"Könnte mentales Problem sein"

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"Der Trainer lässt die Mannschaft Ideen einbringen"

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Sieben Niederlagen aus den vergangenen neun Ligaspielen und die Rote Laterne.

In Kapfenberg läuft es derzeit so überhaupt nicht.

„Wir sind zum Schluss gekommen, dass es ein mentales Problem sein könnte“, erzählt Robert Gucher im LAOLA1-Interview.

Der 20-Jährige berichtet von der Fehler-Analyse, dem fehlenden Siegeswillen und dem Hintanstellen von persönlichen Interessen.

LAOLA1: Wie geht ihr damit um, auf dem letzten Tabellenplatz zu stehen?

Robert Gucher: Natürlich ist es schwierig, auf dem letzten Platz zu stehen. Aber wir versuchen, das Bestmögliche daraus zu machen. Wir nehmen uns die Admira-Leistung als Richtlinie dafür, was wir zu leisten im Stande sind – diese Spielfreude wollen wir wieder zeigen. Wir haben in dieser Woche versucht, das Spiel gegen Wr. Neustadt so schnell wie möglich abzuhaken und uns auf die Austria zu konzentrieren.

LAOLA1: Euer Trainer, Werner Gregoritsch, gilt als sehr emotional. Ich kann mir vorstellen, dass es bei euch in der Kabine zuletzt immer wieder sehr laut geworden ist.

Gucher: Das würde ich gar nicht sagen. Wir probieren, zusammenzuhalten, an einem Strang zu ziehen und die Fehler, die wir machen, gemeinsam auszubessern. Der Trainer lässt die Mannschaft Ideen einbringen. Wir stehen auf dem Feld und versuchen deshalb, die Fehler zu analysieren. Das klappt ganz gut.

LAOLA1: Was hat die Fehler-Analyse ergeben? Wo liegen eure Probleme?

Gucher: Es ist schwer, das zu sagen. Wir haben Mattersburg daheim geschlagen, verlieren dann auswärts in Innsbruck, holen gegen die Admira einen Punkt und haben dann gegen Wr. Neustadt keine Chance. Wir versuchen tagtäglich draufzukommen, was das Problem sein könnte. Durch die Video-Analyse sehen wir natürlich ein paar gravierende Fehler – ob im Spielaufbau oder der Aggressivität, die nicht vorhanden ist. Wir sind zum Schluss gekommen, dass es ein mentales Problem sein könnte. Wir versuchen, das hinzukriegen und uns so auf ein Spiel zu fokussieren, dass wir mit dem hundertprozentigen Siegeswillen ins Match gehen. Wir wollen die Zweikämpfe annehmen, darüber ins Spiel finden.

LAOLA1: Du sprichst ein mentales Problem an. Kannst du das konkretisieren? Glaubt ihr derzeit einfach nicht an euch?

Gucher: Wir haben eine sehr junge Mannschaft und sind Letzter. Viele von uns waren noch nie in so einer Situation. Zudem kommt Kritik von außen. Wir versuchen, uns nur mit uns selbst zu beschäftigen und das nicht an uns heranzulassen. Wir setzen uns in den Kopf, dass wir da nur gemeinsam wieder rauskommen können, dass wir eine Einheit sind.

LAOLA1: Euer Präsident, Erwin Fuchs, kündigt in der Samstags-Ausgabe der „Kleinen Zeitung“ sieben Abgänge im Winter an. Ist so etwas in der aktuellen Situation förderlich?

Gucher: Davon höre ich zum ersten Mal, das war auch in der Kabine kein Thema. Präsident und Trainer haben mit uns gesprochen – wir wissen, was Fakt ist. Beide sind auf unserer Seite.

LAOLA1: Jetzt geht es gegen die Austria. Ist es ein Vorteil, dass niemand an euch glaubt?

Gucher: Das ist schon die ganze Woche unser Gedanke: Wir haben daheim gegen die Austria und danach auswärts gegen Sturm nichts zu verlieren. Keiner rechnet mit irgendetwas. Wahrscheinlich traut uns nicht einmal der ärgste Fan etwas zu.

LAOLA1: Dabei habt ihr die vergangenen vier Heimspiele gegen die Austria nicht mehr verloren…

Gucher: Genau! Wir wissen, dass die Austria nicht gerne zu uns kommt. Die wissen, dass wir uns richtig reinhauen, dass hier sehr zweikampfbetont gespielt wird. Für sie war es hier immer sehr, sehr schwer.

LAOLA1: Persönlich bist du mit dem Verlauf der bisherigen Saison wohl auch nicht sonderlich glücklich, oder?

Gucher: Ich kann nicht zufrieden sein. Wobei man sagen muss, dass ich die ersten Runden wegen der U20-WM in Kolumbien verpasst habe. Danach habe ich fünf Spiele gespielt, da ist es für mich persönlich eigentlich sehr gut gelaufen. Aber ich stelle meine Leistung in den Hintergrund. Es ist mir lieber, ich spiele schlecht und wir gewinnen öfter.

LAOLA1: Weißt du, warum du zuletzt zwei Mal nur auf der Bank gesessen bist?

Gucher: Genau weiß ich es nicht. Der Trainer wird wahrscheinlich andere Überlegungen haben. Wir haben einen großen, ausgeglichenen Kader. Nach dem Spiel in Innsbruck haben wir auf ein anderes System umgestellt. Da musste ein Mittelfeldspieler raus – das war ich. Ich nehme das hin und warte auf den Zeitpunkt, zu dem mich der Trainer wieder braucht. Wenn es soweit ist, werde ich zu 100 Prozent da sein.

LAOLA1: In dieser Situation muss man wohl grundsätzlich persönliche Interessen hintanstellen…

Gucher: So ist es. Keiner ist in der Lage, zu sagen: Ich bin so stark, dass ich immer spielen muss. So einen Spieler gibt es bei uns nicht. Jeder stellt sich in den Dienst der Mannschaft.


Das Gespräch führte Harald Prantl

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