"Er hat es super im Griff"

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LAOLA1: Folglich gibt es keine Vertragsverlängerungen bei Ihnen. Müssen Sie dementsprechend auf den Präsidenten warten, dass er eine Verbesserung des Gehalts vorschlägt?

Reiter: So stark bin ich, dass ich das von mir aus mache (grinst). Aber da bin ich auch realistisch und mache das nur im Rahmen des Budgets.

LAOLA1: Wann war dies etwa der Fall? Nach dem Cup-Sieg 2011?

Reiter: Ja, da war das so. Das war aber damals die erste Gehaltserhöhung seit meiner Rückkehr nach Ried. Die letzte wird es aber auch nicht sein (lacht).

LAOLA1: Vielleicht nach der ersten Meisterschaft. Ist der Gedanke absurd, nämlich dass ein Klub wie Ried Meister werden kann?

Reiter: Es ist einfach leider völlig unrealistisch. Alleine schon wegen Salzburg, aber auch weil sich die Austria nun zu einer zweiten Großmacht entwickelt hat, wo sie mit den CL-Millionen sehr vernünftig umgehen wird. Sie hat die vergangenen Jahre eine super Kader-Politik gemacht. Da sind viele Spieler hingegangen, die ich auch wollte, wirtschaftlich kommt man aber nicht mit. Das alles muss man akzeptieren und realistisch bleiben.

LAOLA1: Mehr Spitzenspiel als Ried-Salzburg geht aktuell nicht. Wie gehen Sie in diese Partie?

Reiter: Das ist die Aufgabe des Trainers und da mische ich mich auch nicht ein. Das habe ich nie getan. Ich bespreche mich nur nach dem Spiel mit den Trainern und frage nach. Aber sonst halte ich mich da raus, sonst müsste ich ja selbst Trainer sein.

LAOLA1: Was Sie ja waren.

Reiter: Ja, damals im Amateur- und Nachwuchs-Bereich. Das war ich auch sehr gerne. Vor sechs, sieben Jahren war ich für drei Monate U10-Trainer, weil wir plötzlich Bedarf hatten. Das hätte ich auch gerne weitergemacht, ließ sich aber nicht vereinbaren. Da darfst du als Trainer auch nie fehlen.

LAOLA1: Apropos Trainer: Wann haben Sie zum ersten Mal gewusst, den Michael Angerschmid irgendwann Chefcoach der SV Ried wird?

Reiter: Er war fünf Jahre zuvor Amateur-Trainer, das war der ganz richtige und entscheidende Weg für ihn. Als Spieler hatte er nicht den Einblick, wie im Verein gearbeitet wird. Das hat sich dann geändert. Während dieser Tätigkeit, fiel mir seine Stärke hinsichtlich der Entwicklung von Spielern auf. Das ist für uns wahnsinnig wichtig. Ebenso wie die Rahmenbedingungen der SV Ried zu kennen. Dazu kommt seine Spielphilosophie, die etwas offensiver als jene seiner Vorgänger ausgeprägt ist. Das hat mir ebenso imponiert. Er hat sich den Cheftrainer-Job einfach erarbeitet.

LAOLA1: Kann Angerschmid der nächste Klaus Roitinger, sprich Rieder Langzeit-Trainer, werden?

Reiter: Das ist sicher möglich. Obwohl ich auch überzeugt bin und das steht ihm auch zu, dass er irgendwann von sich aus herkommt und ein Angebot annehmen will. Aber es werden auch weniger erfolgreiche Zeiten kommen, da zeigt sich dann die Stärke eines Trainers, wie man damit umgeht.

LAOLA1: Warum steht Ried aktuell so da, wie es da steht?

Reiter: Es ist die Summe. Angerschmid hat seinen Aufgabenbereich super im Griff, das betrifft auch die Koordination zwischen Profi-, Amateur- und Nachwuchs-Bereich. Er ist immer über alles informiert, auch in der Akademie. Das ist mir auch wichtig. Dafür brauchst du auch ein Trainer-Team. Mit Gerhard Schweitzer, der ein super Assistenz-Trainer ist und auch das und nicht mehr sein will. Er ist akribisch. Sie ergänzen sich sehr gut. Mit Thomas Sageder haben wir einen Top-Mann als Co-Trainer dazugewonnen, der war schon bei uns in der Akademie dabei. Damals konnte ich ihn nicht fix anstellen, weil ich keinen Platz hatte. Ich werfe keinen raus, auch wenn jemand anders besser ist. Das tut man nicht, außer es geht nicht anders. Jetzt ist er aber wieder da und ist für uns in der Trainingssteuerung ein wichtiger Mann. Und der entscheidende Punkt: Der Tormann-Trainer (Hubert Auer folgte anstelle von Werner Pentz, Anm.). Denn da haben wir einen schweren Fehler gemacht. Den wollte ich schon früher korrigieren. Man hat gesehen, wie die Tormann-Leistungen schlechter wurden. Thomas Gebauer war schon de facto Team-Torhüter, wurde es aber deswegen nicht. Jetzt haben wir glücklicherweise Hubert Auer und man sieht, es geht auf. Das ist sein Verdienst. Sein Vorgänger war nicht für den Bundesliga-Fußball geeignet, persönlich hatten wir überhaupt gar kein Problem, aber diesen Fehler muss ich mir ankreiden. Ich hätte früher eingreifen müssen.

LAOLA1: Klingt so, als würden Sie betont zeigen wollen, dass Sie nicht unfehlbar sind.

Reiter: Das war auch ein Fehler von mir, weil ich das Problem ja erkannt hatte. Ich habe es nicht gemacht, damit es auch mitten in der Saison ruhig bleibt. Aber es ist richtig, ich will nicht immer den Anschein erwecken, ich mache alles richtig. Das gefällt mir nicht. Ich mache auch Fehler, man sieht sie eben nicht alle.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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