"Wird sich zeigen, ob ich wirklich schon so weit bin"

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Normalerweise ist der Weg eines sehr talentierten, jungen Spielers in Österreich vorgezeichnet.

Zuerst Spielpraxis bei einem vermeintlich kleineren Verein holen, sich bei einem größeren profilieren, um anschließend entweder im Ausland oder bei Red Bull zu landen.

Stefan Schwab hat eine andere Karriereplanung verfolgt. Der Saalfeldner startete beim aktuellen Liga-Triumphator, hat seinen Abgang aber nie bereut. Im Nachinein war er sogar förderlich.

Nach starken Vorstellungen bei der Admira ist der 23-Jährige nun beim SK Rapid gelandet, wo er im Mittelfeld die Fäden ziehen soll. „Die Zeit war reif“, gesteht der Neuzugang im LAOLA1-Interview und hält bezugnehmend auf seine neue Aufgabe fest:

„Ich sehe das aber nicht als Druck, auch wenn mich alle darauf ansprechen. Ich finde es positiv, wenn die Leute etwas von mir erwarten. Das motiviert, vor allem mich.“

LAOLA1: Du hättest dir sicher einen besseren Einstand bei Rapid gewünscht. Inwiefern bereitet das 1:6 in Salzburg noch immer schlaflose Nächte?

Stefan Schwab: Ich muss zugeben, dass dieses Resultat schon sehr weh tut. Wir haben das Spiel aber am Wochenbeginn intern analysiert und uns die Fehler angeschaut, wo wir hätten cleverer agieren müssen und vieles weitere. Grundsätzlich glaube ich aber, dass die Niederlage zu hoch ausgefallen ist, das war nicht notwendig. So ein Spiel beschäftigt einen und ich denke, es gibt kaum einen, der danach ruhig schlafen konnte. Es ist aber wichtig, dass es jetzt gleich weitergeht, denn nach so einer Partie will man sofort wieder spielen, um den Kopf frei zu bekommen.

LAOLA1: Rapid ist der nächste Schritt auf deiner Karriereleiter. Wie gehst du mit der Erwartungshaltung dir gegenüber um?

Schwab: Vom Training her war es schon bei der Admira richtig gut. Aber vom Verein selber, den Fans und dem Umfeld her ist natürlich alles viel größer. Ich sehe das aber nicht als Druck, auch wenn mich alle darauf ansprechen. Ich finde es positiv, wenn die Leute etwas von mir erwarten. Das motiviert, vor allem mich. Ich bin ein Typ, der gerne vor einem vollen Stadion spielt. Das ist bei Rapid sehr cool.

LAOLA1: Die Vorfreude war sicher groß. Ein bisschen wehmütig, nicht mehr im Hanappi-Stadion spielen zu dürfen?

Schwab: Ich habe es zum Glück noch einmal erleben dürfen im Rapid-Dress. Das ist schon was anderes, als mit der Admira hinzukommen. Das Celtic-Spiel war von der Stimmung her sehr beeindruckend, das hat schon richtig Spaß gemacht, dort Fußball zu spielen. Natürlich ist es schade, aber man muss es positiv sehen, denn wenn das Stadion fertig ist, ist erst richtig was los. Die Zeit müssen wir so gut wie möglich überbrücken. Mit unseren Fans, die auch ins Happel kommen werden, werden wir das sicher schaffen. Dann freut sich jeder, wenn es soweit ist und wir im neuen Stadion spielen können.

LAOLA1: Wie findest du dich bei deinem neuen Arbeitgeber bereits zurecht und wie harmonierst du mit deinen neuen Kollegen?

Schwab:Ich habe vorher auch schon in Wien gewohnt, als ich bei der Admira war. Von dem her ist es zum Glück keine Umstellung und es war alles recht unkompliziert. Dadurch, dass ich schon ein paar Spieler bei Rapid gekannt habe, war das auch ein Vorteil. Im Großen und Ganzen bin ich ein Typ, der nicht lange braucht. Ich war schon in Salzburg, Vorarlberg und Wien, ich bin da sehr offen und anpassungsfähig. Mit den Spielern gibt es überhaupt keine Probleme, ich bin wirklich gut aufgenommen worden. Ich bin auch einer, der auf die Leute zugeht. Ich fühle mich echt wohl und verstehe mich gut mit den Kollegen.

LAOLA1: Bei deinen ersten Auftritten im Zentrum des neuen Ensembles hast du dich bereits gut zurechtgefunden. Macht es für dich einen Unterschied, ob als Sechser, Achter oder Zehner?

Schwab: Es ist eine eingespielte Mannschaft. Wenn da einzelne Spieler auf zwei Positionen reinkommen, steht das Grundgerüst. Da versucht man, sich so gut wie möglich einzufügen und den Part des Vorgängers zu übernehmen. Ich glaube, das ist mir bis jetzt gelungen. Aber bei Rapid werde ich ein anderes Spiel spielen als bei der Admira. Es wird noch ein bisschen Zeit brauchen, aber ich versuche, so schnell wie möglich meinen Teil beizutragen. Dann wird sich zeigen, ob ich wirklich schon so weit bin.

LAOLA1: Ist es für dich eine größere Herausforderung, Steffen Hofmann den Rücken freizuhalten? Bei der Admira gab es doch mehrere gleichberechtigte Mittelfeld-Strategen.

Schwab: Ich muss mein Spiel auf jeden Fall ein bisschen umstellen. Bei der Admira war es eher so, dass mir der Rücken freigehalten wurde und ich in der Offensive viel anstellen konnte, bei Rapid ist das ganz klar Steffen. Durch meine körperliche Präsenz und meinen Spielstil glaube ich, dass ich das sicher kann, ein Bindeglied zwischen Defensive und Offensive bin und auch meine Akzente setzen kann. Ich will aber Steffen helfen, das Spiel nach vorne zu leiten und defensiv meine Zweikämpfe erledigen.

LAOLA1: Wieviel kannst du von Steffen Hofmann lernen, wieviel willst du von ihm lernen und inwiefern muss man seine eigene Linie finden?

Schwab: Steffen ist natürlich schon ein anderer Spielertyp als ich. Er hat einen unglaublichen rechten Fuß, den ich zum Beispiel überhaupt nicht habe. Mit seinen Standards hat er schon eine Qualität, die nicht viele in Österreich haben. Er ist auch körperlich ein anderer Spieler. Ich komme über die Zweikämpfe und Athletik genauso ins Spiel, technisch haben wir doch beide was drauf. Von dem, wie er in der Offensive Pässe spielt und seiner Spielintelligenz, wann er dribbelt und wann er passt, kann man sich sicher noch viel abschauen.

LAOLA1: War Rapid für dich der logische nächste Schritt? Du hast im Vorfeld anklingen lassen, dass du dich schon länger mit diesem Wechsel beschäftigt hast.

Schwab: Wenn man als junger Österreicher zu kleineren Vereinen in der Bundesliga kommt, dann gibt es in weiterer Folge drei, vier andere Klubs, die noch interessant sind. Mich motiviert es, wenn viele Leute im Stadion sind, das taugt mir bei Rapid. Rapid ist in Österreich der größte Verein. Wenn du die Chance kriegst, dort hinzugehen und sie Interesse bekunden, dann macht man das natürlich. Ich bin wirklich froh und es war schon irgendwie ein Wunsch, zu Rapid zu gehen.

LAOLA1: Zeigt ein Spieler in der Bundesliga auf, ist neben Rapid meist auch gleich die Austria dran. War das bei dir auch der Fall?

Schwab: Diesmal war es umgekehrt, da war Rapid früher dran. Ich habe mich dafür entschieden, weil sie mit der Mannschaft und dem Stadion ein Projekt am Laufen haben und ich einen Teil dazu beitragen will. Hier ist etwas im Entstehen und es ist eine riesige Euphorie und Aufbruchstimmung im Verein. Ich freue mich jetzt, dass ich da bin.

LAOLA1: Viele wollten von Rapid aus noch höher hinaus, gingen nach Salzburg oder ins Ausland. Wie schwer wiegen deiner Meinung nach die Abgänge?

Schwab: Dass sie hier gute Leistungen gebracht haben, ist klar, sonst würden sie jetzt nicht im Ausland oder wie Sabitzer in Salzburg spielen. Aber das ist ihre Entscheidung. Jeder Österreicher, der hier gut spielt, hat einmal das Ziel, ins Ausland zu gehen. Aber so weit darf man nicht denken. Das kommt oder kommt nicht. Man muss jeden Tag Gas geben. Wenn es nichts mit dem Ausland wird, gibt es sicher viel Schlechteres als bei Rapid zu spielen. Aber jeder Spieler tickt da ein bisschen anders. Der Verein hat auch davon profitiert und in neue Spieler investiert. Ich hoffe, dass es ähnlich erfolgreich wird wie letzte Saison.

LAOLA1: Alle wollen zu Red Bull, du wolltest damals weg, obwohl du schon bei den Juniors warst. Hast du diesen Schritt jemals bereut?

Schwab: Nein, in keiner Weise. Damals war klipp und klar die Ansage, dass es für die erste Mannschaft noch nicht reicht, ich noch mehr Zeit brauche und wieder in der Regionalliga spielen soll. Aber ich habe damals schon 50 oder 60 Spiele in der zweiten Liga gemacht und wollte keinen Rückschritt mehr machen. Deshalb habe ich mich entschieden, den Verein zu verlassen und war dankbar, dass ich aus dem laufenden Vertrag aussteigen konnte, zum FC Lustenau verliehen wurde und danach ohne große Probleme zur Admira gehen konnte. Ich wollte das so haben und bin meinen eigenen Weg gegangen. Jetzt bei Rapid zu sein, ist super für mich.

LAOLA1: Würdest du sagen, dass der Wechsel zu Rapid nach den Anfängen in Salzburg und der Festigung bei der Admira in deiner Entwicklung genau zur richtigen Zeit passiert ist?

Schwab: Ich glaube, meine Entwicklung ist jedes Jahr ein Stück bergauf gegangen. Als ich anfangs mit der Admira in der zweiten Liga und dann in der Bundesliga gespielt habe, war ich sicher noch nicht so weit, wie letzte Saison. Vom Schritt her war es jetzt für mich genau richtig, weil ich mich bei Rapid sicher noch mehr entwickeln kann. Auch da muss ich meinem Ex-Verein dankbar sein, dass das schlussendlich geklappt hat. Ich glaube, die Zeit war reif.

LAOLA1: Was traust du deiner Mannschaft, die nach dem Aderlass von vielen unterschätzt wird, in dieser Saison zu?

Schwab: Letztes Jahr hat Rapid keiner was zugetraut, da sind sie Zweiter geworden. Wir haben gesagt, dass wir dieses Jahr wieder Vollgas geben wollen und ich traue der Mannschaft einiges zu. Es kann wirklich alles passieren. Man muss erst einmal das erste Saison-Viertel abwarten, um richtig Bilanz ziehen zu können, wie weit es gehen kann. Es ist auch im Cup einmal was möglich. Wir haben uns jetzt zwar weitergezittert, aber wir haben es geschafft. Wenn Pasching und St. Pölten in den letzten Jahren im Cup-Finale waren, muss das auch mal das Ziel von Rapid sein. In der Meisterschaft ist auch einiges drin, auch wenn Salzburg über allen anderen steht. Wenn wir die vermeintlich kleineren Spiele positiv absolvieren, ist alles möglich. International dabei zu sein, ist auch ein Riesen-Ding, da wollen wir so weit wie möglich kommen.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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