"Wir müssen uns hinterfragen"

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"Wenn alles passt, erreichen wir Platz sieben"

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84 Mal hat sich Peter Stöger in der Bundesliga das Rapid-Dress übergestreift.

Nun kehrt der Trainer, der für den grün-weißen Erzrivalen Austria Wien 216 Partien absolvierte, erstmals als Wiener-Neustadt-Coach ins Hanappi-Stadion zurück.

Der 45-Jährige ist voller Vorfreude: „Für mich als Wiener ist es etwas Besonderes, gegen Rapid und die Austria zu spielen. Ich freue mich sehr darauf“, erklärt Stöger im LAOLA1-Interview.

In diesem spricht der Trainer über den gefühlten Aufwärtstrend in Niederösterreich, Druck im Hanappi-Stadion und (auch seine) Kritik nach der Bestellung von Neo-ÖFB-Teamchef Marcel Koller.

LAOLA1: Was hat sich während der Länderspiel-Pause bei Wiener Neustadt getan?

Peter Stöger: Wir haben uns gezielt vorbereitet, hatten eine intensive erste Trainings-Woche, machten dabei viel im körperlichen Bereich. In dieser Woche haben wir uns auf Rapid konzentriert und versucht, den einen oder anderen taktischen Aspekt umzusetzen. Wir werden sehen, ob das klappt.

LAOLA1: Wie ist es aktuell um das Lazarett des SC Wr. Neustadt bestellt?

Stöger: Günter Friesenbichler und Christian Ramsebner sind nach wochenlanger Pause wieder im Mannschaftstraining dabei. Ob sie wirklich im Kader stehen, werden wir sehen. Für uns ist es wichtig, dass wir in den nächsten Wochen alle wieder dabei haben. Denn nach dem Rapid-Spiel warten Kapfenberg und Wacker auf uns, das sind wichtige Partien.

LAOLA1: Zehn Runden sind bislang gespielt: Wie sieht ihre Bestandsaufnahme aus?

Stöger: Ärgerlich war, dass wir in den vergangenen zwei Spielen Punkte haben liegen lassen. Gegen Ried (2:2) hatten wir die Möglichkeit zu gewinnen, vielleicht wurde das auch durch eine unglückliche Schiedsrichter-Entscheidung verhindert. Es war aber ein gutes Spiel. Gegen Mattersburg (1:2) haben wir die erste Hälfte komplett verschlafen, die zweite sehr gut gespielt und hatten dann viel Pech. Wenn diese Partien anders ausgegangen wären, würde die Bestandsaufnahme viel positiver ausfallen, aber wir sind in einer Situation, mit der wir ganz gut leben können, auch wenn wir nicht ganz zufrieden sind. Wir sind jedoch wohl weiter oben, als uns viele zugetraut hätten.

LAOLA1: Viele Experten glaubten vor der Saison nicht, dass nach dem Abgang von Präsident und Mäzen Frank Stronach diese neue Konstellation funktionieren würde. Scheinbar doch…

Stöger: Es ist schwer. Wir müssen uns viel erarbeiten. Wir machen aber bislang als Gesamtes einen ganz guten Job – in erster Linie die Spieler selbst. Es wird aber bis zum Schluss ganz schwer werden. Ich denke, wir sind in der Lage, wenn alles passt, Platz sieben zu erreichen. Wir müssen jedoch auch damit leben, wenn wir ganz unten drin hängen, dass wir um Punkte raufen müssen. Darauf sind wir vorbereitet.

LAOLA1: Wie gehen Sie in der täglichen Arbeit mit dieser Thematik um?

Stöger: Ich bin schon jemand, der offen mit Situationen umgeht. Du musst dich auch deiner Verantwortung stellen und diese ist hier einfach, dass wir den Klub in der Liga halten und so früh wie möglich den Klassenerhalt fixieren. Da geht es auch um die Planung für die nächste Saison, bei vielen Spielern laufen die Verträge aus. Je früher ich weiß, dass wir der Bundesliga erhalten bleiben, umso früher kann ich auch mit den Spielern verhandeln. Es gibt also Punkte, die für den Verein wichtig sind und Punkte, die für die Spieler wichtig sind. Für den Trainer ist alles wichtig (lacht). Ich denke, wir können den Klassenerhalt schaffen.

LAOLA1: Nun wartet der schwere Gang ins Hanappi-Stadion. Wie geht Ihr Team in dieses Spiel?

Stöger: Wir haben gesehen, dass Rapid eine Mannschaft ist, die auch Spiele verlieren kann, wie zuletzt gegen die Admira. Oder Probleme haben kann, wie zu Hause gegen Mattersburg. Das sind so Sachen, die wir für uns mitnehmen und die Tatsache, dass wir die vergangenen zwei Spiele über weite Strecken ganz gut gespielt haben. Es war nicht in allen Punkten erfolgreich, aber es war okay. Wir haben das Gefühl, dass die allgemeine Tendenz nach oben geht. Den Druck, den Rapid zu Hause hat – die Woche darauf folgt das Derby -, den wollen wir mit einer guten Leistung verstärken. Dass es für uns schwer wird, ist jedermann klar. Die Spieler müssen Herz zeigen und alles dafür tun, um es Rapid schwer zu machen.

LAOLA1: Stichwort Druck. Der wird auch von den Tribünen kommen. Wie wird sich das auf eine junge Mannschaft wie Ihre auswirken?

Stöger: Ich habe Ihnen gesagt, sie sollen es genießen. Wir sind ohnehin nicht so von großen Zuschauerzahlen gesegnet. Es sollen alle hoffen, dass sie noch hunderte solcher Spiele vor so vielen Fans haben werden, wenn sie vielleicht einmal bei anderen Vereinen zu Einsätzen kommen. Jetzt ist es einmal etwas Besonderes für sie. Und Besonderes soll man immer genießen.

LAOLA1: Wie sehr können Sie als ehemaliger Rapid-Spieler ihre Rückkehr nach Hütteldorf genießen?

Stöger: Es ist in erster Linie für mich als Wiener immer etwas Besonderes, gegen Rapid und Austria zu spielen. Es ist jetzt nicht so, dass ich schlaflose Nächte habe, aber ich freue mich einfach darauf. Ich hoffe, dass ich das auch den Spielern so mitgeben kann.

LAOLA1: Freuen Sie sich auch auf das Wiedersehen mit Rapid-Trainer Peter Schöttel?

Stöger: Unter anderem. Ich freue mich ebenso auf das Treffen mit Thomas Hickersberger (Rapid-Co-Trainer, Anm.), mit dem ich sehr lang bei der Vienna zusammengearbeitet habe und den ich für einen super Mann halte. Ich freue mich auf beide und auf eine tolle Kulisse. Wenn sich die Spieler genauso freuen wie ich und die Nervosität ablegen, dann können wir etwas mitnehmen.

LAOLA1: Sind die Trainer Peter Schöttel und Peter Stöger vergleichbar?

Stöger: Nicht wirklich. Wir sind zwar beide eher besonnene Typen und versuchen, in alle Richtungen wie hinsichtlich Schiedsrichter oder Kollegen Respekt weiterzugeben. Natürlich gibt es hin und wieder Diskussionen, wir sind aber keine Leute, die mit anderen Problemen haben oder anecken. Ansonsten ist bei uns aber vieles unterschiedlich.

LAOLA1: Apropos diskutieren und anecken, das war bei der Bestellung des neuen ÖFB-Teamchefs Marcel Koller in ganz Österreich der Fall. Sie meinten etwa, es wäre schade, dass es kein Österreicher geworden ist?

Stöger: Das ist auch das einzige von meiner Seite dazu gewesen und hat mit Marcel Koller als Trainer nichts zu tun. Ich denke, er hat bei seinen Stationen ganz gut gearbeitet, so wie ich es im deutschen Fernsehen mitbekommen habe. Er hat Erfolge gefeiert, denn mit Bochum drei Jahre in der Bundesliga zu bleiben, das ist nicht so einfach. Es ist eben nur schade, dass es im ÖFB scheinbar so gesehen wird, dass niemand, wie etwa ein junger Trainer wie Didi Kühbauer, der Tabellenführer ist, über Karl Daxbacher, der in der Diskussion überhaupt nicht genannt wurde, obwohl er sehr erfolgreich ist, bis hin zu Paul Gludovatz, das Amt so ausfüllen könnte, dass das ÖFB-Präsidium sagt, das wär einer für den Job. Das muss uns allen zu denken geben, das will ich damit sagen. Das hat nichts mit Unverständnis oder dem Fakt, dass er ein Schweizer ist oder ähnlichem Schwachsinn, den ich gehört habe, zu tun. Damit kann ich gar nichts anfangen. Und dass er vollends unterstützt wird, darüber brauchen wir gar nicht zu reden.

LAOLA1: Wie ist es dann aber um unsere Trainer-Ausbildung bestellt? Schaut man sich um, findet man kaum einen österreichischen Trainer im Ausland in der jüngeren  Vergangenheit.

Stöger: Wir brauchen Erfolge, um Trainer nach außen zu bringen. Denn wenn ich mir die deutschen Berichte zu unseren Länderspielen so anhöre und unser Interims-Teamchef Willi Ruttensteiner als Ruttenberger und Schalke-Legionär Christian Fuchs als Christian Schulz bezeichnet wird, dann wissen wir, wie es um uns bestellt ist. Wir müssen ganz einfach an uns arbeiten, sei es Trainer, Spieler oder Trainer-Ausbildung, was auch immer.

LAOLA1: Manche Teamchef-Kandidaten haben zum Teil sehr heftig auf die Bestellung reagiert.

Stöger: Manche haben es persönlich genommen, manche waren enttäuscht. Der eine hatte einen sachlichen Hintergrund eingebracht, der andere einen emotionalen, der dritte gar nichts. Also so, wie bei uns in anderen Bereichen auch diskutiert wird. Ich bleibe dabei, es geht mir um die Ausbildung. Da müssen wir uns hinterfragen, ob sie gut ist, so wie wir sie haben. Ich kann mir auch vorstellen, dass der eine oder andere Kandidat es deswegen nicht wurde, weil er vielleicht mehr im ÖFB verändern wollte, als manchem lieb war. Es ist jetzt nicht so, dass man sagt, mit Herrn Koller kann man einen Weg gehen, wo man ein Konzept durchziehen kann. Vielleicht hätte es andere gegeben, mit denen man einen größeren Umbruch erreicht hätte. Ich kenne die genaueren Hintergründe nicht, habe außer mit Andreas Herzog auch noch nicht mit den engeren Kandidaten gesprochen. Herzog würde ich jetzt wünschen, dass er sich mit der U21 für die EM-Endrunde qualifiziert, sich dann einmal verändert und wieder zum ÖFB zurückkommt.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

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