"Ich bin eben kein Egoist"

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Beric: "Jeder Spieler hat einen Karriereplan"

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Die anfängliche Skepsis gegenüber Robert Beric gehört im Rapid-Umfeld längst der Vergangenheit an.

Mit 20 Bundesliga-Treffern hat sich der Slowene nicht nur als einer der besten Bundesliga-Stürmer, sondern auch als heiße Transfer-Aktie etabliert.

Priorität hat zuvor jedoch das Saison-Finish, in dem am kommenden Sonntag ein wahres Fußball-Fest auf dem Programm steht. Wenn Rapid bei Sturm Graz gastiert, ist dies für den Goalgetter gleichzeitig eine Reise in die Vergangenheit.

Anders als zu Grazer Zeiten, verständigt sich Beric inzwischen schon bestens auf Deutsch. Im großen LAOLA1-Interview stellt er dies unter Beweis und spricht unter anderem über egoistische Stürmer, Imagepflege und den Umgang mit Transfer-Gerüchten.

LAOLA1: Du stehst bei 20 Bundesliga-Toren. Hättest du diese Marke erwartet, als du zu Rapid gewechselt bist?

Robert Beric: Ich habe nicht geahnt, dass ich so viele machen werde. Ich hoffe, dass bis zum Ende der Saison noch weitere folgen werden. Aber wichtig ist, dass die Mannschaft gut spielt. Das ist mir wichtiger als meine 20 Tore.

LAOLA1: Wie erklärst du dir, dass es so gut läuft?

Beric: Wir spielen guten, offensiven Fußball. Meine Mitspieler in der Offensive haben wirklich Qualität, egal ob Steffen Hofmann, Deni Alar, Florian Kainz oder Philipp Schobesberger. Ich habe eine gute Bewegung im Strafraum. Aber meine Kollegen machen wirklich gute Assists. Das macht es mir viel, viel leichter.

LAOLA1: Rapid spielt ein anderes System als Sturm in der Vorsaison. Wie schwierig war die Umstellung?

Beric: Es ist ein anderes System, aber ich glaube, für mich ist es das bessere System, denn wir spielen mit nur einem Stürmer. Für mich passt das gut. Als einziger Stürmer wartest du auf Möglichkeiten beziehungsweise lässt du die Bälle zum Achter, Zehner oder Elfer prallen. Vielleicht gibt es auch Spiele, in denen ich nicht so viele Ballkontakte habe. Aber ich kann nichts Schlechtes über dieses System sagen. Wir haben genau die richtigen Spieler dafür.

LAOLA1: Für Rapid läuft es in der Liga sehr gut. Wann war der Moment, als du in dieser Saison gemerkt hast, dass es klick gemacht hat?

Beric: Zu Beginn der Saison hatten wir vielleicht ein bisschen Probleme. Wir waren einige Neuzugänge und in der taktischen Bewegung lief es noch nicht so gut. Das wurde in der zweiten Saisonhälfte besser. Die Mannschaft ist die gleiche wie in der ersten Saisonhälfte, wir haben aber eine gemeinsame Vorbereitung absolviert. Es ist wichtig, dass du diese Zeit bekommst. Trainer Barisic ist ein geduldiger Typ. Das ist sehr gut für uns.

LAOLA1: Wie entscheidend ist Co-Trainer Carsten Jancker für deinen persönlichen Erfolg?

Beric: Für mich ist er sehr wichtig. Er war ein Super-Stürmer, hat eine wirklich hervorragende Karriere hingelegt. Das muss ich ausnützen und so viel wie möglich von ihm lernen.

Beric fühlt sich in Wien auch außerhalb des Platzes wohl

LAOLA1: Du fühlst dich bei Rapid offenkundig sehr wohl. Wie wichtig ist es dir, dass du dich bei einem Verein auch abseits des Platzes wohl fühlst?

Beric: Ich glaube, es ist für jeden Fußballer wichtig, dass dir die Stadt gefällt. Ich bin zufrieden in Wien, alles ist super hier. Ich wohne zehn Minuten vom Stadion entfernt im 2. Bezirk.

LAOLA1: Womit lenkst du dich abseits des Fußballs ab?

Beric: Ich habe einen Hund, gehe nach dem Training gerne mit ihm spazieren. Auch sonst mache ich immer etwas. Wenn meine Freundin zu Besuch ist, gehen wir auch gerne in die Stadt.

LAOLA1: Bist du ein Familienmensch?

Beric: Familie ist für jeden Menschen sehr wichtig, so ist es auch bei mir. Meine Familie kommt ab und zu nach Wien und sieht sich Rapid-Spiele an. Das ist mir schon sehr wichtig.

LAOLA1: Inwiefern muss man sich als Fußballer überlegen, wie viel Privates man preis gibt. Du bist weder bei Twitter noch hast du einen Facebook-Auftritt. Ist das eine bewusste Entscheidung?

Beric: Ja. Ich will das nicht haben, nicht Facebook, nicht Instragram. Aus meiner Sicht ist das dumm. Viele Kinder haben Facebook oder Instagram und schauen immer nur auf ihre Handys und schreiben irgendetwas. Diese moderne Technologie gefällt mir nicht.

Bei Sturm wurde Beric nicht glücklich

LAOLA1: Auch dein Ex-Verein Sturm Graz mischt in diesem Kampf mit. Besteht noch Kontakt nach Graz?

Beric: Ich habe zu keinem Spieler von Sturm Kontakt. Die Spieler wie Aleksandar Todorovski, Nikola Vujadinovic oder Tomislav Barbaric, mit denen ich viel Zeit verbracht habe, sind alle weg. Ich habe bei Sturm noch nicht so viel Deutsch gesprochen, also war es schwierig, zu allen anderen Kontakt aufzubauen.

LAOLA1: Bist du überrascht, wie gut sich Sturm entwickelt hat? Als du in Graz gespielt hast, war es eine schwierige Saison. Inzwischen ist Stabilität eingekehrt.

Beric: Als ich dort war, habe ich gesehen, dass jeder Spieler Qualität hat. Ehrlich, ich weiß nicht, was letztes Jahr los war, warum wir so schlecht gespielt haben. Wir hatten wirklich keine gute Saison und Probleme. Am Ende waren wir Fünfter. Das war nicht so gut.

LAOLA1: Das Stadion in Liebenau ist für das direkte Duell längst ausverkauft. Wie emotional wird diese Rückkehr?

Beric: Sicher ist es ein spezielles Spiel für mich. Das war mein erster Verein in der Bundesliga. Aber ich muss hundertprozentig im Spiel bleiben und die Fans auf die Seite schieben. Ich hoffe, dass wir das Spiel gegen Sturm gewinnen.

LAOLA1: Wäre es schlimm für dich, wenn Sturm am Ende der Saison vor Rapid steht?

Beric (schmunzelt): Ich glaube, das wäre nicht nur für mich schlimm, sondern für alle bei Rapid. Aber ich hoffe, dass das nicht passiert.


Das Gespräch führten Alexander Karper und Peter Altmann

LAOLA1: Trainer Barisic hat scherzhaft gesagt, dass du Jancker im Training auch schon mal auf die Nerven gehst, weil du nicht aufhören möchtest zu trainieren. Stimmt das? Und wo hilft er dir speziell?

Beric: Ich habe gesagt, ich will jederzeit extra etwas mit ihm machen. Ich möchte etwas lernen, und er hilft mir da sehr. Ich bin zum Beispiel nicht so gut in Kopfball-Duellen. Carsten war dagegen ein perfekter Stürmer für Kopfbälle. Hier habe ich noch viel zu machen. Auch mit dem linken Fuß muss ich noch viel besser werden.

LAOLA1: Du hast vergangenen August in einem Interview mit „Sturm12“ gesagt, dass du nicht zu 100 Prozent ein Goalgetter bist. Kann man diese Aussage nach 20 Toren noch stehen lassen?

Beric: Ich habe das gesagt, weil es mir persönlich wichtiger ist, dass meine Mannschaft jedes Spiel gewinnt. Ob ich ein Tor mache oder kein Tor mache, ist nicht so wichtig. An der ersten Stelle steht meine Mannschaft, der SK Rapid, erst danach kommen die Tore und alles andere. Für richtige Stürmer sind nur Tore wichtig. Ich glaube, ich bin nicht so egoistisch.

LAOLA1: Muss ein Stürmer nicht ein wenig egoistisch sein? Du trägst ja auch die Verantwortung, Tore zu erzielen…

Beric: Ich weiß nicht. Wenn man sich Gonzalo Higuain, Karim Benzema oder Arjen Robben anschaut, das sind vom Typ her alles egoistische Spieler. Ich bin eben nicht so sehr der Egoist (schmunzelt). Aber das sind Topklasse-Spieler, wie etwa auch Luis Suarez. Da kann ich etwas lernen. Jeder hat das gewisse Extra, das ihn auszeichnet.

LAOLA1: Das heißt, wenn du zum Beispiel Champions League schaust, achtest du speziell auf die Stürmer, wie sie ihr Spiel anlegen?

Beric: Ich schaue natürlich darauf, wie in gewissen Situationen die Bewegung des Stürmers ist. Aber ich glaube, das macht jeder Spieler, wenn er Fußball schaut, dass er sich die Akteure auf seiner jeweiligen Position anschaut. Und ich schaue eben mehr nach vorne als nach hinten.

LAOLA1: Es gibt wohl Vor- und Nachteile. Es wäre eine Möglichkeit, Kontakt mit den Fans zu haben. Andererseits besteht die Gefahr, beschimpft zu werden, wenn man fünf Spiele lang nicht trifft. Ist es so gesehen auch ein bisschen Selbstschutz?

Beric: Ich weiß, wenn ich schlecht spiele. Ich brauche keinen Fan, der mir sagt: „Du bist schlecht.“ Jeder Spieler weiß, wann er nicht seine Leistung gebracht hat.

LAOLA1: Für viele geht es hier auch um Imagepflege. Beginnend mit Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi hat jeder Profi sein Image. Wie wichtig ist das für einen Fußballer?

Beric: Das sind große, große Stars. Meiner Meinung nach machen wir unser Image nur auf dem Platz und nicht außerhalb. Dein Image hängt davon ab, wie gut du spielst. Aber okay, dann gibt es Mario Balotelli – da ist es etwas anderes (lacht).

LAOLA1: Du bist also das genaue Gegenteil von Balotelli?

Beric (lacht): Ich hoffe!

LAOLA1: Dir ist es also unter dem Strich wichtig, dass nicht jeder alles von dir weiß.

Beric: Definitiv. Ich will mein Privatleben haben. Es muss nicht jeder Fan wissen, was ich in jeder einzelnen Minute mache.

LAOLA1: Hast du eigentlich einen Karriereplan?

Beric: Ja. Ich glaube, jeder Spieler hat einen Karriereplan. Jeder Spieler hat einen Wunsch oder ein Ziel, wo er spielen will, was sein Top-Niveau ist. Das habe ich auch, und ich hoffe, ich komme dorthin.

LAOLA1: Was steht am Ende dieses Karriereplans?

Beric: Das will ich hier nicht sagen. Ich bin jetzt bei Rapid, und es ist sehr wichtig, dass ich mit dem Kopf zu 100 Prozent bei Rapid bin.

LAOLA1: Du weißt natürlich, dass Gerüchte zum Fußball gehören. Auch um dich gibt es ständig Gerüchte. Wie sehr muss man diese wegblocken?

Beric: Das ist normal, das ist Fußball. Es kommt ständig etwas von Seite der Journalisten, sie schreiben immer etwas. Das muss ich beiseitelassen und mich ausschließlich auf den Fußball konzentrieren.

LAOLA1: Das heißt, wenn du vom Interesse von Werder Bremen oder Schalke 04 liest, ist es keine Ablenkung?

Beric: Das habe ich schon in Slowenien erlebt. Die Journalisten schreiben immer von vielen Klubs, die einen haben wollen. Aber das sind nur die Medien. Da weiß man nie, was wahr und was nicht korrekt ist. Erst wenn jemand konkret zu meinem Manager oder zum Verein kommt, gibt es eine Besprechung. Erst dann ist es wichtig.

LAOLA1: Könntest du dir überhaupt vorstellen, Rapid schon nach einem Jahr wieder zu verlassen? Es wäre dein dritter Wechsel in drei Saisonen.

Beric: Wie gesagt: Ich denke nicht so weit nach vorne. Zuerst haben wir noch sechs sehr wichtige Spiele in der Meisterschaft, um unser Ziel – den zweiten Platz  - zu erreichen. Sturm ist in der Nähe, hat nur zwei Punkte Rückstand. Nicht nur ich, die ganze Mannschaft muss mit dem Kopf zu 100 Prozent bei der Meisterschaft sein.

LAOLA1: Welche Ziele möchtest du bei Rapid generell noch erreichen, bevor du zu einem anderen Verein gehst?

Beric: Ich will jetzt einmal Zweiter werden und dann probieren, dass wir vielleicht in die Champions League kommen. Dieses Ziel hat hier jeder.

LAOLA1: Der Meistertitel ist nach dem Admira-Spiel endgültig abgehakt?

Beric: Der Meistertitel ist schwer. Wir haben acht Punkte Rückstand, es stehen noch sechs Spiele auf dem Programm. Salzburg hat eine gute Mannschaft. Aber unter den ersten Vier ist es sehr knapp. Wir können theoretisch Meister, aber auch nur Vierter werden.

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