Der hauseigene Stabilisator

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"Dann gibt's was auf die Socken"

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Stefan Ilsanker ist sich nicht sicher.

Soll er sich nun  auf die unmittelbar bevorstehende Winterpause freuen, oder nicht?

Zum einen erklärt der Defensivspieler von Meister Red Bull Salzburg: "Jeder Zweikampf tut bei dieser Kälte natürlich schon weh."

Auf der anderen Seite wäre ihm lieber, "wenn wir noch ein paar Spiele hätten, um den Rückstand auf die Austria zu minimieren."

Vermutlich wäre ihm eine Verlängerung der Herbstsaison nicht ganz so unrecht, weil der 23-Jährige aktuell Stammkraft bei Trainer Roger Schmidt ist.

Stammkraft Ilsanker

Nach Aufs und Abs in diesem Herbst zählt Ilsanker seit Runde 14 immer zur Startelf der Salzburger. Als Abräumer zwischen den Linien hat der 1,89m-Mittelfeldmann aktuell die Trümpfe in der Hand.

Kapitän Mendes etwa fristet sein Dasein auf der Bank, ob er auch deswegen seinen Vertrag ab Sommer nicht mehr verlängern will? (LINK)

Ilsanker will noch lange in Salzburg sein, vor allem, wenn es so läuft wie jetzt. Vor der Winterpause geht es nun noch gegen den SV Mattersburg, den er im Sommer nach zwei Jahren zugunsten einer Rückkehr verließ.

Vorab sprach der Salzburger mit LAOLA1 über seine Rolle unter Schmidt, Autorität bei den Star-Kickern und Freude am Alltag.

LAOLA1: Inwiefern kommt dir als Stammkraft die Winterpause ungelegen?

Stefan Ilsanker: Ich freue mich natürlich, dass ich momentan so viel spiele. Aber ich denke, dass ich das nach einer guten Vorbereitung auch im Frühjahr tun werde. Da mache ich mir nicht so viel Sorgen.

LAOLA1: David Mendes will im Sommer den Verein verlassen. Bist auch du daran schuld?

Ilsanker: Das denke ich nicht. In dem System, in dem wir spielen, sehe ich David offensiver als mich. Es wäre sehr schade, wenn er weggehen würde, er ist ein sehr positiver Mensch, unser Kapitän - von so einem Spieler kann man viel lernen.

LAOLA1: Hast du ihn nach seiner Verletzung aus der ersten Elf gespielt?

Ilsanker: Wir können genauso auch zusammenspielen. In Graz hat Valentino Lazaro vor mir gespielt. Man könnte auch sagen, er hat ihn rausgespielt. Also so kann man das nicht sagen.

LAOLA1: Bist du ein klassischer Abräumer, wie er im Buche steht?

Ilsanker: (lacht) Ja, so ist es. Wir spielen ja extrem offensiv und da ist es wichtig, dass einer noch den Innenverteidigern hilft. Denn auch die Außenverteidiger sind sehr offensiv, machen viel für das Spiel nach vorne und ich schaue, dass die Lücken geschlossen werden, arbeite sehr viel für die Offensivkräfte. Daher haben sie auch sehr viel Freiheiten und können vorne natürlich mehr Druck machen.

LAOLA1: Wie undankbar ist diese Aufgabe?

Ilsanker: Das sind eben meine Stärken. Ich bin nicht so der Techniker wie der Kevin (Kampl, Anm.) oder so schnell wie Sadio (Mane, Anm.). Ich habe andere Stärken, die ich einbringen muss, damit die Mannschaft erfolgreich ist.

LAOLA1: Was passiert bei Balleroberung?

Ilsanker: Ich schaue, dass so schnell wie möglich unsere offensiven Spieler in Ballbesitz kommen. Wir schauen allgemein, dass wir den Ball schnell nach vorne tragen. Es bringt nichts, den Ball sieben, acht Mal hinten quer zu schieben, sondern wir versuchen es mit ein, zwei Querpässen, damit wir torgefährlich werden und die Fans auch ein schönes Spiel sehen.

LAOLA1: Was ist auf deiner Position das Entscheidende?

Ilsanker: Absolut die Ordnung zu halten. Ich muss schauen, dass die Spieler vor mir bei aller Offensivfreude auch wieder gut umschalten, wenn wir den Ball verlieren. Dass sie richtig stehen, sie richtig attackieren. Wenn der Ball bei mir in der Nähe ist, dann muss ich natürlich voll reingehen. Da hole ich mir die Bälle.

LAOLA1: Du bist also der Stabilisator im Team. Bist du auch ein lauter Spieler?

Ilsanker: Das ist einfach bedingt durch die Position. Ich sehe von hinten besser, was in ihrem Rücken oder links oder rechts von ihnen passiert. Ich bin auch ein sehr kommunikativer und lauter Spieler. Das ist für sie auch wichtig, damit sie richtig laufen. Man kann ja nicht alles sehen.

LAOLA1: Du sagst, du bist nicht so der Techniker. Hat du manchmal gegenüber Aushängeschildern der Mannschaft ein Autoritätsproblem?

Ilsanker: Überhaupt nicht. Wir haben ein super Mannschaftsgefüge, wir sind ein sehr junges Team und die Spieler sind Kumpels von mir. Falls mal wirklich einer nicht hören will, weiß er, dass es im nächsten Training eine auf die Socken gibt.

LAOLA1: Inwiefern kannst du mit deinem Herbst zufrieden sein?

Ilsanker: Ich war am Anfang gleich mal drin, hatte eine gute Vorbereitung und der Trainer hat gesehen, dass er auf mich bauen kann. Dadurch habe ich mir Selbstvertrauen geholt. Die ersten Spiele waren okay, dann habe ich ein paar Partien nicht gespielt. Aber ich habe mir deswegen keine Gedanken gemacht. Ich habe gewusst, dass ich mich jederzeit zurückkämpfen kann. Jetzt habe ich die letzten Spiele alle gespielt. Meiner Meinung nach auch ganz gut, aber was wichtiger ist, auch aus Sicht des Trainers. So kann es auch weitergehen.

LAOLA1: Wieviel spricht Trainer Schmidt mit dem Team?

Ilsanker: Er redet viel mit der Mannschaft, das ist natürlich auch bei so einem jungen Team wichtig. Damit jeder versteht, wie wir unser Spiel anlegen und mit oder ohne Ball im Umschalten agieren. Das macht er ganz gut und das Team versteht es auch. Das wird aber im Frühjahr noch besser werden.

LAOLA1: Du hast mit Mattersburg zwei Jahre gegen den Abstieg gespielt, nun kämpfst du mit Salzburg um den Titel. Inwiefern ist dein Alltag einfach nur schöner geworden?

Ilsanker: Es ist natürlich im Mattersburger Fall ein Wahnsinn, wenn du ein paar Spiele hintereinander verlierst. Es gab damals auch Zeiten, wo wir richtig Rückstand auf den Vorletzten hatten. Dann ist natürlich alles negativ, fängt bei den Spielern an, geht über das Trainer-Team bis ins Umfeld. Das ist dann natürlich nicht leicht, aus eigener Kraft da herauszukommen. Wenn man um den Titel mitspielt, ist alles ganz anders. Du gewinnst deine Spiele, hast eine schöne Trainingswoche, gewinnst wieder - das ist einfach ein ganz anderes Gefühl. Für einen Spieler gibt es natürlich nichts Schöneres als zu gewinnen.

LAOLA1: Selbstredend ist die Qualität des Spielermaterials bei so einem Klub auch höher. Hat es einen Wow-Effekt bei dir gegeben?

Ilsanker: Also wenn unseren Offensivspielern in den Trainings wirklich alles gelingt, das ist schon unglaublich. Und da ist noch so viel Potenzial drinnen, das wir noch nicht gezeigt haben. Sollten wir wirklich in jedem Spiel 100 Prozent umsetzen, dann können sich unsere Gegner schön langsam warm anziehen. Denn da ist noch einiges drin.

LAOLA1: Letzte Frage, weil es gegen Mattersburg geht: Nach der langen Durstrecke hat dein Ex-Team wieder auf die Siegerstraße gefunden. Bleibt Mattersburg sicher oben?

Ilsanker: Ja, Mattersburg ist unabsteigbar! Die werden noch einige Jahre in der Bundesliga spielen. Sie haben sehr gute junge Spieler, sie haben ein paar erfahrene Spieler wie Bürger oder Seidl. Ich glaube, sie werden mit dem Abstieg nichts zu tun haben.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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