Klein: "Das Ausland scheint ja ein Muss zu sein"

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Wie die Zeit doch vergeht.

Florian Klein ist bereits in seine zehnte Saison als Profi-Fußballer gestartet. Angefangen hat alles beim LASK in seiner Heimat Linz, als sich der damalige Blondschopf mit den langen Haaren in der Ersten Liga als rechter Mittelfeldspieler in die Herzen der Linzer Fans spielte.

Zwei Jahre nach dem Bundesliga-Aufstieg 2007 machte der Oberösterreicher seinen nächsten Schritt und ging zur Wiener Austria, bei der Klein für drei Saisonen unumstrittener Rechtsverteidiger war.

Vergangenen Sommer entschied sich der zweifache Vater dann für Red Bull Salzburg. Just in dieser abgelaufenen Saison wurde sein ehemaliger Klub Meister. In jenem Frühjahr, in dem es für den 26-Jährigen bei den Mozartstädtern ganz und gar nicht nach Wunsch lief. Zum ersten Mal überhaupt.

Am Samstag gastiert die Austria zum frühen Liga-Gipfel in Salzburg. Klein wird sich dabei wohl wieder auf der Bank finden. Im LAOLA1-Interview spricht der 192-fache Bundesliga- und 14-fache ÖFB-Teamspieler über schwierige Zeiten und seine bisherige und zukünftige Karriere.

LAOLA1: Hältst du noch viel Kontakt mit ehemaligen Kollegen von der Wiener Austria?

Florian Klein: Wir sind schon noch eine Gruppe von sieben, acht Leuten, die ständig in Kontakt ist. Man tauscht sich aus und richtet sich auch den Urlaub so, dass man sich nach längerer Zeit wieder sehen kann. Zuletzt waren wir etwa bei der Hochzeit von Manuel Ortlechner im Juni am Wörthersee. Wir haben zudem das Glück, dass wir im Nationalteam sind. Von daher sehen wir uns öfter im Jahr.

LAOLA1: Ist es müßig darüber nachzudenken, die Austria eine Saison zu früh verlassen zu haben?

Klein: Nein. Es ist natürlich schade, ich habe auch mit Sladdi (Zlatko Junuzovic, Anm.) und Jules (Julian Baumgartlinger, Anm.) darüber gesprochen, dass wir weggegangen sind und dann wird die Austria Meister (grinst). Aber sie haben es sich verdient. Man hätte selbst das Ziel auch gerne erreicht, denkt aber nicht daran, dass es dort auch passieren hätte können. Das kann man nicht ändern. Ich versuche heuer mit Salzburg auch Meister zu werden.

LAOLA1: Du bist seit zehn Jahren Profi. Ist deine Karriere bislang nach Wunsch verlaufen?

Klein: Im Fußball kann man ja nur immer schwer planen. Aber ich habe mir schon vorgestellt, dass ich solche Schritte wie bisher mache. Von dem her bin ich zufrieden, aber noch lange nicht am Ende. Ich denke, es ist noch viel drin und freue mich deswegen auf die nächsten Jahre.

LAOLA1: Warum war das erste Jahr für dich in Salzburg nicht zufriedenstellend?

Klein: Man kann es in zwei Hälften teilen. Der Herbst war sehr gut. Am Anfang habe ich zwar ein wenig gebraucht, aber das finde ich nach einem Vereinswechsel normal. Vor allem wenn viele neue Spieler da sind und auch die sportliche Führung eine andere ist. Nach vier, fünf Spielen hat es aber gepasst und die Partien, die ich dann gemacht habe, waren wirklich gut. Da hatte ich auch viel Spaß, das war eine lässige Zeit. Die Vorbereitung auf das Frühjahr war ebenso in Ordnung, aber als Mannschaft haben wir nicht so richtig reingefunden. Wir haben viel remis gespielt, auch vom Spielerischen war es nicht so wie im Herbst. Der Trainer hat dann ein paar Sachen umgestellt und wenn die Mannschaft dann erfolgreich spielt, ist es auch schwierig, wieder reinzukommen. Der Trainer hat so auch keinen großen Grund, um zu wechseln. Wir haben von den letzten neun Spielen acht gewonnen, das sagt einiges aus. Dann sitzt man einmal längere Zeit draußen. Das ist eine schwierige Zeit für mich gewesen und ich hoffe, dass es die nächste Zeit nicht so weitergeht.

LAOLA1: Diese Situation hattest du zum ersten Mal. Eine, die zum Fußball einfach dazugehört?

Klein: Die meisten Fußballer lernen das einmal kennen und es gehört anscheinend dazu. Es hört sich immer blöd an, wenn man sagt, das sei eine wichtige Erfahrung. Es ist aber einfach so. Es bringt auch nichts, wenn man sich einfach hängen lässt oder negative Dinge auf jemanden anderen schiebt. Man muss in dieser Phase einfach cool bleiben und hart an sich arbeiten. Und an sich glauben. Nach einer Zeit denkt man sich, was man falsch gemacht hat oder besser machen hätte können. Der Trainer hat in der Phase der Meisterschaft aber eben eine andere Vorstellung, selbst sieht man das anders. Keiner, der draußen sitzt, ist zufrieden. Es beeinflusst natürlich auch das Privatleben, weil man einfach nicht gut drauf ist. Das ist eine Erfahrung, die ich zum ersten Mal gemacht habe, aber ich hoffe, dass sich das ändern wird. Ich habe auch alles, was ich habe, in die Vorbereitung reingelegt. Dabei auch positives Feedback vom Trainer erhalten. Wir werden diese Saison hoffentlich viele Spiele haben, dann braucht man sowieso jeden Mann.

LAOLA1: Gegen Pasching konntest du deine Chance im Frühjahr nicht nützen. Eine Nachwehe?

Klein: Das könnte natürlich sein. Nachdem umgestellt wurde, bin ich vor diesem Spiel zwei Mal reingekommen, da habe ich auch gut gespielt. Pasching wäre vielleicht die Chance gewesen, wieder in die Mannschaft zu kommen, es hat aber leider nicht funktioniert. Dann wird der Trainer sich wohl gedacht haben, bei Christian (Schwegler, Anm.) zu bleiben. Das muss man dann so hinnehmen.

Florian Klein mit Salzburg-Trainer Roger Schmidt

LAOLA1: Im Herbst geht es im Nationalteam in die heiße Final-Phase der WM-Qualifikation. Dein Vertrag bei Salzburg läuft nach dieser Saison aus. Spürst du in beiden Fällen Druck?

Klein: Natürlich hat man Druck, als Fußballer sowieso in jedem Spiel. Wenn du fünf Spiele gut spielst, aber dann eines nicht, bist du draußen. Das ist das Schwierige, generell im Leistungssport. Natürlich mache ich mir meine Gedanken, wenn ich längere Zeit nicht spiele. Weil dann wird man auf Dauer nicht beim Nationalteam dabei sein können. Im Februar habe ich gegen Wales noch gespielt und war im Verein gesetzt, einen Monat später war beides nicht mehr der Fall. Es hilft zu wissen, dass man im Nationalteam nicht ganz weg ist. Aber Druck entsteht, weil man einfach auch im Nationalteam spielen möchte. Das ist für jeden Fußballer das Größte. Es geht aber nur über den Verein.

LAOLA1: Die meisten deiner ÖFB-Teamkollegen spielen im Ausland. Ist das für dich auch ein Muss?

Klein: Für einen Österreicher ist es scheinbar ein Muss, ins Ausland zu gehen, um sagen zu können, man hat eine gute Karriere gehabt. Und es ist ja auch fast verboten, zu Salzburg zu wechseln. Weil es dann heißt, man hätte im Ausland keine Chance gehabt und ist nur wegen des Geldes hierher gewechselt. Aber bei Salzburg in so einer Mannschaft zu spielen, das ist schon eine Leistung. Wir haben ein spielerisches Vermögen, das auch nicht bei so vielen ausländischen Vereinen zu sehen ist. Wir brauchen uns von der Qualität des Kaders vor nicht allzu vielen Klubs verstecken.

LAOLA1: Umso wichtiger wäre es, das durch internationale Erfolge zu untermauern.

Klein: Natürlich spiegelt es sich noch nicht wider und es war sicherlich nicht förderlich, vergangene Saison gegen Düdelingen auszuscheiden. Aber bislang haben wir in diesem Sommer richtig guten Fußball gezeigt, jetzt müssen wir das auf den Platz bringen. Mit Fenerbahce haben wir einen wirklich guten Gegner, aber das ist vielleicht auch kein Nachteil.

LAOLA1: Abschließend: Dein Vater ist Teammanager beim LASK. Wie geht’s ihm dabei?

Klein: Meistens rede ich mit ihm ja über meine Mutter, weil er fast nicht mehr zu erreichen ist (lacht). Für ihn ist das schon irgendwo ein 24-Stunden-Job, weil es natürlich nicht so professionell läuft wie etwa hier in Salzburg. Er hat viele Bereiche abzudecken. Aber irgendwo ist es auch ein Lebenswerk für ihn (lacht).

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

LAOLA1: Lassen wir weite Einwürfe einmal beiseite, wie siehst du das Duell Schwegler-Klein?

Klein: Man weiß, dass meine Stärken speziell in der Offensive liegen. Das habe ich auch in Salzburg vergangenes Jahr sehr oft bewiesen. Bei uns wird auf der Außenverteidiger-Position sehr offensiv attackiert. Es ist natürlich eine schwierige Position, weil du hinten keine Absicherung hast. Ich höre öfter, dass ich defensiv nicht so gut drauf sei. Ich sehe das anders als so mancher Experte. Christian ist auch ein hervorragender rechter Verteidiger, das hat man gesehen. Er ist sehr solide und macht seine Sache wirklich gut. Wir haben beide unsere Qualitäten und dann kommt es eben auch auf den Gegner oder die Phase an, wie sich der Trainer entscheidet.

LAOLA1: Wie ist das Verhältnis zu Christian Schwegler?

Klein: Wirklich gut. Wir sind auch Sitzpartner in der Kabine, haben viel Kontakt und reden viel. Natürlich ist man ein Konkurrent und schaut auf sich selbst. Aber wir haben viel Respekt voreinander. Und nur weil er spielt, muss ich jetzt nicht heiß auf ihn sein. Es liegt immer an einem selbst. Wenn du einen Fehler machst, dann kann dein Konkurrent ja nichts dafür.

LAOLA1: Positiv ist sicherlich, dass du ob weniger Spielerzeit dennoch im ÖFB-Kader gesetzt bist.

Klein: Das ist natürlich etwas, das richtig gut tut. Das muss man wirklich einmal sagen. Wenn man in einer schwierigen Phase das Vertrauen im Nationalteam erhält, gibt einem das wieder viel Kraft und Motivation. Es zeigt auch, dass man Qualität hat, sonst wäre man nicht einfach wieder so dabei. Der Teamchef hat auch viel mit mir gesprochen und mir gesagt, dass ich positiv bleiben muss und schauen soll, dass ich mich wieder zurückkämpfe. Solche Gespräche tun auch gut.

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