"Ich dusche vor dem Match eiskalt"

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„Schon als kleiner Bub war es mein Ziel, irgendwann in der Bundesliga zu spielen. Viele haben mir das nicht zugetraut“, sagt Stefan Lainer.

Im Herbst hat sich der 22-Jährige seinen Traum erfüllt.

Nach seinem Wechsel vom FC Liefering zur SV Ried wurde der Mann für die rechte Außenbahn auf Anhieb Stammspieler und steigerte sich – wie die gesamte Mannschaft – von Spiel zu Spiel.

Im LAOLA1-Interview spricht der Salzburger über den Einfluss von Papa Leo, sein Ritual vor dem Spiel, seinen Durchhänger als Teenager und wichtige Lektionen der vergangenen Monate.

LAOLA1: Wie war das erste halbe Jahr in der Bundesliga?

Stefan Lainer: Sehr spannend. Ich habe sehr viele neue Eindrücke gewonnen. Es war sehr lehrreich – nicht nur die Spiele, sondern auch die Trainings mit den Kollegen. Ich konnte mir schon das eine oder andere abschauen. Es war auf jeden Fall ein sehr positiver Herbst.

LAOLA1: Was waren deine wichtigsten Lektionen?

Lainer: Man braucht im Fußball eine gute Mischung aus Ruhe am Ball und Aggressivität. Ich profitiere im Fußball ja von meiner Aggressivität. Um ein Top-Spieler zu sein, braucht es aber die Balance. Diesbezüglich kann ich mir von einem Mitspieler wie Oliver Kragl noch viel abschauen.

LAOLA1: Wie gelangst du vor einem Spiel zu dieser aggressiven Stimmung?

Lainer: Privat bin ich ein eher ruhiger Typ. Wenn das Spiel anfängt, bin ich aber ein anderer Mensch. Am Platz kann ich richtig aus mir rausgehen. Es ist wichtig, sich mental auf ein Spiel vorzubereiten. Da spreche ich nicht nur von den Video-Analysen, sondern auch von meinem Ritual.

LAOLA1: Wie sieht das aus?

Lainer: Ich gehe vor dem Spiel immer kalt duschen. Wenn die Spiele erst um 19 Uhr herum beginnen, ist der Tag bis dahin schon sehr lang gewesen. Wenn du den ganzen Tag am Zimmer liegst, kommst du in eine gewisse Müdigkeit hinein. Wenn ich dann vor dem Spiel eiskalt dusche, bin ich ein anderer Mensch. Ich fühle mich danach viel besser.

LAOLA1: 18 Mal in der Startelf, nur einmal ausgewechselt, nur Thomas Gebauer hat mehr Minuten für die SV Ried gemacht – hast du das so erwartet?

Lainer: Das war nicht vorhersehbar. Ich bin froh darüber – vor allem, dass ich verletzungsfrei geblieben bin. Ich denke, dass ich immer halbwegs gute Leistungen gezeigt habe. Im Frühjahr geht es hoffentlich so weiter.

LAOLA1: Wie hast du den Saisonbeginn erlebt? Du bist – genauso wie der Trainer – neu zum Klub gekommen und nach dem Auftaktsieg habt ihr acht Spiele in Folge nicht gewonnen.

Lainer: Ich war das aus Liefering ja auch nicht gewohnt, da sind wir vergangene Saison mit einer Siegesserie gestartet. Es war eine sehr schwere Situation. Wir haben sie aber als Team sehr gut bewältigt. Manchmal lernt man aus den negativen Ereignissen mehr als aus den positiven. Ich denke, das haben wir als Mannschaft auch getan. Wir sind gestärkt aus dieser Negativserie herausgegangen und haben den Spieß umgedreht.

LAOLA1: Dein erstes Bundesliga-Tor im letzten Spiel vor der Winterpause war dann wohl der krönende Abschluss.

Lainer: Da ist ein kleiner Traum wahrgeworden. Schon als kleiner Bub war es mein Ziel, irgendwann in der Bundesliga zu spielen. Viele haben mir das nicht zugetraut. Mit dem Wechsel zur SV Ried habe ich also schon einen kleinen Traum verwirklicht. Und dann war das Tor auch noch so ein schöner Weitschuss genau ins Kreuzeck – das gelingt mir nicht häufig. Ich habe mir das Video seither hin und wieder angeschaut. Und werde es mir vor den nächsten Spielen anschauen – fürs Selbstvertrauen. (lacht)

"Mit Altach war es auch schon ziemlich konkret"

LAOLA1: War es für dich ein Vor- oder ein Nachteil, dass dein Vater Leo Lainer ein sehr bekannter Fußballer in Salzburg war?

Lainer: Ich kenne es nicht anders. Er hat mich in so vielen Dingen unterstützt und mir geholfen. Er ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Entwicklung. Er war immer mit mir trainieren, wir sind so viele Stunden zu zweit am Platz gestanden. Wäre er nicht so ein guter Fußballer gewesen, der mir so viele Sachen zeigen hätte können, würde ich nicht da sein, wo ich jetzt bin.

LAOLA1: Warum hast du dich im Sommer für Ried und gegen Altach entschieden?

Lainer: Es gab von einigen Vereinen Interesse. Mit Altach war es auch schon ziemlich konkret. Mein Gefühl hat mir aber gesagt, dass Ried perfekt ist. Als dann festgestanden ist, dass Oliver Glasner Ried-Trainer wird, war es klar für mich. Ich habe dann allen anderen Klubs abgesagt.

LAOLA1: Aber Ried soll natürlich nicht das Ende der Fahnenstange sein. Was ist deine Traum-Destination?

Lainer: Ich wäre schon sehr froh, wenn ich zu einem großen Klub in Österreich kommen könnte. Deutschland ist mein ganz großer Traum. Man muss aber bescheiden bleiben, ich bin zufrieden, dass ich für Ried spielen darf.

LAOLA1: Wo steht die SV Ried nach 36 Runden?

Lainer: Wir müssen realistisch bleiben. Alle haben erwartet, dass wir einen Europa-League-Platz schaffen. Im ersten Viertel hat man aber gesehen, wie schnell es geht und wie schwierig es ist. Es muss schon wirklich alles passen, damit wir einen Europacup-Platz erreichen. Unmöglich ist es aber auf keinen Fall.

Das Gespräch führte Harald Prantl

LAOLA1: Du hast gesagt, dass dir viele nicht zugetraut haben, es in die Bundesliga zu schaffen. Du hast es aber auch bei dem Verein versucht, bei dem es am schwierigsten ist, zu den Profis zu kommen – in Salzburg.

Lainer: Es ist ja auch ein wenig davon abhängig, wo man aufwächst. Und ich bin eben Salzburger. Und ich habe es in die Red-Bull-Akademie geschafft. Das war auf jeden Fall der richtige Weg. Dort fehlt es dir an gar nichts. Ich konnte mich dort schon sehr gut entwickeln. Was ich meinte: Ich war auch schon davor bei Seekirchen nicht der überragende Spieler und hatte mit 14, 15 Jahren einen kleinen Durchhänger, zudem bin ich verletzungsbedingt ein Jahr ausgefallen. Das waren lauter so kleine Steine, die mir im Weg gelegen sind. Dann haben nicht mehr viele mit mir gerechnet, aber ich hatte von Jahr zu Jahr super Trainer und mich sehr gut entwickelt.

LAOLA1: Wann war dann der Moment, in dem du dir gedacht hast, dass du es wirklich zum Profi-Kicker schaffen kannst?

Lainer: Das ist nicht so einfach zu sagen. Wenn du so acht, neun Jahre alt bist, musst du den anderen fast überlegen sein. Wenn du gewisse körperliche Voraussetzungen nicht mitbringst, hast du gar keine Chance im Profi-Geschäft. Im BNZ war ich aber nicht mehr DER Spieler – da gab es viele gute Spieler. Da habe ich dann ein bisschen blöd geschaut und war sicher nicht einer der besten Spieler. Ich habe aber immer alles für den Fußball getan – nur so war meine Entwicklung möglich.

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