"Dann ist das eine gute Entscheidung"

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Michael Angerschmid wartet und wartet.

Er wartet auf sein Debüt als Cheftrainer in der Bundesliga. Eigentlich hätte es der 38-Jährige schon Mitte Dezember hinter sich bringen können, doch Petrus wollte es anders. Das Heimspiel gegen den WAC musste wetterbedingt abgesagt werden, so begann die Winterpause für die SV Ried verfrüht.

In Belek bereiten sich die Innviertler aktuell auf die Frühjahrssaison vor. Gleich 13 Tage haben die Oberösterreicher gebucht.

Für Angerschmid ändert sich de facto nichts, denn die Vorbereitungsabläufe haben sich in den vergangenen fünfeinhalb Jahren, in denen er im Betreuerstab ist, nur marginal geändert.

Nun ist der Eigenbau-Trainer der „Chef“ – im LAOLA1-Interview spricht er über den Status Quo:

LAOLA1: Ihre erste Vorbereitung als Cheftrainer hat sich wohl kaum zu jener zuvor geändert.

Michael Angerschmid: Nein, denn wir haben ja in den vergangenen Jahren das meiste auch gemeinsam im Team gemacht und so bleiben die Abläufe in Wahrheit ja die gleichen, nur dass ich jetzt mehr vor der Mannschaft stehe, rede und die Letztentscheidung habe.

LAOLA1: Ist es aber vom Gefühl her schon anders?

Angerschmid: Natürlich, das ist schon ein Unterschied, ob du nun als Assistenzcoach oder als Cheftrainer am Platz stehst. Das ist eine ganz normale Geschichte. Aber wir haben früher auch schon immer im Team gut zusammengearbeitet, das funktioniert und es ginge auch ohne gar nicht mehr. Wenn das eine Rad ins andere greift, dann kannst du sicher erfolgreich sein.

LAOLA1: Wie Pep Guardiola müssen Sie monatelang auf ihr Debüt warten. Schon heiß?

Angerschmid: Ja, leider ist das Heimspiel gegen den WAC abgesagt worden.  Dafür kann ich sagen, ich bin über den Winter ungeschlagen geblieben. (lacht) Aber wir freuen uns schon recht, wenn es dann endlich losgeht.

LAOLA1: Für Toni Vastic geht es dann auch los. Inwiefern war das Ihr Wunschspieler?

Angerschmid: Wir waren auf der Suche nach einem Stürmer bzw. Offensivspieler. Das Motto in Ried lautet immer, dass wir zuerst in den eigenen Reihen schauen. Da kommt auch der eine oder andere Gute nach, aber das wäre noch zu früh. Unser zweiter Zugang war, junge Österreicher am Markt zu suchen. Dann hat es sich mit Toni ergeben, er hat ein sehr gutes Potenzial und ist auch Nationalspieler. Wenn du als SV Ried so einen Spieler verpflichten kannst, dann ist das eine gute Entscheidung. Es haben sehr viele den Durchbruch bei uns geschafft, sie haben sich sehr gut weiterentwickelt und beim Toni hoffe ich auf denselben Effekt.

LAOLA1: Im Herbst hattet ihr zwischenzeitlich wegen Verletzungen auf den Verteidiger-Positionen Probleme. Ihr habt nun keinen neuen Abwehrspieler geholt – ein Risiko?

Angerschmid: Nein, wenn die Verletzten zurückkommen, haben wir kein Problem. Wir haben auch verschiedene Varianten in der Vorbereitung zur Verfügung. Im Herbst haben zwar viele Spieler wegen Verletzungen gefehlt, ich denke aber, dass sich das im Frühjahr nicht wiederholen wird.

LAOLA1: Wie geht es vor allem den länger verletzt gewesenen Mario Reiter und Thomas Hinum?

Angerschmid: Da läuft alles perfekt, Thomas Hinum trainiert schon voll mit der Mannschaft, Mario Reiter auch einen Teil. Bei ihm könnte es noch die eine oder andere Woche länger dauern, aber bei Hinum sollte es bis zum Saisonstart kein Problem sein.

LAOLA1: Wenn man Edin Ibrahimovic, den ihr im Sommer raufgezogen hattet, damals sah und ihn sich jetzt anschaut, dann ist das vom körperlichen Standpunkt kein Vergleich.

Angerschmid: Wir haben eine Kraftkammer im Stadion und es gehört zum Verantwortungsbereich jedes Spielers, die auch nützen. Es ist aber ohnehin so, dass im Sommer im Freibad alle gut aussehen wollen und deswegen machen sie das eigenständig. (lacht)

LAOLA1: Wie sehen denn die Ziele bis zum Sommer aus?

Angerschmid: Da gibt es einige. Wir wollen zum einen natürlich das Cup-Spiel (Viertelfinale gegen den LASK) gewinnen, dann wollen wir auch die Weiterentwicklung der Mannschaft erreichen. Wir sind eine sehr junge Mannschaft, die riesiges Potenzial nach oben hat. Da wollen wir ansetzen und den Abstand nach vorne zu den großen Vier nicht nur hinsichtlich der Punkte, sondern auch was den Fußball selbst betrifft, verkleinern.

LAOLA1: Zwei Mal hintereinander hat es die SV Ried in den Europacup geschafft. Ist das auch wieder ein Ziel – vielleicht zum dritten Mal en suite via ÖFB-Cup?

Angerschmid: Auf jeden Fall. Wir haben zwei Mal hintereinander genossen, ein Cup-Finale zu spielen. Das ist ein riesiges Erlebnis für die Spieler und auch die Betreuer. Es gäbe sonst auch noch die Möglichkeit es eventuell über den fünften Platz zu schaffen. Da sind wir auch noch ganz gut dabei. Wenn man die Chance hat, dann sollte man das auch ins Auge fassen und schauen, dass man das erreicht.

LAOLA1: Wie ist Gerhard Schweitzer nun als Co-Trainer?

Angerschmid: Es ist in den letzten Wochen und Monaten vielleicht ein wenig falsch rübergekommen. Gerhard und ich kennen uns schon sehr lange, ich hatte ihn auch schon als Trainer. Wie schon gesagt, geht es darum, dass das Team funktioniert. Wenn es nun zwei Meinungen gibt, dann bin ich eben der, der das entscheidet. Grundsätzlich suchen wir aber nach dem Konsens. Und manchmal ist einfach auch so, dass man als Trainer auf seinen „Co“ hören muss. Das ist kein Problem für mich. Wir arbeiten nun schon fünfeinhalb Jahre im selben Team, da gab es so gut wie kein Problem. Das wird auch in Zukunft nicht der Fall sein.

LAOLA1: Also eine überflüssige Diskussion?

Angerschmid: Ja, für mich ich ist sie sehr überflüssig (lacht).

 

Das Gespräch führten Bernhard Kastler und Harald Prantl

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