"Darum fällt es mir nicht schwer, für Rapid zu spielen"

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Seit dem 3:1-Sieg Rapids gegen Sturm Graz am vergangenen Wochenende kommt man um die Bilder von den unschönen Aktionen gegen Robert Beric und Florian Kainz nicht herum.

"Einmal Sturm, immer Sturm", lautet die Sichtweise jener, welche die Wechsel der beiden Neo-Rapidler noch immer nicht verdaut haben.

Im schnelllebigen Fußballgeschäft gehören Transfers aber genauso dazu wie neue Taktik-Trends. Schließlich passieren diese meist nicht ohne Grund. So auch jener von Stefan Stangl.

"Für mich war es nie ein Thema, dass ich den Wechsel nur wegen der Sturm-Vergangenheit nicht mache", erklärt der 23-jährige Defensivspieler im LAOLA1-Interview.

Von Beric und Kainz unterscheidet ihn, dass er sich nicht direkt nach seiner Zeit bei den "Blackies" dem Rivalen aus Wien anschloss. Außerdem sprang der Funke bei Sturm nie richtig auf ihn über.

Bei Rapid ist das nun anders. Mit immer mehr Einsatzzeit steigen auch die Ambitionen. Dass es schwer werden würde, wusste er ohnehin.

LAOLA1: Bei Rapid läuft es für dich immer besser. Hast du dich schon an Einsätze im grün-weißen Trikot gewöhnt?

Stefan Stangl: Das ist natürlich sehr positiv. Ich freue mich, dass ich jetzt zu meinen Einsätzen komme. Es war für mich am Anfang keine leichte Zeit, aber ich genieße es dann umso mehr, wenn ich jetzt für Rapid spielen darf.

LAOLA1: Keine leichte Zeit, weil es doch schwieriger war hineinzufinden als angenommen oder aus anderen Gründen?

Stangl: Ich habe schon ein bisschen länger gebraucht, bis ich mich an das Tempo und die Qualität gewöhnt habe. Ich glaube aber, das ist normal, wenn man so einen großen Schritt macht. Vereinstechnisch braucht man nicht reden, dass Rapid in Österreich die Top-Adresse ist, das ist unumstritten. Dass die Qualität noch höher als bei Wiener Neustadt ist, ist eh klar.

LAOLA1: Trotzdem wird der Unterschied nicht so groß gewesen sein, wie wenn du schon von Horn damals zu einem Top-Klub gewechselt wärst.

Stangl: Das auf jeden Fall. Es war schon Schritt für Schritt, von der Ersten Liga in die Bundesliga und jetzt zu Rapid. Die Schritte sind schon kleiner gewesen, aber man muss schon mehr tun, um das Ziel, auch zu Einsätzen zu kommen, zu erreichen.

LAOLA1: Hättest du dir überhaupt erträumt, von Anfang an eine größere Rolle bei Rapid zu spielen?

Stangl: Nein, das war mir von Anfang an klar, dass das sicher kein leichter Weg wird. Aber in meinem Alter war es einfach eine riesige Chance, zu einem Großklub kommen zu können. Die habe ich genützt. Dass ich hier jetzt reinbeißen muss, war mir von vornherein klar.

Stangl will die Anzahl an Einsätzen nach oben schrauben

LAOLA1: Mit 23 Jahren bist du bei Rapid gar nicht mehr bei den ganz Jungen dabei. Eine neue Situation für dich?

Stangl: Das ist ungewohnt, das stimmt schon. Aber bei Rapid ist der Altersschnitt sehr niedrig. Da bin ich eigentlich schon mittendrin.

LAOLA1: Kannst du mit der bisher genommenen Entwicklung bis hierher trotz allem zufrieden sein?

Stangl: Ich bin sehr zufrieden! Man weiß natürlich nie, was früher in der Karriere der beste Schritt gewesen wäre. Aber man muss damit zufrieden sein, wie der Weg bisher verlaufen ist. Darauf kann man immer aufbauen und sich weiterentwickeln. Aber in erster Linie passt es einmal, dass ich hier bin, jetzt kommen dann die nächsten Schritte.

LAOLA1: Du spielst vorrangig linker Verteidiger, wärst defensiv aber variabel einsetzbar. Wo fühlst du dich am wohlsten?

Stangl: Eigentlich schon links hinten, da habe ich in meiner Profi-Karriere bisher zu 90 Prozent gespielt. Bei Sturm habe ich unter Franco Foda meine ersten Bundesliga-Spiele im zentralen Mittelfeld gehabt, aber das ist schon etwas Anderes. Wenn man tagtäglich als linker Verteidiger trainiert, ist es schon schwierig, von heute auf morgen in der Zentrale zu spielen. Sie haben einen Außenverteidiger mit Drang in die Offensive gesucht, so wird bei Rapid auch mit mir geplant, da die Anzahl an Spielern im zentralen Mittelfeld schon sehr hoch ist.

LAOLA1: Mit Thomas Schrammel vor der Nase handelt es sich wohl auch nicht um die einfachste Aufgabe, sich einen Stammplatz zu erarbeiten. Gespielt hast du nur, wenn er auf die rechte Seite ausgewichen ist.

Stangl: Das stimmt, er ist ein sehr guter und solider Spieler. Ich habe ihn davor ohnehin schon gekannt, deshalb habe ich damit gerechnet, dass es ein harter Kampf wird. So etwas hat mich auch nicht abgeschreckt. Bei so einem Verein ist es eben so, dass zumindest zwei um eine Position kämpfen. Der Bessere setzt sich dann durch. Qualität in die Mannschaft zu bringen, das macht das Team nur stärker.

LAOLA1: Du hast einen langfristigen Vertrag bis 2017 unterschrieben. Hast du damals lange überlegen müssen?

Stangl: Eigentlich schon, man macht sich immer Gedanken bei einem Transfer. Die Möglichkeit, so einen Wechsel in seiner Karriere doch noch zu machen, wird aber immer schwieriger. Da muss man schon eine sehr gute Saison spielen, man wird ja doch nicht jünger. Ich wollte die Chance im Sommer einfach nützen und bin im Nachhinein sehr zufrieden.

LAOLA1: Trotz schwarz-weißer Vergangenheit bei Sturm Graz. Das ist in diesen Tagen doch ein heißeres Thema.

Stangl: Ich habe mit Sturm nicht wirklich die großen Erfolge in der Bundesliga gefeiert. Ich habe meine paar Einsätze gehabt und sonst eigentlich nur die Jugend durchlaufen. Dadurch fällt es mir jetzt nicht so schwer, für Grün-Weiß zu spielen.

Bei den Sturm-Amateuren noch vereint, ist Klem nun Stangls und Kainz' Gegner

LAOLA1: Als Steirer war es damals aber das Naheliegendste, erst einmal bei Sturm Fuß zu fassen.

Stangl: Klar, damals war es natürlich mein Ziel, für Sturm Graz zu spielen. Ich bin zwar aus Leibnitz, habe dann aber eine lange Zeit in Graz gewohnt. Das wäre für mich natürlich super gewesen. Aber Fußball ist kurzlebig, man muss das Beste daraus machen.

LAOLA1: Der Grund, warum du damals das Weite gesucht hast, war somit die fehlende Perspektive und Einstellung von Sturm-Seite?

Stangl: Sie haben es zwar nicht gesagt, aber ich habe einfach nicht gespürt, dass Sturm weiterhin auf mich baut. Ich war in einem Alter, in dem ich bei den Amateuren schon fast zu alt gewesen wäre. Deshalb habe ich den nächsten Sprung suchen müssen.

LAOLA1: Wie gut haben dir die Stationen in Grödig, Horn und Wiener Neustadt getan?

Stangl: In Grödig habe ich mich schon sehr weiterentwickelt. Dass ich dann eine volle Saison in der Ersten Liga und gleich weiterhin in der Bundesliga gespielt habe, hat mir dann schon sehr viel gebracht. Nur durch Spiele kann man sich weiterentwickeln, das habe ich schon sehr genossen. Das war kein Rückschritt, sondern der logische nächste Schritt. Ich würde es wieder so machen.

LAOLA1: War Rapid nach nur einem Jahr in Wiener Neustadt der absolute Glücksfall oder hättest du dir vorstellen können, weiterhin dort zu spielen?

Stangl: Es ist immer eine Glückssache, dass Rapid so einen Spieler wie mich gesucht hat. Aber ich habe mich auch dort pudelwohl gefühlt, das war ein super Verein mit super Trainerteam und ich hätte mir vorstellen können, weiterhin dort zu spielen. So ist es aber noch besser.


Das Gespräch führte Alexander Karper

LAOLA1: Wird einem schon im Sturm-Nachwuchs eingeimpft, nicht zum GAK und nicht zu Rapid zu wechseln?

Stangl: Das stimmt schon, es hat immer geheißen: Nicht zum GAK! Seit es den in dieser Form nicht mehr gibt, ist Rapid für Sturm schon der größere Rivale in der Liga. Aber darüber denkt man nicht nach. Das war für mich nie ein Thema, dass ich den Wechsel nur wegen meiner Sturm-Vergangenheit nicht mache.

LAOLA1: Du warst auch kein direkter Überläufer wie Robert Beric und Florian Kainz. Wie hast du die Aktionen gegen die beiden beim 3:1-Sieg gegen Sturm mitverfolgt?

Stangl: Das war von den Fans schon sehr weit unter der Gürtellinie. Das akzeptiere ich auch nicht. Robert Beric hat sehr viel für Sturm gemacht, und auch Flo Kainz. Wenn ich er wäre und öfters international spielen will, dann ist Rapid schon noch einmal eine Stufe höher und die Wahrscheinlichkeit Jahr für Jahr größer, dass man das erreichen kann. Das sehe ich dann auch ein. Ich würde gerne wissen, ob sich diese Leute, wenn sie in ihrem Beruf ein Angebot von einer anderen Firma kriegen, auch Gedanken machen.

LAOLA1: Es gibt wohl keine Gründe dafür, die rechtfertigen, einen Spieler mit einem Schweinekopf im Fan-Sektor zu verunglimpfen oder das Dress eines ehemaligen Spielers zu verbrennen.

Stangl: Das ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Als Spieler will man immer Kontakte zu den Fans pflegen und versucht, alles für die Zuschauer zu tun, damit sie glücklich sind. Dann macht man einen Wechsel und auf einmal ist alles von Null auf Hundert anders. Das finde ich nicht in Ordnung. Das gepfiffen wird oder irgendeine Art von Reaktion da ist, ist klar. Aber nicht, dass es so weit geht. Das hat im Fußball nichts zu suchen.

LAOLA1: Acht Jahre Sturm-Jugend, Amateure, sechs Einsätze für die Profis. Trotzdem ist der Funke nie übergesprungen?

Stangl: Das war damals schwer! Sie haben bei mir immer gesagt, dass es die Einstellung war. Ich kann das aber nicht nachvollziehen. Ich habe immer alles versucht und mich reingebissen. Aber es hat vielleicht nicht sein sollen. Im Nachhinein bin ich aber glücklich, dass ich über Umwege in die Bundesliga gekommen bin und brauche dem nicht nachweinen. Es ist nicht einmal ein besonderes Prickeln bei Spielen gegen Sturm vorhanden.

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