Lazaro: "Ich wollte immer mehr zeigen"

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Die Image-Kampagne der Bundesliga trägt den Namen „Helden von morgen.“

Eines ihrer Gesichter ist Valentino Lazaro.

Der Mittelfeldspieler von Red Bull Salzburg wurde im März 19 Jahre alt, debütierte aber bereits im Jahr 2012 in der Bundesliga. Und das gegen den kommenden Gegner Admira, gegen den er auch sein erstes BL-Tor erzielte.

Nach diversen Rückschlägen in Form von Verletzungen scheint in diesem Frühjahr der Zeitpunkt gekommen zu sein, dass aus dem Steirer ein „Held von heute“ in Salzburg wird.

Um das zu werden, hat der Offensivspieler auch Real einen Korb gegeben und bis 2019 unterschrieben (Story).

„Wenn ich gesund bin, habe ich das Zeug dazu, dass ich hier spielen kann“, weiß der vierfache ÖFB-Teamspieler.

Beim Interview-Termin mit LAOLA1 spricht Valentino Lazaro über seine fußballerische Herkunft, das Umgehen mit kritischen Stimmen und warum ein Notenschlüssel seine Hand ziert.

LAOLA1: Wie bist du zum Fußball gekommen?

Valentino Lazaro: Ich habe gefühlte zehn Meter von einem Sportplatz entfernt gewohnt. Mein Papa war dort Trainer der U7 und hat mich immer mitgenommen, als ich schon drei Jahre alt war. Mit fünf Jahren wollte ich eigentlich zu Sturm gehen, auch weil mein größerer Bruder dort gespielt hat. Da wurde mir gesagt, dass es erst mit der U7 losginge und ich mit sechs Jahren wiederkommen sollte. Ich wollte nicht warten und bin dann zum GAK gegangen. Mit elf Jahren ist erstmals Red Bull Salzburg an mich herangetreten. Wir haben viele Gespräche geführt, ich habe mir auch alles angesehen, aber es war mir eindeutig noch zu früh. Ich habe es gebraucht, zu Hause zu sein. Als ich 14 Jahre alt war, ging es mit dem GAK bergab und da dachte ich mir, jetzt wäre der richtige Moment. Ein Telefonat hat gereicht, der damalige Nachwuchsleiter machte sich einen Termin frei und binnen weniger Tage war das fixiert. Mit 15 hatte ich meine ersten Einheiten bei den Profis. Das kam schneller als gedacht.

LAOLA1: War es für dich damals schwierig alleine in einer neuen Stadt zurechtzukommen?

Lazaro: Ich bin ins Internat gekommen und habe mich dann eigentlich schnell eingefunden. Für die Mama war es schwieriger als für mich, da ich doch ein recht unabhängiger Mensch bin.

LAOLA1: Du spielst aktuell Rechtsaußen: Wie war das früher?

Lazaro: Ich habe immer zentral im Mittelfeld gespielt und in Salzburg war ich ein Zehner. Wenn man aber in eine höhere Mannschaft kommt, dann übernimmt man nicht das Mittelfeld. Mein erster Einsatz war auf der Außenbahn und seither bin ich dort zu Hause. Ich fühle mich auch wohl, aber man weiß nie, was die Zukunft bringt. Rechtsverteidiger war ich ja auch schon (lacht).

Ein Tattoo mit doppelter Bedeutung

LAOLA1: Beim angesprochenen Spiel gegen die Austria bist du ausgewechselt worden und das halbe Stadion abgegangen. Der Zuspruch der Fans war hör- und sichtbar. Wie hast du es erlebt?

Lazaro: Das war echt ein geiles Gefühl. Da habe ich das erste Mal gemerkt, dass die Zuschauer persönlich auf mich eingehen und meinen Namen rufen. Das hat mir natürlich sehr gefallen.

LAOLA1: Zwei Tattoos entnehme ich deinem Arm. „Don’t quit“ und ein Notenschlüssel – der Auslöser für das erste Tattoo liegt wohl auf der Hand.

Lazaro: Nach dem zweiten Mittelfußbruch habe ich mir das stechen lassen. Ich war bei der U17-EM, hatte Urlaub und am ersten Tag der Vorbereitung meinte Roger Schmidt zu mir, ich soll jetzt wirklich durchstarten, nun soll meine Zeit beginnen. Und im zweiten Training bin ich umgeknickt und war im doppelten Sinn am Boden. Es war wirklich scheiße zu sehen, wie sich alle anderen auf die Saison vorbereiten. Da passt der Spruch auch ganz gut. Zudem habe ich die Buchstaben „Do it“ ausgefüllt.

LAOLA1: Warst du immer schon ein auffälliger Spieler? Wurdest du extra bewacht?

Lazaro: Wir haben früher oft Kleinfeld- oder Hallen-Turniere gespielt und da haben die Gegenspieler manchmal schon gesagt, dass sie nur mich decken sollen. Mich hat das noch weiter angetrieben, zumal mir solche Turniere einfach sehr viel Spaß gemacht haben. Beim GAK hat es damals viele talentierte Spieler gegeben, etwa Andreas Gruber, der nun bei Sturm spielt.

LAOLA1: Wann dachtest du dir das erste Mal, dass du Profi-Fußballer werden willst?

Lazaro: Das allererste Mal kam es mir nach einem Hallenturnier in Graz in den Sinn. Ich wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt, habe den Pokal erhalten, ihn eingepackt und bin heimgefahren. Der Trainer meinte nur, dass ich deswegen auch einmal lächeln könnte. Ich habe das damals gar nicht wirklich wahrgenommen, war auch erst zehn oder elf Jahre alt. Beim nächsten Training war ein Fotograf da, es wurde ein Zeitungsartikel geschrieben und als dann Leute auf mich zukamen, habe ich es wirklich realisiert. Seit diesem Punkt war einfach eine höhere Aufmerksamkeit da.

LAOLA1: Die Erwartungshaltung scheint bei dir stets groß zu sein. Lernt man, damit umzugehen?

Lazaro: Ja, das tut man. Es wird immer wieder kritische Stimmen geben, aber auch genauso viele – wenn nicht mehr – Befürworter. Die geben mir auch die Kraft bei kritischen Stimmen. Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass ich mich immer durchgebissen habe. Es war nie so, dass ich über einen längeren Zeitraum keine Einsätze oder keine Chance bekommen habe. Ich bin mittlerweile drei Mal nach Verletzungen zurückgekommen und das hat mir als Spieler und Mensch einfach viel Kraft gegeben. Denn, wenn ich gesund bin, habe ich das Zeug dazu, dass ich hier spielen kann.

LAOLA1: Wer waren deine bisher wichtigsten Begleiter auf deinem Karriereweg?

Lazaro: Es waren immer die Trainer. Es wurde auch von mir sehr oft mehr gefordert als von den anderen. Ich wollte allerdings immer mehr zeigen – um es eben den Trainern zu beweisen. Das war nicht einfach. Ich bin auch in Salzburg als jüngster Spieler sehr hart rangenommen worden. In meiner Jugend war ich ein spielerischer Typ, habe viele Tricks ausprobiert, etwa von meinem Vorbild Ronaldinho. In Salzburg wollten sie dann mehr von der kämpferischen und effektiven Seite sehen. Sie fragten: Okay, du hast jetzt fünf Spieler im Mittelfeld ausgespielt, aber wo ist der entscheidende Pass? Daran sollte ich arbeiten: Bälle gewinnen, Bälle verteilen und so weiter. Da habe ich zugelegt und ich bin auch froh, dass sie so hart mit mir umgegangen sind. Ich dachte mir oft, dass ich unfair behandelt werde, aber es hat mich weitergebracht. Ich habe im Vergleich zu 2013 oder 2014 einen großen Sprung gemacht. Jetzt bin ich Stammspieler, das will ich bleiben. Und mich weiterentwickeln, denn mit 19 Jahren kann man nicht sagen, dass man sein Potenzial schon ausgeschöpft hat.

LAOLA1: Viel wird über deinen Style gesprochen. Wie ist dein Work-Style abseits des Platzes?

Lazaro: Ich schiebe extra Einheiten, aber weniger was Technik oder etwa Freistöße betrifft, sondern hinsichtlich der Fitness. Da mache ich mir auch an freien Tagen etwas mit unseren Betreuern aus. Das ist mir wichtig geworden. Früher habe ich mehr auf Übersteiger geschaut. Jetzt geht es mehr ums Ausmassieren der Beine oder darum, noch ins Eiswasser zu gehen. Und nach den Verletzungen achte ich auch mehr auf meinen Körper, wenn ich wie etwa beim Spiel gegen die Austria etwas spüre, gehe ich auf Nummer sicher und lasse mich auswechseln.

LAOLA1: Salzburg steht vor dem Gewinn der Meisterschaft. Es wäre eigentlich nicht dein erster Titel.

Lazaro: Bei meiner ersten Tellerübergabe stand ich zuvor einmal im Kader, dennoch war es ein sehr geiles Gefühl. Beim zweiten Mal hatte ich schon einige Einsätze gehabt, aber war nicht richtig im Team. Das ist in dieser Spielzeit anders. Ich war die gesamte Saison dabei, stand immer im Kader, wenn ich nicht gerade verletzt war. Ich war auch oft von Beginn weg dabei. Dieser Titel wäre sicher der, über den ich mich am meisten freuen würde, weil ich am aktivsten mit dabei war.

LAOLA1-Redakteur Bernhard Kastler im Gespräch mit Valentino Lazaro

LAOLA1: Und der Notenschlüssel?

Lazaro: Der gilt allgemein für die Musik, die ich sehr gerne höre und selbst mache. Ich habe gerade ein neues Hobby für mich entdeckt und mache viel mit Beat-Maschinen. Im Sommer will ich dazu einen Kurs machen. Zudem will ich ein Instrument lernen – Gitarre oder Klavier.

LAOLA1: Klavier würde wohl gut in die Mozartstadt passen. Welche Musik hörst du?

Lazaro: Vor allem Hip Hop. Ich habe viele Bands und Interpreten, die mir gefallen. Vor allem aber Drake und Chris Brown.

LAOLA1: Dein letztes Lied vor einem Spiel?

Lazaro: Viele brauchen ja eines, das sie pusht. Ich höre eher ruhigere Lieder, aber es gibt kein spezielles.

LAOLA1: Wovon träumst du?

Lazaro: Ich will irgendwann bei einem Verein sein, mit dem man jedes Jahr Champions League und vor 50.000 Zuschauern spielt. Ich will mittendrin sein im Geschehen, dort, worüber die Welt spricht.

 

Das Interview führte Bernhard Kastler

LAOLA1: Der Wechsel von Kevin Kampl zu Dortmund war im Winter sicher kein Nachteil für dich.

Lazaro: Es war natürlich schwierig, an Kevin (Kampl, Anm.) vorbeizukommen, auch wenn ich mich im Training gut fühlte. Bei seinen Leistungen konnte man ihn auch nicht auf die Bank setzen. Für mich war das zwar hart, aber ich habe es über Umwege geschafft. Erst habe ich Rechtsverteidiger gespielt, nach den Transfers im Herbst war die Chance da und die wollte ich nützen. Die Verletzung war dann bitter und vor allem danach wieder reinzukommen. Etwa im Trainingslager in Katar, wo ich nicht zu 100 Prozent fit war. Jetzt fühle ich mich aber richtig gut, das habe ich in den Trainings und in den Spielen gut auf den Platz bringen können. Ich denke, ich habe die Chance genützt und jetzt gilt es diese zu bestätigen, um in der Position zu sein, in der Kevin vergangene Saison war.

LAOLA1: Christoph Freund (sportlicher Leiter in spe) und Adi Hütter haben viel mit dir gesprochen.

Lazaro: Es musste nicht wirklich sehr viel gesagt werden, sie haben mir einfach den Mut zugesprochen, zumal ich nach der Verletzung alles zerreißen wollte. Speziell in meinem Alter ist man da schnell einmal überehrgeizig. Sie meinten, ich solle mir keinen Stress machen. Ich war geknickt, wenn ich nicht zum Einsatz gekommen bin. Aber sie sagten mir, dass sie genau wüssten, was ich kann und an meiner Fitness arbeiten soll. Sie haben mich einfach gebremst.

LAOLA1: Hütter meinte, du kannst absoluter Publikumsliebling werden. Ist das dein Anspruch?

Lazaro: Mein erster Anspruch ist zu spielen und gute Leistungen zu bringen. Publikumsliebling zu sein, das kommt von außen. Natürlich würde es mich freuen, wenn mich die Fans auch gerne haben. In erster Linie zählt aber der sportliche Aspekt. Ich will einfach meine Leistungen bringen und damit zufrieden sein. Ich bin ein starker Selbstkritiker.

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