Gegner, wohin man schaut

Aufmacherbild
 

"Können nicht das beste Mittelfeld der Liga ersetzen"

Aufmacherbild
 

Ausfälle machen erfinderisch. So macht es zumindest bei Sturm Graz den Eindruck.

Neben den Langzeitverletzten Gratzei, Koch, Weinberger und Foda mussten auch Dudic, Weber (beide gesperrt), Säumel und Klem (beide verletzt) gegen Rapid passen.

Vor allem der Ausfall des zentralen Mittelfelds machte den Grazern zu schaffen. Somit durfte sich Flügelspieler Joachim Standfest in der Zentrale versuchen.

„Natürlich ist es für ihn ungewohnt, aber trotzdem hat er seine Sache nicht so schlecht gemacht. Er ist halt ein ganz anderer Spielertyp“, analysierte Trainer Franco Foda nach dem 2:3 gegen Rapid.

Wann er zuletzt auf dieser Position Erfahrungen sammelte, warum Säumel und Weber nicht zu ersetzen und Verteidiger „arme Schweine“ sind, verrät der 31-Jährige im Gespräch mit LAOLA1.

LAOLA1: Mit dem 2:3 wurde Sturms Aufwärtstrend vorerst gestoppt. Was ist gegen Rapid schief gelaufen?

Joachim Standfest: Rapid war einfach besser, das muss man so sagen. Auch wenn wir das 3:3 gemacht hätten, war Rapid ganz klar stärker.

LAOLA1: Wie aus dem Nichts hat es Sturm noch spannend gemacht. Warum ist man erst so spät aufgewacht?

Standfest: Rapid ist besser gestartet und hat in der ersten Halbzeit viel mehr riskiert. Wir sind überhaupt nicht ins Spiel gekommen und haben die Ausfälle in der Mitte überhaupt nicht verkraftet, da sieht man wie wichtig Jürgen Säumel und Manuel Weber für unser Spiel sind. Die haben wir einfach nicht ersetzen können. Wenn man keinen Spielaufbau hat, ist es schwer, Druck zu erzeugen.

LAOLA1: Mit der Niederlage habt ihr den Anschluss nach vorne etwas verloren…

Standfest: Das haben wir letzte Runde auch schon gehabt, aber wir werden nicht aufgeben und uns bis zum Winter durchbeißen. Wir werden von Spiel zu Spiel schauen und versuchen, auf die Siegerstraße zurückzukehren.

LAOLA1: Wie ungewohnt war es für dich als Flügelspieler im Zentrum aufzulaufen?

Standfest: Es ist natürlich immer schwierig, wenn man von der Seite in die Mitte hineinrückt. Auf einmal laufen Leute von der Seite, von hinten und von überall daher, was ich normalerweise nicht gewöhnt bin. Ich habe versucht, so wenig Fehler wie möglich zu machen, die Räume zu schließen und in die Zweikämpfe zu kommen. Ich glaube, das ist in der ersten Halbzeit einige Male nicht so schlecht gelungen. Aber für das Spiel nach vorne ist das einfach zu wenig. Da fehlt mir auch die Spielpraxis. Auf der Position bin ich von der Qualität von Manuel Weber und Jürgen Säumel ziemlich weit weg.

LAOLA1: So richtig wohl fühlst du dich im Zentrum also nicht?

Standfest: Schwer zu sagen. Es ist halt eine Gewöhnungssache. Man kann nicht einfach herumwechseln, wie man es braucht. Das ist eine sehr wichtige Position.

LAOLA1: Vorgesehen war wohl, dass du die Kreise von Steffen Hofmann störst, der dann verletzungsbedingt ausgefallen ist.

Standfest: Natürlich wäre das meine Aufgabe gewesen, aber dafür ist Thomas Prager über die Mitte gekommen. Wenn der in Form ist, ist er nicht viel unter Hofmann zu stellen. Es ist dann vor dem Spiel auch noch Klem ausgefallen. Irgendjemand hat sich hinstellen müssen.

LAOLA1: Bist du der Meinung, dass vor allem im Defensivbereich die Spritzigkeit fehlte?

Standfest: Gerade das sehe ich anders. Wir haben von vorne weg nicht richtig gegen den Ball gearbeitet, dann schauen die vier hinten immer blöd aus. Da kannst du so spritzig sein, wie du willst. Wenn die mit Tempo auf dich zukommen, dann hast du es immer schwer. Wenn das vorne nicht funktioniert, dann sind die Verteidiger arme Schweine.

LAOLA1: Fehlt es an der Breite im Kader oder ist diese Vielzahl an Ausfällen in den vergangenen Wochen einfach nicht kompensierbar?

Standfest: Das zieht sich wirklich schon sehr lange. Für eine österreichische Mannschaft ist das aber auch eine Budgetfrage. Man kann nicht zwanzig Spieler mit gleicher Qualität haben, das ist einfach unmöglich. Wir konnten es sehr oft gut kompensieren, aber irgendwann erwischt man einen Tag, wo es nicht mehr geht. Wenn man dann noch Säumel und Weber vorgeben muss, die wahrscheinlich das beste Mittelfeld in der Bundesliga bilden, dann würde es für keine Mannschaft leicht sein, die zu ersetzen.

LAOLA1: Wie sehr schadet es dem Team, dass man sich durch die Rotation immer wieder neu einstellen muss?

Standfest: Das gehört im Fußball dazu. Im letzten Jahr haben wir das Glück gehabt, dass wir wenige Verletzte hatten und wenig rotieren mussten. Die, die hineingekommen sind, haben immer gleich eingeschlagen. Heuer ist das ein bisschen anders. Damit muss man einfach leben.

Alexander Karper

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen