Kampl: "Ich darf meinen Traum leben"

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Fischen gehen mit seinem Teamkollegen Alan.

Red Bull Salzburgs Kevin Kampl überrascht nicht nur auf dem Platz seine Gegenspieler, sondern auch Journalisten beim Interview mit seinen Nachmittagsplänen. Ganz und gar nicht überraschend war, dass der 22-Jährige vergangene Saison zu einem echten Liga-Star wurde.

Nicht wegen seiner auffälligen Frisur, die ihm Sprechchöre in allen Stadien beschert („Du hast die Haare schön“), sondern wegen seiner auffälligen Spielweise. Sein Debüt vergangene Saison gegen Ried darf nach wie vor als spektakulär bezeichnet werden. Am Ende der Spielzeit reichte es allerdings nicht zum Happy End.

Doch die titellose Saison liegt hinter Salzburg. Der Blick richtet sich auf die neue Spielzeit, die mit einem 9:0 im ÖFB-Cup bei St. Florian eingeläutet wurde. „Wir sind hungrig und gierig“, sagt der Slowene.

Im großen LAOLA1-Interview holt Kevin Kampl vor Saisonstart aus und erklärt, warum Salzburg noch besser sein wird, er als Kind bei „SternTV“ zu Gast war, seine Mutter wegen ihm noch mit 45 Jahren den Führerschein machte und ihm beim letzten Länderspiel für Slowenien die Tränen kamen.

LAOLA1: Dein Trainer Roger Schmidt meint: „Wenn eine titellose Saison etwas Gutes hat, dann dass der Hunger umso größer ist.“ Das dürfte wohl auch auf die Spieler zutreffen.

Kevin Kampl: Auf jeden Fall. Die Mannschaft brennt darauf, Erfolg zu haben und endlich Titel zu holen. Wir haben noch ein sehr junges Team. Aber wenn man in die Gesichter blickt, dann sieht man, dass sie hungrig und gierig sind. Da werden wir in der Meisterschaft gleich von Beginn weg voll draufgehen und sofort das Zeichen setzen, dass wir den Titel holen wollen.

LAOLA1: Im letzten Viertel wurden bis auf ein Spiel alle gewonnen. Was wird noch besser sein?

Kampl: Es kommt sicher hinzu, dass wir nun schon ein Jahr beisammen sind. In der Vorbereitung konnten wir weiter enger zusammenrücken und neue Dinge einstudieren. Wir wachsen zusammen, das einzige Manko nach Trainingsstart war bislang, dass wir zu viele verletzte oder angeschlagene Spieler hatten. Aber wir können das kompensieren. Wir ziehen an einem Strang, da gibt es keinen, der eine andere Meinung im Kopf hat.

LAOLA1: Das Verbessern der Defensivarbeitet stand im Vordergrund. Trägt die Arbeit bereits Früchte?

Kampl: Absolut. Unsere Offensivspieler arbeiten wirklich gut gegen den Ball, provozieren schon vorne frühe Ballgewinne. In Paderborn (7:2-Testspielsieg, Anm.) haben wir sechs Mal den Ball vorne gewonnen und hatten nicht mehr weit zum Tor. Das brauchen wir auch und tut unserem Spiel gut.

Kevin Kampl bei seinem ersten und einzigen Leverkusen-Spiel als Profi

LAOLA1: Du warst lange Zeit bei Bayer Leverkusen, kamst aber nur zu einem Einsatz bei den Profis unter Jupp Heynckes. Warum hat es nicht zu mehr gereicht?

Kampl: Ich war damals 18 Jahre alt, habe im zentral defensiven Mittelfeld gespielt und da war bei Leverkusen einfach keine Chance für mich. Da haben Simon Rolfes, Arturo Vidal und Michael Ballack gespielt und selbst der saß auf der Bank. Ich war in den beiden Jahren 25 Mal auf der Bank und durfte einmal in der Europa League spielen. In der Saison war Leverkusen auch weit oben in der Tabelle, auf Champions-League-Kurs. Da hast du es als junger Spieler schwer, bist auch am Anfang nervös und es läuft nicht so richtig, wenn du so jung mit solchen Topstars zusammenspielst. Aber es war eine tolle Erfahrung, unter einem Trainer wie Jupp Heynckes überhaupt zu trainieren. Die Jugendarbeit habe ich schon sehr genossen, gehört zu den besten des Landes und ich bin stolz, so lange bei solch einem Verein gespielt zu haben und es auch bis in den Profi-Kader geschafft zu haben. Das ist extrem schwer. Natürlich hätte ich mir mehr gewünscht, ich brach mir gegen Ende der Saison aber auch das Kahnbein. Jupp Heynckes meinte, jetzt hätte ich meine Chance bekommen. Vielleicht hätte ich dann gespielt, wer weiß wie es dann gelaufen wäre. Aber ich bin froh, dass ich bislang noch keine schwere Verletzung hatte, die mich lange zurückgeworfen hat.

LAOLA1: Du bist in Deutschland aufgewachsen, spielst aber für die Heimat deiner Eltern Slowenien. Auch als Dank?

Kampl: Ich habe in der U15 für Slowenien gespielt, hatte aber Probleme, weil es nicht recht professionell abging. Ich bin damals mit dem Reisebus bis zu 18 Stunden nach Slowenien gefahren. Das mit der Schule hinzubekommen, war nicht so einfach. Dann kam in der U17 der DFB auf mich zu, ob ich mir nicht auch deutsche Papiere machen möchte, weil ich nur slowenische hatte. Für mich war aber klar, für Slowenien zu spielen. Mein Vater sagte einmal, sein Traum sei, dass einer seiner Söhne einmal für Slowenien spielt. Darauf habe ich einfach hingearbeitet und gehofft, dass ich wieder zurückgerufen werde. Das war als jüngerer Spieler in der U21 der Fall. Ich wurde dann Stammspieler und wir haben eine wirklich gute Qualifikation gespielt. Jetzt habe ich im A-Team die Chance bekommen, die letzten beiden Spiele von Beginn weg zu spielen. Wir haben beide gewonnen. Mein Papa konnte auch zuschauen kommen. Er sitzt im Rollstuhl (Fußamputation wegen Diabetes, Anm.), kann deswegen nicht nach Salzburg kommen. Wir haben mit Slowenien zuletzt in Bielefeld gegen die Türkei gespielt, da war er dabei und war extrem stolz auf mich. Wir haben gewonnen  und meine Familie und Freunde waren dabei, da sind schon ein paar Tränen gekullert. Das sind solche Tage im Fußball, die ich nie vergessen werde.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

LAOLA1: Mit Yordy Reyna hat die ohnehin schon gut bestückte Offensive noch eine Waffe dazubekommen. Was macht er für einen Eindruck auf dich?

Kampl: Er ist ein super Junge, lacht sehr viel und ist ein freudiger Mensch. Wir haben ihn gleich gut in die Mannschaft aufgenommen. Wir haben eine gute Truppe, da braucht niemand lange, um sich gleich einzufinden. Es macht Spaß, mit Yordy Fußball zu spielen, er ist ein richtiger Zocker und sehr schnell mit und ohne dem Ball. Er ist eine richtige Verstärkung für uns.

LAOLA1: Die Meisterschaft als Ziel ist klar. Muss der Anspruch auch sein, die Liga zu dominieren?

Kampl: Eigentlich schon. Bei der Qualität, die wir haben. Wir haben den besten Kader, das muss man sagen. Aber man sieht auch immer wieder, dass es schwer sein kann, wenn man gegen Teams spielt, die tief stehen. Da muss man immer Lösungen finden, um Tore zu erzielen. Da bringt es nichts, immer den Ball laufen zu lassen. Man muss einfach die Treffer erzielen. Ich denke schon, dass wir den Anspruch haben, uns von Beginn weg oben festzusetzen und uns den Titel nicht nehmen lassen.

LAOLA1: International kommt auf euch die Champions-League-Quali zu. Bereits in der dritten Runde werdet ihr auf einen schwierigen Gegner treffen. Du hast in der vergangenen Saison oftmals betont, dass ihr euch gegen bessere Mannschaften wohl einfacher tun werdet. Inwiefern?

Kampl: Ich glaube eine Mannschaft wird besser, wenn sie die Messlatte hochlegt und gegen Top-Teams spielt. Ich mag es, mich mit sehr guten Mannschaften zu messen. Da siehst du, wie hoch deine Qualität ist und wirst dadurch auch besser. Mit der Qualität, die wir aktuell haben, gehen wir sicher nicht als Favorit in diese Spiele, aber wir müssen uns sicher auch nicht verstecken. Wir haben offensiv und defensiv enorme Qualität und machen das bislang richtig gut. Jetzt gilt es die Feinheiten zu verbessern und dann ist noch einiges drin. Man braucht sicher auch in diesen Spielen ein gewisses Glück, aber sicherlich ist es ein großes Ziel und ein großer Traum für jeden unserer Spieler. Da darf man sich nicht nur 100 sondern 120 Prozent von uns erwarten.

LAOLA1: Am Freitag steigt die Auslosung, du kennst die fünf möglichen Gegner Lyon, St. Petersburg, PSV Eindhoven, Charkiw und PAOK Saloniki. Irgendeinen Wunsch?

Kampl: Von der Qualität her würde ich gerne gegen St. Petersburg spielen, da sind viele Topspieler dabei. Natürlich würde das nicht einfach sein. Wir gehen nicht als Favorit in ein Spiel, aber vielleicht tut uns das auch einmal gut. Bei PSV wäre mein Nationalteam-Kollege Tim Matavz dabei, das wäre reizvoll. Aber ich habe keinen Wunschgegner an sich, wir wollen einfach jeden schlagen.

LAOLA1: Was sind deine persönlichen Ziele für die neue Saison?

Kampl: In erster Linie möchte ich Erfolg mit der Mannschaft haben. Ich bin hierhergekommen, um Titel einzufahren. Das ist mein Traum und mein Ziel. Wir wollen in der kommenden Saison so viel wie möglich erreichen. Ich selbst will mich weiterentwickeln, immer besser werden, alles aus mir herausholen und meinen Beitrag für den Teamerfolg leisten.

LAOLA1: Was fehlt Kevin Kampl noch?

Kampl: Ich muss auf jeden Fall mehr Torgefahr ausstrahlen (grinst). Das ist noch ein großes Manko, obwohl das nicht immer so war. Früher hatte ich immer ziemlich viele Tore geschossen, dann kam ein Knick. Ich habe zwar die Chancen, aber mir versagen offenbar nun die Nerven und ich bin zu nervös. Vielleicht sollte ich öfters einfach draufhalten. Da lerne ich und arbeite dran. An meinem Kopfballspiel kann ich natürlich auch noch arbeiten. Ich hoffe, es wird besser.

LAOLA1: Wann war dieser Knick?

Kampl: Ich habe im Nachwuchs einmal 180 Tore in einer Saison geschossen, die meisten in Deutschland und war deswegen auch bei Günther Jauch in „SternTV“ zu Gast. Ich war damals Mittelstürmer und konnte das auch noch zwei Jahre mit den Toren so fortsetzen. Dann wurde ich zum Rechtsaußen oder zum Zehner, danach war ich fünf, sechs Jahre defensiver Mittelfeldspieler. Da hat es aufgehört. Ich erziele zwar meine vier, fünf Tore, aber nie über sechs. Das soll sich ändern.

LAOLA1: 180 Tore? Ich nehme einmal an, das war im Nachwuchs…

Kampl: Ja (lacht). Das war so Ende F-Jugend, Anfang E- oder D-Jugend (acht bis zehn Jahre). Ich war jedenfalls noch sehr jung und wir haben am Kleinfeld gespielt. Bei Günther Jauch war es sehr schön. Es war auch eine ältere Torfrau zu Gast, die noch mit 75 Jahren bei der Frauen-Mannschaft im Verein gespielt hat und die sich in der Show ins Tor stellte. Da veranstalteten wir ein Elferschießen, wo sich zu der Frau noch die beiden Torhüter aus meinem Verein dazu ins Tor stellten. Da habe ich auch noch getroffen (grinst).

LAOLA1: Bei „SternTV“ schon früh zu Gast und auch mit 22 Jahren schon Medien-Profi. Wie kommt’s?

Kampl: Mir fällt das persönlich gar nicht so auf. Ich hatte bei Salzburg ein Medien-Coaching, das muss man lobend hervorheben (lacht und deutet auf Pressesprecher Christian Kircher, Anm.). Aber ich unterhalte mich gerne über Fußball und ich scheue mich auch nicht vor Interviews. Wenn die Reporter auch noch nett sind, dann macht es noch mehr Spaß (lacht). Manchmal kommen ja ein paar Fragen, auf die man nicht antworten will, aber das gehört dazu.

LAOLA1: Zum Beispiel?

Kampl: Wenn man ein Spiel verliert, ist man natürlich ohnehin schon so sauer und geladen und dann wird nach dem Warum gefragt. In dem Moment will man eigentlich gerade ausrasten, weil man das Spiel verloren hat und da nervt es dann auch ein wenig, weil man so schnell nach der Niederlage nicht weiß, was man sagen soll. Als Spieler schnell die Partie zu analysieren ist nicht immer einfach. Aber die Reporter machen ja auch nur ihren Job (lacht).

LAOLA1: Mein Job ist nun dich zu fragen, wie du eigentlich zum Fußball gekommen bist?

Kampl: Das war sehr früh, ich habe mit drei Jahren und sieben Monaten oder so begonnen. Meine Familie war und ist fußballverrückt. Meine Eltern sind wegen besseren Arbeitschancen früh nach Deutschland gekommen. Meine größeren Brüder waren auch Talente, konnten sehr gut Fußball spielen. Beide konnten aber noch nicht zum Fußball-Training gebracht werden, meine Eltern haben damals viel gearbeitet. Ich hatte einfach das Glück, dass mich meine Brüder oft gefahren haben und auch meine Mutter noch mit 45 Jahren den Führerschein machte, um mich extra nach der Arbeit jeden Tag zum Training zu fahren. Da hatte ich eine starke Familie, die immer hinter mir stand. Das haben sich meine Brüder auch für mich gewünscht, weil sie nie so die Chance bekommen haben. Solche Familien gibt es nicht immer, die so hinter einem stehen und ihre persönlichen Interessen hinter jenen des Sohnes oder Bruders anstellen. Da muss ich ihnen ein riesiges Dankeschön aussprechen. Ohne sie hätte ich das nicht geschafft, dürfte nicht so ein Leben führen und bei einem Verein wie Red Bull Salzburg spielen. Ich darf dank ihnen meinen Traum leben.

LAOLA1: Der sich wie in der Zukunft gestalten soll?

Kampl: Ich bin hier, um mich weiterzuentwickeln. Ich will immer besser werden. Ich weiß, dass ich noch nicht an meiner Grenze bin und ich möchte irgendwann sagen, dass ich an diese gegangen bin. So lang das noch nicht der Fall ist, versuche ich alles aufzusaugen, vor allem was der Trainer sagt. Diese Saison schaue ich aber auch darauf, dass ich durchgehend fit bleibe. Vergangenes Jahr habe ich einige Verletzungen gehabt, wie ich sie zuvor noch nie so hatte. Da wurde ich öfters zurückgeworfen und versuche nun, das besser zu machen, indem ich mehr auf mich achte. Wenn ich mal überlastet bin, dann nehme ich mich auch mal raus, so dass ich über die gesamte Saison fit bleibe.

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