Wenn Fußball Nebensache wird

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Ried: Wenn Fußball zur Nebensache wird

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Körperlich waren die Rieder in Kopenhagen natürlich anwesend.

Sie feierten nach dem Schlusspfiff das "Wunder von Bröndby", freuten sich über die sensationelle Aufholjagd und den noch sensationelleren Aufstieg.

Aber innen drin sah es bei Gebauer und Co. anders aus. In Gedanken waren die Spieler ganz bei ihrem Kapitän Oliver Glasner, der mit einem Blutgerinnsel im Krankenhaus lag.

Am Freitag war es dann endlich so weit: Der 36-Jährige durfte wieder nach Hause (hier geht's zur Story).

Ried-Trainer Paul Gludovatz erzählt im LAOLA1-Interview, wie schwer die Zeit für ihn und die Mannschaft war, warum da Fußball zur Nebensache wird, der Umstieg auf den Alltag aber dennoch kein Problem ist.

LAOLA1: Herr Gludovatz, die wichtigste Frage: Wie geht’s Oliver Glasner?

Paul Gludovatz: Ich war mit Oliver in ständigem Kontakt, er durfte am Freitag endlich heim. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Es wird immer besser, er kann schon wieder ein paar Schritte machen. Das ist doch schön, oder?

LAOLA1: Auf jeden Fall. Haben Sie in den letzten Tagen wieder einmal gemerkt, wie nah Freud und Leid beisammen liegen?

Gludovatz: Es ist ja kein Geheimnis, dass sich die Mannschaft in Kopenhagen nur bedingt freuen konnte. Zwei Spieler haben das überhaupt schwer verkraften können. Was mich jetzt freut, ist, dass es innerhalb der Bundesliga eine überwältigende Solidarität gibt.

LAOLA1: Inwiefern?

Gludovatz: Ich war am Mittwoch bei einer Trainer-Tagung der Bundesliga und es hat keinen einzigen gegeben, der nicht nach Oliver gefragt hätte. Das hat mir imponiert. So ein Fall regt doch flächendeckend zum Nachdenken an. Ob alt oder jung, ob Mattersburg oder Altach – mit Sieg oder Niederlage hat das nichts mehr zu tun.

LAOLA1: Wie geht die Mannschaft mit dieser Situation um?

Gludovatz: Das ist sehr unterschiedlich. Olivers Zimmerkollege, Thomas Gebauer, hatte sehr damit zu kämpfen – das hat man ja auch während des Spiels in Kopenhagen gemerkt. Er freut sich, wenn Oliver wieder zurückkommt.

LAOLA1: Haben Sie da auch als Psychologe einwirken müssen?

Gludovatz: Wie gesagt, es gab ganz unterschiedliche Reaktionen. Auch ich habe meine Emotionen in den Griff bekommen müssen. Mannschaftsintern gibt es keine großen Statements, außer Besserungswünsche. Diese Situation wird in kleinen Gruppen aufgearbeitet.

LAOLA1: Glasner wird der Mannschaft nicht nur menschlich, sondern auch sportlich fehlen. Rechnen Sie überhaupt damit, dass er wieder zurückkommt?

Gludovatz: Das will und werde ich nicht beurteilen. Der Fußball ist so kurzlebig. Jetzt geht es darum, dass er mal nach Hause kommt und wieder ganz gesund wird. Alles Weitere ergibt sich von selbst.

LAOLA1: Wie schmerzhaft ist der Ausfall sportlich? Er war doch Kapitän und Abwehrchef.

Gludovatz: Wir haben schon bei Rapid und in Kopenhagen ohne ihn auskommen müssen. Außerdem wollten wir unabhängig von diesem Vorfall noch eine Verstärkung für die linke Abwehrseite. Daran arbeiten wir auch weiter.

LAOLA1: Müssen die Jungen wie Reifeltshammer und Riegler jetzt noch schneller Verantwortung übernehmen?

Gludovatz: Natürlich. Ob sie reif oder weniger reif sind, spielt jetzt keine Rolle. Es gibt ohnehin keine Alternativen. Handlungsbedarf hatten wir auch schon vor Olivers Verletzung.

LAOLA1: Am Sonntag geht es wieder zurück in den Liga-Alltag. Kann man überhaupt nahtlos zum Alltag übergehen?

Gludovatz: Das geht deswegen nahtlos, weil wir am Sonntag auf einen Gegner treffen, der statistisch klar über uns zu stellen ist. Darum denke ich nicht, dass es in irgendeiner Form Aderlässe geben wird. Es ist auch gut, dass wir gleich gegen einen starken Verein spielen.

LAOLA1: Salzburg hat in dieser Saison noch nicht verloren und erst ein Gegentor bekommen. Wie kann man die „Bullen“ knacken?

Gludovatz: Statistisch sind sie momentan weit voraus. Sie haben fünf Brasilianer, die die Offensiv-Qualitäten sehr stark gesteigert haben. Die eine oder andere Mannschaft hat Salzburg trotzdem Schwierigkeiten bereitet und das wollen wir auch schaffen.

LAOLA1: Was hat sich bei Salzburg unter Moniz verändert?

Gludovatz: Momentan sind sie erfolgreicher. Aber wie soll ich Salzburg beurteilen? Ich kann nicht sagen, dass der eine jetzt besser ist als der, der Meister geworden ist und sechs Spiele in der EL-Gruppenphase gewonnen hat. Das kann ich nicht. Das wäre eher eine Frage für Heinz Hochhauser.

LAOLA1: Dann bleiben wir lieber bei Ihrer Mannschaft.

Gludovatz: Bitte darum.

LAOLA1: Wie kann man es verhindern, dass in den Hinterköpfen schon das Eindhoven-Spiel herumschwirrt?

Gludovatz: Wir haben das bislang gut ausblenden können. Das hat man auch im Cup gesehen. Ich habe mich auch überhaupt noch nicht mit PSV beschäftigt.

LAOLA1: Wie schätzen Sie die Chancen gegen so ein Kaliber ein?

Gludovatz: Dass die Chancen nicht besonders hoch sind, wissen wir. Wir sammeln jetzt alle verfügbaren Informationen und geben sie dann ab Montag an die Mannschaft weiter. Dann wird man sehen, was in den beiden Spielen herauskommt.

LAOLA1: Das Tauschen des Heimrechts sehen Sie nicht als Nachteil?

Gludovatz: Das ist eine sportpolitische, vielleicht auch eine finanzpolitische Entscheidung gewesen. Aber wenn ich Vergleiche zum Kopenhagen-Match ziehe, wo wir auch zuerst Heimrecht hatten, ist das kein schlechtes Omen. Es war auch im Hinblick auf die restlichen ÖFB-Vertreter notwendig, dass dieser Tausch erfolgt ist.

Das Interview führte Kurt Vierthaler

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