"Damals hieß es: Kainz oder ich"

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"Bei Sturm Graz hieß es damals: Kainz oder ich"

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Stelle dir vor, du stehst als junger Spieler knapp vor dem Sprung zu den Profis, im Endeffekt fällt die 50:50-Wahl jedoch auf einen deiner besten Freunde.

Stefan Stangl kennt diese Situation nur zu gut. Ausgerechnet sein heutiger Rapid-Kollege Florian Kainz bekam damals bei Sturm Graz von Trainer Franco Foda den Vorzug und blickt deshalb bereits auf mehrere Profi-Jahre zurück.

Über Umwege ist der mittlerweile 24-jährige Steirer aber trotzdem seinen Weg gegangen. Der zum Linksverteidiger umfunktionierte Außenbahnspieler bereut nichts, der Freundschaft zu Kainz hat dies ebenfalls keinen Abbruch getan.

Stangl ist einer der Shootingstars des vergangenen Jahres, avancierte bei Rapid zum Stammspieler und blickt mittlerweile auf 55 Bundesliga- und 8 internationale Einsätze zurück. Zudem kann er seinen Offensivdrang auf der linken Seite ausleben – zusammen mit seinem langjährigen Wegbegleiter Kainz.

Im LAOLA1-Interview lässt Stangl die Stationen seiner Karriere Revue passieren, spricht über die Veränderungen über die Zeit, das Zusammenspiel mit Kainz und den Traum vom ÖFB-Team.

LAOLA1: Vor zwei Jahren hast du noch in Wr. Neustadt gespielt, jetzt bist du bei Rapid in der Europa League und der Bundesliga gesetzt. Musst du dich selbst manchmal kneifen?

Stefan Stangl: Wenn mir das vor zwei, drei Jahren jemand gesagt hätte, wäre das für mich damals ein Traum gewesen. Jetzt stehe ich da. Es freut mich natürlich, dass ich nach diesen Jahren sehe, dass sich die Arbeit bezahlt gemacht hat. Es waren für mich natürlich keine leichten Schritte nach Horn oder Wiener Neustadt zu gehen – wo auch immer ich schon war. Aber im Endeffekt hat alles gepasst.

LAOLA1: Ist vor allem mit den internationalen Auftritten, wie zuletzt bei Viktoria Pilsen, ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen?

Stangl: Auf alle Fälle. Dafür trainiert man Woche für Woche sehr hart. Es ist natürlich schön, wenn man als Verein dafür belohnt wird, darauf arbeitet jeder hin. Schließlich kann man sich international mit den Größten messen. Auch für mich persönlich ist es natürlich ein schönes Gefühl, dort spielen zu dürfen.

LAOLA1: Bei Rapid bist du anfangs unter Wert geschlagen worden, hast dich aber kontinuierlich zum Stammspieler gemausert und hast zuletzt Top-Leistungen abgeliefert. Wie siehst du selbst deine Entwicklung?

Stangl: Im Nachhinein würde ich schon sagen, dass ich nach und nach Schritte in die richtige Richtung gemacht habe. Von Wiener Neustadt zu Rapid – das war dann natürlich schon ein großer Schritt. Aber davor habe ich mich Step für Step herangetastet. Jetzt genieße ich das Vertrauen vom Verein und will es auf jeden Fall zurückzahlen. Aber ich bin sicher noch lange nicht am Zenit und in den kommenden Jahren auf jeden Fall noch entwicklungsfähig.

LAOLA1: Du bist defensiv stabil, offensiv aber extrem gefährlich – du bist ja kein gelernter Außenverteidiger. Hat es dich immer schon nach vorne gezogen?

Stangl: Das kommt daher, dass ich früher eigentlich noch eine Etappe weiter vorne gespielt habe. Ich bin dann erst in den letzten Jahren zurückgewandert. Aber im heutigen Fußball ist es sehr wichtig, dass man auch als Außenverteidiger offensiv sehr viel Druck aufbaut. Das ist nicht nur mein Ziel, sondern auch die Spielanlage des Vereins. Ich verstehe mich auch mit Florian Kainz sehr gut. Ich habe ja schon damals in der Sturm-Jugend mit ihm zusammen gespielt. Ich denke, das macht sich durchaus bezahlt.

LAOLA1: Trotzdem ist es als Außenverteidiger sicher eine andere Herangehensweise wie als Mittelfeldspieler. Wie viele Kilometer spulst du gefühlsmäßig pro Spiel mehr ab?

Stangl: Das sind wahrscheinlich einige mehr. Aber, nur offensiv mithelfen und arbeiten geht dann halt nicht, da muss man wieder zurück. Es ist eine Position, die prinzipiell sehr gefragt ist. Ich habe mich damit angefreundet und spiele sie mittlerweile sehr gerne.

LAOLA1: Du hast Florian Kainz angesprochen. Inwiefern hilft es wirklich, einen Vordermann zu haben, mit dem man sich blind versteht und den du schon aus Kindheits-Jahren bei Sturm kennst?

Stangl: Das macht es natürlich um einiges einfacher. Wenn man schon jahrelang von der Jugend an zusammengespielt hat, kennt man sich einfach, weiß die Laufwege des anderen und wie das Zusammenspiel am besten ist. Das ist für uns ein sehr entscheidender Faktor, denke ich.

LAOLA1: Euch verbindet die gemeinsame Zeit in Graz. Wart ihr damals schon befreundet? Und wie eng sind eure beiden Karrieren miteinander verbunden?

Stangl: Freunde waren wir damals schon. Ich habe dann leider den Durchbruch bei Sturm Graz nicht geschafft, Florian schon. Dadurch haben sich dann unsere Wege getrennt. Aber jetzt bin ich froh, dass ich an anderem Ort und anderer Stelle wieder mit ihm zusammen spielen kann.

LAOLA1: Kainz hat zuletzt erzählt, dass ihr beide eigentlich immer auf einem ähnlichen Level gewesen seid. Es wäre damals eine 50:50-Entscheidung gewesen, wen von euch Franco Foda 2010 in den Profikader hochzieht. War das wirklich so?

Stangl: Ja, genau. Einer von uns hatte damals eben die Chance, in den Kader aufzurücken. Damals hieß es: Kainz oder ich. Der Trainer hat sich im Endeffekt für den Florian entschieden. Aber ich bin es keinem neidig. Ich bin froh, dass ich trotzdem dort hingekommen bin, wo ich jetzt stehe und genieße die Erfolge mit Rapid.

LAOLA1: Kainz hatte somit in dieser Situation vielleicht mehr Glück. Hat dich das im Nachhinein gesehen in deiner Entwicklung zurückgeworfen?

Stangl: Natürlich ist es für einen jungen Spieler nicht einfach, wenn man nicht spielt oder nicht drankommt. Aber ich habe es dann über Umwege versucht und war dann in einer Lage, in der es vielleicht nicht so leicht war. Ich wollte immer bei so einem großen Verein spielen, aber dass es über so viele Umwege passiert, hätte ich mir damals nicht gedacht. Aber es war dann halt so. Wenn ich noch einmal Profi werden müsste, würde ich es aber wahrscheinlich gleich machen – wenn es nicht vom ersten Schritt an bei meinem Verein klappt.

LAOLA1: Der Wunsch, irgendwann einmal mit Kainz gemeinsam eine gefährliche Außenbahn zu bilden – wie jetzt bei Rapid - , war somit schon früher vorhanden.

Stangl: Auf alle Fälle. Das war damals schon bei Sturm Graz das große Ziel. Es ist dann leider nicht so gekommen, wie ich es geplant hatte. Aber ich brauche jetzt nichts nachtrauern. Ich bin sehr glücklich, dass ich jetzt für Rapid spielen darf – zusammen mit Florian.

LAOLA1: Aufgrund deiner starken Leistungen sollst du im August vor deinem Muskelfaserriss bereits vor einer Nominierung für das ÖFB-Team gestanden sein. Wie schade ist es auf der einen Seite und wie erstrebenswert ist dieses Ziel auf der anderen Seite für die Zukunft?

Stangl: Ich glaube, dass das für jeden Österreicher das Ziel sein muss. Wenn man sich die Entwicklung des Nationalteams vor Augen führt, ist das schon sehenswert. Für sein eigenes Land zu spielen, ist natürlich ein großes Ziel und ein Traum. Man muss aber Woche für Woche seine Leistung abrufen, dann wird man einberufen oder nicht. Das kann ich nicht entscheiden, deshalb kümmere ich mich noch nicht darum. Wichtig ist, dass ich mich bei Rapid gut präsentiere.

LAOLA1: Möglicherweise gibt es dann irgendwann eine linke Seite mit Kainz und dir – für Rapid und Österreich.

Stangl: Das wäre natürlich ein Traum.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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