"Ging um ungewöhnlichen Punkt"

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"Legitim, wenn der Verein einen Punkt nicht akzeptiert"

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Gegenwind für den Sturm-Präsidenten. Und das ist eigentlich noch eine glatte Untertreibung.

Nachdem Trainer Franco Foda nach 15 Jahren seinen Abschied von Sturm angekündigt hat (LAOLA1-Interview), musste sich Gerald Stockenhuber einiges anhören.

Vor allem wegen seiner Presseaussendung als Reaktion auf den Schritt des Meistermachers, in welcher er die Uneinigkeit bezüglich der Ausstiegsklausel als Grund für die ablehnende Haltung des Vorstands nannte.

Im LAOLA1-Interview offenbart Stockenhuber seine Sicht der Dinge bezüglich der umstrittenen Trennung:

LAOLA1: Der Sonntag gestaltete sich aufgrund des angekündigten Abschieds von Franco Foda chaotisch. Es folgte heftige Kritik. Wie betrachten Sie diese Causa mit einem Tag Abstand?

Gerald Stockenhuber: Es ist, wie ich es in der Presseaussendung dargestellt habe. Es tut uns leid, dass Franco Foda nicht mit dem SK Sturm verlängert. Es gab einen Punkt, in dem wir uns nicht einig wurden. Franco Foda ist an die Öffentlichkeit gegangen und hat gesagt, er verlängert den Vertrag nicht. Es ist verständlich, dass es im Umfeld dementsprechende Emotionen und Reaktionen gibt.

LAOLA1: Der strittige Punkt ist jener der Ausstiegsklausel. Foda war laut eigener Aussage schockiert, dass dies in der Presseaussendung veröffentlicht wurde.

Stockenhuber: Es war ganz einfach eine klare Darstellung nach außen hin. Das Umfeld hat das Recht zu wissen, woran es gescheitert ist. Ins Detail, warum das so ist, werden wir nicht gehen. Außerdem ist es legitim, wenn der Verein sagt, er akzeptiert einen Punkt nicht und verlängert den Vertrag dementsprechend nicht – ohne das auch näher erläutern zu müssen.

LAOLA1: Wie auch immer: Sie müssen aktuell heftige Kritik einstecken. Fühlen Sie sich missverstanden?

Stockenhuber: Nein, ich sehe das sehr pragmatisch. Wie gesagt: Es ist klar, dass solche Entscheidungen Emotionen und Reaktionen hervorrufen. Die Thematik ist: Man kann nicht alles kommunizieren, wie es ist. Das ist nun einmal so. Der Verein wird keine Interna nach außen kommunizieren. Das ist nicht meine Art, das werde ich nicht tun. Dass dann aus Fragmenten, die durchsickern, Geschichten geformt werden, ist eben das Resultat daraus. Aber ich kann nicht alle Interna des Vereins nach außen tragen, und ich kann auch nicht jede Geschichte, die kursiert und auf Fragmenten basiert, dementieren. Dann wäre ich den ganzen Tag damit beschäftigt, irgendwelche kursierenden Geschichten aufzuklären. Ein sauberer Journalismus wird das richtig interpretieren, aber es gibt eben sehr viele Fragment-Journalisten, die aus zwei, drei Wortfetzen eine ganze Geschichte darstellen. Das ist halt die Medienlandschaft, das muss man in dieser Form akzeptieren.

LAOLA1: Franco Foda ist nach dem Abgang von Oliver Kreuzer zum sportlich Verantwortlichen aufgewertet worden. Gleichzeitig wird er mutmaßlich vereinsintern immer wieder als zu mächtig bezeichnet. Und dieser Kritikpunkt, dass Foda zu viel Macht hätte, ist ja nicht erst seit seiner gestrigen Aussage („Es ist mir immer nachgesagt worden, ich hätte die Allmacht im Klub. Das ist ein Blödsinn, das nervt mich“; Anm.d.Red.) bekannt. Wie passt das zusammen?

Stockenhuber: Franco Foda hat sich Hans Lang als Sportkoordinator gewünscht, er kennt das Budget des SK Sturm, ist in die Vertragsgespräche involviert, und es ist ja nichts Schlimmes, wenn da auch ein Trainer aktiv mitarbeitet. Das hat ja mit einem Machtverhältnis nichts zu tun. Es gibt Vorgaben des Vorstands, inwieweit man im Rahmen des Budgets agieren kann.

LAOLA1: Nun sind ja Ausstiegsklauseln nichts Ungewöhnliches. Foda betont, dass er bisher auch eine hatte. Liegt der Unterschied also in der gewünschten Kündigungsfrist? Das Schlüsselwort in der Aussendung ist wohl „jederzeit“…

Stockenhuber: Klar sind Ausstiegsklauseln in einem Vertrag nichts Ungewöhnliches. Es hätte aber einen Punkt gegeben, der sehr wohl ungewöhnlich ist. Aus diesem Grund hat der Vorstand nicht zugestimmt. Dementsprechend wurde die Entscheidung von Franco Foda zur Kenntnis genommen.

LAOLA1: Es ist durchgesickert, dass es im Vorstand zu dieser Causa durchaus unterschiedliche Meinungen gibt. Sie müssen den kompletten Vorstand nach außen repräsentieren. Wie schwierig fällt Ihnen das persönlich, wenn man vielleicht auch nicht immer seine persönliche Meinung transportieren muss?

Stockenhuber: Der Vorstand ist verantwortlich für den Verein, letztendlich haftet er für den Verein. Es ist ja nicht ein Verein des Präsidenten Gerald Stockenhuber. Die Entscheidungen werden im Vorstand gefällt. Dass es da über manche Punkte auch Diskussionen gibt, ist legitim. Aber letztendlich gibt es eine gemeinsame Entscheidung, und die wird durch Gerald Stockenhuber nach außen transportiert.

LAOLA1: Foda hat beklagt, dass einige im Verein mit dem Erfolg den Sinn für die Realität verloren hätten und glauben, dass Sturm jedes Jahr Meister wird…

Stockenhuber: Wir wissen alle, dass es im Fußball nicht immer so weiter geht. Wir haben einen außergewöhnlichen Titel erreicht. Du wirst nicht jedes Jahr Meister werden. Das Ziel sollte sein, jedes Jahr unter den Top 3 mitzuspielen.

LAOLA1: Nach dem Bekanntwerden von Fodas Entscheidung wurde offenkundig viel Porzellan zerschlagen. Medial ging es hin und her. Können Sie ausschließen, dass es nicht zu einer vorzeitigen Trennung aufgrund dieser atmosphärischen Störungen kommt?

Stockenhuber: Ich glaube, dass der SK Sturm kein Porzellan zerschlagen hat. Es gab eine klare Stellungnahme. Ich muss nicht weiter kommentieren, warum es nicht geklappt hat. Es gibt halt Verträge, die klappen zum letzten Abschlusspunkt hin nicht. Schade, wenn dementsprechend darauf reagiert wird.

LAOLA1: Sie sagen, dass es nicht bis zum letzten Punkt des Vertrags geklappt hat. Bei allem Respekt, aber das häuft sich. Man denke an die Causa Kreuzer, wo man die Verlängerung sogar verkündet hat, oder an das Verfahren mit Heinz Palme. Mit Foda war man sich offenkundig wieder mündlich einig, bis zur Unterschrift ist es erneut nicht gekommen…

Stockenhuber: Oliver Kreuzer ist eine ganz andere Causa, man kann nicht eine Causa mit der anderen vergleichen. Und wenn Palme sagt, er hat einen Vertrag und vier Präsidiumsmitglieder sagen, er hat keinen Vertrag, und Palme geht damit an die Öffentlichkeit: Was soll ich darauf sagen? Ich gebe Ihnen absolut Recht: Es ist sonderbar. Das dürfte eben eine Eigenartigkeit im Fußball-Geschäft sein.

LAOLA1: Darum geht es ja nicht. Es geht um den Vorwurf, dass Foda von Leuten innerhalb des Vereins als zu mächtig dargestellt wird. Wie kann das passieren, wenn man ihn selbst mit der Macht ausstattet?

Stockenhuber: Ich glaube nicht, dass sich der Vorstand über die Macht von Franco Foda beklagt hat. Es gibt klare Regeln vom Vorstand, also wird man sich nicht über seine eigenen Regeln beklagen.

LAOLA1: Foda hat selbst öffentlich gemacht, dass er als zu mächtig bezeichnet wird…

Stockenhuber: Das ist ein Standpunkt von Franco Foda, dem ich nicht ganz folgen kann. Wie soll ich das kommentieren, wenn Franco Foda sagt: "Er ist zu mächtig"?

LAOLA1: Er hat festgestellt, dass er als zu mächtig bezeichnet wird. Das ist ein großer Unterschied.

Stockenhuber: Das ist die Auffassung von Franco Foda. Ich akzeptiere seine Aussage so. Aber der Vorstand hat ihn nicht als zu mächtig betrachtet.

LAOLA1: Ändert sich in punkto Vertragsverhandlungen mit den Spielern und möglichen Neuzugängen etwas? Macht das weiterhin Franco Foda oder in Zukunft Hans Lang?

Stockenhuber: Nein, Franco Foda wird das nicht mehr machen. Franco Foda ist Profi genug, die restliche Saison fertigzuspielen. Jetzt gehen wir einmal in die Winterpause. Bis dahin bringen wir die beiden verbleibenden Spiele in Ruhe über die Bühne. Dann wird man weiterschauen.

LAOLA1: Gibt es einen Zeithorizont bezüglich der Frage der Nachfolge von Foda? Wird man das eher zeitig klären, damit es nicht zum Dauer-Thema des Frühjahrs wird?

Stockenhuber: Wir gehen davon aus, dass Franco Foda diese Saison als Trainer fertig machen wird. Aber man wird sich sicherlich über die Winterpause Gedanken machen, wie man mit dem SK Sturm in die Zukunft geht.

LAOLA1: Betrifft das auch Ihre Person? Sie müssen momentan heftige Kritik einstecken. Im Jänner ist Generalversammlung. Haben Sie zwischendurch überlegt, ob Sie sich das weiter antun wollen?

Stockenhuber: Nein, ich glaube nicht, dass, nur weil ein Trainer seinen Vertrag nicht verlängert, gleich der Präsident zurücktreten muss. Noch einmal: Wir handeln aus bestem Gewissen im Sinne des Vereins. Wenn die Mitglieder sagen, dem ist nicht so, dann werde ich das dementsprechend akzeptieren. Aber in einer schwierigen Situation, die sich natürlich ergibt, wenn der Meistertrainer den Verein verlässt, auch gleich mitzugehen, ist nicht zielführend. Das entspricht auch nicht meinem Stil.

LAOLA1: Fazit: Das halbe Jahr nach dem Meistertitel war bei Sturm für alle Beteiligten nicht einfach…

Stockenhuber: Es ist wirklich schade. Es ist auch schade, dass, wie Sie vorher gesagt haben, jetzt Porzellan zerbrochen wird. Aber es ist nicht alleine vom Verein ausgegangen…

LAOLA1: Zum Streiten gehören immer zwei…

Stockenhuber: Zu einem Vertrag gehören auch zwei. Ich streite ja nicht mit Franco Foda, wir sind uns einfach nicht einig geworden. Das sollte man auch gegenseitig akzeptieren.

Das Gespräch führte Peter Altmann

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