"Will man ein zweites Hanappi?"

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"Von mir gibt es einen ganz klaren Tipp an Donis"

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Die vergangenen Wochen von Sturm Graz können sich sehen lassen.

Abgesehen vom 1:2 in Salzburg fuhren die Steirer seit Anfang März ausschließlich Siege ein. Die Chancen auf einen Europacup-Startplatz sind sehr gut, auch der Kampf um das zweite CL-Quali-Ticket ist noch nicht verloren.

Nach einigen schwierigen Jahren hat sich der Wind um die „Blackies“ wieder ein wenig gedreht. So sollte auch im Hinblick auf die kommende Saison ein Umbruch ausbleiben.

Im LAOLA1-Interview spricht General Manager Gerhard Goldbrich über den Stand der Kaderplanungen, nimmt jedoch auch zum Dauer-Thema Stadion und den jüngsten Aussagen von Red-Bull-Sportchef Ralf Rangnick Stellung.

LAOLA1: Fünf Siege aus den vergangenen sechs Spielen. Worauf führen Sie diese konstante Steigerung zurück?

Gerhard Goldbrich: Zum einen beginnen sehr viele Maßnahmen in der Mannschaft und im ganzen Verein zu greifen. Vor einem Jahr wurden wir noch viel dafür gescholten, weil es nicht so gelaufen ist. Aber es war einfach ein Komplett-Umbau des Teams. Wir haben auch schon zu Beginn der Meisterschaft unter Darko Milanic guten Fußball gespielt, in Altach und Grödig als die klar bessere Mannschaft verloren. Man konnte jedoch schon sehen, dass eine Weiterentwicklung stattgefunden hat. Zum anderen, und da muss man sich nur die Statistik anschauen, ist das Ganze natürlich mit der Handschrift von Franco Foda, der Klarheit seiner Vorgaben und seinen Trainingsformen verfeinert worden. Das beginnt langsam zu greifen – und das in allen Bereichen, sei es im Spielerischen, im schnellen Umschalten, in der Arbeit gegen den Ball, aber auch im mentalen Bereich. Zudem haben wir wieder zu einer Heimstärke und einem Selbstvertrauen gefunden, wo wir Partien gewinnen, auch wenn wir einmal nicht so gut wie gewohnt spielen, wie zuletzt in Ried. Ich hoffe, das Publikum folgt dem Aufruf der Mannschaft und strömt gegen Altach zahlreich ins Stadion.

LAOLA1: Die Jahre davor waren nicht einfach, auch die Zuschauer kommen wieder vermehrt ins Stadion. Ist die schwierige Phase schon endgültig überwunden?

Goldbrich: Im Fußball gibt es immer ein Auf und Ab. Faktum ist, dass wir jetzt wieder im gesamten Verein inklusive der Kampfmannschaft eine sehr gute Performance zeigen, wo es Spaß macht, Sturm zuzuschauen. Das Team ist ein extrem sympathisches, jeder kämpft für jeden und zeigt das Herz, das man braucht, damit der Fan sagt: „Das taugt mir.“ Es ist aber nicht so, dass alles eitel Wonne ist, im Fußball kann es schnell wieder in die andere Richtung gehen, wenn es zwei, drei Spiele nicht so läuft. Denn Sturm ist dazu verdammt, zu Hause zu gewinnen. Das ist die Pflicht den Fans gegenüber, oder dass man zumindest so gut spielt, dass sie trotzdem zufrieden heimgehen, wenn es einmal nicht klappt. Da sind wir auf einem sehr, sehr guten Weg, aber es gibt überhaupt keinen Grund, sich zurückzulehnen und zu sagen: „Toll, wir sind die Besten!“ Im Gegenteil. Wir wissen, dass wir noch lange nicht im Europacup sind und noch neun Endspiele vor uns haben.

LAOLA1: Sie haben den Umbruch angesprochen, in den letzten Transferzeiten gab es relativ viel zu tun. Wie intensiv erwarten Sie die kommende Sommer-Transferzeit?

Goldbrich: Ich habe auch vor der Winter-Transferzeit gesagt, es wird nicht viel passieren, und dann hat sich doch einiges getan. Grundsätzlich ist eines geschafft: Wir haben einen gewissen Stamm gefunden. Dann ist es natürlich immer eine Spur leichter, weil du schauen kannst, wo man auf der einen oder anderen Position nachschärft, ob du vielleicht mehr Qualität zu einem für Sturm leistbaren Preis bekommst. Denn die Austria, Rapid und Salzburg sind immer noch Lichtjahre von Sturm entfernt, was die finanziellen Möglichkeiten betrifft. Aber 90 Prozent der Mannschaft haben einen Vertrag für die kommende Saison. Das heißt, wir haben einen Stamm, der zusammenbleibt. Es ist deswegen nicht weniger intensiv, auch wenn sich vielleicht nicht so viel tut. Wenn du zwei, drei wichtige Positionen besetzen willst, ist es genauso eine Challenge.

LAOLA1: Um welche Positionen handelt es sich dabei?

Goldbrich: Das sind interne Planungen und kein Thema für die Öffentlichkeit. Wir gehen in neun Endspiele. Wir haben auf allen Positionen Spieler, denen wir zu 100 Prozent vertrauen. Der Großteil davon wird auch im nächsten Jahr hier sein. Ich werde jetzt sicher nicht über Positionen reden.

LAOLA1: Sie sprechen den finanziellen Vorsprung anderer Vereine an. Wenn man ein, zwei Jahre zurückblickt, war die finanzielle Situation Sturms kritischer. Ist der Handlungsspielraum durch die Transfereinnahmen und dem gestiegenen Zuschauer-Zuspruch wieder größer geworden?

Goldbrich: Jein. Deshalb „Jein“, weil wir zum einen vom Zeitpunkt an, als wir übernommen haben, gewisse Dinge aufzuholen hatten. Dadurch sind in finanziell schwierigeren Zeiten, wie es die letzten beiden Jahre waren, diverse Investitionen, etwa in das Trainingszentrum, nicht gemacht worden, weil sie nicht leistbar waren. Das heißt, wir müssen jetzt auch in gewisse andere Dinge investieren, die sich nicht unmittelbar um die Personalien der Kampfmannschaft drehen. Zum anderen werden wir aber heuer natürlich mit einem Plus abschließen und wahrscheinlich das Eigenkapital erhöhen. Wir gehen jetzt aber nicht her und sagen: „Hurra, jetzt ist es ein Mal gut gelaufen und schmeißen alles, was wir haben, mit Freudestrahlen raus!“ So ist es ja nicht. Wir schauen natürlich parallel darauf, dass wir eine gute Mannschaft haben, mit der wir auf jeden Fall um den Europacup mitspielen, aber wir werden bei Sturm den Teufel tun, dass wir etwas riskieren. Diese Sorgfaltspflicht haben wir gegenüber dem Verein - und auch gegenüber der Jugend, bei der wir ebenfalls das eine oder andere nachschärfen wollen.

Hört Donis Avdijaj im Sommer den Ruf aus Schalke?

LAOLA1: Nicht das Heft des Handelns in der Hand hat Sturm bei Donis Avdijaj. Bis Mitte Mai kann Schalke 04 kundtun, ob sie ihn schon in diesem Sommer zurückholen. Was würden Sie ihm raten?

Goldbrich: Von mir gibt es einen ganz klaren Tipp: Donis hat jetzt seine ersten Partien in wirklichen Erwachsenen-Wettbewerbsspielen gemacht - in der Form gut, aber er hat aus meiner Sicht noch viel Luft nach oben. Für seine Entwicklung, und das sage ich jetzt gar nicht aus Eigeninteresse, kann man ihm nur raten, noch ein Jahr bei Sturm zu spielen, ein gefestigter und vielleicht sehr guter österreichischer Bundesliga-Spieler zu sein und dann zurückzugehen. So wie ich es jedem österreichischen Talent auch sage: Macht den Schritt nicht zu früh! Das haben wir schon oft genug erlebt, dass sie dann ein Reservisten- oder U23-Dasein in Deutschland oder sonstwo erleben.

LAOLA1: Bei Avdijaj, Spendlhofer oder zuvor Marco Djuricin hat sich Sturm als gutes Sprungbrett erwiesen. Verfolgen Sie diese Strategie weiter?

Goldbrich: Definitiv. Die Doppel-Strategie, auf der einen oder anderen Position auf erfahrene Qualität zu setzen und auch einmal einen Älteren zurückzuholen, und dazu Junge zu verpflichten, wird sicher die Strategie von Sturm bleiben. Wir sind bei unserem Umbau mit unseren eigenen Talenten, aber auch jungen Spielern, die wir beobachten und die Qualität haben, aber vielleicht in Deutschland oder anderswo noch nicht so reüssieren, bis jetzt sehr gut gefahren.

LAOLA1: In diese Kategorie fällt auch der aktuelle Testkandidat Tiago Ferreira, der im Nachwuchs offenkundig erfolgreich gewesen ist, für den es jedoch im Profi-Fußball noch nicht geklappt hat.

Goldbrich: Er ist auch so einer. Einen Stammspieler aus der deutschen Bundesliga, der ersten portugiesischen Liga oder der Ehrendivision in Holland kriegen wir ja nicht. Das wird sich Sturm nicht leisten können, darüber brauchen wir gar nicht nachzudenken. Sieht man bei einem Spieler etwas Besonderes, irgendwelche Stärken, muss man schauen, wie er tickt. Wenn wir der Überzeugung sind, er kann uns weiterhelfen, werden wir vielleicht zuschlagen.

Platzt Tadic noch der Knoten?

LAOLA1: Tadic ist ein gutes Beispiel. Der stand heftig in der Kritik. Die ersten Monate konnte man mit körperlichem Nachholbedarf erklären, aber danach kam auch nicht viel. Sie würden ihn also noch nicht abschreiben?

Goldbrich: Nein. Dazu kamen noch zwei Verletzungen, die nicht ohne waren. Franco hat ihn jetzt so weit in der Spur, dass er eine ernsthafte Option ist. Nach der Verletzung von Bright Edomwonyi sind wir froh, dass wir Josip haben.

LAOLA1: Würden Sie mir aber Recht geben, wenn ich sage, dass Legionäre in einem Kader von der Leistungsstärke her im obersten Drittel stehen sollten? Das hat man bei Sturm noch nicht erreicht.

Goldbrich: Ja, das spreche ich grundsätzlich nicht ab. Aber sind wir doch froh, dass wir teilweise mit elf Österreichern spielen. Wenn man jedoch den Kader ergänzen muss und einen Backup – ganz egal welcher Nationalität - braucht, kommt halt eines dazu – und das ist die Krux an der ganzen Geschichte: Das eine oder andere Mal ist ein Legionär deutlich preisgünstiger als Hausnummer ein U21-Teamspieler aus Österreich. Es gibt eben einen finanziellen Rahmen.

LAOLA1: Sprich, man muss bei Legionären teilweise Aufbauphasen in Kauf nehmen, wie etwa bei Wilson Kamavuaka, der Potenzial mitbringt, aber zuvor lange nicht gespielt hat.

Goldbrich: Klar. Da haben wir auch wieder das Pech gehabt, dass er zusammengetreten wird, nachdem er ein super Spiel abgeliefert hat. Aber damit muss man leben.

LAOLA1: Hat sich Kamavuaka so empfohlen, dass die Option gezogen wird?

Goldbrich: Er ist für den Trainer und mich – wir entscheiden das gemeinsam -  definitiv eine ernsthafte Option, ja.

LAOLA1: Auch bei anderen Spielern steht die Entscheidung an, ob die Option gezogen wird. Bei Anel Hadzic und Daniel Offenbacher darf man wohl davon ausgehen. Wie sieht es bei Daniel Beichler aus, dem zuletzt das Verletzungspech treu war?

Goldbrich: Daniel hatte viel Pech. Er ist durch und durch ein Schwarz-Weißer, hat ein Kämpferherz und ist jetzt am Weg zurück. Beim ihm haben wir noch ein bisschen Zeit. Wir sind aber überzeugt, dass „Beichi“ für unseren Kader grundsätzlich eine sehr wertvolle Person ist. Wie wir dann entscheiden oder eine andere Lösung in Kraft tritt, wird man sehen. Die Option ist erst Mitte Mai zu ziehen.

LAOLA1: 90 Prozent des Kaders stehen unter Vertrag. Eine Causa prima bleibt natürlich Lukas Spendlhofer. Bis wann hätten Sie gerne Klarheit, ob er bei Sturm bleibt?

Goldbrich: Wir sind sowohl mit „Spendi“, als auch mit Inter immer wieder in Kontakt. „Spendi“ ist einer, den wir gerne länger bei Sturm sehen würden. Aber es muss auch in einem finanziellen Rahmen sein, der zu Sturm passt.

LAOLA1: Es gäbe die Kaufoption.

Goldbrich: Das ist richtig. Ich habe auch die Option auf den Spieler für ein weiteres Jahr. Nur für ein Jahr brauche ich ihn nicht zu kaufen. Es muss für alle Seiten passen. Aber auch bei der Kaufoption wollen wir noch ein bisschen verhandeln, ob es eine Möglichkeit gibt, dass es in einer anderen Form geht. Mit dem Spieler muss man natürlich auch verhandeln, denn „Spendi“ ist ein gefragter Mann.

Dauerthema Stadion: Die Arena in Liebenau kommt in die Jahre

LAOLA1: Eine schwierigere Baustelle als der Kader ist das Stadion. Ried-Manager Stefan Reiter bezeichnete die Grazer Diskussionen diesbezüglich in der „Kleinen Zeitung“ als Skandal. Wie ist der Stand der Dinge?

Goldbrich: Im Gemeinderat sind fünf Millionen Euro beschlossen worden, das ist ein erster sehr guter Schritt. Die werden investiert, da laufen die Planungen und Ausschreibungen. Das Stadion gehört nicht uns. Wir kämpfen weiter dafür, dass Land und Stadt in Zukunft erkennen werden, dass die Infrastruktur, die ihr Eigentum ist, zeitgemäß hergerichtet gehört. Wir finanzieren nicht einen Spieler mit öffentlichem Geld. Das wollen wir auch nicht. Wir kriegen in Graz oder in der Steiermark eh nicht viel von der öffentlichen Hand und bezahlen auch sehr viel für die Stadionmiete. Wir haben aber, wie es Stefan auch sehr gut gesagt hat, Gott sei Dank auf dem Akademiesektor mit diesem neuen Konstrukt eine Unterstützung vom Land Steiermark.

LAOLA1: Reiter meint: „In Graz fehlt mir das Bekenntnis zum Fußball.“

Goldbrich: Das sagt Stefan Reiter und es stimmt eine Spur.

LAOLA1: Was würden Sie sich wünschen?

Goldbrich: Man muss mit einem Denkfehler aufräumen. Es soll nicht die Stadt etwas für Sturm Graz tun, sondern die Stadt und das Land sollen, was die Infrastruktur betrifft, etwas für die zweitgrößte Stadt Österreichs tun. Es ist ja in Wahrheit nicht tragbar, wenn man sagt, wir haben nur mehr einen Bundesliga-Verein. Wir können nichts dafür, dass wir der einzige Bundesligist in Graz sind und damit nur noch ein Mieter vorhanden ist. Sturm ist nicht Schuld an den GAK-Konkursen. Es müsste aber so weit kommen, dass wir wieder einmal Länderspiele nach Graz bekommen. Die Zuseherinnen und Zuseher müssen wieder gerne ins Stadion kommen. Dazu braucht es ein bisschen Komfort, wo du nicht sagst: „Ich stehe vor einer Betonwüste.“ Da tut man ja nichts ausschließlich für Sturm. Ob man zu Sturm, zum Nationalteam, zum U21-Nationalteam oder den Graz Giants, die ja auch immer wieder dort spielen, geht, man sollte ein gewisses Service und Ambiente im Stadion haben, damit es den Zuschauern auch Spaß macht. Es wäre zu einfach zu sagen, der Zuschauer mag nicht mehr kommen, weil Sturm schlecht spielt, denn Sturm spielt wieder sehr gut. Sturm hat eine super Stimmung und tolle Fans. Trotzdem sagen die Leute: „Wenn ich da hingehe, bekomme ich vorm Match nicht einmal etwas zu trinken.“ Es wäre einfach der zweitgrößten Stadt in Österreich würdig, dass man auch auf dem Fußball-Sektor ein schönes Stadion hat.

LAOLA1: Über die Zukunft der Torhüter wurde zuletzt viel diskutiert. Warum ziehen sich die Verhandlungen mit Christian Gratzei so?

Goldbrich: Es zieht sich bei keinem Torhüter etwas, diese Personalie ist im Grunde erledigt. Es herrscht Klarheit, sowohl bei Gratzei, als auch bei Pliquett. Wir haben mit beiden ganz klar gesprochen, und es wissen alle Bescheid. Aber das sind Interna. Wenn es etwas zu veröffentlichen gibt, machen wir das demnächst. Wir konzentrieren uns auf die neun Spiele, damit wir alle gemeinsam erreichen, was wir erreichen wollen.

LAOLA1: Auffällig ist, dass ein guter Teil der österreichischen Verpflichtungen eingeschlagen hat, bei den Legionären sieht es anders aus. Wie gut wäre Sturm, hätte man hier eine höhere Trefferquote?

Goldbrich: Das kann man theoretisch so wie Sie interpretieren. Das kann man aber auch ganz anders sehen, weil man diese Spieler ja mit einem gewissen Ziel geholt hat. Wir hatten zum Beispiel auf der linken Außenverteidiger-Position noch keinen so weit, dass er Christian Klem sofort ersetzen könnte, wenn dem etwas Wildes passiert. Deswegen haben wir Igor Oschchypko geholt. Wir haben Josip Tadic, der in den letzten Wochen super performt. Aber es ist halt schwierig, wenn Roman Kienast ein Match nach dem anderen super spielt und trifft. Es soll uns nichts Schlimmeres passieren, als dass wir die Wahl haben.

LAOLA1: Je länger man wartet, desto schwieriger wird es. 2017 feiert die Arena ihren 20. Geburtstag.

Goldbrich: Wenn ich ein 20-jähriges Haus habe, habe ich wahrscheinlich schon die Hälfte erneuert. Es kann doch nicht sein, dass wir als die Bösen hingestellt werden, weil wir etwas fordern würden. Aber ist es uns lieber, dass wir ein Beispiel Hanappi-Stadion haben? Dass wir noch zehn Jahre warten und dann alles wegreißen müssen, weil es kaputt und einfach nicht mehr zeitgemäß ist?

LAOLA1: Die Infrastruktur ist ohnehin ein österreichweites Thema. Genau wie die Aussagen von Salzburg-Sportdirektor Ralf Rangnick gegenüber „Sky“ bezüglich Niveau der Liga am Beispiel Altach. Sturm ist von dieser Kritik auch betroffen. Hat er mit seiner Meinung nicht irgendwie auch recht?

Goldbrich: Es wird bei jeder Aussage immer ein Körnchen Wahrheit dabei sein, und es wird an jeder Aussage ein bisschen etwas zu kritisieren sein – auch von Herrn Rangnick, der natürlich einen Top-Job abliefert. Auf der anderen Seite ist es halt mit vollen Hosen leicht zu stinken. Wir schauen, dass wir in das Stadion irgendwie fünf Millionen reinstecken können, und bei Red Bull ist es überhaupt kein Thema, dass ich um zig Millionen eine Akademie hinstelle. Das muss man schon auch immer so bewerten. Diese Aussagen wären vermutlich ungleich schwieriger, wenn ich zum Beispiel eine Transferperiode vor mir habe und keinen Cent ausgeben darf.

LAOLA1: In Salzburg findet derzeit auch ein Umbruch statt. Sehen Sie mittelfristig sportlich wieder eine Annäherung zwischen Salzburg und den Spitzenklubs der zweiten Reihe wie Rapid und Sturm?

Goldbrich: Sportlich möglicherweise. Gott sei Dank sind Spieler und Trainer in Salzburg auch nur Menschen. Die kommen auch in schwierige Situationen wie zuletzt Adi Hütter. Adi ist ein Super-Trainer, aber er hatte es mit den vielen Kaderveränderungen nicht einfach. Es ist ja nicht so, dass das alles Maschinen sind. Dadurch merkt man, dass sie zwar noch immer einen sehr guten Fußball spielen, wahrscheinlich den besten in ganz Österreich, aber die Konstanz nicht mehr haben. Sie arbeiten mit jungen Spielern, und die sind, wie wir wissen, nicht immer so konstant. Dadurch haben die Hinteren – man darf auch die Austria, den WAC und Altach nicht vergessen – wieder die Chance, näher zu kommen. Und das ist auch gut für den österreichischen Fußball. Aber grundsätzlich gehe ich davon aus, dass Salzburg im Sommer reagieren und genau dort nachjustieren wird, wo sie es brauchen. Sie haben auch die Möglichkeiten dazu. Sie sind auch in der nächsten Saison Anwärter Nummer eins auf den Meistertitel, davon bin ich überzeugt.

LAOLA1: Anwärter Nummer eins. Aber kann man in Wien und Graz wieder vermehrt mit dem Titel spekulieren?

Goldbrich: Ich glaube, dass man in Wien, Graz, Kärnten und Vorarlberg alles dafür tun wird. Aber liegen wird es wahrscheinlich an Salzburg. Denn wenn Salzburg will, hat Salzburg die Möglichkeiten, sich so aufzustellen, dass es für jeden anderen schwierig wird. Aber ich kenne die Strategie von Salzburg nicht. Ich weiß nicht, ob sie jetzt ein Ausbildungsverein für Deutschland werden. Deshalb wird man sehen.


Das Gespräch führte Peter Altmann

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