinge zu optimieren oder auch zuzulassen.

LAOLA1: Übertrieben weit kann man Sturm offenbar nicht ausreizen. 2012 hat man die Entscheidung getroffen, sich von Foda zu trennen, um besagten Prozess einzuläuten. Jetzt ist man wieder Back to the Roots und hat eine Symbiose mit der Vergangenheit.

Jauk: Ja, aber dazwischen ist ja vieles passiert. Ich glaube, Sturm Graz ist ein Verein, der für Veränderung sehr offen ist. Denn die Kampfmannschaft ist das eine, aber der gesamte Verein wurde nach innen genauso umgekrempelt, und da war die Bereitschaft konstruktiv. Natürlich ist bei einem Verein, der so viel Tradition mitbringt wie die Schwarz-Weißen, ein radikales Wegbewegen wie damals unter Hyballa schwierig. Man muss in der Veränderung die konstruktive Kommunikation in den Vordergrund stellen. Wenn diese in Kombination mit schlechten Ergebnissen zu kurz kommt, dann wirst du schon einmal ordentlich durchgebeutelt. Da fliegst du auch einmal durch ein Gewitter durch.

LAOLA1: Greift das nicht ein wenig zu kurz? Ein Beispiel: An Hyballa haben Sie gelobt, dass er sich der „Haberer-Umgebung“ entgegengestellt hat. Foda hatte von Tag eins an lokale Medien wie die „Kleine Zeitung“ oder die „Steirerkrone“ in einem ganz anderen Ausmaß hinter sich, bevor er noch irgendetwas gemacht hat. Das kann man nicht leugnen. Hat man sich somit – unabhängig davon, was er sportlich bewegt – nicht wieder in ein bequemes Umfeld bewegt?

Jauk: Nein, auch das sehe ich differenzierter. Erstens glaube ich, dass der Prozess der Beruhigung bereits unter Darko Milanic begonnen hat. Das habe ich vorhin zum Ausdruck gebracht, als ich meinte, dass wir auf jemanden setzen wollten, der das österreichische Fußball-Umfeld und auch jenes von Sturm Graz kennt. Franco Foda war dann noch einmal die Steigerung dieses Weges, weil er ja immer, auch als er nicht Trainer bei Sturm war, in Graz gelebt und Sturm natürlich bestens gekannt hat. Ob als TV-Analytiker oder bei Vorort-Besuchen, er hat sich immer schlau gemacht, wo Sturm Graz steht. Das war enorm hilfreich, die Einarbeitungsphase ist weggefallen. Aber der Hunger des gemeinsamen Erfolgs ist nicht kleiner, sondern größer geworden.

LAOLA1: Die Gefahr der Haberer-Umgebung, die Sie vor zwei Jahren ja selbst angegriffen haben, ist trotzdem da.

Jauk: Der Begriff war damals auf Netzwerke bezogen, die letztlich versucht haben, einen bestimmten Gleichklang herzustellen. Wenn da jemand reingekommen wäre, der versucht hätte, die Veränderung und die Idee, die dahintersteckt, stärker auf eine gewinnendere Art zu kommunizieren, dann hätte das durchaus gelingen können.

LAOLA1: Opta stellt als Datenlieferant der Bundesliga jedem Verein eine enorme Daten-Tiefe zur Verfügung. Die Analyse braucht natürlich Manpower. Holt man sich diese derzeit ausschließlich extern oder ist es angedacht, einen Daten-Analytiker ins Haus zu holen?

Jauk: Unsere sportliche Führung hat sich das Thema eines „Fußball-Technikers“ schon mehrere Male überlegt. Irgendwann werden wir vermutlich eine eigene Analyse-Abteilung installieren müssen. Derzeit schaffen wir das mit Hilfsmitteln und relativ günstigen Methoden. Als österreichischer Verein bist du da jedoch limitiert, Red Bull ist in diesem Zusammenhang vermutlich die Ausnahme. Die Konzepte, die der dänische Meister FC Midtjylland auf dieser Basis entwickelt hat, sind sehr interessant. An diesem Bespiel sieht man recht spannend, wie erfolgreich dieser Weg sein kann.

LAOLA1: Ist angedacht, dem FC Midtjylland oder dem FC Brentford, deren Besitzer Matthew Benham dieses Modell entwickeln ließ, einen Besuch abzustatten?

Jauk: Gerhard Goldbrich hat sich das in den letzten zwei, drei Jahren mehr angeschaut, als man vermutet. Nur ein kleines Beispiel: Daniel Schatz, unser Physio, ist im Fitnessbereich mit unglaublich interessanten Erkenntnissen von internationalen Messen zurückgekommen, die wir einzubauen versuchen. Aber natürlich brauchst du dafür die Infrastruktur. Wir versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten, diese Investitionen vorzunehmen.

LAOLA1: Wer ist bei Sturm für Innovationen zuständig? Fällt dies in den Bereich von GM Gerhard Goldbrich?

Jauk: Alle operativen Entscheidungen liegen bei der Geschäftsführung mit Gerhard Goldbrich an der Spitze. Es gibt bei uns Gremien, wo alle sportliche relevanten Verantwortlichen am Tisch sitzen, die permanent über Innovationen nachdenken. Da müssen wir uns jedoch nach der Decke strecken. Aber darum kommen wir nicht herum. Der wissenschaftliche Unterbau mit neuen Erkenntnissen und Methoden wird immer essentieller für den Erfolg. Dem müssen wir uns stellen. Das ist auch eine Kulturfrage. Herkömmlich wird der Fußball nämlich von ganz anderen Eigenschaften dominiert. Viele sagen, die Erfahrung, irgendwann einmal Fußball gespielt zu haben, reicht schon aus. Das ist es eben nicht mehr. Da bin ich froh, dass Franco Foda und sein Co-Trainer Thomas Kristl „deutsch“, akribisch und perfektionistisch arbeiten – und das auch ausbauen wollen.

LAOLA1: Kommen wir intensiver zu Foda. Seit seiner Rückkehr gab es einen sportlichen Konsolidierungsprozess. Wie groß würden Sie Fodas Anteil daran festmachen? Inwieweit haben auch andere Faktoren mitgespielt?

Jauk: Diese Frage in Prozenten zu beantworten, ist genauso schwierig, wie nach einem Sturm-Sieg den Anteil des Torschützen zu berechnen.

LAOLA1: Machen Sie es qualitativ.

Jauk: Qualitativ würde ich sagen, dass vom Verein die Voraussetzungen geschaffen wurden. Am Ende brauchst du jemanden, der das Pflänzchen zum Wachsen bringt und die Ernte einfahren kann. Dass das Franco Foda und seinem gesamten Team erstklassig gelungen ist, beweisen die Zahlen – und damit meine ich nicht nur die Punkteanzahl, sondern auch die Zuschauerentwicklung und die Unterstützung, die wir vor zwei Jahren in keinster Weise hatten. Daher sehe ich es immer als Gesamtentwicklung. Ich möchte aber auch auf die Zeit vor Darko Milanic zurückkommen.

LAOLA1: Bitte sehr…

Jauk: Das war eine Umbauphase. Wir sind damals mit einer sehr reifen Meistermannschaft gestartet. Das hat natürlich die Erwartungshaltung in eine Größenordnung geschraubt, die möglicherweise vom Gesamtrahmen – auch der wirtschaftlichen Ausgangsposition – zu hoch angesetzt war. Unsere Aufgabenstellung lautete: Wie kann man ein reifes Team in ein junges, hungriges, neues Team umbauen? Dieser Veränderungsprozess ist immer von Unruhe, Sorge und natürlich massiver Kritik begleitet. In dieser Phase macht man vielleicht auch den einen oder anderen Fehler, weil das Umfeld noch emotionaler ist. Das betrifft insbesondere die Frage der Personalauswahl – wenn du nicht den Richtigen erwischt, steigert sich diese emotionale Kritik. Am Ende ist der Prozess gut gegangen. Ich verweise diesbezüglich immer auf die Erkenntnisse von Alex Ferguson, der gemeinsam mit der Harvard-Universität versucht hat, den Fußball ein bisschen wissenschaftlicher zu sehen. Er meint, im Spitzenbereich beträgt der Lebenszyklus einer Mannschaft in etwa vier Jahre. Ein Team wie Manchester United hat keine vier Jahre Zeit für einen Umbau, sondern muss jedes Jahr genau dort, wo sie Schwachstellen sehen, unmittelbar eingreifen, um den Erfolg sicherzustellen. Bei einem Verein wie Sturm Graz hast du diese Zyklen. Natürlich wird alles versucht, diese Zyklen letztlich zu verkürzen, aber der Einbau junger Spieler bedarf immer einer gewissen Toleranz beim Faktor Zeit. Veränderung findet in den Köpfen immer schneller statt als in der Realität. Wenn am Ende dieses Gesamt-Prozesses heute ein Trainer-Team steht, das das Optimum aus dem, was vorher gesät wurde, effizient herausholt, ist es nur gut und richtig gewesen.

Christian Jauk und Franco Foda: Männergespräche mit Aha-Effekt

LAOLA1: Sprich weniger mit dem Holzhammer als es damals geschehen ist?

Jauk: Ja. Aber man muss eines konkretisieren: Das Thema mit der Verhaberung war natürlich auf den gesamten österreichischen Fußball bezogen. Das beginnt bei Experten oder Co-Kommentatoren. Franco hatte sich da immer rausgehalten. Das, was bei ihm an Unterstützung der lokalen Medien entstanden ist, resultiert aus seinen Erfolgen und dem Respekt heraus. Ich glaube nicht, dass er ein Typus ist, der Leute am Abend fünf Mal einladen muss, damit der Kommentar über ihn besser wird. Das ist er überhaupt nicht! Er ist ein Typus, der bereit ist, Konflikte auszutragen – auch mit den Medien. Was ihn besonders auszeichnet, ist die Art und Weise der Kommunikation. Die ist so hochprofessionell, wie ich sie eigentlich in Österreich bei keinem anderen Trainer erlebe.

LAOLA1: Man bekommt den Eindruck, dass Sie die berühmten Seilschaften im österreichischen Fußball sehr stören.

Jauk: Das Beispiel Marcel Koller hat doch gezeigt, dass jemand keine Chance bekommt, bevor er überhaupt begonnen hat. Heute hat sich das geändert, und eigentlich waren eh alle dafür und wollten ihn mit der Anfangskritik ja quasi nur auf den schwierigen österreichischen Fußball hinweisen. In einem kleinen Land hast du nur wenige Jobangebote, wenn die aktive Karriere vorbei ist. Das gilt für die Trainer-Positionen genauso wie für irgendwelche medialen Jobs. Daher gibt es einen entsprechenden Wettbewerb – und so wie es überall auf der Welt ist, gibt es dort natürlich die Ellbogentechnik. Aber im österreichischen Fußball hat man das recht klug gelöst, indem man sagt: „Tun wir uns nicht allzu sehr weh!“ Die etablierten Kreise versuchen sich gegenseitig zu unterstützen.

LAOLA1: Schließen wir den Foda-Komplex mit dem Bestellungsprozess ab. Damals gab es viele Gerüchte. Sie haben frühere Zerwürfnisse in Männergesprächen ausgeräumt. Können Sie uns mit einem gewissen Abstand Einblicke geben, wie sich die Rückkehr des Franco Foda tatsächlich zugetragen hat?

LAOLA1: Wenn Sie vom Entwicklungsprozess seit der Meistermannschaft sprechen, kann man jedoch nicht sagen, dass dieser besonders strukturiert war. Man hatte Hyballa, Milanic, diverse Sportchefs. Braucht solch ein Prozess manchmal auch eine Chaos-Komponente oder hat man schlicht und einfach danebengegriffen?

Jauk: Dazu habe ich eine völlig andere Meinung. Ich stehe nach wie vor zu dem Konzept. Wir hatten eine Idee, haben sie in einem Konzept niedergeschrieben und sind an die Umsetzung gegangen. Was wir ja auch eingestanden haben, ist, dass nicht jede Entscheidung auf dem personellen Sektor die richtige war. Wir haben damals vielleicht auch zu wenig auf den Faktor Kontinuität gesetzt – auch in den Personalentscheidungen. Wir wollten rundum die gesamte Erneuerung schaffen. Wir haben eingesehen, dass das möglicherweise der größte Fehler war. Denn das führt dann eben zu einer Interpretation, dass es ein paar Chaos-Monate gegeben hat. Das sehe ich aber nicht so. Mit der Besetzung von Darko Milanic haben wir die Überspitzung, auch im Veränderungsprozess alles neu machen zu müssen, zurückgenommen. Mit ihm haben wir diesem Prozess in einem stärkeren Maße eine – ich nenne es einmal konservativere und bewährtere – Linie, die bei Sturm Graz notwendig ist, hinzugefügt. Ich habe vorher noch geglaubt, dass das nicht notwendig sein wird. Die Ergebnisse lagen jedoch am Tisch. Der Weg war in der Kürze zu progressiv.

LAOLA1: War das so gesehen auch für Sie ein Lernprozess, vielleicht sogar ein schmerzhafter Lernprozess?

Jauk: Man lernt ja nur aus Fehlern. So gesehen musst du zuerst welche machen, damit du dich verbessern kannst. Das wird auch für die Zukunft gelten. Man muss immer aufpassen, wenn man meint, dass jetzt alles eitel Wonne ist. Aber ich glaube schon, dass es wichtig war, diese Phase zu erleben, damit man vielleicht auch weiß: Wie weit kann man Sturm Graz in einem Veränderungsprozess ausreizen? Das haben vorher noch nicht viele riskiert. Dass es konzeptionell auch bei anderen am Beginn gut angekommen ist, hat man sehr wohl immer wieder an den Euphorie-Phasen nach Entscheidungen gesehen. Die waren jedoch relativ kurz, weil dann halt die Ernüchterung auf dem Spielfeld gekommen ist. Jetzt haben wir Franco Foda, der beide Aspekte extrem gut abdeckt. Auf der einen Seite die Kontinuität, das Know-how, das Wissen, wie der Verein mit seinem hoch emotionalen Umfeld tickt – das konnte bei den anderen gar nicht vorhanden sein, weil sie aus einer anderen Fußball-Welt zu uns gestoßen sind. Auf der anderen Seite die Neugier, an der Veränderung des Fußballs erfolgreich mitzuwirken. Das gilt für Gerhard Goldbrich genauso. Da dürfen wir jedoch nicht nur von der Kampfmannschaft reden, sondern genauso von der Entwicklung bei den Amateuren, in der Akademie, im Jugendbereich und bei den Frauen.

Jauk: Wichtig war einmal aufzuarbeiten, warum damals die Beurlaubung stattgefunden hat. So etwas ist in der ersten Emotion immer schwierig zu kommunizieren. Die Art und Weise hat dem gesamten Verein und uns allen geschadet. Wir konnten beiderseits Dinge aufklären, die missverständlich waren oder über Dritte transportiert wurden. Das war wichtig, um eine Basis zu finden.

LAOLA1: Wie ging es danach weiter?

Jauk: Das Zweite war, dass wir uns beide gegenseitig das, was in der Zwischenzeit an Erfahrung gewonnen wurde, erzählt haben. Da sind wir draufgekommen, dass die Denke in einem so hohen Maß übereinstimmend ist, dass es Sinn macht, jetzt ernsthafte Gespräche zu führen.  Das gegenseitige Abtasten war wichtig, um eine Vertrauensbasis zu schaffen, die am Beginn des Gesprächs in keinster Weise vorhanden war. Das lief dann eben unter dem Überbegriff „Männergespräche“, weil eben nur zwei Männer anwesend waren. Aber Männergespräche ist auch ein Synonym dafür, Dinge direkt, ganz offen und vielleicht auch in einer Tacheles-Form anzubringen – und zwar von beiden Seiten gleichberechtigt. Wenn das eine aufgeräumt ist, kann man über das andere reden. Ich hatte es ursprünglich nicht vor, aber die Idee ist ja dadurch entstanden, dass Gerhard Goldbrich mit den Wunschkandidaten gekommen ist.

LAOLA1: Und auf dieser Liste war Foda dabei?

Jauk: Ja! Er war von Beginn an in den Top 3 dabei. Aber die Leute haben gemeint: Das wird nicht gehen, das hat eh keinen Sinn, führen wir mit den anderen Gespräche. Ich habe dann irgendwann einmal in einer schlaflosen Nacht nachgedacht: Man soll sich als Präsident nicht so wichtig nehmen. Wenn die Experten auf sportlicher Ebene meinen, es täte wahnsinnig viel Sinn machen, kann man nicht aus irgendwelchen Motiven heraus dagegenstehen. Daher ist die Initiative zum Gespräch von mir ausgegangen, bevor ich meine Kollegen informiert habe.

LAOLA1: Er war auf der Vorschlagsliste. Jeder, der sich bei Sturm auskennt, wusste, zwischen Christian Jauk und Franco Foda gibt es Klärungsbedarf. Also sind sie auf Foda zugegangen und haben gesagt: „Redma mal“?

Jauk: Ich möchte es nicht personifizieren, sondern breiter anlegen und auch die Führungsriege erwähnen. Präsidium und Vorstand sind intensiv in Entscheidungen eingebunden. Aber ich habe mir gedacht: Warum sollten wir es nicht zumindest einmal probieren? Es soll nicht an mir scheitern, wenn man glaubt, dass es das Richtige ist. Und ich war von Beginn an extrem positiv überrascht. Es war wirklich ein Erfahrungsaustausch mit Aha-Effekt. Danach habe ich meine Kollegen informiert und gesagt: „Es gab ein Gespräch. Ich bin der Meinung, wir sollten das jetzt ernsthaft betreiben.“ Wir haben dann auch in der Aufsichtsratssitzung darüber geredet. Es ist dort sehr kontroversiell diskutiert worden. Ich wollte mich nicht gegenüber dem ganzen Gremium gleich outen und sehen, ob es in der Breite des Vereins eine Zustimmung gibt. Nachdem Franco seine Konzepte und Ideen zu Sturm Graz in der Zukunft vorgelegt hatte, war es aber einstimmig und klar.

LAOLA1: Foda kann Kontinuität vermitteln. Ist bei Sturm Graz und Franco Foda das Otto-Rehhagel-Szenario eines Langzeit-Trainers realistisch?

Jauk: Das wünscht man sich als Präsident natürlich, weil alle empirischen Studien beweisen, dass der Trainerwechsel kurzfristige, aber keine nachhaltigen Effekte bringt. Es wäre schön, wenn wir am Ende sagen könnten, es gibt mit Franco Foda einen österreichischen Rehhagel.


Das Gespräch führten Jürgen Pucher und Peter Altmann



>>>Dies ist der 1. Teil. Zu Teil 2 über die Transfer-Strategie, den Wiener Wettbewerbsvorteil, einen unrealistischen Stadion-Neubau und einen möglichen Abgang geht es HIER.<<<

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